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[Portrait] FC Chelsea

5. Juni 2009, 15:33 geschrieben von Elbefohlen, abgelegt unter Portraits, Int-Fussball.

Die Geschichte des FC Chelsea


Chelsea FC

Der FC Chelsea hat sich seit der Übernahme von Roman Abramowitsch zu einem der stärksten Fußballklubs der Welt entwickelt und steht im Fokus der Öffentlichkeit. Grund genug für unser Magazin, den Werdegang des Londoner Traditionsvereins zu beleuchten und ein Portrait zu erstellen.

Hier findet ihr ausführliche Portraits vom FC Liverpool und von Manchester United

Inhalt – klick auf das gewünschte Thema

Die Historie Die ersten Erfolge Die Auferstehung
Die Ära Abramowitsch José Mourinho – simply the best! “Notnagel” Grant
Scolari floppt, Hiddink toppt Carlo Ancelottis Traumeinstand – das Double 2010 Die Stamford Bridge
Die Helden Der aktuelle Kader Alle Erfolge auf einen Blick

Die Historie

Der FC Chelsea wurde am 14. März 1905 von den Mears-Brüdern in einer Kneipe gegründet. “The Rising Sun Pub”, aus dem das heutige “The Butchers Hook” hervorging, liegt an der Fulham Road, direkt gegenüber dem Haupteingang zur Stamford Brigde. Doch warum heißt der Verein Chelsea, wenn er doch eigentlich in Fulham beheimatet ist? Dieses Fakt lässt sich wie folgt erklären: Die wohlhabenden Londoner Geschäftsmänner, Gus und Joseph Mears, erwarben bereits 1904 die Stamford Bridge, um auf dem Gelände ein Fußball-Stadion zu errichten und dieses dann zu vermarkten.

So unterbreiteten sie dem bereits existierenden FC Fulham den Vorschlag, künftig dort seine Heimspiele auszutragen. Doch der Club schlug das Angebot aus. Infolge dieser Entscheidung trafen die Brüder den Entschluss, einen eigenen Verein zu gründen. Weil Fulham als Name ausfiel, entschied man sich letztlich für Chelsea, da die Fulham Road die Verbindungsstraße zwischen Fulham und Chelsea ist. Der neue Verein wurde am 29. Mai 1905 in die zweite Liga eingegliedert. Der FC Chelsea verlor sein erstes offizielles Spiel am 02. September in Stockport mit 0:1.

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Die ersten Erfolge

Bis auf das FA Cup-Finale 1915, in dem man gegen Sheffield United den Kürzeren zog, gab es für den Verein lange Zeit keinerlei Titel zu gewinnen. Der erste große Erfolg war dann der Gewinn der englischen Meisterschaft im Jahre 1955 – genau 50 Jahre nach der Gründung. Mit einem 3:0 Sieg gegen Sheffield Wednesday wurde am 23. April der Titel an die Stamford Bridge geholt. Neben dem umtriebigen Manager Ted Drake, der die veralteten Konturen im Verein aufbrach und dem der FC Chelsea seinen heutigen Nickname, The Blues verdankt, war Mittelstürmer Roy Bentley die zentrale Figur der Meistermannschaft.

Der Kapitän steuerte 21 Treffer zum Gewinn der Trophäe bei. Der Wermutstropfen, dass die erreichten 42 Punkte einen neuen Minusrekord darstellten, störte beim neuen Champion aber niemanden.

Weitere Erfolge:

Aber dieser Triumph sollte für lange Zeit der letzte gewesen sein. Es wurde ruhig um Chelsea, da der Club im Niemandsland herumdümpelte und auch etliche Jahre in der Zweitklassigkeit verbrachte. Anfang der 80er Jahre stand Chelsea dann sogar endgültig vor dem Aus, die Mannschaft fiel auseinander und man musste zur Tilgung der Schulden die Stamford Bridge verkaufen.

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Die Auferstehung

Seit dem Aufstieg in die First Division im Jahr 1990 befindet sich Chelsea ohne Ausnahme in der höchsten englischen Spielklasse, konnte sich seit 1997 sogar immer unter den ersten Sechs der Tabelle platzieren. Die Weichen in Richtung Spitze stellte Eigner Ken Bates, der bereits 1992 für teures Geld die Stamford Bridge zurückgekauft hatte, als er internationale Top-Stars akquirierte. So fanden Ruud Gullit (NED) und Dan Petrescu (ROM) im Sommer 1995, ein Jahr später Frank Leboeuf (FRA) und die drei Italiener Roberto Di Matteo, Gianluca Vialli und Gianfranco Zola den Weg in den Westen der britischen Metropole.

Vor allem Gullit und die beiden letztgenannten Azzuri sollten dem Verein in den nächsten Jahren ihren Stempel aufdrücken. Unter dem charismatischen Holländer wurde 1997 die 26 Jahre andauernde titellose Zeit beendet. Gullit, der zu Saisonbeginn Manager Glenn Hoddle abgelöst hatte und als Spielertrainer für die sportlichen Belange Chelseas verantwortlich war, führte das Team zum FA Cup-Erfolg. Trotz dieses Triumphes lag ein dunkler Schatten über dieser Saison, da Vize-Präsident und Mitbesitzer, Matthew Harding, im Oktober 1996 nach dem Besuch eines Auswärtsspieles der Blues durch einen Hubschrauber-Absturz den Tod gefunden hatte.

Chelsea: Grodas, Petrescu, Sinclair, Clarke, Leboeuf, Minto, Newton, Wise, Di Matteo, Hughes, Zola (89. Vialli)
Middlesbrough: Roberts, Blackmore, Fleming, Festa, Pearson, Juninho Paulista, Emerson, Mustoe (29. Vickers), Hignett (74. Kinder), Stamp, Ravanelli (24. Beck)
Tore: 1:0 Di Matteo (1.), 2:0 Newton (83.)
Schiedsrichter: John Lodge
Zuschauer: 79.160 im Londoner Wembley
Gelbe Karten: Di Matteo, Lebouf, Newton / Festa

Obwohl die Mannschaft unter Gullit weiter erfolgreichen Fußball spielte, wurde dieser 1998 wegen finanzieller Unstimmigkeiten gefeuert und durch Gianluca Vialli ausgetauscht. Und der Italiener setzte in Sachen Titelgewinne noch eins drauf: Er holte insgesamt fünf Titel mit Chelsea.

Die Pokale im Einzelnen:

Chelsea: De Goey, Petrescu, Leboeuf, Clarke, Poyet (Newton 80), Vialli, Wise, Duberry, Di Matteo, Granville, Flo (Zola 71.)
Stuttgart: Wohlfahrt, Berthold, Yakin, Hagner (Ristic 79.), Haber (Georjevic 75.), Balakov, Bobic, Schneider (Endress 55.), Akpoborie, Soldo, Poschner
Tor: 1:0 Zola (71.)
Schiedsrichter: S Braschi (Italy)
Zuschauer: 30.216
Rot: Petrescu (84.) / Poschner (90.)
Gelb: Wise / Akpoborie
Chelsea: De Goey, Duberry, Leboeuf, Babayaro, Desailly, Le Saux, Ferrer, Di Matteo (63. Poyet), Wise, Casiraghi (88. Flo), Zola (83. B. Laudrup)
Real: Illgner, Panucci, Roberto Carlos, Hierro, Sanchis, Redondo, Seedorf, Savio, Karembeu (58. Morientes), Raúl, Mijatovic (74. Jarni)
Tore: 1:0 Poyet (83.)
Schiedsrichter: Marc Batta (FRA)
Zuschauer: 11.589 im Stade Louis II (Monaco)
Gelbe Karten: Babayaro, Ferrer / Karembeu, Morientes
Villa: David James, Ehiogu, Southgate, Delaney, Wright (88. Hendrie) Barry, Boateng, Taylor (79. Stone), Dublin, Carbone (79. Joachim), Merson
Chelsea: De Goey, Leboeuf, Babayaro, Desailly, Melchiot, Di Matteo, Poyet, Deschamps, Wise, Weah (88. Flo), Zola (89. Morris)
Tore: 0:1 Di Matteo (73.)
Referee: Graham Poll
Zuschauer: 78.217 im Londoner Wembley
Gelbe Karten: Barry, Boateng / Melchiot, Poyet, Wise
Chelsea: De Goey, Leboeuf, Babayaro, Desailly, Melchiot, Di Matteo (71. Morris) Poyet (77. Le Saux), Wise, Stanic, Hasselbaink, Zola (74. Gudjohnsen)
ManU: Fabien Barthez, G. Neville, Irwin, Johnsen, Silvestre (20. Stam), Beckham, Giggs (78. Fortune), Keane, Scholes, Sheringham (70. Cole) Solskjaer (70. Yorke)
Tore: 1:0 Hasselbaink (22.), 2:0 Melchiot (73.)
Schiedsrichter: Mike Riley
Zuschauer: 65.148 im Londoner Wembley
Gelbe Karten: – / Scholes
Rote Karte: Keane (62.)

