Rumgekoddert - Von Tabellenführern und Tabellenführern
27. Februar 2007, 16:20 geschrieben von Tschaikowskij, abgelegt unter Deutscher-Fussball.
Ich will nicht …
Ich könnte mich heute über verpasste Chancen an der Tabellenspitze auslassen. Über einen VFB Stuttgart außer Stande den von der Hertha angerührten Beton im Daimler-Stadion zu knacken. Über einen kriselnden Vizemeister, der sich in der gefühlten 198. Minute beim Tabellenletzten noch den Ausgleich einfängt und so die Rückeroberung des zweiten Platzes verweigerte. Oder über den Tabellenführer, der die Steilvorlage seiner ärgsten Konkurrenten einfach ins Toraus trudeln lässt und darüber hinaus seinem Spielmacher eine längere Pause zubilligen muss. Aber ich wollte ja heute nicht nur rumkoddern, sondern auch mal die schönen und erfolgreichen Geschichten aus der Beletage des deutschen Fußballs beleuchten.
Tabellenführer der Rückrunde
Letzte Woche schon kurz angerissen, heute würdige ich die Mainzer mal ausführlich. Auch im sechsten Spiel der Rückrunde blieb Kloppo mit seiner (Narren-)Kappentruppe ungeschlagen, holte seit dem Wiederanpfiff nach der Winterpause 16 von 18 möglichen Punkten (in der kompletten Hinrunde kamen die Rheinhessen nur auf elf Zähler). Eine Fortsetzung der Serie scheint durchaus denkbar. Nächste Woche fahren die Mainzer nach Aachen, um anschließend den direkten Konkurrenten aus Bielefeld am Bruchweg willkommen zu heißen. Holen die Mainzer aus diesen beiden Partien vier Punkte dürfte das schon fast den vor vier Wochen noch für unmöglich erachteten Klassenerhalt bedeuten. Zwei Gründe hat dieser unerwartete Aufschwung. Zum einen kassierte die in der Hinrunde noch arg wackelige Defensive (30 Gegentreffer, 1,8 pro Spiel) seit Rückrundenbeginn nur drei Tore (0,5 pro Spiel). Zum anderen haben die Mainzer seit Rückrundenbeginn einen Spieler in ihren Reihen, der sich Torjäger nennen darf. Mohammed Zidan erzielte sechs der zehn Mainzer Rückrundentreffer. Aktuell ist das Selbstvertrauen am Bruchweg so groß, dass dieses Wochenende sogar der ebenso stark aufspielende 1. FC Nürnberg die drei Punkte hergeben musste.
...ich kann aber nicht anders!
Weil Mainz das einzige ist über das man sich aktuell uneingeschränkt positiv äußern kann, muss ich trotzdem nochmal auf die Situatiuon an der Tabellenspitze zurückkommen. Man hat nicht mehr damit gerechnet, man glaubt es kaum, aber der FC Bayern scheint auf dem besten Weg zurück in den Titelkampf zu sein. Schalke verliert nach dem Unentschieden in Wolfsburg zu Hause gegen die “Truppe der schwankenden Ergebnisse” aus Leverkusen. Dabei schwächen sich die Gelsenkirchener in Person von Spielmacher Lincoln selbst, dazu fallen mit Kristajic, Varela, Lövenkrands, Asamoah, Larsen und Pander Stützen des Teams länger aus. Halil Altintop und Kevin Kuranyi sind im Moment die einzigen gesunden Stürmer und weil Schalke eigentlich ein 4-3-3-System bevorzugt sieht mir das nach einem Stürmer zu wenig aus. Die nächsten Spiele (gegen die euphorisch spielenden Hamburger, bei den starken Hannoveranern, zuhause gegen Titelkandidat Stuttgart und dann in der AllianzArena) werden zur Nagelprobe für die königsblauen Titelambitionen.
Dem VfB Stuttgart scheint die Erfahrung zu fehlen wenn es in die heiße Phase des Titelkampfes geht. Teilweise ist Ludovic Magnin mit seinen knapp 28 Lenzen der Senior auf dem Platz. Trotzdem: Nach dem Schock zum Rückrundenauftakt (1:4 in Nürnberg) haben die Schwaben konstant gute (teils überragende) Ergebnisse erzielt. Einer der ersten drei Plätze ist sicher drin, der allererste aber wohl nicht.
Probleme beim einen, fehlende Erfahrung beim anderen Konkurrenten, warum ist Werder eigentlich noch nicht Tabellenführer? Ganz einfach, nach dem beruhigenden Rückrundenstart (6 Punkte, 5:0 Tore) brach der Vizemeister aus unerfindlichen Gründen ein. Diego fehlt wegen seinem Vater die Form, Klose trifft nicht weil ihm sein Ivan fehlt, die Abwehr steht nicht weil … ja, warum eigentlich? Für mich hat die Instabilität der Bremer Defensive einen Namen: Frank Baumann. Seit der “Sechser” sich am 11. Spieltag verletzte läuft es nicht mehr ganz rund beim SV Werder. In einer Bundesligatabelle “mit Baumann” führt Werder, in einer ohne den Käpt’n liegt man nur auf Rang sechs. Durch diesen Ausfall spielt vor der Abwehr mal Jensen, mal Vranjes. Beide zeigen auf dieser wichtigen Position nicht die Klasse Baumanns. Die Lösung heißt Thorsten Frings, doch lahmt das Offensivspiel wenn Frings ins defensive Mittelfeld geht.
Das einzigen Top-Team, dem ich mal eine Serie von fünf oder sechs Siegen in Serie zutraue ist der FC Bayern. Die sind moralisch oben auf (im Gegensatz zu den Top drei) und empfangen an den nächsten vier Spieltagen zuerst den SV Werder und dann den FC Schalke in ihrer Arena. Ende März könnten die Titelchancen des Rekordmeisters plötzlich wieder völlig intakt sein. Denkt an meine Worte, meine Freunde der Sonne!
Grüße nach Gelsenkirchen, ins Ländle und an den Osterdeich!
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