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[Portrait] Manchester United

20. Juli 2009, 12:57 geschrieben von Elbefohlen, abgelegt unter Int-Fussball, Portraits.

Nachdem das MAG bereits Portraits vom FC Liverpool, dem FC Chelsea und Rapid Wien im Archiv hat, folgt nun mit Manchester United ein weiterer Top-Club von der britischen Insel.

Manchester United

Inhalt – klick auf das gewünschte Thema

Die Historie Die ersten Erfolge Vier schwere Jahrzehnte
Die Ära Matt Busby Die Tragödie von München 1969-86: Fünf Trainer, kaum Erfolg
Sir Alex betritt die Bühne 1986-90: Die Basis wird geschaffen Die glanzvollen Neunziger
1999 – Das Triple Mit Ferguson ins neue Jahrtausend Glazer übernimmt die Macht
2008 – zurück auf Europas Thron 2009 – Rekordmeister Helden und Legenden
Old Trafford Der aktuelle Kader Alle Erfolge auf einen Blick

Die Historie

Die Geschichte von Manchester United findet ihren Ursprung im Jahr 1878. Es war jene Zeit, als der Fußball sein heutiges Gesicht bekam (1878 gab es das erste Flutlichtspiel und die Trillerpfeife wurde eingeführt) und immer mehr Freunde fand. Auch die Arbeiter der Eisenbahngesellschaft Lancashire und Yorkshire (Lancashire & Yorkshire Railway) in der Zweigstelle Newton Heath, einem nordöstlichen Stadtteil von Manchester, zog der sich rasant entwickelnde Sport in seinen Bann. Um sich mit Mannschaften anderer Werke oder Gesellschaften messen zu können, gründeten sie am 1. Januar 1878 einen eigenen Verein und nannten ihn Newton Heafh LYR. Da die Lokomotiven der Gesellschaft zu dieser Zeit alle Hellgrün gestrichen waren, entschied man sich für gold-grün als Vereinsfarben. Nachdem dann zunächst einige Jahre nur Freundschaftsspiele gegen Mannschaften anderer Eisenbahngesellschaften ausgetragen wurden, stand 1883 dann die erste reguläre Partie an. Im Lancashire Cup setzte es gegen die Reserve von Blackburn Olympic eine deftige 2:7-Niederlage. Erst 1986 machte Newton Heath dann den entscheidenden Schritt, der Verein erhielt eine Struktur und verpflichtete Spieler von nationaler Klasse.

Am Samstag, den 30. Oktober 1886 nahm man zum ersten Mal am FA Cup teil – und schied durch ein Kuriosum aus: Als die Erstrundenpartie vor 2.000 Zuschauern bei den Fleetwood Rangers nach 90 Minuten 2:2 stand, weigerten sich die Newton Heath Spieler und ihr Kapitän Jack Powell, auf Nachfrage des Referees, die Verlängerung zu spielen. Das Spiel wurde daraufhin von der FA für den Gegner gewertet und die gekränkten Heathens nahmen freiwillig eine zweijährige Auszeit.

Nachdem der Verein, der mittlerweile Newton Heath LYR Football Club hieß, vergeblich um die Aufnahme in die 1888 von der FA gestartete Football League gebeten hatte, gründete man gemeinsam mit elf anderen Teams eine eigene Liga, die Football Alliance. 1890 koppelte sich der Club von der Eisenbahn ab und hieß fortan Newton Heath F.C. Zwei Jahre später, zur Saison 1892/93, fusionierten die Football League und die Football Alliance. Newton Heath, das die Alliance im Vorjahr hinter Nottingham Forest als Zweiter beendet hatte, wurde zusammen mit den Forests Mitglied in der 16 Teams umfassenden Profi-Liga, die unter dem Namen First Division startete. Die Heathens passten sich der Entwicklung an und bekamen mit A. H. Albut den ersten fest angestellten und bezahlten Manager.

Das erste Spiel führte den Neuling am 3. September in den Ewood Park nach Blackburn. Newton Heath lief in der Besetzung Warner, Clements, Brown, Perrins, Stewart, Erentz, Farman, Coupar, Donaldson, Carson und Mathieson auf und verlor mit 3:4. Am Ende der Spielzeit rangierte man mit 6 Siegen, 6 Unentschieden und 18 Niederlagen auf dem letzten Tabellenplatz. Man gewann die angesetzte Relegation gegen Birmingham City (1:1 A, 5:2 H) und hielt damit die Klasse. Erwähnenswert aus dieser Saison ist noch der 10:1-Sieg vom 15. Oktober an der North Road, Newton Heaths Heimstadion von 1878 bis 1893, gegen die Wolverhampton Wanderers – bis heute nach dem 10:0 gegen Anderlecht (1956) der zweithöchste Sieg in der Club-Geschichte.

Auch im zweiten Jahr blieb für den Club, der fortan im umgebauten Stadion in der Bank Street seine neue Heimstätte hatte, nur die Rote Laterne. Man musste erneut in die Relegation und traf dort auf einen Verein, der sich in den kommenden Jahrzehnten zum großen Erzrivalen entwickeln sollte: den FC Liverpool. Die Reds gewannen mit 2:0 und beendeten Newton Heaths Ära in der Football League. Erst im Jahr 1906 sollte die Rückkehr in die höchste englische Klasse gelingen – und da hieß der Club dann Manchester United.

