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[Die Bundesliga im MAG-Test] FC Schalke 04

9. August 2006, 16:22 geschrieben von Tschaikowskij, abgelegt unter Deutscher-Fussball.

Die Bundesliga im MAG-Test: FC Schalke 04


FC Schalke 04

Verein und Umfeld

In der abgelaufenen Spielzeit rumorte es kräftig in der Führungsetage des Meisters von 1958. Schalke-Urgestein Rudi Assauer wurde entmachtet, die Geschicke lenkt jetzt Manager Andreas Müller. Dieser fährt zum Beispiel beim Thema Neuverpflichtungen eine andere Strategie als sein Vorgänger. Erstmals seit der Saison 2000/2001 weisen die Knappen eine positive Transferbilanz auf. Es wurden ausschließlich ablösefreie Spieler, eigene Amateure und Spieler aus der eigenen Jugend neu in den Profikader berufen. Desweiteren scheint Müller im Mannschaftskreis schon mal vorsorglich die Ellbogen ausgefahren zu haben. “Einige Spieler waren schon über, dass ich sie härter anpacke. Es nützt eben nichts, über gewisse Dinge nur zu reden, man muss sie umsetzen. Dazu gehört: Wer unseren Weg nicht mitgehen will oder kann, von dem muss man sich eben trennen. Ein ‘ja, aber’ der Spieler wird nicht mehr akzeptiert. Im Vorjahr gab es da noch zu viele Schlupflöcher…” wird er auf kicker.de zitiert. Als seine Hauptaufgabe sieht Müller ein echtes Team zusammenzuschweißen; als Vorbild gelten dabei wie eigentlich immer seit dem UEFA-Cup-Triumph die “Eurofighter”, denen Müller ja noch als Spieler angehörte.

“Vereinsidentifikation” betreibt Schalke bereits in der Jugendabteilung. Mit Timo Kunert, Sebastian Boenisch, Dennis Lamczyk schafften diese Saison gleich drei A-Jugendliche den Sprung in die Profimannschaft. Und der Unterbau wird weiter gestärkt. Ende Juni 2006 meldeten die Presseagenturen die Verpflichtung eines erst 13-jährigen. Nikon Jevtic heißt das Objekt der Begierde, schon 2005 verpflichtete der FC Valencia das damals elfjährige Wunderkind. Dort wurde der in England aufgewachsene Serbe (spricht neben serbokroatisch und englisch auch deutsch) nicht glücklich, auf Schalke soll Nikon über Jahre hinweg behutsam ans Profigeschäft herangeführt werden. Schalke setzte sich beim Werben um “eines der größten Talente weltweit” (kicker.de) gegen den PSV Eindhoven, spanische und englische Vereine durch und stattet Nikon mit einem Vertrag bis 2009 incl. Optionen auf weitere Jahre aus.
Mit ihm im Paket kommt sein zehn Jahre älterer Bruder Nestor. Er übernimmt bei den Königsblauen die neu geschaffene Aufgabe des Techniktrainers, die er zuvor schon im Jugendbereich des FC Valencia bekleidete.

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Der Trainer

Nach der Entlassung des “Missverständnisses” Ralf Rangnick übernahm in der letzten Saison für viele völlig überraschend der Co-Trainer Mirko Slomka das Ruder bei den Knappen. Als Neuling im Profigeschäft steht der gebürtige Hildesheimer vor seiner ersten kompletten Saison als Cheftrainer. Bisher lebte Slomka von seinem Standing in der Mannschaft, die Spieler sahen ihn als einen der ihren an. Slomka wird sich vor der Führungsetage, vor allem aber vor den Schalker Anhängern beweisen müssen. Das Minimalziel wird die Qualifikation für die Champions League sein, dabei sollte die Mannschaft aber möglichst gleich “oben mitspielen” um nicht direkt in die Kritik zu geraten. Deswegen wurde – frei nach Jürgen-Klinsmann-Manier – als Saisonziel der Titel ausgegeben.

Trotz der Probleme mit Spielmacher Lincoln im vergangenen Jahr stellt Slomka sich demonstrativ hinter seinen Brasilianer: “Lincoln ist gesetzt, das kann man sicherlich sagen”. Die Harmonie mit seinem Denker und Lenker auf dem Platz sollte Slomka herstellen und beibehalten. Ist Lincoln unzufrieden, äußert sich das schnell in seinem Spiel. Auch das ist eine Bewährungsprobe für den Trainernovizen.

Abgänge und Neuzugänge

Abgänge: Ebbe Sand, Marco van Hoogdalem, Tomasz Waldoch (alle Karriereende), Thomas Kläsener (RW Essen), Christian Poulsen (FC Sevilla), Christopher Heimeroth (Borussia Mönchengladbach), Mimoun Azaouagh (ausgeliehen zum FSV Mainz 05), Niko Bungert (ausgeliehen zu Kickers Offenbach)
Zugänge: Mathias Abel (FSV Mainz 05), Halil Altintop (1. FC Kaiserslautern), Peter Løvenkrands (Glasgow Rangers), Timo Kunert, Sebastian Boenisch, Dennis Lamczyk (alle aus der eigenen Jugend), Mesut Özil, Markus Heppke, Mario Klinger (alle aus der “Zweiten”)

Von den Stammspielern der letzten Saison verließ nur Christian Poulsen den Verein. Die Lücke im defensiven Mittelfeld wird Slomka sicher aus den eigenen Reihen schließen können. Fabian Ernst scheint gesetzt, nach dessen Knie-OP könnte aber auch Timo Kunert seine Chance in der ersten Elf bekommen.