In Chelseas Kader standen bereits zu jener Zeit Profis aus aller Herren Länder, wie z.B. Desailly, Deschamps (beide FRA), Weah (LIB), Flo (NOR) oder eben der kleine Zola (ITA). Sie bildeten ein Sammelbecken internationaler Stars, das kaum Platz für Spieler aus der Heimat ließ. Nur einer war immer dabei: Dennis Wise, der Kapitän, Local Hero und Liebling der Massen.

Nach nur fünf Spieltagen der Saison 2000/2001 kam dann das Ende für Vialli. Er wurde Opfer des mäßigen Starts und musste den Stuhl für seinen Landsmann Claudio Ranieri räumen. Doch Ranieri hatte lange nicht soviel Fortune wie sein beliebter Vorgänger und sollte bis zu seinem Ende im Sommer 2004 ohne jeden Titel bleiben. Immerhin führte er den Verein 2003/04 ins Halbfinale der Champions League, wo man aber am AS Monaco (1:3, 2:2) scheiterte.

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Die Ära Abramowitsch

aber ich will noch ein stärkeres Fundament für die nächsten 100 Jahre schaffen. Auf lange Sicht ist es unser Ziel, den erfolgreichsten Fußball-Klub der Welt aufzubauen, diese Worte findet man im Vorwort des neuen Buches: FC Chelsea: Die offizielle Biografie

Sie stammen von Roman Abramowitsch (geb. am 24. Oktober 1966 in Saratow, Russland), dem Eigentümer des FC Chelsea. Abramowitsch, der sein erstes Geld mit 15 Toilettenhäuschen in Moskau verdiente, baute in seiner Heimat ein gewaltiges Firmenimperium auf, avancierte zum Oligarchen, ist Gouverneur der Region Tschukotka und gilt heute als reichster Russe (Forbes). Nachdem er sich bereits 1993 in Omsk eine Eishockey-Mannschaft gekauft hatte, entdeckte er 2003 eine neue Leidenschaft – den Fußball.

Er war von dem Viertelfinal-Rückspiel 2003 zwischen Manchester United und Real Madrid (3:4) dermaßen begeistert, dass er den Entschluss fasste, Besitzer eines Vereines zu werden. Nach einer Analyse einiger englischer Clubs fiel seine Wahl auf Chelsea. Der Russe trat im Juni in Verhandlungen mit dem finanziell angeschlagenen Londoner Verein, überwies schließlich 210 Millionen Euro und darf sich seit dem 1. Juli 2003 Eigentümer der Blues nennen.

Buchtipp: Der Milliardär aus dem Nichts – Roman Abramowitsch von Dominic Midgley und Chris Hutchins, erschienen 2005 im Murmann-Verlag

Drei Titel in 2005

Mit diesem Tag begann eine andere Ära für Chelsea, denn Geldsorgen waren ab sofort ein Fremdwort. Abramowitsch öffnete seine Schatulle und brachte das Tranfserkarussell in Schwung – mittlerweile soll er über eine halbe Milliarde Euro in den Verein gepumpt haben. Neben zahlreichen Top-Spielern (u.a. Didier Drogba für 36. Mio Euro, Arjen Robben 18 Mio., Ricardo Carvalho 30 Mio., Petr Cech 13 Mio) lotste er 2004 mit Jose Mourinho auch einen der derzeit besten Coaches an die Stamfod Brigde – der Erfolg war vorprogrammiert. Nachdem man in der Saison 2003/04 englischer Vize-Meister wurde und in der Champions League das Halbfinale erreichte – diese Spielzeit aber noch ohne Titel beendete, gelang 2004/05 der große Wurf: Quasi als Geschenk zum 100. Geburtstag gewannen die Blues in beeindruckender Manier die Premier League und somit nach 1955 den zweiten Meistertitel. Bei nur einer Niederlage und gerade einmal 15 Gegentoren hatte Chelsea am Ende 95 Punkte auf dem Konto und 12 Zähler Vorsprung auf den FC Arsenal, der den zweiten Platz belegte. Außerdem sicherte man sich den League Cup und zog erneut ins Semifinale der Königsklasse ein, wo man aber dem späteren Sieger aus Liverpool denkbar knapp (0:0, 0:1) unterlag.

Jubel in Blau

Es hat also gerade einmal zwei Jahre gedauert, bis Abramowitsch seinen Club an die absolute Weltspitze geführt hat – den Millionen sei Dank. Und es besteht kein Zweifel: Solange das Herz des Mäzens Lust auf Fußball hat, solange wird Chelsea zu den Top-Adressen in diesem Sport gehören und die Preise auf dem Transfermarkt maßgeblich mitbestimmen.

Chelsea: Cech – Gallas (74. Kezman), Carvalho, Terry, Ferreira – Jarosik (45. Gudjohnsen), Lampard, Makelele – Cole (81. Johnson), Drogba, Duff
Liverpool: Dudek – Traore (67. Biscan), Carragher, Hyypia, Finnan – Riise, Gerrard, Hamann – Garcia, Kewell (57. Nunez), Morientes (74. Baros)
Tore: 0:1 Riise (1.), 1:1 Gerrard (79., Eigentor), 2:1 Drogba (107.), 3:1 Kezman (111.), 3:2 Nunez (113.)
Referee: Steve Bennett
Zuschauer: ? im Millennium Stadium (Cardiff)
Gelbe Karten: Lampard / Hyypia, Traore, Hamann, Carragher
Chelsea: Cech, Del Horno, Gallas, Ferreira, Terry, Makelele, Lampard, Duff (74. J. Cole), Drogba (59. Crespo), Robben (69. S. Wright-Phillips), Gudjohnsen (58. Tiago)
Arsenal: Lehmann, A. Cole, Lauren (78. Hoyte), Senderos (72. Cygan), Toure, Pires (46. van Persie), Ljungberg (72. Reyes), Fábregas, Flamini (46. Gilberto Silva), Bergkamp (46. Hleb), Thierry Henry
Tore: 1:0 und 2:0 Drogba (8./57.), 2:1 Fábregas (65.)
Referee: Howard Webb
Zuschauer: 58.014 in Cardiff (Millennium Stadium)
Gelbe Karten: Makelele, Lampard / Fabregas

Europas Krone im Visier

2005/06

Wie im Jahr zuvor wurde auch im Sommer 2005 wieder kräftig in die Mannschaft investiert, schließlich wollte man die Meisterschaft verteidigen und endlich auch Europas Thron besteigen: Der Gewinn der Champions League, das war das erklärte Ziel. Neben Hernàn Crespo, der nach einem einjährigen Gastspiel vom AC Mailand zurückkehrte, sicherte man sich für insgesamt 81 Mio. Euro die Dienste von Shaun Wright-Phillips (ENG, ManCity, 31,5 Mio. Euro), Michael Essien (GAN, Olympique Lyon, 38 Mio.) und Asier der Horno (ESP, Athletic Bilbao, 12 Mio.). Dazu kommen 4,5 Mio. Euro, die man für den jungen Lassana Diarra nach Le Havre überwies. Aussortiert wurden unter anderem Kezman, Tiago, Parker, Forsell und Smertin.

Frank Lampard – kam 2001 von West Ham /Foto: www.zaunsturm1905.de

Doch diese neuerlichen Umstrukturierungen brachten nicht ganz den gewünschten Erfolg. Zwar gelang es Chelsea eindrucksvoll den Titel zu verteidigen (8 Punkte Vorsprung auf ManU bei 29 Siegen, 4 Rems und 5 Niederlagen), doch in der Champions Leage war bereits im Achtelfinale gegen den späteren Sieger aus Barcelona Schluss (1:2/1:1). Auch in den englischen Pokalwettbewerben blieb man auf der Strecke. Im FA Cup scheiterten die Blues im Halbfinale an Liverpool (1:2) und im League Cup musste man sich Charlton (4:5 n. E.) geschlagen geben.

