Fussball-Forum-Fußball von seiner schönsten Seite!
Forum Fussball-Statistiken Magazin Tippspiel Impressum

Rumgekoddert - Ein Traditionsverein in der Durchreiche

6. März 2007, 14:55 geschrieben von Tschaikowskij, abgelegt unter Deutscher-Fussball.

Déjà vu

Vergangenen Sonntag schloss sich mal wieder ein Kreis. Noch nie konnte Cottbus gegen Dortmund punkten. Außer einmal – am letzten Spieltag der Saison 2002/2003. Es war die Saison nach dem letzten Titel der Borussia und Cottbus entführte an diesem 24. Mai den ersten Punkt der Vereinsgeschichte aus Dortmund. Der BVB beendete die Saison dadurch nur auf Platz drei und verpasste zu Beginn der neuen Saison die Champions-League-Teilnahme gegen den FC Brügge. Der Absturz des deutschen Vorzeigevereins der späten Neunziger hatte begonnen, in der Saison 2003/2004 wurde am letzten Spieltag der fünfte Platz verspielt, zu Saisonbeginn des Folgejahres war im UI-Cup gegen den RK Genk Schluss. Nach zwei unbefriedigenden Jahren mit Platz sieben gerät die Borussia dieses Jahr in akute Abstiegsnot. Seit dem Sieg gegen die Bayern zu Beginn der Rückrunde verlor die Borussia gegen die gewünschte Konkurrenz (Stuttgart), die realistische Konkurrenz (Hannover) und die nicht gewollte Konkurrenz (Mainz, Hamburg) vier von fünf Spielen, der vorläufige Gipfel (und damit schließt sich der Kreis) war die Heimniederlage am Sonntagabend gegen Cottbus. Den sechsmaligen deutschen Meister trennen gerade mal noch zwei Pünktchen vom Abstiegsplatz 16. Die weiteren Aussichten? Drei der nächsten vier Spiele bestreitet der BVB auswärts, bei den Abstiegskandidaten aus Bochum, Bielefeld und Aachen. Eigentlich eine begrüßenswerte Situation, hat man doch einerseits die Chance in direkten Duellen die Konkurrenz zu distanzieren und andererseits kann man dies ohne den Druck von über 70.000 Fans im eigenen Stadion tun. Jedoch verstrickt sich der Verein in der Rückrunde zunehmends in eigenverschuldeten Schwierigkeiten. Wurde in der Winterpause mit Jürgen Röber ein Interimstrainer für die Rückrunde installiert steht nach sieben Spieltagen die ernüchternde Bilanz von fünf Niederlagen aus sieben Spielen. Unter dem geschassten Vorgänger Bert van Marvijk waren es in der gesamten Vorrunde genauso viele. Unruhe bringt auch der Rückzug des Vertragsangebotes an Christoph Metzelder. Der Verteidiger ließ die Frist des Angebots (Ende Februar) verstreichen und wird sich aller Voraussicht nach zur neuen Saison einem anderen Verein anschließen. Wieder ein Teil des BVB-Gesichts weniger. Diesem Gesicht wurde am Sonntag ein weiterer Makel hinzugefügt. Ebi Smolarek und sein untauglicher Versuch beim Stande von 2:3 einen Elfmeter zu schinden schadet nicht nur dem Polen, es kratzt auch am Image des Vereins.

Die Schuld der Unschuldigen

Liegt es am Kader? Zwischen den Pfosten steht mit Roman Weidenfeller einer der besten deutschen Vertreter seiner Zunft. Die Verteidigung mit Routinier Wörns und Nationalspieler Metzelder, dazu ein Klassemann wie Dede, braucht sich in der Liga eigentlich nicht auf Platz zehn zu verstecken. Im Mittelfeld tummeln sich mit Sebastian Kehl ein deutscher Nationalspieler, mit Nuri Sahin eines der größten europäischen Mittelfeldtalente, mit dem Brasilianer Tinga ein Top-Transfer und mit Lars Ricken, Florian Kringe und Steven Pienaar, Spieler, die vom Leistungsvermögen her mindestens oberes Bundesliganiveau darstellen sollten. Auch in vorderster Front findet man eigentlich keinen Grund für die Misere. Alex Frei stellt sicher ebenfalls oberes Bundesliganiveau dar, Ebi Smolarek hat in der vergangenen Saison mit 13 Treffern seine Tauglichkeit unter Beweis gestellt und mit Nelson Valdez kam immerhin Stürmer Nummer drei von Deutschlands Torfabrik der letzten Jahre. Wo liegt also das Problem? Man kann jetzt anfügen, dass Wörns und Dede über ihr Zenit hinaus sind, dass Metzelder (wenn er denn mal fit ist) nur im Kreise der Nationalelf zu Höchstform aufläuft, dass Kehl lange verletzt war, dass Sahin noch jung ist und halt Leistungsschwankungen unterliegt, dass man Tinga und Pienaar eine Eingewöhnungszeit zubilligen muss und dass Valdez (NULL Tore in Dortmund!!) noch nicht angekommen ist. Das sind mir aber zu viele Schuldzuweisungen. Was die Mannschaft kann hat sie gegen die Bayern gezeigt. Da flackerte wieder kurz das Dortmund auf, dass die Zuschauer kennen und sehen wollen: Eine geschlossene und kompakte Mannschaftsleistung, Rennen und Kämpfen bis zum Umfallen, Leidenschaft und Herzblut. Mit dieser Einstellung zum Spiel und dann auch begeisterten 80.000 Zuschauern im Rücken stünden da nicht nur vier Heimsiege nach 13 Spielen. Die Festung Westfalenstadion ist zum Selbstbedienungsladen Signal-Iduna-Park geworden.

Der Kampf gegen Turbinen

Kontinuität gibt es in Dortmund nicht. Ein Trainer, der den Verein durch die größte Finanzkrise der Geschichte führte, Leistungsträger wie Thorsten Frings und Ewerthon ziehen lassen musste und in zwei Jahren für die Verstärkung dieses Kaders nur knapp zwei Millionen ausgeben durfte, es aber trotzdem schaffte den Club im Mittelfeld zu halten und nicht abzustürzen – diesem Trainer kündigte man den Vertrag zum Saisonende, machte dies publik und warf van Marvijk auch aufgrund des immer stärker werdenden öffentlichen Drucks noch in der Winterpause raus. Ungeschickt. Mit Frings, Koller, Rosicky, Lehmann, Odonkor, Ewerthon, Evanilson verließen Stars, Identifikationsfiguren und Publikumslieblinge den Club. Diese Abgänge waren sicher auch den leeren Kassen des ehemaligen Weltpokalsiegers geschuldet, doch statt mit jungen Leuten und einigen Säulen einen Neuanfang zu starten wurde in und um Dortmund immer auf die Teilnahme am internationalen Geschäft geschielt, Druck auf Mannschaft und Trainer aufgebaut, dem beide nicht gewachsen waren. Christoph Metzelder wird voraussichtlich der nächste sein, der das “sinkende Schiff verlässt”. Vielleicht bekommt ja Thomas von Heesen als nächster die Chance in Dortmund etwas aufzubauen. Hoffentlich bekommt er sie, hoffentlich bekommt er sie in Liga eins und hoffentlich steht er nicht schon wieder zur Winterpause 2007/2008 unter Druck, weil Platz fünf sooo weit entfernt ist.


Teile uns deine Meinung zu diesem Artikel über das Kontaktformular mit.


Weitere Artikel


|