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Fan-Kongress in Leipzig

23. Juni 2007, 12:09 geschrieben von Francescoli, abgelegt unter Deutscher-Fussball.

Bundesweiter Fan-Kongress in Leipzig

Nun endlich kommt wieder Bewegung in die schwierige Beziehung zwischen organisierten Fußballfans und dem Deutschen Fußball-Bund (DFB). 19 Jahre nach dem letzten bundesweiten Kongress (1988 in Bremen) treffen nun am 23. und 24. Juni in Leipzig hochrangige Vertreter aus Sportverbänden, Politik und Wissenschaft mit rund 350 Fan-Beauftragten, Fanprojekt-Mitarbeitern und unabhängigen Fan-Vertretern aus dem gesamten Bundesgebiet zusammen.

Der Kongress steht unter dem Motto “Fußball ist unser Leben – eine Annäherung”. Neben Fan-Initiativen wie PROFans, BAFF, Flutlicht, Unsere Kurve werden unter anderem Fan-Vertreter aus zahlreichen Vereinen sowie Polizei, Fanprojekte, DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger, DFL-Präsident Wolfgang Holzhäuser, DFB-Generalsekretär Horst R. Schmidt, DFB-Sportdirektor Matthias Sammer und Teammanager Oliver Bierhoff in Leipzig erwartet. Dem DFB geht es vor allem um die Prävention von Gewalt, wie der Sicherheitsbeauftragte Helmut Spahn betont: „Hauptziel des Kongresses ist es, durch einen offenen und konstruktiven Dialog zwischen vielen Fans und allen am Fußball in Deutschland beteiligten Institutionen einen Abbau von Vorurteilen und Spannungsfeldern zu ermöglichen und ein besseres Verständnis füreinander aufzubauen.“

In fünf Arbeitsforen werden die Themen „Fan-Kulturen”, „Spannungsfelder”, „Fan-Betreuung”, „Anti-Diskriminierung” und „Länderspiele” analysiert und mögliche Verbesserungen für die Zukunft beratschlagt. Fan-Vertreter sind in die Planung des Kongresses eingebunden geworden und setzen große Erwartungen in die Veranstaltung. So sieht Michael Gabriel, Leiter der Koordinationsstelle Fanprojekte (KOS), durch die prominente Besetzung von Seiten des DFB ein Indiz dafür, dass “ein aufrechter Dialog gesucht wird. Der Kongress wird kein einmaliges Ereignis sein, und wir machen hier keine aufgesetzte PR-Veranstaltung. Das ausgesendete Signal ist sehr glaubwürdig.“

Forderungen der organisierten Fans

Ein besonders heiß diskutiertes Thema werden die Stadionverbote sein. Initiativen wie die KOS fordern vom DFB, die Richtlinien zur einheitlichen Behandlung von Stadionverboten zu überarbeiten und dabei insbesondere die Laufzeit von Stadionverboten noch einmal gründlich zu überdenken. Konkret fordern die Fan-Initiativen, dass in den Richtlinien ein Anhörungsverfahren ausdrücklich verankert wird, um dem Betroffenen Gehör zu verschaffen und die Vereine zu zwingen, sich mit dem konkreten Fall ernsthaft zu beschäftigen. Bislang käme es unter dem Vorwand der Prävention zu häufig vor, dass durch die Vereine willkürliche Kollektivstrafen ausgesprochen würden.

Ein anderer zentraler Punkt wird die Forderung sein, die Fan-Projekte weiter auszubauen. Während in einigen Bundesländern, wie in Baden-Württemberg, keinerlei Unterstützung gewährt wird, arbeiten auch im Rest der Republik die allermeisten Projekte finanziell chronisch unterversorgt. Hintergrund: Steigt eine der beteiligten Seiten – Land, Kommune und Verein – aus der so genannten Drittelfinanzierung aus, gerät in der Regel das gesamte Projekt in Gefahr. Hier sollten vom Leipziger Kongress nach Auffassung der Fan-Vertreter wie der Bundesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte wichtige politische Signale ausgehen, um kontinuierliche Strukturen zu gewährleisten und sicherzustellen, dass weiterhin qualifizierte Fan-Arbeit geleistet werden kann.

Besonders interessant werden schließlich die Debatten um die Fan-Kultur in deutschen Stadien sein. Viele aktive Fans, die heute zum Beispiel der Ùltra-Szene zugerechnet werden, beklagen, dass es ihnen von den Vereinen immer schwieriger gemacht würde, ihre Verbundenheit mit dem jeweiligen Klub im Stadion zu zeigen. Dazu zählen sie das Verbot von Trommeln und Megaphonen bzw. die Konfiszierung von größeren Fahnen oder von Choreographie-Material, weil Stadionbetreiber befürchten, dass Werbebanden verdeckt oder die Überwachung durch Kameras beeinträchtigt werden könnte. Hier dürfte besonders die Deutsche Fußball Liga GmbH (DFL) – übrigens Mitveranstalterin des Kongresses – in den Fokus der Kritik geraten.

Viele Themen, viele potentielle Konflikte zwischen Fans, Fanvertretern auf der einen und dem DFB, der DFL, der Polizei und den Klubs auf der anderen Seite. Man darf gespannt sein auf die Ergebnisse des Leipziger Kongresses.


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