Mit Mathias Abel aus Mainz, Halil Altintop aus Kaiserslautern und Peter Løvenkrands von den Glasgow Rangers kamen drei ablösefreie Spieler zu Schalke. Abel war in der vergangenen Saison einer der zweikampfstärksten Innenverteidiger der Liga, ist aber laut Slomka erst einmal nur als Backup für die Arriverten Marcello Bordon, Mladen Kristajic und Dario Rodriguez angedacht. Halil Altintop spielt künftig wieder mit seinem Bruder Hamit zusammen, ihm werden Chancen auf einen Platz als Außenstürmer (im 4-3-3) oder sogar als Sturmspitze (im 4-4-2) eingeräumt. Beim technisch starken Türken lobt Andreas Müller sein Durchsetzungsvermögen und seine Unbekümmertheit, jedoch müsse er vor dem Tor noch ruhiger werden. Ebenfalls als Außenstürmer ist Peter Løvenkrands vorgesehen. Der Däne gilt als sehr schnell und soll die gegnerische Abwehr beschäftigen, um den Gegner davon abzuhalten, viel Druck auf das Schalker Mittelfeld auszuüben.

Mannschaft und Spielsystem

Der Spielerkader lässt Slomka die Möglichkeit offen, je nach Gegner sehr flexibel zu spielen. Egal ob 4-4-2, 4-3-3 oder 4-5-1, für jede dieser taktischen Varianten bietet der Kader von S04 genügend Alternativen. Als “Standardaufstellung” wird sicherlich das gewohnte 4-3-3 herhalten.

Die Abwehr wird also standardmäßig als Viererkette auflaufen. Der neue Kapitän Marcello Bordon sollte hier seinen Stammplatz in der Innenverteidigung sicher haben. Neben ihm dürfte Mladen Kristajic auflaufen. Der Serbe kämpft aber momentan noch mit den Folgen eines Armbruchs, Dario Rodriguez steht aber schon Gewehr bei Fuß. Rodriguez könnte sogar den Stammplatz sicher haben, sollte das Experiment mit dem 19-jährigen Sebastian Boenisch auf der linken Verteidigerposition nicht aufgehen. Dann können sowohl Rodriguez als auch Kristajic auf diese Position rücken. Der Ex-Mainzer Mathias Abel gilt aktuell nur als Backup für die etablierten Innenverteidiger. Rechts kämpft Rafinha mit Gustavo Varela um den Stammplatz, der Brasilianer dürfte aber, wenn er fit ist (Bänderriß), die besseren Karten haben.
Nach dem Abgang von Christian Poulsen übernimmt im Normalfall Fabian Ernst die Rolle vor der Abwehr. Als Alternative sieht Slomka Timo Kunert. Er schätzt die Bissigkeit des 19-jährigen.

Richtig rund gehen wird es dagegen in der Offensive. Gesetzt scheint nur Spielmacher Lincoln. Spielt Slomka 4-3-3, würde die Ersatzbank illustre Gesellschaft beherbergen. Von den Stars Hamit Altintop, Levan Kobiashvili und Zlatan Bajramivic könnte nur einer spielen. Im Sturmzentrum zanken sich Kevin Kuranyi und Sören Larsen um den einzigen Platz, rechts hat es Nationalspieler Gerald Asamoah mit Halil Altintop zu tun, einzig Neuzugang Løvenkrands scheint auf links einer ruhigeren Konkurrenzsituation entgegen zu sehen.

Spielt Slomka 4-4-2, wird die Situation vorne nicht besser. Lincoln füllt wieder die zentrale Rolle aus, im linken Mittelfeld sehe ich Kobiashvili. Rechts streiten sich Varela, Bajramovic und Hamit Altintop um den Platz, den auch Gerald Asamoah einnehmen kann. Varela könnte notfalls nach links ausweichen. Vorne sind dann wohl die beiden Mittelstürmer Larsen und Kuranyi gesetzt. Denkste. Slomka heizte mit der Aussage, die beiden Flügelstürmer Halil Altintop und Løvenkrands könnten auch als Zweierangriff überzeugen, den erbarmungslosen Konkurrenzkampf unter den Stürmern an.

Die Wunschformation

Die Prognose

**** – Die ohnehin schon starke Defensive hat Schalke mit der Verpflichtung von Abel noch weiter gestärkt – und der wird voraussichtlich zu Saisonbeginn nicht mal zur ersten Elf gehören. Der Konkurrenzkampf im Mittelfeld und im Sturm verspricht ein Hauen und ein Stechen, das ohne weiteres die Leistungen auf dem Platz positiv beeinflussen kann. Allerdings muss Slomka aufpassen, dass er jederzeit die Kontrolle über den Kader und den Respekt der Spieler behält. Das Verhältnis zu Lincoln ist dabei nur ein Puzzleteil, sicher aber das wichtigste. Zur Meisterschaft wird es auch dieses Jahr nicht reichen, dazu ist die Konkurrenz aus München und Bremen zu stark besetzt. Mein Tipp: Platz 3 – 5


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