Die neuen Gesichter der Bundesliga
6. August 2006, 12:37 geschrieben von Elbefohlen, abgelegt unter Deutscher-Fussball.
Die Liga beklagt hochkarätige Abgänge
Wenn am nächsten Freitag mit der Partie Bayern München gegen Borussia Dortmund die neue Saison eingeläutet wird, wird so mancher Zuschauer vergeblich nach einigen altbekannten Gesichtern Ausschau halten. Dass Michael Ballack Deutschland verlassen hat und sein Geld künftig auf der Insel bei Chelsea London verdient, hat wohl jeder irgendwie mitbekommen. Doch neben Ballack haben noch einige andere Akteure der Bundesliga den Rücken gekehrt, die in den letzten Jahren zu den Aushängeschildern gehörten und auf der Beliebtheitsskala der Fans ganz oben standen.
So muss der FC Bayern künftig auf Altmeister Bixente Lizarazu und Ze Roberto verzichten, Werder Bremen auf “Le Chef’“ Johan Micoud, die Berliner Hertha auf den zwischen Genie und Wahnsinn pendelnden Brasilianer Marcelinho und Bayer Leverkusen auf seinen bulgarischen Goalgetter Dimitar Berbatov. Auch die großen Revierclubs blieben nicht verschont. Während Schalke 04 neben Publikumsliebling Ebbe Sand noch Christian Poulsen verloren hat, trauern die Dortmunder Anhänger den beiden tschechischen Stars Koller und Rosicky nach. Und diese Liste ließe sich noch verlängern, denn insgesamt 128 Profis haben die Bundesliga verlassen.
Die neuen ausländischen Gesichter
Doch die 18 Erstligavereine bewiesen im WM-Sommer Mut zum Risiko und investierten für 142 Fußballprofis die stolze Summe von 88,7 Millionen Euro (2005 waren es 71,1 Mio.). Während der deutsche Rekordmeister von der Isar mal wieder im Inland “wilderte“ und für Podolski (FC Köln) und van Buyten (HSV) jeweils 10 Millionen Euro an die abgebenden Vereine überwies, schaute sich das Gros der Liga auch im Ausland um.
So ersetzte der Hamburger SV den Verlust seines belgischen Abwehrchefs mit dessen jungen Landsmann Vincent Kompany. Dem 20-Jährigen eilt der Ruf eines Supertalents voraus, viele Experten sehen ihn stärker als van Buyten. Kompany hat zwar nicht die Größe und Robustheit seines Vorgängers, gilt aber als technisch versierter und besser im Spielaufbau. Zudem verfügt der mit acht Mio. Euro teuerste Transfer der Vereinsgeschichte über einen gesunden Ehrgeiz. “Ich will Meister werden – das ist mein Ziel“, stellte er bei seiner Vorstellung gegenüber der Presse klar.
Auch der Rivale aus dem Norden frischte seinen Kader mit ausländischen Profis auf. Als neuer Spielgestalter soll der Brasilianer Diego, der für sechs Mio. Euro vom FC Porto an die Weser wechselte, in die Fußstapfen des zu Girondins Bordeaux abgewanderten Franzosen Johan Micoud treten. Die Bürde ist groß, doch zeigen sich sowohl Manager Allofs als auch Trainer Schaaf vom 21-Jährigen begeistert und loben seine Fähigkeit, eine Partie “allein entscheiden zu können“. Weitere namhafte Neuzugänge in Bremen sind der aus Kamerun stammende Defensivspieler Womè, der ablösefrei von Inter Mailand kam und der junge Portugiese Hugo Almeida, der eine Alternative für den Sturm darstellt und auf Leihbasis vom FC Porto geholt wurde.
Die beiden ewigen Kontrahenten aus dem Kohlenpott gingen diesmal unterschiedliche Wege. Während man sich Schalke aufgrund finanzieller Zwänge dieses Jahr mit teuren Verpflichtungen zurückhielt – Peter Lövenkrands (Glasgow Rangers), Halil Altintop (K’lautern) und Mattias Abel (Mainz) kamen ablösefrei – und verstärkt auf den eigenen Nachwuchs setzt, wurde in Dortmund zum ersten Mal seit Jahren wieder kräftig Geld in den Kader gesteckt. Der schweizer Nationalstürmer Alex Frei, der für 4,1 Millionen Euro von Stade Rennes losgeeist wurde, soll gemeinsam mit dem 4,5 Millionen Euro teuren Ex-Bremer Nelson Valdez im Angriff des BVB für Torgefahr sorgen und Jan Koller (AS Monaco) vergessen machen. Als Ersatz für den zum FC Arsenal London abgewanderten Tomas Rosicky soll künftig der Steven Pienaar im Mittelfeld die Fäden ziehen. Der 23-jährige südafrikanische Nationalspieler kam ohne Ablöse von Ajax Amsterdam.
Dem VfB Stuttgart fielen bei der WM vor der eigenen Haustür zwei Mexikaner ins Auge. Da die Objekte der Begierde, Pavel Pardo und Ricardo Osorio ebenfalls Wechselabsichten bekundeten, wurde man sich schnell einig und schloss längerfristige Verträge. Auch in Leverkusen und Nürnberg fanden WM-Teilnehmer Unterschlupf. Bayer-Coach Skibbe freut sich über den Tunesier Karim Haggui, der für 2,5 Millionen Euro von Racing Straßburg zur Werkself stieß. Beim Club in Nürnberg freut man sich unterdessen auf Thomas Galasek. Der 33 Jahre alte Kapitän der tschechischen Nationalmannschaft kommt ablösefrei von Ajax Amsterdam und soll mit seiner immensen Erfahrung zur Führungspersönlichkeit an der Noris avancieren.
Der VfL Wolfsburg und Borussia Mönchengladbach die beide händeringend nach Spielgestaltern Ausschau hielten, wurden in Argentinien fündig. Die Wölfe verpflichteten für 3,5 Millionen Euro den 24-jährigen Jonatan Santana von River Plate. Die Borussia einigte sich nach wochenlangem Gezerre mit dem zweiten großen Hauptstadtclub, den Boca Juniors, auf einen Wechsel von Federico Insua. Der 26-Jährige ist ein “echter Zehner“ und mit rund vier Millionen Euro Ablöse der teuerste Transfer des Traditionsvereins vom Niederrhein.
Der hoffnungsvolle deutsche Nachwuchs
Hinter den ganzen ausländischen Stars und Sternchen brauchen sich unsere deutschen Kicker aber nicht zu verstecken. Denn hinter den Nationalspielern wie Frings, Borowski, Lahm, Podolski oder Schweinsteiger, um nur einige zu nennen, die uns bei der WM so begeistert haben, stehen bei vielen Vereinen zahlreiche junge Talente in den Startlöchern, die auf ihren Einsatz brennen. Manche von ihnen, wie etwa Kießling (Leverkusen), Polanski (M’gladbach) oder Hilbert (Stuttgart) haben bereits mit Nachdruck auf sich aufmerksam gemacht und konnten sich für höhere Aufgaben empfehlen. Andere – und es gibt diese Jungen bei wohl jedem Bundesligaclub – werden sich ins Rampenlicht spielen und den etablierten Profis Beine machen. Hoffentlich…
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