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[Olympia 2008] Alles ohne Gewähr

25. August 2008, 22:11 geschrieben von Roxeus.

Was ist möglich?

Wieviel ist der Mensch im Stande zu leisten? 32 Weltrekorde wurden in den vergangenen zwei Wochen in Peking aufgestellt, dazu noch diverse Kontinental- und Olympiabestmarken. Höher, schneller, weiter – selbstverständlich nehmen die olympischen Spiele für sich in Anspruch, das größte Sportereignis der Welt zu sein, bei dem jeder Athlet über sich hinauszuwachsen versucht. Aber natürlich rufen solche Leistungen auch Kritiker auf den Plan.

Der nie wieder erreichte Weltrekord über 200 Meter von Michael Johnson – dem auch immer wieder Doping vorgeworfen wurde – wird bei Gegenwind geknackt. Im Wasserwürfel werden Weltbestmarken sekundenweise unterboten. Gerechtfertigt wird das unter anderem mit neuen, raketenbetriebenen Anzügen und immer ausgereifterer Technik. Ohne leistungssteigernde Mittel unmöglich, wenn es nach Angel Heredia, Kronzeuge im so genannten BALCO-Prozess, geht. Den Unterschied zwischen 10,0 und 9,7 Sekunden auf 100 Metern machen seiner Meinung nach eben jene verbotene Substanzen aus. Aber wie glaubwürdig ist das? Es gab immer wieder Ausnahmeerscheinungen. Auch wenn es mir schwer fällt zu glauben, ein Usain Bolt könne mir über 100 Meter fast vier Sekunden abnehmen – für unmöglich halte ich es nicht. Aussagen wie die von Heredia sind stets mit Vorsicht zu genießen, kann man doch nur mutmaßen, warum sie das sagen.

Gehen wir mal von Option A aus: Es ist die Wahrheit. Welche Rolle spielen dann die Verbände in dem Spiel? In dem Fall ist es doch äußerst wahrscheinlich, dass der eine oder andere Verband, sei es das IOC, die IAAF oder die FINA mindestens genauso gut informiert ist wie einzelne Aktive oder Betreuer. Aber welches Interesse hätte die FINA – der Dachverband der Schwimmer – eigentlich, einen Michael Phelps des Dopings zu überführen? All die Wettbewerbe, die er gewonnen hat, all die Rekorde, die er ein ums andere Mal gebrochen hat – eine positive Probe wäre doch ein Genickbruch für den Schwimmsport, gleichzusetzen mit der Festina-Affäre bei der Tour 1998. Andererseits zieht die Schwimmwelt doch massenhaft Vorteile durch Superstars wie Phelps, insbesondere dem Zuschauerinteresse – und damit auch dem lieben Geld – sind solche Sportler und deren Höchstleistungen doch sehr zuträglich. Michael Phelps ist ein Segen für die FINA. Er darf gar nicht gedopt sein.

Gehen wir fairerweise von Option B, dem genauen Gegenteil von A, aus – denn wie bereits gesagt darf die Glaubwürdigkeit eines überführten Dopingarztes durchaus bezweifelt werden. Vor Gericht gilt schließlich die Unschuldsvermutung. Freilich sieht das bei der persönlichen Meinung eines jeden Menschen – zum Glück gibt es noch Länder, in denen diese erlaubt ist – anders aus. Jeder muss für sich wissen, ob es einen stutzig machen sollte, dass Spitzenathleten die Kugel so weit stoßen, wie man selbst den Diskus wirft. Für acht Jahre werden die Dopingproben von Peking nun aufbewahrt. Und wenn ich kein Freund von direkten Anschuldigungen (auch bei einem Usain Bolt nicht, der soviel schneller läuft als ich) bin, so ist es doch pure Illusion, den Medaillenspiegel als endgültiges Endergebnis zu betrachten. Wie immer alles ohne Gewähr.

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