Die letzte Spielzeit war aus deutscher Sicht seit langem wieder sehr erfolgreich. 13,500 Punkte bedeuten den drittstärksten Wert aller Verbände in der abgelaufenen Saison. Gegenüber dem Vorjahr – das MAG berichtete – ist das ein Zuwachs von satten vier Punkten. Das letzte Mal erreichten sie diese Punktzahl 2001/02.
Die Leistungen in der Champions League trugen dazu wenig bei. Das Ausscheiden des deutschen Meisters VfB Stuttgart stand bereits nach dem vierten Spieltag der Gruppenphase fest, Werder Bremen erreichte als Gruppendritter wenigstens den Uefa-Cup. Schalke 04 drang bis ins Viertelfinale vor und verlor dort zweimal mit 0:1 gegen einen schwachen FC Barcelona.
Viel besser lief es im Uefa-Cup. Nach der Gruppenphase sah es sogar danach aus, als könnte Deutschland mit vier Mannschaften ins Halbfinale einziehen. Das unglückliche Ausscheiden des Clubs gegen Benfica Lissabon in der Zwischenrunde, des Hamburger SV gegen den direkten Konkurrenten Bayer Leverkusen im Achtelfinale und Werder Bremens gegen die Glasgow Rangers in der gleichen Runde machten dem einen Strich durch die Rechnung.
Der Werksclub verspielte im Viertelfinalhinspiel mit einer katastrophalen Leistung beim 1:4 daheim gegen den späteren Sieger Zenit Leningrad seine Chance, weiter als im Vorjahr zu kommen. An den Russen scheiterten mit 0:4 im Halbfinalrückspiel auch die Bayern, die einmal mehr der letzte deutsche Vertreter waren. Unterm Strich erreichte Deutschland bei gleicher Anzahl von Remis (17) fast doppelt so viele Siege (34) wie ein Jahr zuvor (17).
Die anderen Verbände
Die Champions League wurde von den englischen Teams dominiert. Ab dem Viertelfinale warfen sie sich gegenseitig aus dem Wettbewerb und bestritten doch ein rein englisches Finale. Spanien verlor mit Real Madrid und dem FC Sevilla, Italien mit den beiden Mailänder Clubs zwei ihrer drei Teilnehmer bereits im Achtelfinale. Die Folge war, dass die Briten, die mit 17,875 den drittstärksten Koeffizienten in der Geschichte der Uefa-Fünfjahreswertung erzielten, an Spanien vorbeizogen.
Bei Italien machte sich das Fehlen von Juventus Turin erneut bemerkbar. Der Rückstand auf Rang zwei wuchs von knapp drei auf fast fünfzehn Punkte an. Der Vorsprung vor Verfolger Frankreich schmolz von mehr als zwölf auf weniger als acht Punkte, obwohl die französischen Teams sich eine schwache Saison mit weniger als sieben Punkten leisteten.
Russland verdrängte durch die starken Leistungen von Spartak Moskau und Zenit St. Petersburg Portugal von Rang sechs. Für die Portugiesen, ebenso wie für die Niederländer, war sogar Rumänien zu stark, obwohl keine Mannschaft der Osteuropäer in die Gruppenphase des Uefa-Cups einzog und Steaua Bukarest in der Gruppenphase der Champions League mit einem mageren Pünktchen ausschied. Die Türken kletterten dank der Leistungen der drei Vereine aus Istanbul auf Platz elf. Schottland konnte sie durch den Einzug der Glasgow Rangers ins Finale des Uefa-Cups gerade noch auf Distanz halten.
Die nächste Saison
In der kommenden Spielzeit qualifizieren sich die Clubs erstmals nach dem neuen Modus. Die Tabellendritten der drei Topverbände England, Spanien und Italien werden einen Platz in der Gruppenphase der Champions League sicher haben, ebenso wie die Meister Schottlands, der Türkei und der Ukraine. Künftig kommt den Kämpfen um die Plätze drei, sechs, neun, zwölf und fünfzehn der Uefa-Fünfjahreswertung die größte Bedeutung zu. Die folgende Tabelle zeigt die Ausgangsituation nach Abzug der Punkte aus der Saison 2003/04:
Deutschland wird hinter Italien auf Platz vier bleiben. 22 Siege mehr wären nötig, um den Rückstand aufzuholen. Dieses Unterfangen dürfte in einer einzigen Spielzeit nicht zu bewerkstelligen sein, zumal Juventus Turin wieder teilnehmen wird. Die Franzosen dürfen sich keine weitere schwache Saison leisten, wollen sie ihren knappen Vorsprung vor Russland halten. Nur drei Siege mehr als die Franzosen sind nötig, um sie zu überholen.
Die Rumänen dürften es schwer haben, ihren Rückstand auf die Russen aufzuholen; er ist zwar nur unwesentlich größer als deren Rückstand auf die Franzosen, aber Rumänien schickt sechs Vertreter ins Rennen – und da ist ein möglicher UI-Cup-Vertreter nicht eingerechnet, das ehemalige Zarenreich nur vier. Fünf Siege mehr wären nötig, um auf Rang sechs zu gelangen. Der wird für Portugal, bei denen der Koeffizient 10,250 aus der Spielzeit 2003/04 wegfällt, und die Niederlande selbst mit einer sehr starken Saison unerreichbar sein.
Umgekehrt ist bei einem sehr schwachen Abschneiden der Iberer ein Abrutschen auf einen zweistelligen Tabellenplatz möglich, je nachdem, ob gleichzeitig Schottland 15 respektive die Türkei und/oder die Ukraine 18 Punkte aufholen. Dem möglichen Aufeinandertreffen der Vertreter Portugals und der Türkei im UI-Cup, der dieses Jahr zum letzten Mal ausgetragen wird, käme dabei besondere Bedeutung zu, denn der Sieger würde den Teiler seines Verbandes erhöhen.
Die Schweizer und Griechen können, wenn ihre Mannschaften 12 beziehungsweise 14,5 Punkte mehr machen, die Türkei und die Ukraine überholen. Die belgischen Teams bräuchten dafür schon 18 Punkte und müssen gleichzeitig 7,5 mehr als die bulgarischen und 10 mehr als die tschechischen machen, um diese Verbände auf Distanz zu halten. Der Vorsprung der griechischen Mannschaften auf Bulgarien und Tschechien ist mit elf respektive 13,5 Punkten nur unwesentlich höher, der der Schweizer mit 13,5 und 16 ebenfalls.