[EM 2008] Arshavin versetzt Oranje den Gnadenstoß
22. Juni 2008, 03:15 geschrieben von Roxeus, abgelegt unter Int-Fussball, WM-2006.
Basel: 21.06.2008 20:40 Uhr: Ganz Holland will den Titel an die Nordsee holen. Ganz Holland? Nein, ein 62-jähriger Fußballtrainer leistet Widerstand. Guus Hiddink schickt sich an, den Pokal mit nach Moskau zu nehmen. 1998 erreichte Hiddink mit Oranje das Halbfinale der WM, 2002 schaffte er es mit Gastgeber Südkorea. Jetzt hat die Russen in die Vorschlussrunde geführt und sein „Land“ aus dem Turnier geworfen.
Zum Unterforum EM 2008.
Die Diskussion zum Spiel im Forum
Der komplette Spielplan
Die EM 2008 in unseren Statistiken
| Niederlande | 1:1, 1:3 n.V. (0:0) | Russland |
Elftal findet kein Mittel gegen starke Russen
Die Sbornaja erwischte den besseren Start. Die Elftal war in den ersten Minuten nicht wiederzuerkennen. Da stand eine andere Mannschaft auf dem Platz als die, die Italien und Frankreich auf so beeindruckende Art und Weise vom Platz gefegt hat. Die Rotation, die eigentlich der Schonung der Stammspieler diente, erwies sich als Fehler.
Russland versuchte es mit Distanzschüssen. Verteidiger Kolodin scheiterte zweimal knapp (30./31.). Auch als der Favorit zum Ende der ersten Halbzeit aktiver wurde, standen die Russen taktisch klug und sicher. Torlos ging es in die Kabinen.
Zum Wiederanpfiff wechselte van Basten den schwachen Kuijt gegen Robin van Persie aus. Auf Seiten der Niederländer war jetzt eine deutlich aggressivere Einstellung zu bemerken. Das erste Tor fiel aber auf der anderen Seite: Eine Flanke von Semak verwandelte Pavlyuchenko aus kurzer Distanz. In der Folge standen die Russen noch defensiver, lauerten auf Konter. Dabei erwiesen sich sich als fähig, diese Chancen herausspielen und unfähig, sie zu verwerten. Anyukov (70.) und Pavlyuchenko (78.) scheiterten jeweils an van der Sar.
Die Niederländer verzweifelten zunehmend an der russischen Defensive. Schüsse aus der zweiten Reihe von Sneijder (80. und 82.) waren das einzige Mittel, das der hochgelobten Oranje-Offensive noch einfiel. Doch auch, wenn das Kollektiv an diesem Tag nicht funktionieren wollte, verfügt die Elftal über genug individuelle Klasse, um jederzeit ein Tor zu schießen. In der 86. Minute köpfte Ruud van Nistelrooy nach einer Freistoßflanke von Sneijder zum Ausgleich ein – Verlängerung.
Jetzt standen die Zeichen eigentlich auf Sieg für den Favoriten, sollte man doch konditionell deutlich überlegen sein. Überraschenderweise waren die Russen aber frischer. Wo ein Wille ist, da ist ein Weg. Und bei Oranje war über 120 Minuten kaum Wille zu sehen. Ooijer zeigte in der Abwehr jetzt ein ums andere Mal Schwächen: Ballverlust im Strafraum gegen Pavlyuchenko, der aber zu genau zielte und nur die Latte traf (97.). In der 112. Minute verlor wieder Ooijer den Ball in gefährlicher Position; Arshavin flankte von der linken Seite an den langen Pfosten, wo Torbinski einschieben konnte. K.O. für den Fußballriesen. Das 1:3 nur fünf Minuten später war die Krönung der überragenden Leistung Andrei Arshavins an diesem Tag.
Damit zieht die Sbornaja verdient ins Halbfinale der Europameisterschaft ein. Lediglich die schlechte Chancenauswertung lässt noch Raum für Kritik. Zusätzlich muss noch erwähnt werden, dass der Gegner auf ganzer Linie enttäuschte. Seit der Vorrunde müssen Jahre vergangen sein, wenn man sich die unterschiedlichen Leistungen dieses Teams anschaut. Gespannt darf man jetzt sein, wie sich die Russen im Halbfinale schlagen werden. Entweder trifft man da auf ein Team, gegen das man in der Vorrunde bereits unter die Räder gekommen ist, oder auf den Weltmeister, dessen Abwehr wohl weniger Chancen zulassen wird, als alleine Ooijer ihnen heute geschenkt hat.
Mit großer Sorge werden die Spanier das Spiel verfolgt haben. Nachdem bereits die Sieger der ersten beiden Gruppen ausgeschieden sind, hat es heute die Niederländer getroffen. Wie auch Portugal, Kroatien und die Elftal haben die Iberer im letzten Vorrundenspiel ihre Stammspieler geschont. Ob sich in diesem Fall der konditionelle Vorteil bemerkbar macht, oder der Rhythmus verloren gegangen ist, wird sich zeigen.
Statistik:
Niederlande: van der Sar – Boulahrouz (54. Heitinga), Ooijer, Mathijsen, van Bronckhorst – de Jong, Engelaar (62. Afellay) – Kuijt (46. van Persie), van der Vaart, Sneijder – van Nistelrooy
Trainer: van Basten
Russland: Akinfeev – Anyukov, Ignashevich, Kolodin, Zhirkov – Semak – Saenko (81. Torbinskiy), Semshov (69. Bilyaletdinov), Zyryanov – Arshavin, Pavlyuchenko (115. Sychev)
Trainer: Hiddink
Tore: 0:1 Pavlyuchenko (56.) 1:1 van Nistelrooy (86.) 1:2 Torbinskiy (112.) 1:3 Arshavin (116.)
Schiedsrichter: Michel (Slowakei)
Zuschauer: 39730, St. Jabob-Park, Basel
Karten: Boulahrouz, van Persie, van der Vaart / Kolodin, Zhirkov, Torbinskiy
Teile uns deine Meinung zu diesem Artikel über das Kontaktformular mit.
Weitere Artikel
- [WM 2010] Holland im Viertelfinale - Robben trifft gegen die Slowakei
- [WM 2010] Erfolg über Dänemark: Mitfavorit Holland startet erfolgreich in die Weltmeisterschaft; Japan und Kamerun mit Grusel-Fußball; Italien nur Remis gegen Paraguay
- [Premjer Liga 2010] Vorschau auf die kommende Saison in Russland
- [WM-Qualifikation 2010] Deutschland schlägt Russland ein zweites Mal und sichert den Gruppensieg
- Louis van Gaal lässt sich von seinen Kindern siezen. Na und?
« [EM 2008] Türkei im Elfmeterschießen ohne Nerven | Das deutsche Team hat sein System umgestellt und wieder Offensivstärke gewonnen »