2006/07

Und so hieß es auch im Sommer 2006: The same procedure as last year. Der FC Chelsea setzte in Sachen Verstärkungen noch eins drauf und verpflichtete für knapp 100 Mio Euro neues Personal. Der Löwenanteil von 51 Mio. Euro floss dabei für Andrij Shevshenko nach Mailand. Der Ukrainer, der absoluter Wunschspieler von Mourinho – oder genauer gesagt, von Abramowitsch – war, wird mit 36 Mio. Euro Gehalt in den kommenden vier Jahren geradezu fürstlich entlohnt. Über Zuwachs in den Vereinskassen konnten sich außerdem Manchester United und Lyn Oslo (insgesamt 23,5 Mio. für John Obi Mikel), der Hamburger SV (13,2 Mio für Khalid Boulahrouz), Arsenal London (7,4 Mio. plus William Gallas für Ashley Cole) und Feyenoord Rotterdam (4 Mio. für Salkomon Kalou) freuen. Und noch ein weiterer Star heuerte bei den Blues an: Micheal Ballack wechselte ablösefrei von Bayern München nach London. Der Kapitän der deutschen Nationalmannschaft hat einen Vertrag bis Sommer 2009 unterschrieben. Im Gegenzug verließen aber auch einige gestandene Spieler, unter anderem Gudjohnsen, Del Horno, Duff, Huth sowie Jarosik, den Verein, was rund 50 Mio. Euro an Einnahmen bedeutete.

Um Shevshenko und Ballack einen Platz in der Elf zu ermöglichen, änderte Mourinho das erfolgreiche Spielsystem. Anstatt des lupenreinen 4-3-3 mit Lampard in der Zentrale, zwei dribbelstarken und schnellen Außen sowie Drogba als klassischen Mittelstürmer, stellte er auf 4-4-2 um. Doch diese Umstellung brachte nicht den gewünschten Erfolg, die Mannschaft tat sich oftmals schwer und lieferte viele schwache Vorstellungen ab. Im Kreuzfeuer der Kritik standen neben Mourinho, über dessen Ablösung bereits offen diskutiert wurde, vor allem Shevshenko und Ballack, die beide den hochgesteckten Erwartungen nicht gerecht wurden. Aber Chelsea hatte in dieser Spielzeit auch einiges Pech mit Verletzungen. So fielen z. B. Leistungsträger wie Cech, Terry, Robben oder Joe Cole über längere Zeit aus, aber auch Shevshenko und Ballack litten unter Blessuren. Für den Kapitän der DFB-Elf war nach einer Sprunggelenk-OP die Saison vorzeitig beendet.

In der Premier League belegte man am Ende hinter Manchester United Rang zwei und verpasste den Titel-Hattrick. Noch bitterer war aber das erneute Scheitern in der Champions League, als die Blues ein Déjà Vu erlebten und – wie in der Saison 2004/05 – erneut im Halbfinale gegen den FC Liverpool den Kürzeren zogen.

Didier Drogba – der Ivorer lässt Tore sprechen /Foto: www.zaunsturm1905.de

Dass Chelsea dennoch zwei Titel gewinnen konnte, ist zum größten Teil ein Verdienst ihres in dieser Spielzeit konstantesten und besten Spielers: dem französischen Stürmerstar Didier Drogba. Der Angreifer, der mit 20 Treffern auch Torschützenkönig der Premier League wurde, schoss in den Finals im FA- und League-Cup alle Tore der Blues:

Chelsea: Cech, Diarra, Terry (Mikel 63.), Carvalho, Bridge, Makelele (Robben 46.), Lampard, Ballack, Essien, Shevchenko (Kalou 90.), Drogba
Arsenal: Almunia, Hoyte, Toure, Senderos, Traore (Eboue 66.), Walcott, Fabregas, Denilson, Diaby (Hleb 68.), Aliadiere (Adebayor 80.), Julio Baptista
Tore: 0:1 Theo Walcott (12.), 1:1 Didier Drogba (20.), 2:1 Didier Drogba (84.)
Schiedsrichter: H. Webb
Zuschauer: 70.073
Gelb: Essien, Carvalho, Diarra, Lampard / Denilson, Eboue, Fabregas
Rot: Obi / Eboue, Adebayor
Chelsea: Cech, Ferreira, Essien, Terry, Bridge, Mikel, Makelele, Lampard, Wright-Phillips (Kalou 93.), Drogba, Joe Cole (Robben 46.), Robben (Ashley Cole 108.) – Coach: Mourinho
Man Utd: Van der Sar, Brown, Ferdinand, Vidic, Heinze, Fletcher (Smith 92.), Scholes, Carrick (O’Shea 112.), Ronaldo, Rooney, Giggs (Solskjaer 112.)- Coach: Ferguson
Tore: 1:0 Drogba (116.)
Referee: Bennett (Kent)
Zuschauer: 89.826 ausverkauftes Wembley (London, England)
Gelbe Karten: Makelele, Ferreira, Ashley Cole, Kalou / Scholes, Vidic, Smith

2007/08 – Das Aus für Mourinho

Nur für die besten und anspruchsvollsten Vereine der Welt gilt eine Saison mit zwei Titeln als Misserfolg, da die Blues Meister- und Champions League-Titel nicht erreichen konnten, geriet Trainer Mourinho im Verlauf der letzten Saison unter Druck, Anfang dieses Jahres schien es sogar so, dass er kurz davor wäre hinzuwerfen. Doch Mourinho wäre nicht Mourinho, wenn er den Schwanz einzöge. Zu viel Wert legte der bei den Spielern äußerst beliebte Portugiese darauf nach außen hin als möglichst hart und selbstsicher dazustehen. Nach dem Ende der vergangenen Spielzeit vermeldeten die Agenturen dann auch die Versöhnung von The Special One mit Besitzer Roman Abramovich.

Die zwei Rivalen schlossen eine Art Burgfrieden und Mourinho begann mit der Saisonplanung. Da Abramowitsch seine Ankündigung wahr machte und den Geldhahn ein gutes Stück weit zudrehte, blieben die ganz großen Transfers aus. Einzig Florent Maloudas Verpflichtung bewegte sich sich im Rahmen vergangener Jahre. 21 Mio. Euro überwies man für den 27-jährigen Franzosen an Olympique Lyon. Neben Malouda kamen noch Belletti (Barca) für 5,5 Mio. Euro sowie die ablösefreien Pizarro (Bayern), Ben Haim (Bolton), Alex (PSV Eindhoven) und Sidwell (Reading) neu nach London. Da im Gegenzug Flügelflitzer Robben für 36 Mio. Euro zu Real Madrid wechselte und zudem Johnson (4,5 Mio.) und Diarra (2,86 Mio.) verkauft wurden, erwirtschafteten die Blues nach vier verlustreichen Jahren mal wieder eine positive Transferbilanz: rund 17 Mio. Euro betrug der Überschuss.

Der Saisonauftakt verlief dann alles andere als gut. Nachdem zunächst das Finale um den Community Shield gegen Meister ManU mit 0:3 im Elfmeterschießen verloren wurde, stimmten auch die Ergebnisse in der Premier League nicht. Die von Mourinho vorgenommene Rückkehr zum in den beiden Meisterjahren erfolgreich praktizierten, offensiveren 4-3-3-System, blieb ohne den gewünschten Erfolg. Als dann beim Auftakt in die Champions League vor heimischer Kulisse gegen den krassen Außenseiter Rosenburg Trondheim nicht mehr als ein mageres 1:1 heraussprang, ging alles ganz schnell. Nach einer nächtlichen Sitzung, gab der Club am 20. September die Trennung vom Portugiesen bekannt. Ein Schock für Spieler und Fans. Einige Profis zeigten sich fassungslos und stellten ihre Zukunft bei den Blues in Frage, die Anhänger gingen für Mourinho auf die Straße. Doch solange Abramowitsch bei Chelsea das Sagen hat, ist die Tür für den Portugiesen zu. Die Differenzen zwischen dem russischen Mäzen und dem exzentrischen Coach sind unüberbrückbar, ihr Verhältnis zerrüttet. So endete die Ära Mourinho mit zwei Meistertiteln (2004/05 und 2005/06), zwei Erfolgen im League Cup (2005/ und 2007) und je einen Triumph im FA Cup (2005) und im Community Shield (2005) – der ganz große Wurf, der Gewinn der Champions League, blieb ihm während seiner gut dreijährigen Amtszeit bei den Blues aber versagt.

