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La Divina Commedia - ein Kommentar

27. Juli 2006, 15:34 geschrieben von Kival, abgelegt unter Int-Fussball.

La Divina Commedia – ein Kommentar

Für die moderne, italienische Sprache war das Hauptwerk Dante Alighieris wesentlich bestimmend: La Divina Commedia. Eine neue Komödie haben die Berufungsrichter mit ihrem Urteil geschrieben – wird sie ähnlich maßgeblich für den modernen, italienischen Fußball?

Ein paar Götzen fallen – für ein paar Jahre

Die italienischen Sportgerichtshöfe haben eine historische Chance verpasst, den Fußball rein zu waschen. Die Götzendämmerung hat nur ein paar Götzen gestürzt: Mazzini, Giraudo, della Valle, Lotiti, Pairetto, Lanese und natürlich Moggi. Luciano Moggi wird beinahe als Alleinschuldiger gehandelt, aber auch er könnte theoretisch nach fünf Jahren wieder ins Fußballgeschäft eingreifen, genau so wie die anderen Verurteilten. Die Senkung ihrer Strafen nach dem Berufungsverfahren ist bedrückend. Insbesondere der beinahe Freispruch des ehemaligen Präsidenten des Fußballverbandes, Carraro, der nun nur noch eine Geldstrafe zahlen muss, wirft Fragen auf. Es ist auszuschließen, dass er von den Manipulationen nichts mitbekommen hat, aber vier der fünf Berufungsrichter wurden damals von ihm eingesetzt…

Lieber gleich mildere Strafen für die Vereine

Als Beobachter aus der Distanz lässt sich nur schwer darüber urteilen, ob das einzelne Strafmaß für die Vereine gerecht ist oder nicht. Turin hat sich durch die Manipulation mindestens zweier Meisterschaften eindeutig schuldig gemacht und ihre Zwangsrelegation ist unumgänglich. Dass die alte Dame nach der Berufung vermutlich ein Jahr später wieder in der Serie A spielen wird, kann man aber kaum hinnehmen. Eine sonderlich abschreckende Wirkung hat es jedenfalls nicht. Bei den anderen Vereinen wird es bis zur Veröffentlichung der Urteilsbegründung fraglich bleiben, weshalb ihr Strafmaß so drastisch gesenkt wurde. Milan darf nun als Mitwisser – womöglich sogar Mitnutznießer – des Skandals bei der Champions-League-Qualifikation teilnehmen, wenn die Uefa es zulässt. Noch stärker drängt sich aber die Frage auf, warum Lazio und Fiorentina nun nicht mehr wegen Manipulation verurteilt wurden. Nur deshalb dürfen sie in der ersten Liga verbleiben.

Hätte es für die Vereine schon in der ersten Instanz mildere Urteile gegeben, gäbe es nun keinen Aufschrei des Entsetzens. So riecht es nach Filz, erstarrten Machstrukturen und weiterer Kooperation. Das mag es alles nicht geben, aber die Außenwirkung dieser Urteile, die vorgestern durch den Vorsitzenden Richter Pierro Sandulli bekannt gegeben wurden, ist verheerend und wird noch verheerender werden. Das Ausbleiben einer Urteilsbegründung wirft auch kein gutes Licht auf das Berufungsgericht.

Die Hoffnung stirbt zuletzt

“Lasst, die ihr eintretet, alle Hoffnung fahren!”, heißt es auf dem Höllentor bei Dante. Für den italienischen Fußball ist zwar noch nicht alle Hoffnung verloren, aber der Calcio hat die Vorhölle bereits durchschritten. – Es bleibt zu hoffen, dass der ganze Skandal wirklich eine Komödie ist, und alles zu einem guten Ende kommt. Das ist aber nur möglich, wenn endlich mit einer lückenlosen Aufklärung begonnen wird; d.h. die be- und entlastenden Beweise offenlegen, weiterhin Manipulationen konsequent – wenn schon nicht hart – bestrafen und dafür sorgen, dass die verurteilten Protagonisten des Skandals in vier, fünf Jahren nicht wieder in gehobene Positionen im italienischen Fußball gelangen. Doch es sieht eher düster aus: Sollte es Juve, Fiorentina und Lazio gelingen, vor dem Verwaltungsgericht in Rom ihre Strafen noch weiter zu senken, gar straffrei ausgehen würden, geht der letzte Rest Vertrauen und Glauben an den Fußball in Italien verloren. Den dritten Ring des achten Höllenkreises hat er schon erreicht: Dieser ist in der göttlichen Komödie für die Betrüger vorbehalten…


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