Die Geburt von Manchester United

Nach dem Abstieg in die Zweitklassigkeit plagten Newton Heath zunehmend Finanzprobleme, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts dramatische Ausmaße annahmen und schließlich 1902 der Konkurs drohte. Zum Retter in der Not avancierte der ortsansässige, vermögende Brauerei-Besitzer John Henry Davies. Wenn die Überlieferungen stimmen, dann verdankt Manchester United seine Existenz einem Vierbeiner. Demnach soll Davies von der misslichen Lage Newton Heaths erfahren haben, als er einen Hund fand, der Harry Stafford, dem Kapitän von Newton Heat, gehörte.

Stafford erzählte Davies vom drohenden Ende Newton Heaths und weckte so das Interesse des Geschäftsmannes. Schließlich entschloss sich Davies unter der Bedingung, den Namen Newton Heath F.C. ändern zu dürfen, den Verein zu kaufen und die Schulden zu tilgen. Nachdem erste Vorschläge, zu denen auch Manchester Central und Manchester Celtic gehörten, verworfen wurden, fand ein Vorschlag des späteren Chefscouts Louis Rocca Gehör. Am 28. April 1902 schritt man zur Tat und vollzog die Umbenennung in Manchester United. Mit dem Namen wechselten auch die Farben: Aus gold-grün wurde rot-weiß, aus den Heathens wurde Man Utd.

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Die ersten Erfolge

Durch die Übernahme von Davies war der Verein auf einen Schlag schuldenfrei. Eine Aufbruchsstimmung machte sich breit und neben neuen Spielern, wie Torhüter Harry Moger (266 Spiele), Dick Duckworth (254, 11 Tore), Alex Bell (309, 10) oder Uniteds erstem englischen Nationalspieler Charlie Roberts (302, 23), kam auch ein neuer Manager nach Manchester: Ernest Mangnall. Unter Mangnall verpasste ManUtd in den Jahren 1903/04 und 1904/05 als Dritter nur knapp den Aufstieg, bevor man die Saison 1905/06 als Zweitplatzierter hinter Bristol City abschloss und die Rückkehr in die First Division perfekt machte.

Und hier sorgte United in den nächsten Jahren für Furore. Insgesamt fünf große Titel wurden bis 1911 gewonnen, ehe eine lange Durststrecke folgen sollte. Mangnall führte den Club zu zwei Meisterschaften (1908 und 1911), einem Sieg im FA-Cup (1909) sowie zwei Erfolgen im Charity Shield (1908 und 1911), der 1908 zum ersten Mal ausgespielt wurde. Die Highlights waren die erste nationale Meisterschaft 1908, als ManUtd mit neun Punkten Vorsprung auf Aston Villa die Liga dominierte und der Gewinn im FA Cup 1909. United traf am 24. April in Crystal Palace vor über 70.000 Zuschauern auf Bristol City und gewann mit 1:0. Schütze des goldenen Tores war der Schotte Alec “Sandy“ Turnball (247, 101), der zusammen mit dem Waliser Billy Meredith (335, 36, mehr unter Helden und Legenden), Herbert Burgess und Jimmy Bannister 1906 vom Stadtrivalen Manchester City zu United kam. (Bei City wurden nach Unregelmäßigkeiten bei der Bezahlung 18 Spieler gesperrt und durften nicht mehr für den Verein spielen). Meredith und Turnball, dem in der Spielzeit 1907/08 27 Tore in 30 Meisterschaftspartien gelangen, waren wichtige Eckpfeiler bei Uniteds ersten Erfolgen, und so etwas wie die ersten Superstars.

Doch als Mangnall, der insgesamt bei 373 Spielen die sportliche Verantwortung trug und nach Alex Ferguson (57,5%) die zweitbeste Bilanz (54,16%, 202 Siege, 76 Remis, 95 Niederlagen) aufweist, nach der Saison 1912 den Verein in Richtung Manchester City verließ, versank ManUtd wieder im Mittelmaß. Bis zum nächsten Titel sollten fast vier Jahrzehnte vergehen…

Neben den ersten Erfolgen, fällt ein weiterer Meilenstein in der Geschichte des Vereins in diese Zeit: Der Umzug nach Old Trafford. Das neue – 80.000 Zuschauer fassende – Stadion wurde am 19. Februar 1910 mit einem Spiel gegen den FC Liverpool (3:4) eingeweiht. Die Fertigstellung kam zur rechten Zeit. Denn die alte und marode Heimstätte der Clubs, das Stadion in der Bank Street, wurde zwei Tage vor der Eröffnung von Old Trafford bei einem Unwetter zerstört.

Statistiken zu den ersten Cup-Erfolgen

ManUtd: Manchester United: H Moger, G Stacey, H Burgess, R Duckworth, C Roberts, A Bell, W Meredith, J Bannister, J Turnbull, A Turnbull, G Wall.
Queens Park Rangers: C Shaw, J MacDonald, J Fidler, E Lintott, J McLean, S Downing, F Pentland, F Cannon, P Skilton, A Gittins, W Barnes.
Tore: 0:1 Cannon, 1:1 Meredith
Zuschauer: 12.000 Stamford Bridge (London, England)
Manchester United: H Moger, G Stacey, H Burgess, R Duckworth, C Roberts, A Bell, W Meredith, J Bannister, J Turnbull, J. Picken, G Wall
Queens Park Rangers: C Shaw, J MacDonald, J Fidler, E Lintott, J McLean, S Downing, J McNaught, F Cannon, P Skilton, A Gittins, W Barnes
Tore: Turnball 3, Wall
Zuschauer: 10.000 Stamford Bridge (London)
ManUtd: Harry Moger, George Stacey, Vince Hayes, Dick Duckworth, Charlie Roberts ©, Alex Bell, Billy Meredith, Harold Halse, Jimmy Turnbull, Sandy Turnbull, George Wall – Manager: J. Ernest Mangnall
Bristol City: Harry Clay, Archie Annan, Joe Cottle, Pat Hanlin, Billy Wedlock, Arthur Speard, Fred Stanifort, Bob Hardy, Sammy Gilligan, Andy Burton, Frank Hilton – Manager: Harry Thickett
Tore: 1:0 Sandy Turnbull (22.)
Schiedsrichter: J. Mason
Zuschauer: 71.401 Crystal Palace (London, England)
Manchester United: H Edmunds, L Hofton, G Stacey, R Duckworth, C Roberts, A Bell, W Meredith, M Hamill, H Halse, A Turnbull, G Wall
Swindon Town: L Skiller, H Kay, W Tout, F Handley, C Bannister, W Stilto, R Jefferson, H Fleming, F Wheatcroft, A Brown, S Lamb
Tore: Halse 6, Turnbull, Wall / Fleming, Wheatcroft, Tout, Jefferson
Zuschauer: 12.000 Stamford Bridge (London)
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Vier schwere Jahrzehnte