José Mourinho – simply the best

Unter José Mário dos Santos Mourinho Félix erlebten die Blues eine sportliche Hochzeit: Er führte Chelsea zu zwei Meisterschaften (2005 und 2006), einem Erfolg im FA-Cup (2007) und zwei Triumphen im League-Cup (2005 und 2007). Außerdem verloren die Londoner während seiner ganzen Amtszeit kein Ligaspiel in der Stamford Bridge. José Mourinho, wie der Portugiese kurz genannt wird, kam zur Saison 2004/05 als frischgebackener Champions League-Sieger zum FC Chelsea. Er hatte mit dem FC Porto in Europa für Furore gesorgt und wurde von Abramowitsch dazu auserkoren, den FC Chelsea an die europäische Spitze zu führen. Mourinho gilt momentan als einer der besten Trainer der Welt. Er ließ sich seine Arbeit bei den Blues fürstlich entlohnen. Mit einem geschätzten Salär von fünf Millionen englischen Pfund pro Jahr, plus den noch fälligen Erfolgs-Prämien, galt Mourinho als bestbezahlter Fußball-Trainer weltweit. In den Jahren 2005 und 2006 wurde er mit dem Titel “Welt-Klubtrainer” ausgezeichnet.

Der bei seinen Spielern hoch angesehene und und sehr beliebte Portugiese genießt abseits des Platzes einen eher schlechten Ruf. Er gilt als unzugänglich, bisweilen sogar als arrogant und nimmt kein Blatt vor den Mund. Auch mit seinen Kollegen geriet er immer wieder in Konflikt und trägt diese über die Medien aus. Hier sind besonders Sir Alex Ferguson (ManU) und Arsène Wenger (Arsenal), den er einmal als “Voyeur” titulierte, zu nennen.

Mit Mourinho gelang es den Blues dann auch zweimal bis ins Halbfinale der Champions League vorzustoßen, doch der ganz große Coup blieb trotz der millionenschweren Investitionen von Seiten Abramowitschs in neue Spieler aus. Das Verhältnis bekam erste Risse, die sich bei unterschiedlichen Auffassungen über die Transferpolitik noch vergrößerten und nun nicht mehr zu reparieren waren. Am 20. September 2007 erfolgte die Trennung im gegenseitigen Einvernehmen, wie der Portugiese klar stellt: “Sie haben mich nicht rausgeschmissen, ich habe nicht die Tür zugemacht. Beide Seiten haben zugestimmt, dass ich den Klub verlassen sollte.” Mourinho kassierte eine geschätzte Abfindung 30 Mio. Euro, hinterließ eine tieftraurige Mannschaft und fassungslose Fans.

Sprüche von Mourinho:

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*“Notnagel” Grant verpasst den großen Coup nur knapp

Wer kennt Avram Grant?

Der Nachfolger für Mourinho stand Gewehr bei Fuß: Avram Grant. Der 52-jährige Israeli, zwischen 2002 und 2006 Nationaltrainer seines Heimatlandes, wurde von seinem Fürsprecher Abramowitsch gegen den Willen Mourinhos erst im Sommer als Sportdirektor inthronisiert. Und obwohl von Vereinsseite zu hören war, dass er gemeinsam mit dem ehemaligen Chelsea-Profi Steve Clarke, als langfristige Lösung auf der Trainerbank eingeplant war, glaubte kaum jemand, dass der Israeli bei Chelsea alt werden würde und hinter den Kulissen nicht die Suche nach einem namhaften Coach lief.

Die ersten Partien unter seiner Regie verliefen sieglos. Einer 0:2-Niederlage bei Manchester United folgte – begleitet von Mourinho-Rufen und Pfiffen – ein torloses Remis daheim gegen Fulham. Vom Gewinn der Meisterschaft und der Champions League redete im Herbst 2007 bei den Blues keiner mehr.

Und doch, auch wenn Grant lange nicht das Charisma von Mourinho hatte und in Anspielung auf dessen Spitznamen “The Special One”, von den Medien abwertend zum “Average-Grant” abgestempelt wurde, er hauchte dem Team neues Leben ein und sorgte für positive Schlagzeilen. Doch letztlich verpasste er den ganz großen Wurf nur um Haaresbreite und wurde am 24. Mai 2008 aus seinem bis ursprünglich 2011 laufenden Vertrag entlassen. Grant kassierte eine Abfindung von rund sechs Millionen Euro – ein fürstliches “Schmerzensgeld” für acht Monate als Cheftrainer bei den Blues. Das Angebot der Vereinsführung, wieder als Sportdirektor zu fungieren, lehnte der Israeli ab.

Grants Schicksal war Manchester United. Die Red Devils verhinderten sowohl in der Meisterschaft als auch in der Champions League einen Erfolg der Londoner. In beiden Wettbewerben fehlten Chelsea nur Nuancen zum Titel.

In der Premier League legten die Blues eine beeindruckende Aufholjagd hin. Nach einer 0:1-Niederlage am 17. Spieltag beim FC Arsenal verlor man anschließend keine einzige Partie mehr und ging punktgleich mit Man Utd, das allerdings die klar bessere Tordifferenz vorzuweisen hatte, in den letzten Spieltag. Hier gab sich der Konkurrent keine Blöße und gewann bei Wigan Athletic mit 2:0; Chelseas Remis (1:1) an der Stamford Bridge gegen die Bolton Wanderers war letztlich nicht mehr als Staffage – verspielt wurde die Meisterschaft am 34. Spieltag, als Emile Heskey die Nachlässigkeit der Blues bestrafte und in der Nachspielzeit für Wigan Athletic zum 1:1 traf.

Nur wenige Tage nach dem Herzschlagfinale in der Premier League hatte Chelsea in der Königsklasse die Möglichkeit zur Revanche, denn im Finale von Moskau traf man am 21. Mai im ersten rein englischen Endspiel auf die Red Devils. Chelsea hatte zuvor im dritten Anlauf den “Fluch” Liverpool besiegt und sich im Halbfinale denkbar knapp mit 1:1 (A) und 3:2 n.V. (H) gegen die Reds durchgesetzt und hoffte nun in der russischen Heimat von Clubeigner Abramowitsch darauf, endlich Europas Thron zu besteigen. Doch obwohl Chelsea den Triumph schon vor Augen hatte, hieß der Sieger im ausverkauften Luzhniki Stadion Manchester United. Nach verteiltem Spiel und Toren von Cristianen Ronaldo (26.) und Frank Lampard (45.) fiel die Entscheidung erst in einem hochdramatischen Elfmeterschießen. Dabei hatte Blues-Kapitän John Terry als fünfter Schütze den Matchball auf dem Fuß, weil ausgerechnet Manchesters Superstar Cristiano Ronaldo mit seinem Elfer an Petr Cech scheiterte. Aber Terry, der für den in der 116. Minute nach einer leichten Ohrfeige gegen Nemanja Vidic mit Rot vom Platz gestellten Didier Drogba unter die ersten fünf Schützen gerückt war, rutschte beim Schuss auf dem regennassen Rasen aus – der Ball landete am Pfosten und das Schicksal nahm seinen Lauf. Denn wenig später scheiterte Wintereinkauf Nicolas Anelka an Edwin van der Sar und besiegelte damit die titellose Saison für Chelsea.

Es folgte die Entlassung Grants, die somit all jenen Experten recht gab, die den Israeli sowieso nur als Zwischenlösung sahen. Ein neuer Trainer mit internationaler Reputation wird gesucht – ein Mann, der die “großen Spiele” gewinnt und dem Standing der Blues gerecht wird. Zu den wenigen Gewinnern bei den Londonern gehörte Michael Ballack. Der Kapitän der deutschen Nationalmannschaft entwickelte sich nach der Rückkehr von seiner langwierigen Verletzung zu einer tragenden Säule. Er zeigte echte Führungsqualitäten, lieferte große Spiele und schoss wichtige Tore.

