Federer wird von Djokovic niedergerungen und verpasst 50. Turniersieg
13. August 2007, 14:23 geschrieben von Mr.Mö.
Branchenprimus Roger Federer muss weiter auf den 50. Titel seiner glorreichen Tenniskarriere warten. Der Schweizer verlor das Finale des Hartplatz-ATP-Masters in Montreal (Quebec, Kanada) gegen den Serben Novak Djoković in drei Sätzen mit 6:7 (2:7), 6:2, 6:7 (2:7).
Nole legt los wie die Feuerwehr
Der 20-jährige Djoković , genannt Nole, machte gleich zu Beginn seinem feurig roten T-Shirt alle Ehre, legte los wie die Feuerwehr und überrannte den Weltranglistenersten. Nach wenigen Minuten stand es bereits 3:0 für den Nachwuchsmann, von dem Sandplatzkönig Rafael Nadal sagt, dass er die Nummer 1 werden kann. Äußerlich unbeeindruckt ließ Federer nach dem Seitenwechsel sein Können aufblitzen, brachte sein Aufschlagspiel glatt durch und breakte den Serben zum 3:3.
Federer verteilt Geschenke
Anschließend gaben sich beide Spieler bei ihren Aufschlagspielen keine Blöße und ließen bis zum 5:5 keine Breakmöglichkeiten zu. Dies schien auch bei Djoković ‘ Service zum 6:5 so zu sein. Doch beim Stand von 40:0 ereilte ihn der Fluch, der schon so vielen Federer-Gegnern den Weg auf die Verliererstraße ebnete. Der letzte wichtige Punkt, mit dem man die unangefochtene Nummer 1 der Welt unter Druck setzen könnte, wird zur unüberwindbaren Hürde – und in genau diesen Momenten ist der Schweizer zur Stelle, um auf höchstem Niveau zu spielen. Der Arm von Djoković wirkte plötzlich schwer, der erste Aufschlag kam auf einmal nicht mehr und ehe er sich versah, hatte er Break-Bälle gegen sich, die Federer konsequent nutze.
Der Satz schien entschieden, vor allem als Federer beim Stand von 40:0 Satzball hatte. Was dann folgte, fällt unter die Kategorie “extrem ungewöhnlich”. Federer verteilte wenige Tage nach seinem 26. Geburtstag Geschenke. Vorhand und Rückhand verfehlten ihr Ziel und ließen den serbischen Löwen Blut lecken. Dieser wehrte insgesamt sechs Satzbälle ab und konnte nach dem siebten Einstand seinen vierten Breakball nutzen und sich in den Tie-Break retten.
Scheinbar vollkommen verblüfft von seiner ungeahnten Schwäche leistete sich Federer im Tie-Break weitere der insgesamt 57 Unforced-Errors, was für ihn eine ungewöhnlich hohe Fehlerquote ist. Djoković nutzte die schwache Phase des Gegners zielstrebig, ließ Federer bei eigenem Aufschlag nur einen Punkt machen und sicherte sich mit insgesamt vier Mini-Breaks den ersten Satz mit 7:6 (7:2).
Fed-Express kommt ins Rollen
Auf dem Weg ins Finale hatte Federer Ivo Karlovic, Fabio Fognini, Lleyton Hewitt und Haas-Bezwinger Radek Stepanek keine Chance gelassen und war locker und leicht ohne Satzverlust ins Finale eingezogen. An diese Spielstärke schien sich der 11-fache Grandslam-Champion zu erinnern, und so nahm der Fed-Express Fahrt auf.
Weil er seine Aufschlagquote von inakzeptablen 58% auf 80% hochschrauben konnte, verschwanden die Probleme beim eigenen Servicegame, bei dem er im ganzen Satz nur vier Punkte zuließ. Beim Returnspiel spielte ihm der schwächelnde Aufschlag von Djoković in die Karten und so musste der Serbe bei jedem Servicespiel gegen ein Break ankämpfen. Dies gelang Federer, der im zweiten Durchgang mehr Punkte bei Aufschlag Djoković machte als der Aufschläger selber, zum 4:2. Der Widerstand von Djoković war gebrochen. Federer brachte erneut sein Aufschlagspiel durch, schaffte ein weiteres Break und sicherte sich den zweiten Satz mit 6:2
Tie-Break muss für Entscheidung sorgen
Der serbische Nachwuchsspieler schien den Faden verloren zu haben und gegen den Tennisstar unterzugehen. Doch weit gefehlt. Djoković bewies, dass ein Tennisspiel von einem auf den anderen Moment kippen kann. Als jeder mit einem weiteren glatten Satz- und somit dem 50. Titelgewinn Federers rechnete, war Djoković zur Stelle und spielte sein bestes Tennis. Direkt im ersten Aufschlagspiel konnte er dem Schweizer das Aufschlagspiel abnehmen.
Durch viele gute erste Aufschläge und sein solides Grundlinienspiel, bei dem er im gesamten Match nur fünf leichte Fehler machte, ließ er beim eigenen Aufschlagspiel keinen einzigen Punkt des Kontrahenten zu. Bis zum vermeintlich vorletzten Servicegame. Beim Stand von 4:3 kam auf einmal der erste Aufschlag nicht mehr. Federer witterte seine Chance, holte sich das Break, brachte sein Aufschlagspiel durch und war wieder in der komfortablen Position, dass der Gegner nachziehen muss. Dies tat Djoković überzeugend, indem er zweimal zu Null ausgleichen konnte.
Der Tie-Break musste zum zweiten Mal für die Entscheidung sorgen. Und wie im ersten Satz konnte Djoković dem zum wiederholten Male schwächelnden Federer die Aufschläge abnehmen, mit 6:1 davonziehen und nach 2 Stunden 13 Minuten seinen zweiten Matchball zum ersten Sieg gegen Federer sowie zum Turniersieg nutzen – welcher sein vierter in diesem Jahr (2. ATP-Erfolg) war und ihm in der neuen Woche den Sprung auf Weltranglistenplatz drei beschert.
Djoković sorgt für Novum
Bei der Siegerehrung bezeichnete Djoković diese Turnierwoche als die beste in seinem Leben, in der er seit Boris Becker 1994 der erste Spieler ist, der die Nummer drei (Andy Roddick), zwei (Rafael Nadal) und eins der Welt während eines Turniers besiegen konnte. Allein durch die überzeugenden Siege über Roddick und Nadal ist der Serbe zu einem der Topfavoriten auf die Ende August beginnenden US Open geworden.
Das sah auch Roger Federer so, welcher hingegen mindestens ein Jahr auf seinen dritten Triumph in Montreal und eine Woche auf sein Jubiläum warten muss. Denn schon morgen ist er für das topbesetzte Masters-Turnier in Cincinnati gemeldet. Vorjahressieger Andy Roddick, Rafael Nadal, James Blake und auch ein gewisser Novak Djoković, auf den Federer bereits im Halbfinale treffen könnte, werden dabei sein.
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