Nach den Erfolgen zwischen 1908 und 1911 durchlebte ManUtd eine schwere Zeit, in der dem Verein Erfolge versagt blieben und das Mittelmaß regierte. So drohte nach der Horrorsaison 1930/31, in der United zu Beginn 12 Partien am Stück verlor, am Ende mit lediglich 22 Punkten und 115 Gegentoren abgeschlagen Letzter wurde und in die Second Division abstieg, der finanzielle Bankrott. Die Zweitklassigkeit interessierte die Anhänger nicht, wie 3.507 zahlende Zuschauer – die am 02. September 1931 zum Eröffnungsspiel gegen Southampton (2:3) ins Old Trafford kamen – deutlich aufzeigen. Die Situation wurde nicht besser, die Gehälter der Spieler konnten nicht mehr gezahlt werden und im Dezember stand der Club kurz vor dem endgültigen Aus. Die Rettung kam in Person von James Gibson. Der Hersteller von Armee-Uniformen investierte 30.000 Pfund in den maroden Verein und sicherte so dessen Fortbestand.

Finanziell war ManUtd also aus dem Gröbsten raus, doch die sportliche Talsohle war noch nicht durchschritten. Sie wurde in der Spielzeit 1933/34 erreicht, als man durch einen 2:0-Auswärtserfolg am letzten Spieltag in Millwall, den Absturz in die Third Division nur um Haaresbreite verhindern konnte. Danach ging es peu á peu wieder aufwärts. In der letzten Saison vor der Kriegspause, 1938/39, spielte ManUtd wieder erstklassig und beendete diese auf dem 14. Rang. Nach dem 2. Weltkrieg sollten für die Red Devils wieder bessere Zeiten anbrechen. Verantwortlich für den Aufschwung sollte ein Mann sein, der just im Jahr 1934, als ManUtd sportlich am Boden lag, mit dem Stadtrivalen Manchester City den FA-Cup gewann: Die Rede ist von Matt Busby.

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Die Ära Matt Busby

Die Jahre 1945 – 52

Matt Busby, der mit vollem Namen Alexander Matthew Busby hieß, wurde am 26. Mai 1909 im schottischen Orbiston geboren. Er begann seine Karriere als Fußballer 1928 bei Manchester City, wo er bis 1936 aktiv war und dann nach Liverpool wechselte. Der 2. Weltkrieg beendete dann 1939 seine Laufbahn als Spieler. Busby, der während des Krieges wie viele seiner Teammitglieder im Kings Liverpool Regiment diente, wurde nach Kriegsende ein Job im Trainerstab des FC Liverpool angeboten. Da Busby aber weitreichende Kompetenzen einforderte, konnten sich beide Seiten nicht einigen. Letztlich stand die Trennung an und der Schotte ging im Oktober 1945 als Trainer zu Manchester United. Und diese Entscheidung, dem auf diesem Gebiet unerfahrenen Matt Busby das Vertrauen als Coach auszusprechen, sollte sich für ManUtd als absoluter Glücksgriff entpuppen. Denn mit Busby kehrte der Erfolg zurück nach Old Trafford. Wobei Old Trafford, das von der deutschen Luftwaffe während des zweiten Weltkrieges in den Morgenstunden des 11. März bombardiert und größtenteils zerstört wurde, erst im August 1949 nach achtjähriger Bauzeit wieder zur Heimstätte der Red Devils wurde. ManUtd trug seine Partien in dieser Zeit an der Maine Road, dem Platz des Lokalrivalen Manchester City, aus.

Anders als die Verantwortlichen beim FC Liverpool, ging James Gibson, der nach wie vor Präsident von ManUtd war, auf die Forderungen von Busby ein. Entgegen des ursprünglich angebotenen Dreijahres-Vertrages, setzte der Schotte eine Laufzeit von fünf Jahren durch. Er proklamierte für sich, den Trainerstab nach seinem Ermessen zusammenstellen zu dürfen und forderte Geduld und Durchhaltevermögen. Die erste Amtshandlung Busbys war dann die Verpflichtung von James Patrik – genannt – Jimmy Murphy. Der Waliser, den Busby während des Krieges kennen und schätzen gelernt hatte, wurde zu seinem engsten Vertrauten und wichtigsten Wegbegleiter. Er war Assistenz-Coach, Trainer der Reservemannschaft und stark einbezogen in die Jugendarbeit. Rund 25 Jahre lenkten sie gemeinsam die Geschicke der Red Devils und führten sie zu insgesamt 13 großen Titeln. Und Busby krempelte den Verein weiter um. Er führte moderne Trainingsmethoden ein und leitete die Einheiten – anders als seine Vorgänger – direkt vom Platz aus, um seine Ideen direkt ins Spiel einfließen zu lassen. Der Schotte wollte ein variables, angriffsorientiertes Spiel sehen, das die Zuschauer begeistert – er wollte Spektakel. Diese Philosophie wurde zum Markenzeichen des Vereins, daran hat sich bis zum heutigen Tage nichts geändert. Des Weiteren legte er großen Wert auf ein umfangreiches Scouting und gute Jugendausbildung. Er organisierte den Nachwuchswuchsbereich neu, um einen starken Unterbau für die erste Mannschaft zu schaffen – eine Maßnahme, die alsbald Früchte tragen sollte und von der hier noch die Rede sein wird.