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Guus Hiddink – er kam, sah und siegte

Nach dem letztlich gescheiterten Experiment mit dem Israeli Avraham Grant suchten die Blues nun wieder einen Trainer mit internationaler Reputation. Die Wahl fiel schließlich auf den Brasilianer Luiz Felipe Scolari, der als Vereinstrainer in seiner Heimat mit verschiedenen Clubs, wie zum Beispiel Criciúma EC, Grêmio Porto Alegre und Palmeiras São Paulo, verschiedene Titel gewann und auch als Nationaltrainer Erfolge vorweisen konnte. Scolari führte die Seleção bei der Weltmeisterschaft 2002 in Japan und Südkorea zum Titelgewinn und erreichte mit Portugal bei der Europameisterschaft 2004 das Endspiel, welches die Portugiesen im eigenen Land allerdings gegen Außenseiter Griechenland mit 0:1 verloren. Der erfahrene Trainer passte bestens ins Anforderungsprofil der Londoner, und so wurde er am 11. Juni 2008 als neuer Trainer beim FC Chelsea vorgestellt und mit einem hochdatierten Dreijahresvertrag ausgestattet.

Terry Terry – Abwehrchef und Kapitän /Foto: www.zaunsturm1905.de

Neben dem neuen Trainer waren auch Deco (10.000.000 €, FC Barcelona) und José Bosingwa (20,5 Millionen €, FC Porto) neu an der Stamford Bridge. Auf die Dienste von Claude Makélélé (Paris St. Germain, ablösefrei), Hernán Crespo (Inter Mailand, ablösefrei), Shaun Wright-Phillips (Manchester City, 11,25 Millionen €), Tal Ben-Haim (Manchester City, 6,4 Millionen €), Steve Sidwell (Aston Villa, 6,3 Millionen €) und Khalid Boulahrouz (VfB Stuttgart, 5 Millionen €) konnte Scolari dagegen nicht mehr bauen, allesamt hatten dem Verein im Sommer den Rücken gekehrt. In der Transferperiode Anfang des Jahres 2009 wurden dann auch Wayne Brigde (Manchester City, 13.000.000 €) und Carlo Cudicini (Tottenham Hotspur, ablösefrei) verkauft. Andrij Shevshenko (AC Mailand, ablösefrei) sowie Claudio Pizarro (Werder Bremen, Leihgebühr 1,5 Millionen €) wurden obendrein noch verliehen. Und so verbuchte man – zum ersten Mal seit der Saison 2002/03 und der Übernahme durch Roman Abramowitsch überhaupt – eine positive Transferbilanz, die mit 13,5 Millionen € sogar im zweistelligen Bereich lag.

Was wirklich zählte, waren aber die Resultate auf dem Platz. Und dort feierte Scolari einen Einstand nach Maß – die Blues blieben wettbewerbsübergreifend zu Saisonbeginn in 12 Spielen unbesiegt und beeindruckten dabei mit einer Tordifferenz von 28:3. Doch dann kam der 26. Oktober, der 9. Spieltag und in dessen Rahmen der FC Liverpool zum Ligagastspiel an die Stamford Bridge, wo man seit März 2004 in viereinhalb Jahren beziehungsweise 86 Premier-League-Spielen keine Niederlage einstecken musste. Die Reds beendeten die unglaubliche Serie durch eine taktische Meisterleistung und einem Treffer von Xabi Alonso mit einem 1:0-Erfolg. Mit dem Ende dieser Serie verließ Scolari auch das Glück – die Spiele wurden enger, die Ergebnisse ließen zu wünschen übrig und die Kritik am System und den oftmals dürftigen Darbietungen wuchs. Und so zog das Management nach einem mageren, torlosen Unentschieden gegen Aufsteiger Hull City und dem damit verbundenen Abrutschen auf Tabellenrang vier, die Reißleine und trennte sich nach nur sieben Monaten am 9. Februar 2009 von Scolari. Während man in der offiziellen Stellungnahme des Vereins davon sprach, dass die Trennung zu diesem Zeitpunkt die einzige Option war, um die Saisonziele nicht zu verfehlen, man Scolari für seine Arbeit aber danke und die Entscheidung sehr bedauere, zeigte sich der gefeuerte Coach enttäuscht und frustriert.

Bereits zwei Tage später stand mit Guus Hiddink der Nachfolger fest, obwohl dieser bereits beim russischen Verband als Nationaltrainer der Spornaja unter Vertrag stand. Dem FC Chelsea kam bei der Verpflichtung des Niederländers, der zweifellos zu den ganz Großen seiner Zunft gehört und in der Vergangenheit immer wieder seine Fachkompetenz eindrucksvoll unter Beweis gestellt hatte, wohl die guten Beziehungen von Eigner Roman Abramowitsch in seine Heimat zugute. In Moskau gab man der Bitte jedenfalls nach und erlaubte Hiddink bis zum Saisonende die Doppelbelastung. Diese Entscheidung sollte sich für die Blues auszahlen, denn Hiddink erwies sich als exzellenter Trainer und brachte die verunsicherte Mannschaft wieder auf Erfolgskurs. Er vermittelte den Profis verlorengegangene Spielfreude und glänzte als gewiefter Taktiker.

Im Carling Cup, wo man noch unter Scolari im Achtelfinale zuhause gegen den späteren Aufsteiger in die Premier League, dem FC Burnley, im Elfmeterschießen die Segel streichen musste, und in der Meisterschaft, wo Manchester United und der FC Liverpool sich ein Kopf- an Kopfrennen lieferten, konnte auch Hiddink den Londonern nicht mehr helfen. Anders verhielt es sich in der Champions League und im FA Cup. In der Königsklasse führte Hiddink die Blues bis ins Halbfinale – wo dann allerdings das Aus sehr viel mehr als ein gewöhnlicher Knockout war. Nachdem man im Achtelfinale zunächst die Oberhand gegen Juventus Turin (1:0 H, 2:2 A) behielt und sich im Viertelfinale nach einem irren Spektakel im Rückspiel gegen den FC Liverpool (1:3 A, 4:4 H) durchsetzte, hieß der Gegner im Halbfinale FC Barcelona. Chelsea trotzte dem spanischen Giganten im Camp Nou mit einer taktischen Meisterleistung ein torloses Remis ab und sah dann im Rückspiel an der Stamford Bridge nach einem wunderbaren Treffer von Michael Essien, der den Ball aus 22 Metern volley unter die Latte hämmerte (9.), lange Zeit wie der sichere Sieger aus. Man ließ die so torgefährliche Offensive Barças mit Xavi, Henry, Eto’o und Messi erneut kaum zur Entfaltung kommen und erspielte sich ein deutliches Chancenplus – jedoch verhinderten eigenes Unvermögen und der neben sich stehende norwegische Schiedsrichter Övrebö, der mehrmals bei elfmeterwürdigen Szenen im Strafraum der Katalanen seine Pfeife stumm ließ, eine höhere Führung. Und dann zeigte sich, wie nahe Jubel und Trauer beieinander liegen können und wie grausam der Fußball sein kann: Es lief die 92. Minute, als sich Andrés Iniesta einfach mal ein Herz fasste, von der Strafraumgrenze abzog und den bis dato nahezu beschäftigungslosen Petr Cech mit einem Schuss rechten Winkel überwand. Während die Spanier, die zu allem Überfluss nach einer roten Karte gegen Eric Abidal seit der 66. Minute in Unterzahl agierten, ihr Glück kaum fassen konnten, stand man auf Seiten der Blues regelrecht unter Schock – wie konnte der Fußballgott so ein bitteres Aus zulassen?

Michael Essin – der fleißige Arbeiter im Mittelfeld /Foto: www.zaunsturm1905.de

Nach dem verpassten Einzug ins Finale der Champions League legte man im Fokus nun auf den FA Cup, wo man nach einem 2:1-Erfolg im Halbfinale über den Stadtrivalen FC Arsenal beim Endspiel im Wembley auf den FC Everton traf. Und diesmal ließ man sich die Butter nicht vom Brot nehmen, die Toffees wurden mit 2:1 besiegt und die turbulente Spielzeit fand ein versöhnliches Ende. Mit mit dem Triumph im FA Cup ging gleichzeitig das kurze Intermezzo von Guus Hiddink als Chelsea-Trainer zu Ende. Alles Werben nützte nichts, der Holländer widmete sich ab sofort wieder einzig und allein der russischen Nationalmannschaft. Es war für beide Seiten eine kurze aber doch erfolgreiche Liaison. Chelsea gewann den FA Cup und schaffte als Dritter der Premier League die direkte Qualifikation für die Champions League, Hiddink unterstrich seine exponierte Stellung in der Trainerzunft und verlängerte seinen Titelliste.

