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Erneuter Wettskandal in Deutschland weitet sich aus

17. März 2006, 15:07 geschrieben von Heiland, abgelegt unter Deutscher-Fussball.

Man fühlt sich irgendwie an den alten Film “Der Clou” von George Roy Hill erinnert. Auch da ging es um illegale (Pferde-)Wetten. Damals wollte man nur einen reichen Gauner ausnehmen, ohne dass er es merkte. Heute ist die Angelegenheit weit ernster und die Organisation wesentlich größer und komplexer verstrickt.

fussball.com berichtet: Nach Informationen des Magazins «stern» soll ein in Malaysia geborener Chinese (einer von vier Verdächtigen, die in Weiterstadt bei Darmstadt in Untersuchungshaft sitzen, Anm. d. Red.) im Zentrum des neuen Wettskandals stehen. Nach Erkenntnissen der hessischen Ermittlungsbehörden sei der 45-jährige Mann aus Bad Dürkheim Kontaktmann einer internationalen Organisation, die bis nach China und Vietnam reiche. Die Gruppe soll Fußballspieler und Trainer durch Zahlungen von 5.000 bis 15.000 Euro veranlasst haben, Spiele in europäischen Ligen zu manipulieren. Bei der Festnahme des Mannes in Mannheim seien in dessen Bad Dürkheimer Wohnung 50.000 Euro Bargeld und Spielbank-Jetons im Wert von 150.000 Euro gefunden worden. Ermittler des hessischen Landeskriminalamts gingen dem Verdacht der Geldwäsche nach, weil Spuren des Wettskandals auch in die Spielbankszene führten.

Diese Wettmafia soll nach Angaben des ARD-Politmagazins Plusminus ein europaweites Netzwerk aufgebaut haben. Die so genannten Wettpaten treffen Absprachen mit den Fussballprofis und informieren dann über Handy ihre Mittelsmänner in ganz Europa, die ihrerseits die Wettaufträge an die Komplizen weitergeben. Anschließend wird eine Vielzahl von kleinen Wetten mit meist vergleichsweise kleinen Beträgen platziert – kombiniert mit Wetten auf andere Spiele. Der Gewinn fließt in die Taschen der Wettpaten, wobei die Mittelsmänner dadurch mitverdienen, dass sie selbst auch auf die Spiele wetten. Auch die Fussballprofis erhalten ein Honorar. Auffällig ist das nicht, und wenn, dann meist zu spät.

Laut der Münchener Tageszeitung “tz” sind die Spieler Schweinsteiger (FC Bayern) bzw. Agostino und Lanzaat (1860 München) in den Skandal verwickelt. Alle betroffenen Spieler erhielten von ihren Vereinen – im Fall Schweinsteiger auch vom DFB – volle Rückendeckung. Die Staatsanwaltschaft München I bestätigte inzwischen durch ihren Pressesprecher, dass es kein Ermittlungsverfahren gegen den Nationalspieler gibt und er auch nicht vernommen wurde. Der FC Bayern München lässt mittlerweile durch einen Anwalt rechtliche Schritte gegen die Berichterstattung prüfen.

Der Wettmarkt wächst. Der Umsatz mit Sportwetten wird von Experten auf 4 Mrd. Euro für das Jahr 2006 geschätzt. Doch die Wettmanipulationen sind nur eine Seite der Medaille. Es gibt bundesweit zahllose private Wettanbieter. Die sind zwar – ebenso, wie die Manipulationen – illegal, aber wenigstens bis zum 28. März 2006 werden die Behörden nicht eingreifen. Dann entscheidet das Bundesverfassungsgericht über die Legalisierung des privaten Anbietens von Sportwetten. Dabei befinden sich die Obersten Richter in einem Dilemma: Entscheiden sie für die Legalisierung, so wächst der Wettmarkt weiter. An möglichen Manipulationen würde das allerdings nichts ändern. Entscheiden sie dagegen, weichen die privaten Wettanbieter auf das Internet aus. Damit würde sich die Problematik auf eine andere Ebene verlagern, aber ebenfalls nicht gelöst werden.

All diese Vorfälle werfen kein gutes Licht auf den Sport im Allgemeinen – und besonders nicht auf die bevorstehende Weltmeisterschaft in Deutschland. Aber wir können auch fragen: Muß dieser Skandal wirklich auf unsere WM-Vorfreude abfärben? Wohl nicht! Denn würde es uns auch interessiert haben, wenn beispieweise im Vorfeld der letzten WM-Endrunde in Japan und Südkorea bekannt geworden wäre, dass Zweit- und Drittligaspiele – angeblich – manipuliert worden wären? Aber wenn sich die Verstrickungen tatsächlich auf ganz Europa und sogar bis nach China und Vietnam erstrecken, dann zieht der Skandal wohl weitere Kreise.

Plusminus-Bericht
Wettskandal im Forum I
Wettskandal im Forum II


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