Entgegen Busbys Erwartung stellten sich rasch Erfolge ein. Busby suchte für die – nach und nach vom Krieg heimkehrenden – Spieler, die richtige Position, verpflichtete Jimmy Delaney von Celtic Glasgow und baute junge Akteure ins Team ein. Die Mischung stimmte, und so wurde United bereits in der ersten Saison nach dem zweiten Weltkrieg, 1946/47, mit nur einem Zähler hinter Liverpool hervorragender Zweiter. Und das war keine Eintagsfliege, denn auch in den Spielzeiten 1947/48, 1948/49 und 1950/51 kam ManUtd als Vizemeister ein, die Saison 1949/50 beendete man immerhin als guter Vierter. Highlights dieser ersten Hochphase unter Busby waren aber der Triumph im FA Cup 1948 und der Gewinn der Meisterschaft in der Saison 1951/52.

Insbesondere der Erfolg im Fa Cup wirkte wie ein Befreiungsschlag. Mehr als eine Million Anhänger feierten in den Straßen Manchesters den ersten Titel seit 1911 und huldigten dem siegreichen Team. Nach Siegen über Aston Villa (6:4), Liverpool (3:0), Charlton Athletic (2:0), Preston North End (4:2) und Derby County (3:1) hieß der Gegner am 24. März vor 99.000 Zuschauern im Londoner Wembley Stadion FC Blackpool.

Das Duell zwischen ManUtd und Blackpool war geprägt von kunstvollem Angriffsfußball und gilt bis heute als eines der besten FA-Cup-Endspiele. United, das in ungewohnten blauen Trikots auflief, geriet früh nach einem von Shimwall verwandelten Penalty in Rückstand (12.) und lag auch zur Pause hinten, weil Blackpool nach dem zwischenzeitlichen Ausgleich durch Rowley (28.) dank seiner beiden Stars, dem famosen Sturmduo Stanley Mortensen und Stanley Matthews, einen zweiten Treffer folgen ließ. Nach einem Freistoß von Matthews hatte Mortensen wenig Mühe, um einzunetzen (35.). Im zweiten Durchgang drehte ManUtd die Partie mit drei Toren innerhalb weniger Minuten und fuhr den ersten Titel seit 39 Jahren ein.

ManUtd: Crompton, Carey, Aston Sen., J. Anderson, Chilton, Cockburn, Delaney, Moris, J. Rowley, S. Pearson, Mitten – Trainer: Matt Busby
Blackpool: Robinson, Shimwell, Crosland, Johnston, Hayward, Kelly, Matthews, Dick, Munro, Mortensen, Rickett – Trainer: Joe Smith
Tore: 0:1 Shimwall (12., Elfmeter), 1:1 Rowley (28.), 1:2 Mortensen (35.), 2:2 Rowley (70.), 3:2 Pearson (80.), 4:2 Anderson (82.)
Schiedsrichter: C. Barrick (Northampton)
Zuschauer: 99.000 Wembley (London, England

Bevor diese erste große Mannschaft Busbys dann auseinanderfiel, weil einige der gestandenen Profis ihre Karriere beendeten oder zu anderen Vereinen gingen (John Morris, John Aston Sen.), gewann sie 1952 die englische Meisterschaft. Und obwohl in dieser Saison der Spitzname “Busby Babes“ seinen Ursprung fand – Tom Jackson, ein Journalist der „Manchester Evening News“, sprach nach der Partie in Liverpool am 24. November (0:0), bei der Roger Byrne (21) und Jackie Blanchflower (18) ihr Debüt gaben, von den “United Babes“, die aber kurze Zeit später zu den „Busby Babes“ umgetauft wurden – waren die Leistungsträger Spieler, deren Laufbahn sich dem Ende neigte. In erster Linie sind hier zwei Akteure zu nennen, die zusammen mit den bereits abgewanderten Charlie Mitten (1950, Independiente Santa Fe, 161 Spiele/61 Tore), Jimmy Delaney (1950, FC Aberdeen, 164/25) und John Morris (1949, Derby County, 92/35) in den ersten Nachkriegsjahren als “Famous Five” bekannt geworden waren: Stan Pearson und Jack Rowley (mehr unter Die Helden), Die beiden Stürmer schossen zusammen 52 der 95 Saisontore, Rowley steuerte 30 Treffer (40 Spiele) bei, Pearson deren 22 (41). Weitere Stützen des Teams, das nach den beiden frühen Erfolgen in den Jahren 1908 und 1911 nun den dritten Titel in die nordwestliche Industriestadt holte, waren der irische Kapitän und Abwehrchef Johnny Carey (38 Spiele/3 Tore), der zentrale Mittelfeldspieler Allenby Chilton (42/0), Linksverteidiger Henry Cockburn (38/2) und der gerade erst von Birmingham City gekommene rechte Flügelstürmer Johnny Berry (36/6).