Hiddink hinterließ seinem Nachfolger eine intakte Mannschaft, die auch ohne allzu viele Neuverpflichtungen weiterhin das Zeug hat, sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene Titel zu gewinnen. Angefangen mit Cech im Tor, der stabilen Viererkette um Kapitän Terry, über das mit so unglaublich viel Erfahrung ausgestattete, hochklassig besetzte Mittelfeld um Lampard, Essien, Ballack und dem zuletzt regelrecht aufgeblühten Malouda, bis hin zu den torgefährlichen Angreifern Drogba und Anelka, der mit 19 Treffern Torschützenkönig der Premier League wurde – es steckte viel Qualität im Kader. Ein Pfund, mit dem auch Hiddinks Nachfolger wuchern kann? Wer in die doch recht großen Fußstapfen treten sollte, wurde unmittelbar nach dem Triumph im FA Cup publik gemacht: Carlo Ancelotti, bislang Trainer beim italienischen Nobel Club AC Mailand, unterschrieb an der Stamford Bridge einen lukrativen Vertrag mit einer Laufzeit von drei Jahren.

Dank zweier Tore von Didier Drogba und Frank Lampard drehten die Blues die schnelle Führung der Toffees durch Louis Saha noch um und behielten letztlich mit 2:1 die Oberhand. Für die Blues war es der fünfte Erfolg im ältesten Pokalwettbewerb der Welt und ein dann doch noch erfolgreiches Ende einer Spielzeit mit vielen Rückschlägen.

Salomon Kalou – der ruhige Joker/Foto: www.zaunsturm1905.de

Die Toffees erwiesen sich in diesem 128. FA Cup-Finale als würdiger Gegner. Nach dem Blitzstart durch Saha, der Cech mit einem Linksschuss schon nach 25 Sekunden – und damit mit dem schnellsten Treffer, der je in einem FA-Cup-Finale erzielt wurde – überwand, fand die Hiddink-Elf in der Folge besser ins Spiel und kam durch einen mächtigen Kopfball von Drogba zum Ausgleich (21.). Mitten hinein in eine Drangphase Evertons erzielte Lampard mit einem satten Distanzschuss aus circa 22 Metern ins linke obere Eck die Führung (72.). Erst danach bestimmte Chelsea die Partie und verdiente sich letztlich die Trophäe, die Kapitän Terry freudestrahlend in Empfang nahm.

Chelsea: Cech, Bosingwa, Alex, Terry, Ashley Cole, Essien (Ballack 61.), Mikel, Lampard, Anelka, Drogba, Malouda – Trainer: Hiddink
Everton: Howard, Hibbert (Jacobsen 46.), Yobo, Lescott, Baines, Osman (Gosling 82.), Neville, Pienaar, Cahill, Fellaini, Saha (Vaughan 77.) – Trainer: Moyes
Tore: 0:1 Saha (1.), 1:1 Drogba (21.), 2:1 Lampard (72.)
Schiedsrichter: Howard Webb
Zuschauer: 89.391 im Wembley (London)
Gelbe Karten: Mikel, Lampard / Hibbert, P. Neville, Baines
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Das Double 2010 – Ancelottis traumhafter Einstand

Nach dem von beiden Seiten wehmütigen Abschied des überaus beliebten Hiddinks, der sich nun wieder voll und ganz auf die russische Nationalmannschaft konzentrieren wollte, war man rund um die Stamford Bridge natürlich auf in den neuen Trainer gespannt. Wer würde der Neue sein, der den Holländer beerbt und besitzt er die Klasse, um die Mannschaft auf dem Level zu halten und die Erfolgsgeschichte fortzuführen?

Carlo Ancelotti – das Double zum Einstand /Foto: www.zaunsturm1905.de

Bei Bekanntgabe des neuen Trainers wurden etwaige Zweifel rasch zerstreut, Carlo Ancelotti übernahm das Ruder. Der am 10. Juni 1959 in Reggiolo geborene Italiener kam mit einer Vita, die sich sehen lassen konnte. Ancelotti konnte Mannschaften über einen längeren Zeitraum der Spitze halten, sie umbauen und zu Titeln führen. Nachdem er schon als Profi in der Serie A einige Titel gewinnen konnte und es auch in der Squadra Azzurra auf 17 Länderspiele gebracht hatte, stieg er 1995 ins Trainergeschäft ein. Nach den Stationen AC Reggiana, AC Parma und Juventus Turin, heuerte er 2001 beim AC Mailand an und fand dort sein Glück. Er führte Milan zu einigen großen Titeln, aus denen die beiden Siegen in der Champions League (2003, 2007) als Highlights herausstechen. Ancelotti verließ die Rossoneri nach acht Jahren im gegenseitigen Einvernehmen, auch wenn es zuletzt zu Unstimmigkeiten mit dem allmächtigen Clubchef Silvio Berlusconi gab und diese ihm seinen Abschied etwas leichter machten. Versüßt wurde ihm das Abenteuer Premier League zusätzlich mit einem Dreijahresvertrag und einem üppigen Salär. Stolze 7,4 Mio. € war Besitzer Roman Abramowitsch bereit pro Saison hinzublättern. Und auch die Erwartungen und Ziele wurden klar abgesteckt: Objekt der Begierde war der Triumph in der Champions League.

Da Chelsea über einen Topkader verfügte und alle Leistungsträger an Bord blieben, konnte Ancelotti auf ein eingespieltes Team zurückgreifen und ohne große Umbauarbeiten sofort loslegen. Zu zwei namhaften Neuzugängen ließ sich Abramowitsch, der den Geldhahn im Vergleich zu den Vorjahren deutlich zugedreht hatte, doch überreden. So stießen Yuri Zhirkov (ZSKA Moskau, 21 Mio. €), der als Alternative für die linke Seite vorgesehen war, und die 19-jährige Sturmhoffnung Daniel Sturridge zum Kader. Sturridge kam vom Ligakonkurrenten Manchester City und kostete eine Ablöse von 5,8 Mio. €.

Gleich beim ersten ernst zu nehmenden Spiel kam es eine Woche vor dem Saisonstart beim Community Shield zum Aufeinandertreffen mit Manchester United und Alex Ferguson – ein echter Gradmesser, der zum Synonym für die anstehende Spielzeit werden sollte. Die Partie im Wembley entwickelte sich zu einem rassigen Match auf hohem Niveau, bei dem die Blues sich am Ende im Elfmeterschießen auf Cech im Tor verlassen konnten und als Sieger vom Platz gingen. Damit beendete Chelsea den jahrelangen Fluch im Elfmeterschießen, denn mehr als ein Jahrzehnt lang konnte war man zuvor bei derartigen Entscheidungen glück- und sieglos.

Flaurent Malouda – der Franzose hat sich etabliert /Foto: www.zaunsturm1905.de

Den Schwung des Triumphes nahm Chelsea dann auch mit in die Liga und gewann die ersten sechs Saisonspiele, ehe die Serie auswärts bei Wigan Athletic riss und man eine 1:3-Pleite hinnehmen musste. Doch verlorene Spiele blieben die Ausnahme, am Ende hatte man 27 Siege, 5 Unentschieden und sechs Niederlagen auf dem Konto, was mit einem Vorsprung von einem einzigen Punkt auf Manchester United zur Meisterschaft reichte. Chelseas Trumpf während der 38 Runden war die überragende Offensive, ganze 103 -mal schlug der Ball im gegnerischen Kasten ein – ein neuer Rekord für die Premier League. Gleich vier Akteure netzten in der Liga zweistellig ein. Herausragend war dabei Drogba der mit seinen 29 Treffern zum Torschützenkönig avancierte und insgesamt eine tolle Saison spielte. Es folgten Lampard mit 22, Malouda 12 und Anelka mit 11 Toren. Michael Ballack brachte es lediglich auf vier Treffer, war allerdings im System eher defensiv eingebunden und musste so Abstriche beim Offensivspiel hinnehmen.
Obwohl man – und das ist bemerkenswert – sich gegen die Konkurrenz aus der “Big Four” schadlos hielt und alle sechs Partien gewinnen konnte, ließ sich Manchester United einfach nicht abschütteln und hielt den Titelkampf bis zum letzten Spieltag offen. Doch am Ende hofften die Red Devils vergebens auf einen Ausrutscher. Nachdem man Stoke City am drittletzten Spieltag mit einem 7:0-Kantersieg deklassiert und in der vorletzten Runde auch den schweren Gang an die Anfield Road durch Tore von Drogba und Lampard erfolgreich überstanden hatte, lieferte man am 09. Mai zum Schlussakkord an der heimischen Stamford Bridge eine Galavorstellung ab. Leidtragender war Wigan Athletic, das mit 8:0 regelrecht abgeschossen und so bitter bestraft wurde für dem Erfolg im Hinspiel. Chelsea war letztlich ein verdienter Titelträger und feierte die vierte Meisterschaft nach 1955, 2005 und 2006 ausgiebig.

