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Quergepasst: UEFA fällt an FIFA

26. Januar 2007, 15:17 geschrieben von Jiinxo, abgelegt unter Int-Fussball.

Quergepasst: UEFA fällt an die FIFA

Die Autonomie des europäischen Fußballs stand heute in Düsseldorf auf dem Spiel, als der neue UEFA-Präsident gewählt wurde. Viel zu wenig öffentlich ist diese Tatsache in den letzten Wochen thematisiert worden. Außer dem ewigen FIFA-Gegner Thomas Kistner von der Süddeutschen Zeitung hat sich kaum jemand des Themas in der nötigen Breite gewidmet. Was im Vorbeigehen wie die Wahl zwischen einem „frischen 51-Jährigen gegen (...) [einen] 77-jährigen, der im eigenen Muff vor sich hin vegetiert“ (SPIEGEL Online) aussah, war in Wirklichkeit ein gelungener Übernahmeversuch.

Michel Platini, der sich als Kämpfer für die Kleinen und die Fans aufspielt, wenn er hehre Sätze wie, er wolle „den Fußball den Fans zurückgeben“ spricht und eine Erweiterung der Europameisterschaft andenkt, ist nämlich nicht nur ein ehemalig genialer Mittelfeldspieler, sondern auch Gefolgsmann des wohl weltweit verhasstesten Fußball-Funktionärs: Joseph Sepp Blatter. Jahrelang war Platini Berater des Schweizers und hat dort auch die verwegenen Tricks des „Godfather sämtlicher Dinge und Personen im Banne des runden Balls“ (Neue Züricher Zeitung) gelernt. Über die Besetzung des Präsidenten wurde streng nach dem Prinzip „ein Land, eine Stimme“ entschieden. Daher hat Platini nicht die wenigen großen Verbände, wie den DFB, umschmeichelt, sondern die vielen kleinen. Es waren die Stimmen aus Aserbaidschan, Kasachstan oder Armenien, die am Ende entschieden, dass die UEFA, das letzte Bollwerk gegen den Blatterismus in die Hände eines Blatter-Getreuen fiel.

Blatters ultimativer Triumph

Für Blatter ist es der ultimative Triumph. Nie machte er aus seinen Sympathien für den Franzosen einen Hehl, bezog öffentlich Stellung für seinen ehemaligen Berater. Nun also hat der Schweizer den bislang unruhigsten Kontinentalverband in der Hand. Seit Johanssons Niederlage gegen Blatter im Kampf um den FIFA-Vorsitz schwelte der Konflikt. Vorwürfe der Bestechung im Wahlkampf wurden laut und nach dem Kollaps der Vermarktungsrechte stellte eine Gruppe von FIFA-Exekutivmitgliedern, die Johanssons Lager zugerechnet wurden, Strafanzeige gegen Blatter. Diese lästigen Nebengeräusche des wohl reichsten Kontinentalverbands ist Blatter mit der Wahl Platinis nun los, seine Macht ist wohl auf Jahre gesichert und ein Nachfolger wird mit Platini womöglich auch noch aufgebaut.

Sicher, Johansson ist kein Heiliger, wirkt äußerst spröde und älter als seine 77. Und unter seiner Ägide ist aus dem Europapokal der Landesmeister die kommerzialisierte Champions League geworden. Er galt manchmal als Verfechter der Rechte der Großen und pflegte einen fast technokratischen Amtstil. Doch er hat stets die Autonomie des europäischen Fußballs gegenüber der FIFA verteidigt, diese Festung ist nun gefallen. „Blattini“ regiert nun die UEFA.


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