Das alte Logo

ManUtd gewann die Football League mit 57 Punkten (23 Siege/11 Remis/8 Niederlagen) und verwies die punktgleichen Teams der Tottenham Hotspur und Arsenal London mit vier Zählern Vorsprung auf die Plätze zwei und drei. 53.651 Besucher erlebten am 26. April 1952 in Old Trafford einen perfekten und spektakulären Saisonabschluss, als die Red Devils den FC Arsenal mit 6:1 regelrecht zerlegten.

Die letzte Trophäe dieser Mannschaft war dann der Charity Shield. Im Duell Meister gegen FA-Cup-Gewinner trafen Rowley, Carey und Co am 24. September in Old Trafford auf Newcastle United. Und nachdem man zur Halbzeit noch mit 0:1 hinten lag, konnte man der Partie noch eine Wende geben und ging schließlich mit 4:2 als Sieger vom Platz.

ManUtd: R Wood, T McNulty, J Aston, J Carey, A Chilton, T Gibson, J Berry, J Downie, J Rowley, S Pearson, R Byrne
Newcastle: R Simpson, G Cowell, R Batty, E Robledo, R Stokoe, T Casey, T Walker, G Robledo, V Keeble, N Black, R Mitchell
Tore: Rowley 2, Byrne, Downie / Keeble 2
Zuschauer: 11.381 Old Trafford (Manchester)

Die Jahre 1953 – 58

Weil nun peu á peu die altgedienten Stützen der Mannschaften ihre Stiefel an den Nagel hingen, stand der erste große Umbruch unter Busby an. So ersetzte der Schotte nach und nach fast die komplette Meisterelf von 1952: Der langjährige Kapitän Johnny Carey verließ die Red Devils 1953 nach 344 Spielen und 44 Toren genau wie die Stürmer Stan Pearson (343/148) und John Downie (116/37). 1954 folgte John Aston Sen. (284/30), ehe 1955 mit Don Gibson (115), Henry Cockburn (275/4), Jack Rowley (424/211) und Allenby Chilton (391/3) ein weiterer Aderlass folgte. Mit dem Rücktritt von Torhüter Jack Crompton (212), der allerdings dem Club als Torwart-Trainer treu blieb, ging 1956 einer der letzten der alten Generation.

Busby setzte beim Neuaufbau konsequent auf die Jugend. Nach Roger Byrne, der bereits 1952 den Sprung in die erste Elf schaffte, dem Nordiren Jackie Blanchflower und Johnny Berry, der 1951 von Birmingham City verpflichtet wurde, gab ein Talent nach dem anderen sein Debüt. Anders als Johnny Berry und Tommy Taylor, der für die Rekordsumme von 29.999£ vom FC Barnsley den Weg nach Old Trafford fand, kam die Mehrzahl der jungen Burschen direkt aus Manchesters Jugendakademie. Die Akademie, in der die Nachwuchsteams alle nach dem gleichen Muster unter professionellen Bedingungen trainierten und so auf Busbys System geschult wurden, entpuppte sich als wahre Talentschmiede. Sie arbeitete so effizient, dass in dm Zeitraum 1953-57 kein einziger Spieler von einem anderen Club geholt wurde. Busbys Vorgänger Walter Crickmer, der als Sekretär die Koordination beim Aufbau inne hatte, die Scouting-Abteilung um Chef-Scout Joe Armstrong, der die Nachfolge von ManUtd-Namensgeber Louis Rocca angetreten hatte, sichteten die Buben bereits im Schuljungenalter und überzeugten die Eltern davon, ihre Söhne für United spielen zu lassen. So debütierten in diesen Jahren David Pegg (06.12.1952), Bill Foulkes (13.12.1952), der erst 16-jährige Duncan Edwards (04.04.1953), Dennis Viollet (11.04.1953), Albert Scanlon 20.11.54, William Whelan (26.03.1955), Wilf McGuinness (08.10.1955), Eddie Coleman (12.11.1955) und Bobby Charlton (06.10.1956, mehr unter Die Helden) – und dieses Team hatte den Namen Busby Babes nun wirklich verdient.

Nach drei Jahren der Findung, in denen ManUtd die Liga als Achter (1953), Vierter (1954) und Fünfter (1955) beendete, setzte die junge Truppe zum Höhenflug an und begeisterte die Fans mit herrlich aggressivem Angriffsfußball. Mit einem Durchschnittsalter von gerade einmal 22 Jahren dominierten die Busby Babes dann in der Saison 1955/56 die Konkurrenz und wurden souverän Meister der First Division. Die Red Devils blieben dabei in Old Trafford ungeschlagen (18 Siege/3 Remis) und hatten am Ende bei einer Tordifferenz von 83:51, stattliche elf Punkte Vorsprung auf Vizemeister Blackpool.

Und diese Meisterschaft blieb nicht der einzige Titel der erfolgshungrigen und aufstrebenden Mannschaft. Binnen weniger Monate kamen drei weitere Trophäen hinzu. Dem Gewinn des Charity Shields im Oktober, als man mit 1:0 gegen den Stadtrivalen Manchester City die Oberhand behielt, folgten die souveräne Titelverteidigung der englischen Meisterschaft 1957 und der erneute Triumph im Charity Shield, als man den FA-Cup-Sieger Aston Villa mit einem deutlichen 4:0 vom Platz fegte. Mit diesem Sieg revanchierte sich ManUtd für die am 04. Mai 1957 unter äußerst unglücklichen Umständen zustande gekommene 1:2-Niederlage im Finale des FA Cups, die das erste Double der Red Devils verhindert hatte. ManUtd musste bereits nach wenigen Minuten Keeper Ray Wood ersetzen, da dieser sich bei einem üblen Check von McParland den Kiefer brach. Weil nicht gewechselt werden durfte, stellte sich Blanchflower ins Tor und ManUtd musste die Partie mit zehn Spielern bestreiten.