Doch damit nicht genug, nur eine Woche später wurde die Saison dann mit dem Triumph im FA Cup gekrönt und damit zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte das Double perfekt gemacht. Chelsea ging gegen den als Absteiger feststehenden FC Portsmouth als großer Favorit ins Finale und hatte dann den Gegner über weite Strecken auch fest im Griff und Torchancen für eigentlich fünf Spiele. Dennoch dauerte es eine knappe Stunde, bis Goalgetter Drogba seine Farben mit dem Treffer zum 1:0 erlöste, der dann auch der Endstand war und den Blues neben dem erwähnten Double zudem die Titelverteidigung und den insgesamt sechsten Erfolg in diesem Wettbewerb bescherte.

Nicht ganz so erfolgreich verlief die Operation “Gewinn der Champions League”. Nachdem man in der Gruppe D die Konkurrenten FC Porto, Atlètico Madrid und Apoel Nikosia hinter sich ließ, traf man im Achtelfinale auf Inter Mailand und somit auf Ex-Coach José Mourinho. Die Nerazzurri erwiesen sich als der erwartet harte Brocken und beendeten die hochgesteckten Erwartungen in der Königsklasse. Nach dem Hinspiel in San Siro, das Inter mit 2:1 für sich entschied, mussten man auch an der heimischen Stamford Bridge eine Niederlage hinnehmen. Eto’o setzte den Knock-out in der 79. Minute mit seinem Treffer zum 0:1-Endstand.

Auch wenn das ganz große Ziel mit dem Triumph auf europäischer Bühne nicht verwirklicht werden konnte, die erste Saison unter Carlo Ancelotti war überaus erfolgreich und weckt Vorfreude für die nächsten Jahre. Ob weitere Titel auf das Briefpapier gedruckt werden müssen, wird man sehen. Das Porträt wird in jedem Fall im nächsten Sommer fortgeführt…

Beim Community Shield 2009 standen sich mit dem FA-Cup-Sieger FC Chelsea und Meister Manchester United zwei absolute Schwergewichte des englischen Fußballs gegenüber, gleichzeitig war es das Debüt für den neuen Coach der Blues, Carlo Ancelotti. Die Kulisse im Wembley war wie eigentlich immer bei solchen Anlässen großartig und auch diesmal bereuten die Zuschauer ihr Kommen nicht.- Die fast 86.000 Tribünengäste sahen ein spannendes und auf sehr hohem Niveau stehendes Spiel, das erst im Elfmeterschießen entschieden wurde – zugunsten der Londoner.

Allerdings lief man nach Nanis Treffer in der 10. Minute, bei dem Cech nicht gut aussah, lange Zeit einem Rückstand hinterher. Erst in der 52. Minute gelang dem an diesem Nachmittag herausragenden Carvalho per Kopf der Ausgleich, ehe Lampard mit einem Schuss aus circa 14 Metern in der 70. Minute die Partie komplett drehte. Bei beiden Chelsea-Toren sah United-Keeper Foster nicht gut aus. Es war bis dahin nicht der Tag der Torhüter, auch wenn sowohl van der Sar als auch Foster abseits der Gegentreffer durch einige Glanzparaden weiteren Schaden verhindern konnten. Lampards 2:1 erhitzte die Gemüter, denn dem Treffer war ein ganz klares Sperren von Ballack gegen Evra vorangegangen. Schiedsrichter Foy ließ das Foul allerdings ungeahndet. Obwohl Evra angeschlagen auf dem Rasen liegen blieb, spielte Chelsea weiter und nutzte den Angriff zum Torerfolg.

Die Red Devils reagierten wütend auf diesen Rückstand und Ferguson versuchte mit einem Vierfachwechsel das Blatt nochmal zu wenden. Chelsea ließ allerdings nichts anbrennen und sah bis in die Nachspielzeit wie der Sieger aus – dann erwies sich Rooney als Spielverderber. Der Nationalstürmer nahm einen klugen Pass von Oldie Giggs gekonnt mit und schob aus halblinker Position in die Kugel am herausstürmenden Cech vorbei ins lange Eck.

Beim fälligen Elfmeterschießen zeigte man gleich der erster Schütze von United Nerven. Nachdem Lampard das Glücksspiel eröffnet hatte, parierte Cech den ziemlich zentral geschossenen Ball von Giggs mit den Unterschenkeln. Wenig später machte es Evra nicht viel besser, Cech war zum zweiten Mal Siegen und sicherte so den Erfolg. Ein gelungener Einstand für Ancelotti, der sich gleich mit einem Titel einführte und somit das Umfeld schnell hinter sich brachte.

Chelsea: Cech – Ivanovic (46. Boswinga), Carvalho Terry, A. Cole – Mikel (65. Ballack), Essien, Lampard, Malouda (78. Deco) – Anelka (84. Kalou), Drogba – Trainer: Ancelottil
ManUtd: Foster – O’Shea (76. Fábio), R. Ferdinand, Evans, Evra – Fletcher (75. Scholes), Carrick, Park (75. Giggs), Nani (63. Valencia) – Rooney, Berbatov (75. Owen) – Trainer: Ferguson
Tore: 0:1 Nani (10.), 1:1 Carvalho (52.), 2:1 Lampard (70.), 2:2 Rooney (90. +2)
Elfmeterschießen: Lampard +, Giggs -, Ballack +, Carrick +, Drogba +, Evra -, Kalou +
Schiedsrichter: Chris Foy
Zuschauer: 85.896 im Wembley
Gelbe Karten: Ivanovic / Berbatov, Evra, Owen

David gegen Goliath – anders konnte man die Konstellation vor diesem Finale des in der Saison 1888/89 ältesten Pokalwettbewerbs der Welt nicht bezeichnen. Mit dem FC Chelsea als frisch gebackenen Meister auf der einen und dem FC Portsmouth, der nach dem finanziellen Kollaps mit einem Abzug von neun Punkten bestraft wurde und somit als Absteiger fest stand, war die Rollenverteilung klar: Alles andere als ein Erfolg der Blues mit ihrer geballten Offensivpower wäre eine Sensation. Für den Londoner Nobelclub ging es um viel, denn neben der möglichen Titelverteidigung würde man mit einem Triumph das erste Double (Meisterschaft und FA Cup) der Vereinsgeschichte realisieren. Die Partie wurde dann aber alles andere als ein Selbstläufer. Chelsea dominierte zwar das Spielgeschehen und hatte eine handvoll hochkarätiger Torchancen, doch erst in der 59. Minute erlöste Drogba seine Farben mit einem direkt verwandelten Freistoß aus gut 21 Metern, der auch den Endstand bedeutete.

In der ersten Halbzeit rettete gleich fünfmal das Gestänge für den bereits geschlagenen James im Tor Pompeys. Lampard mit einem Fernschuss, Kalou aus Nahdistanz, Terry der Kopfball und Drogba per Freistoß und nochmal aus kürzester Entfernung – unglaublich, der Ball wollte einfach nicht über die Linie. Doch auch der FC Portsmouth tauchte gefährlich vor dem Tor von Cech auf. Vor dem Seitenwechsel musste er einen knallharten Schuss von Piquionne parieren, in der 54. Minute hielt er einen Foulelfmeter von Boateng, der dem Außenseiter nach einem Foul von Belletti an Dindane zurecht zugesprochen worden war. Aber was Boateng kann, kann Lampard schon lange. Kurz vor Spielende verpasste er es den Sack zu zu machen, als er einen an ihm selbst verursachten Strafstoß links neben den Kasten vorbeischob – ein Schuss für die Geschichtsbücher. Denn es dauerte bis zu diesem 129. Endspiel, bis beide Mannschaften jeweils vom Punkt scheiterten und jemand beim Elfmeter komplett am Tor vorbei schoss. Auch Ashley Cole fand den Weg in die Rekordbücher, er gewann seinen sechsten Titel im FA Cup.

