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Profis im Fussball-Forum?! Ein Interview mit Alexander Meier von Eintracht Frankfurt

25. Januar 2007, 19:10 geschrieben von Mario, abgelegt unter Deutscher-Fussball.

Internetforen auf dem Vormarsch?!

Internetforen, so scheint es, werden aktuell immer beliebter. Eine neue, bisher unbekannte Dimension der Forennutzung, erreichte im Oktober vergangenen Jahres das Fanforum Eintracht Frankfurts.

Nachdem Jermain Jones das jüngste Vertragsangebot der Eintracht abgelehnt hatte und im Fanforum diverse negative Meinungen der User gelesen hatte, loggte er sich kurzerhand dort ein und diskutierte persönlich mit den Fans, um seine Beweggründe darzulegen. Für die User war das allerdings derart ungewöhnlich, dass sie Jermaine zunächst für einen Betrüger hielten. Die Richtigkeit seiner Identität konnte letztlich doch noch glaubhaft gemacht werden und fortan entstand eine seitenlange Diskussion zwischen Profi und Fans. Jones nahm die Möglichkeit wahr und schilderte, aus welchen persönlichen Gründen er schließlich das Vertragsangebot des Vereins ablehnen musste und erreichte damit eine andere, objektivere Sichtweise bei den Fans.

Auch in unserem Forum kam immer wieder die Frage auf, ob Profis möglicherweise Internetforen aufsuchen, um sich dort über die Fanmeinung zu informieren, oder vielleicht sogar persönlich mit ihnen auseinander zu setzen. Definitiv klären lässt sich das Thema wohl nicht. Zuletzt wurde vor gut einem Jahr, nämlich am 3. September 2005 ein entsprechender Thread in unserem Forum eröffnet, der sich damit beschäftigte und wir sind sicher, dass die Diskussion durch diesen Bericht neuen Nährboden erhält.

Naturgemäß haben sich die Redakteure des Magazins gefragt, ob der Boom von Internetforen nicht auch die Herren Profis immer mal wieder vor den PC lockt, und wo könnte man zuverlässigere Antworten darauf finden, als beim Profi direkt. Also haben wir Alexander Meier (seines Zeichens wortkarger Natur) von Eintracht Frankfurt persönlich zum Thema befragt. An dieser Stelle möchten wir uns bei ihm und dem Medienbeauftragten von Eintracht Frankfurt, Michael Feick, herzlich bedanken, der für uns den Kontakt zum Youngstar hergestellt hat.
Da wir die User zuvor um Anregungen gebeten hatten, sind selbstverständlich auch Eure Wünsche berücksichtigt worden.

MAG:
Herr Meier, Internetforen, so scheint es, werden immer beliebter.
Eine neue Dimension hat allerdings das Fanforum der Eintracht erreicht, als Jermaine Jones den Kontakt zu den Fans suchte, um seine Sicht zur Ablehnung des jüngsten Vertragsangebotes zu schildern. Wir vom Magazin vertreten die These, dass dieser Auftritt eines Profis im Forum nicht der erste und schon gar nicht der letzte war. Würden Sie dieser These zustimmen und haben Sie selbst schon mal ein Internetforum aufgesucht?

Alexander Meier:
Für mich schließe ich dies aus, auch wenn ich finde, dass Jermaine Recht hatte, sich auch mal zu Wort zu melden. Aber ich kenne die Leute im Forum nicht und sie kennen mich nicht. Ich messe dem Forum deshalb nicht so große Bedeutung bei.

MAG:
Jermaine Jones’ Anlass war ja die Tatsache, dass er im Forum diverse negative Meinungen der Fans/User über die Ablehnung des Vertragsangebotes gelesen hatte und sich durch sein Einwirken Klärung erhoffte. Gab es für Sie mal eine ähnliche Situation, oder könnten Sie sich generell vorstellen, den Kontakt zu den Fans über eine Internetplattform herzustellen, gleich aus welchem Grund? Oder sehen Sie gar die Möglichkeit, dass sich Profis unter Verwendung eines Nicknamen sozusagen inkognito durch ein Forum bewegen, um dort mit den Usern/Fans verschiedene Themen zu diskutieren?

Alexander Meier:
Klar besteht diese Möglichket. Aber im Prinzip sollten wir Profi-Fußballer uns darauf konzentrieren, Leistung zu bringen und mit unseren Trainern über unsere Spiele diskutieren.

MAG:
Uns wurde bekannt, dass ein aufstrebender Jung-Profi seinen Einsatz wiederholt vehement im Internet-Forum des Vereins gefordert hat. Sind Ihnen auch derartige Fälle bekannt? Wir bitten um Verständnis, dass wir nichts Konkretes weitergeben dürfen, da wir um Diskretion gebeten wurden.