Desweiteren nahm ManUtd 1957 als erster englischer Verein am eine Saison zuvor neu geschaffenen Europapokal teil und scheiterte dort erst im Halbfinale am Titelverteidiger und späteren Sieger Real Madrid, das diesen Wettbewerb fünfmal in Folge gewann (1956-60). Der 10:0-Kantersieg im Rückspiel der ersten Runde gegen den RSC Anderlecht ist bis heute der höchste Sieg Manchesters auf internationalem Parkett.

ManUtd: R Wood (sub: J Gaskell), W Foulkes, R Byrne, E Coleman, M Jones, D Edwards, J Berry, W Whelan, T Taylor, D Viollet, D Pegg
Man City: J Savage, W Leivers, R Little, D Revie, D Ewing, R Paul, F Fagan, J Hayes, R Johnstone, J Dyson, R Clarke
Tore: 1:0 Viollet
Zuschauer: 30.495 Main Road (Manchester)
ManUtd: R Wood, W Foulkes, R Byrne, F Goodwin, J Blanchflower, D Edwards, J Berry, W Whelan, T Taylor, D Viollet, D Pegg
Aston Villa: N Sims, S Lynn, P Aldis, S Crowther, J Dugdale, P Saward, L Smith, J Sewell, D Pace, W Myerscough, P McParland
Tore: Taylor (3), Berry (Elfmeter)
Zuschauer: 27.923 Old Trafford (Manchester)

Es folgte die Saison 1957/58, und Busby ließ keine Zweifel daran aufkommen, was für ihn in diesem Jahr Priorität hatte: Er wollte auf Europas Thron. Und seine Babes enttäuschten ihn nicht. Nachdem in den Runden eins und zwei die Shamrock Rovers und Dukla Prag eliminiert wurden, hieß der Gegner im Viertelfinale Roter Stern Belgrad. ManUtd gewann das Hinspiel vor 60.000 Zuschauern in Old Trafford am 14. Januar 1958 durch Tore von Charlton und Coleman mit 2:1 und flog dann, nachdem man in einem mitreißenden und denkwürdigen Spiel den FC Arsenal in Highbury mit 5:4 besiegt hatte und indem die Busby Babes ihr großes Potential unter Beweis stellten, am 01. Februar nach Belgrad zum Rückspiel. Dort erreichte die Elf ein 3:3-Unentschieden und qualifizierte sich erneut für das Halbfinale. Doch dieses geriet zur Randerscheinung, denn der Rückflug von Belgrad in die Heimat endete mit einer Katastrophe, die das jähe Ende der Busby Babes bedeutete, den Verein um Jahre zurückwarf und noch heute nicht nur die Anhänger Manchester Uniteds tief bewegt: Nach einer Zwischenlandung in München zerschellte das Flugzeug und brachte 23 Menschen, darunter acht Spielern der Red Devils, den Tod … (siehe: Die Tragödie von München)

Obwohl ManUtd bei der Katastrophe zehn Stammkräfte verlor und der gesamte Verein unter Schockzustand stand, wurde der Spielbetrieb aufrecht erhalten. In Vertretung des schwer verletzten Matt Busby übernahm Co-Trainer Jimmy Murphy bis zum Ende der Saison die Rolle als Chef-Coach. (Murphy war nicht an Bord der Unglücksmaschine, weil er zugleich Trainer der walisischen Nationalmannschaft war und im Rahmen der WM-Qualifikation mit diesem Team zu einem Spiel unterwegs war.) Da Murphy keine Alternative hatte, griff er im weiteren Saisonverlauf hauptsächlich auf Ersatz- und Jugendspieler zurück. Von den verbliebenen Leistungsträgern waren zunächst nur Harry Gregg und Bill Foulkes einsatzbereit, Bobby Charlton, Dennis Viollet und Kenny Morgans, der aber nur noch ein Schatten seiner selbst war, griffen erst später ins Geschehen ein.

Zur Überraschung aller gewann ManUtd die erste Partie nach dem Unglück. Am 19. Februar besiegte man vor rund 60.000 Zuschauern in Old Trafford Sheffield Wednesday im FA Cup glatt mit 3:0. Doch dann machte sich der Substanzverlust bemerkbar. United zog zwar im FA Cup ins Finale ein, wo man dann allerdings den Bolton Wanderers mit 0:2 unterlag, konnte in der Liga aber nur eines der 14 noch ausstehenden Spiele für sich entscheiden. So stand am Ende der neunte Rang zu Buche. Auch mit dem Gewinn des Europapokals wurde es nichts. Im Hinspiel konnte man den AC Milan mit 2:1 niederringen, doch ein 0:4 in Mailand beendete am 14. Mai diese schmerzhafte und einschneidende Saison.