Neben dem Jubel über den insgesamt sechsten Titel in diesem Wettbewerb und dem langersehnten Double, gab es aber auch auf Seiten der Blues mit Michael Ballack einen Spieler, dem nicht so richtig zum Feiern zu Mute war. Der Kapitän der deutschen Nationalmannschaft wurde in der 38. Minute von Kevin-Prince Boateng übel umgegrätscht und musste kurz vor dem Pausenpfiff ausgewechselt werden. Im Nachhinein bewahrheiteten sich erste Vermutungen über die schwere Verletzung, Ballack musste auf die im Sommer stattfindende WM in Südafrika verzichten. Zudem waren die Minuten bis zu seiner Auswechslung auch die letzten im Trikot des FC Chelsea, da sein Vertrag nicht verlängert wurde und er in die Bundesliga zurückkehrte.

Chelsea: Cech – Ivanovic, Alex, Terry, A. Cole – Lampard Ballack (44. Belletti), Malouda – Kalöu (71. J. Cole), Drogba, Anelka (90. Sturridge) – Trainer: Ancelottil
Pompey: James – Finnan, Rocha, Mkoena, Mullins (81. Belhadj) – Dindane, P-B. Diop (81. Kanu), M. Brown, K-P. Boateng – O’Hara, Piquionne – Trainer: Grant
Tore: 1:0 Drogba (59.)
Schiedsrichter: Chris Foy
Zuschauer: 88.335 im Wembley
Gelbe Karten: – / Boateng, O’hara, Rocha
Besondere Vorkommnisse: Dindane (55.) und Lampard (88.) scheitern beim Foulelfmeter
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Die Stamford Brigde

Das Gelände im Westen der englischen Hauptstadt blickt auf eine bewegte Geschichte zurück. Die Stamford Brigde wurde bereits 28. April 1871 eröffnet und dann 28 Jahre fast ausschließlich vom London Athletic Club für dessen Wettbewerbe genutzt. Nachdem die Gebrüder Mears zuvor Grundbesitz neben dem Gelände gekauft hatten, erwarben sie 1904 auch die Stamford Brigde, um sie zu einem Fußballstadion umzufunktionieren.

Der Architekt Archibald Leitch (1869-1939) entwarf die Pläne für diesen Umbau. Der Schotte, der 1899 bereits den Ibrox-Park designt hatte und später unter anderem auch an der Entwicklung der Anfield Road, dem Celtic Park oder dem Villa Park beteiligt war, ließ an der Ostseite eine Tribüne errichten, die 5.000 Zuschauern Platz bot. An den anderen Seiten wurden tausende Tonnen Material, das man vom Bau der Metro bekam, zu Wällen aufgeschüttet. Das Fassungsvermögen war ursprünglich auf 100.000 Zuschauer ausgelegt. Ob aber jemals so viele Augenpaare ein Spiel gesehen haben, ist unklar. Die höchste offizielle Zuschauerzahl hatte eine Partie gegen den Lokalrivalen Arsenal. Am 1. Dezember 1935 verfolgten 82.905 dieses Aufeinandertreffen. Die größte Kulisse gab es aber wohl kurz nach dem Ende des 2. Weltkrieges, als am 13. November 1945 ein Freundschaftspiel gegen Dynamo Moskau stattfand und geschätzte 100.000 Besucher den Weg zur Stamford Bridge fanden.

Bis zur Errichtung der heutigen Ost-Tribüne im Jahr 1973 durchlief das Stadion einige Umbaumaßnahmen. So entstand bereits 1930 das legendäre Shed, das Jahrzehnte lang die Heimat der Hardcore-Fans war. Für dieses Stück Geschichte kam erst 1994 das unerwartete Ende, als in den englischen Stadien ein Stehplatzverbot ausgesprochen wurde.

Die heutige Form der Stamford Bridge hat ihren Ursprung im Jahr 1973. Die damaligen Besitzer hatten den ehrgeizigen Plan, das Stadion in eine 50.000 Zuschauer fassende runde Arena zu verwandeln, und begannen mit dem Bau der Ost-Tribüne. Doch diese Tribüne, die für die damalige Zeit ein Konstruktionswunder darstellte, bedeutete für Chelsea fast den Ruin. Der Verein ging Bankrott und musste das Gelände veräußern; ein kompletter Abriss stand im Raum.

Doch die Stamford Bridge trotzte diesem Fiasko und überlebte. Ken Bates, Eigentümer der Blues von den frühen 80er Jahren bis 1993, war es schließlich, der 1992 einen Deal mit den Banken einging und das Stadion in seinen Besitz überging. 1994 begann dann die Umgestaltung des mittlerweile baufälligen Stadions in die
fortschrtittliche Arena, wie sie heute existiert. Angefangen bei der Nord-Tribüne wurden nach und nach alle Tribünen neu gebaut sowie die alte Ost-Tribüne umfassend saniert. Mit der Fertigstellung des Prunkstücks, der 13.500 Zuschauer fassenden West-Tribüne, fand der eigentlich 1973 begonnene Umbau ein Ende. Die neue Arena öffnete am 19. August 2001 erstmals ihre Pforten.

The Stamford Brigde

Die Stamford Bridge ist in ihrer jetztigen Kapazität für 42.522 Besucher ausgelegt und damit gegenwärtig das größte Stadion in London. Sie gehört heute zu den schönsten und modernsten Fußball-Arenen Europas. Neben dem Stadion beherbergt das Gelände, das auch “Chelsea-Village” genannt, eine Reihe anderer Einrichtungen. So wurden zum Beispiel zwei Vier-Sterne-Hotels, fünf Restaurants, Konferenz- und Geschäftsräume oder ein Gesundheits-Club in das Areal integriert. Außerdem steht den motorisierten Besuchern eine Tiefgarage zur Verfügung.

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Die Helden

Es kann hier leider nicht auf all die großartigen Ballkünstler eingegangen werden, die das Trikot der Blues getragen haben. Dies würde eindeutig den Rahmen sprengen. Ein paar “Helden” wollen hier aber näher vorstellen.

Frank Lampard – der torgefährliche Regisseur /Foto: www.zaunsturm1905.de

Und die gezeigten Leistungen wurden 2005 honoriert: Lampard erhielt in diesem Jahr die Auszeichnung “Player of the Year” gleich drei Mal. Sowohl die Kollegen aus der Premier League, die Mitspieler im Verein als auch die Vertreter der schreibenden Zunft hatten ihn bei dieser Wahl auf den Stimmzetteln ganz vorn.

Surf-Tipp: Chelsea-Forum – Das Deutsche Forum für Blues-Fans. An dieser Stelle möchten wir Mike recht herzlich für die Bilder danken.
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Der aktuelle Kader (2010/11)

Torhüter:

Nr. Name Nationalität geb. Vtrg. bis
1 Petr Čech Tschechien 20.05.1982 2013
40 Hilário Portugal 21.10.1971 2011
22 Russ Turnbull England 04.01.1985 2013

Abwehr:

Nr. Name Nationalität geb. Vtrg. bis
33 Alex Brasilien 17.06.1982 2013
17 Boswinga Portugal 24.08.1982 2011
3 Ashley Cole England 20.12.1980 2013
19 Paulo Ferreira Portugal 18.01.1979 2013
2 Branislav Ivanovic Serbien 22.04.1984 2011
26 John Terry England 07.12.1980 2014

Mittelfeld:

Nr. Name Nationalität geb. Vtrg. bis
10 Yossi Benayoun ISR 05.05.1980 2013
5 Michael Essien Ghana 08.02.1982 2015
8 Frank Lampard England 20.06.1978 2013
15 Florent Malouda Frankreich 13.06.1980 2012
12 John Obi Mikel Nigeria 22.04.1987 2014
7 Ramires BRA 24.03.1987 2014
18 Yuri Zhirkov Russland 20.08.1986 2012

Angriff:

Nr. Name Nationalität geb. Vtrg. bis
39 Nicolas Anelka Frankreich 14.03.1979 2012
11 Didier Drogba Elfenbeinküste 11.03.1978 2012
21 Salomon Kalou Elfenbeinküste 05.08.1985 2012
23 Daniel Sturridge England 01.09.1989 2013



Ein Blick in die Kabine

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Alle Erfolge auf einen Blick

Europapokal der Pokalsieger: 1971, 1998
Europäischer Supercup: 1998
Englischer Meister: 1955, 2005, 2006, 2010
FA Cup: 1970, 1997, 2000, 200,7, 2009, 2010
Community Shield: 1955, 2000, 2005, 2009
League Cup: 1965, 1998, 2005, 2007
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Quellen: Wikipedia / Chelsea FC / 11Freunde / Weltfußball / Transfermarkt


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