Alexander Meier:
Nein, so etwas kann ich mir nicht vorstellen. Das würde für mich auch nicht in Frage kommen.

MAG:
Der Kontakt zu den Fans scheint hinsichtlich der Außendarstellung eines Profiklubs ein wichtiges Kriterium darzustellen, auch und gerade dann, wenn es für das Team mal nicht rund läuft. Auf Eintracht.de werden regelmäßig Fan-Chats angekündigt. Scheinbar gibt es auch in diesem Bereich ein reges Interesse. Ein Nachteil könnte aus meiner Sicht jedoch sein, dass nur relativ wenige in den Genuss kommen, ihre Fragen an die Profis los zu werden, weil der Andrang wahrscheinlich unüberschaubar ist. Forenbeiträge hingegen sind verewigt. Wenn Sie Chat und Forum miteinander vergleichen, wo sehen Sie Vor – und Nachteile? Was von beiden würden Sie bevorzugen? Was von beidem, meinen Sie, hat der Fan am liebsten?

Alexander Meier:
Ich finde den Fan-Chat hier bei der Eintracht gut. Aber wir sind in erster Linie Fußballer und müssen Leistung bringen. Wenn man dazu noch rund um die Uhr Medien und Fans mit Statements und seinen eigenen Meinungen „bedienen“ muss, kommt man ja nicht mehr dazu zu trainieren. Ich möchte nicht unbedingt jeden Abend am PC hängen und irgendwelche Meinungen im Forum Kund tun. Ich habe auch ein Privatleben und Freunde, die ich treffen möchte.

MAG:
Wir haben beobachtet, dass selbst in der fußballlosen Zeit, wie der Winterpause, relativ viele User in unserem Forum unterwegs sind. Hohe Frequenzen entstehen immer dann, wenn neue Informationen über die verschiedensten Medien bekannt gegeben werden, wie beispielsweise Transfers, Vertragsverhandlungen oder Ähnliches. Die User wollen sich informieren, vor allem aber auch diskutieren, bzw. Ihre Meinung kundtun und die Meinung des Anderen in Erfahrung bringen. Eine Außendarstellung der Fans sozusagen und das, obwohl die wenigsten User persönlich miteinander bekannt sind. Interessiert es einen Fußballprofi, wie der Fan als Internetnutzer über ihn denkt, bzw. was er von dessen Aktivitäten hinsichtlich beispielsweise von Vertragsverlängerung oder dergleichen hält, oder lässt das den Profi kalt, weil dies private Angelegenheiten sind?

Alexander Meier:
Mich interessiert es schon, aber in einem Internet-Forum läuft mir das alles zu anonym ab. Du weißt nie, wer da gerade schreibt, wer Dich beschimpft oder wer dich lobt. Ich finde, dass es in manchen Foren schon sehr wild zugeht – zu wild für meinen Geschmack.

MAG:
Weitere Höhepunkte im Forum erleben wir jeweils an Spieltagen, kurz nachdem die Spiele beendet sind. Auch hier wieder die gleichen Beweggründe der User. Wie haben andere Forenmitglieder das Spiel gesehen, wie die Leistung der Mannschaft, wie die des einzelnen Spielers? Liest ein Profi, lesen Sie in der Freizeit möglicherweise in einem Forum mit, um zu erfahren, welche Meinung die Fans über das Spielgeschehen oder möglicherweise seine/ihre eigene Leistung haben? (Falls ja, was leiten Sie aus der Fanmeinung ab?) Ist der Fan/User Fachmann genug, um das Geschehen objektiv beurteilen zu können? Hat ein Profi überhaupt genug Zeit, um die Meinung des Fans einzuholen, oder geht das im beruflichen Alltag unter?

Alexander Meier:
Es gibt viele Fans, die sehr viel Ahnung vom Fußball haben. Mit Sicherheit würde ein Profi auch Zeit dazu finden, mit den Fans zu diskutieren. Aber wie gesagt: ich persönlich höre mir lieber die Kritik meines Trainers an.

MAG:
Ist es Ihnen als Profis wichtiger, unmittelbar nach einem Spiel mit den Fans vor Ort zu reden, oder bevorzugen sie den Kontakt über Foren? Ist eine Zunahme der Kontakte zu Foren erkennbar, soweit sich das aus Ihrer Sicht beurteilen lässt?

Alexander Meier:
Ich bevorzuge den persönlichen Kontakt.

MAG:
Letzte Frage als Eintracht-Fan: Auf welchem Tabellenplatz steht Eintracht Frankfurt am Ende der Saison und wie weit kommt ihr im DFB-Pokal?

Alexander Meier:
Auf einem Nichtabstiegsplatz. Ich hoffe bis ins Finale.


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