Red Star Belgrad: Beara, Tomic, Zekovic; Mitic, Spajic, Popovic; Borozan, Sekularac, Tasic, Kostic, Cokic
Manchester United: Gregg, Foulkes, Byrne; Colman, Jones, Edwards; Morgans, Charlton, Taylor, Viollet, Scanlon
Tore: 0:1 Viollet (2.), 0:2 und 0:3 Charlton (30./32.), 1:3 und 3:3 Kostic (47./87.), 2:3 Tasic (55., Elfmeter)
Schiedsrichter: Karl Kaiser (AUT)
Zuschauer: 55.000 (JNA Stadion, Belgrad)
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Die Tragödie von München

Es war exakt um 15:04 Uhr an jenem 06. Februar 1958, als die von Manchester United gecharterte Airspeed AS 57 der British European Airways mit dem Kennzeichen G-ALZU und dem Namen “Lord Burghley“ nach einer planmäßig angesetzten Zwischenlandung auf dem Flughafen München-Riem beim dritten Startversuch von der Startbahn abkam, auseinandergerissen wurde und explodierte – ein tragisches Unglück, das 23 der 44 an Board befindlichen Personen mit dem Leben bezahlten, und das auch noch 50 Jahre später allgegenwärtig ist und Trauer und Mitgefühl auslöst.

Die Maschine, in der neben der Mannschaft und Journalisten diverser Zeitungen, noch der Organisator der Reise mit seiner Frau und ein enger Freund Matt Busbys saßen, musste auf dem Rückflug von Belgrad den Stopp in München wahrnehmen, um Sprit nachzutanken. Nachdem bereits zwei Starversuche wegen Druck-Problemen in beiden Triebwerken abgebrochen wurden und alle Passagiere zwischenzeitlich das Flugzeug verlassen hatten, entschied sich die Crew um Kapitän James Thain, der 1968 von jeglicher Schuld an diesem Unglück frei gesprochen wurde, doch noch zu einem neuerlichen Anlauf. Und obwohl die Triebwerke – wie spätere Untersuchungen ergaben – nun fehlerlos funktionierten, kam es zum Crash. Das Flugzeug nahm zwar zunächst die zum Abheben erforderliche Geschwindigkeit auf, wurde dann aber durch den auf der Startbahn liegenden Schneematch abgebremst. Sie kam nicht richtig hoch und streifte mit ihrer linken Tragfläche ein Wohnhaus, wodurch die Maschine in Stücke gerissen wurde. Das Cockpit schlitterte gegen einen Baum, die rechte Seite des Rumpfs rutschte gegen eine Holzgarage und explodierte, weil dort unter anderem auch Benzin gelagert war. Den anrückenden Rettungskräften bot sich anschließend ein Bild des Grauens. Sie konnten 21 Personen, darunter mit Kapitän Roger Byrne, Geoff Bent, Eddie Colman, Mark Jones, David Pegg, Tommy Taylor und Billy Whelan auch sieben Spieler, nur noch tot aus dem Trümmerfeld bergen. Mit Duncan Edwards, der nach Meinung vieler Experten der wohl talentierteste Spieler seiner Zeit war und nach großem Kampf am 21. Februar im Klinikum rechts der Isar seinen schweren Verletzungen erlag, und dem Co-Piloten Kenneth Rayment, der drei Wochen vergeblich um ein Leben kämpfte, erhöhte sich die Zahl der Todesopfer dann noch auf insgesamt 23. Schlimmeres verhindert hat zudem noch Harry Gregg. Der Nordire, der wenige Monate später bei der WM in Schweden zum besten Torhüter des Turniers gewählt wurde, rettete ohne Rücksicht auf sein eigenes Leben einige Personen – darunter auch Matt Busby, Bobby Charlton, Dennis Viollet und Jamie Blanchflower – aus dem brennenden Wrack.

Während Matt Busby, der noch bis zum 18. April in München blieb, sich gut erholte und zur Saison 1958/59 wieder auf die Trainerbank zurückkehrte, hatten seine Assistenten Bert Whalley und Tom Curry nicht das Glück auf ihrer Seite. Genau wie Vereinssektretär und Club-Urgestein Walter Crickmer, der insgesamt 32 Jahre in den verschiedensten Bereichen für United tätig war, fanden sie den Tod. Desweiteren bedeutete der Crash für zwei der neun überlebenden Spieler das Ende ihrer aktiven Laufbahn. Johnny Berry und Jackie Blanchflower bestritten aufgrund ihrer beim Unglück erlittenen Verletzungen kein einziges Spiel mehr.

Die Gedenktafel an Old Trafford /Foto: www.footballcorner.de

Heute wird im Club-Museum ausführlich an die Tragödie erinnert. Zudem hängt auf der einen Seite der Südtribüne in Old Trafford eine Ehrentafel, die den Opfern gewidmet ist. Auf der anderen Seite ruft die sogenannte Munich Clock den traurigen Tag ins Gedächtnis. Doch Club-Präsidend Harold Hardman gab in dieser schweren Stunde, in der der Fußball in den Hintergrund rückte und mehr als eine ganze Stadt in Trauer stürzte, ein Versprechen ab: United will rise again.” Und er sollte Recht behalten, denn die Red Devils kamen zurück. Und wie!

Wir werden Euch nie vergessen!

“Oh, England’s finest football team, it’s record truly great,
It’s proud successes mocked by a cruel turn of fate.
Eight men will never play again, who met destruction there,
The flowers of English football, the flowers of Manchester.”

Die letzte Strophe von “The Flowers of Manchester” (The Spinners, Album: Quayside Songs Old and New)

Die “acht Blumen” von Manchester:

Roger Byrne † – Alter 28, Linksverteidiger, 277 Spiele/19 Tore für ManUtd, 33 Länderspiele für England
Geoff Bent † – Alter 25, Linksverteidiger, 12 Spiele für ManUtd
Eddie Colman † – Alter 21, Mittelfeld, 107 Spiele/2 Tore für ManUtd
David Pegg † – Alter 22, Stürmer, 148 Spiele/28 Tore für ManUtd, 1 Länderspiel für England
Mark Jones † – Alter 24, Mittelfeld, 120 Spiele/1 Tor für ManUtd
Duncan Edwards † – Alter 21, Mittelfeld, 175 Spiele/21 Tore für ManUtd, 18 Länderspiele/5 Tore für England
Tommy Taylor † – Alter 26, Stürmer, 189 Spiele/128 Tore für ManUtd, 19 Länderspiele/16 Tore für England
Liam ‘Billy’ Whelan † – Alter 22, Stürmer, 96 Spiele/52 Tore für ManUtd, 4 Länderspiele für Irland

Offizielle:

Walter Crickmer † – Clubsekretär
Tom Curry † – Jugendtrainer
Bert Whalley † – Assistenztrainer

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Die Jahre 58 bis 69

Zur Saison 1958/59 kehrte der wiedergenese Matt Busby auf die Trainerbank zurück und begann mit dem Neuaufbau der Mannschaft. Mit Bobby Charlton, dem neuen Kapitän Bill Foulkes, Harry Gregg, Albert Scanlon, Dennis Viollet und Ray Wood bildeten sechs Überlebende von München zunächst das Grundgerüst, das erstmal mit einigen Spieler aus der zweiten Reihe ergänzt wurde. Nach und nach füllte Busby den Kader dann mit frischem Blut.

Der erste namhafte Neuzugang war Albert Quixall (165 Spiele, 50 Tore). Er kam für die neue britische Rekordablöse von £45,000 im September 1958 von Sheffield Wednesday zu ManUtd. Quixall war damit der erste entscheidende Transfer, der wie die weiteren der kommenden Jahre aus der für den Flugzeugabsturz gezahlten Versicherungssumme finanziert wurde, und United den Weg zurück an die Spitze ebnen sollte. Doch dieser gestaltete sich zunächst schwierig, denn außer der überraschenden Vize-Meisterschaft 1958/59, gab es keine vorderen Platzierungen. Im Gegenteil, es ging vier Jahre lang bergab. Zwei siebten Plätzen 1959/60 und 60/61 folgte ein Jahr danach der Absturz auf Rang 15, der dann 62/63 mit dem 19. Platz noch “getoppt” wurde. Bemerkenswert aus dieser Zeit ist nur der neue Torrekord von Dennis Viollet aus der Spielzeit 59/60, in der er mit 32 Liga-Treffern zweimal öfter einnetzte als Jack Rowley 51/52. Umso überraschender kam Viollets Abschied 1962. Nach zwölf Jahren United, 259 Spielen und 159 Toren wurde der Stürmer im allerbesten Fußballeralter von 28 Jahren ausgemustert und von Busby nach Stoke City verkauft.

Doch während United in der Liga ums Überleben kämpfte und dem Abstieg nur knapp entging, sah man im FA Cup das andere Gesicht des Teams. Nachdem man 61/62 noch im Halbfinale mit 1:3 gegen Tottenham Hotspur den Kürzeren zog, gelang 62/63 der große Wurf. Mit einem 3:1-Erfolg im Finale gegen Leicester City wurde der älteste Pokalwettbewerb der Welt zum dritten Mal in den Verein geholt. Das siegreiche Team hatte bereits ein neues Gesicht. Doch anders als zu Zeiten der Busby Babes, schafften in diesen Jahren nur wenige junge Talente aus der eigenen Jugend den Sprung ins Profi-Team. Neben Shay Brennan und Keeper David Gaskell war Nobby Stiles, der bereits als Schuljunge zu ManUtd kam und 1960 sein Debüt für die erste Mannschaft gab, der einzige, der es wirklich zum Stammspieler schaffte. Diese Lücke schlossen einige Neuzugänge, die sich zu Leistungsträgern entwickelten. In erster Linie sind hier Tony Dunne (1960, £5000 vom FC Shelbourne), Maurice Setters (1960, £30,000 von West Bromwich Albion), Noel Cantwell (1960, £29,500 von West Ham United), David Herd (1961, £35,000 vom FC Arsenal) sowie “The King” Denis Law (1962, £110,000 vom FC Turin) und der erst im Februar 1963 von Celtic Glasgow verpflichtete Pat Crerand (£56,000) zu nennen. Der Neuaufbau war zwar noch nicht komplett abgeschlossen, aber diese Mannschaft bildete die Eckpfeiler für die Erfolge der nächsten Jahre.

In diese Zeit fällt auch die Geburt des neuen Nicknamens. Da die Elf nicht mehr viel mit den Busby Babes gemein hatte, suchte Matt Busby nach einer Alternative. Er wurde beim Rugby-Team aus Salford fündig, das sich schon seit mehreren Jahrzehnten The Red Devils nannte. Er forcierte den Bekanntheitsgrad, indem er den Teufel auf Programmen und Fanartikeln drucken ließ. Der neue Name etablierte sich und wurde schließlich zum Markenzeichen, als der Rote Teufel dann 1970 beim neu gestalteten Club-Wappen in der Mitte eingearbeitet wurde.

Etwas mehr als fünf Jahre nach der Katastrophe von München gab es bei Manchester United wieder einen Grund zum Jubeln. Am 25. Mai 1963 gewann die mit einem halben Dutzend Neuzugängen runderneuerte Mannschaft in Wembley das Finale im FA Cup recht souverän mit 3:1 gegen das eigentlich favorisierte Leicester City. The Foxes schlossen die Liga auf einem starken vierten Platz ab, während ManUtd nur um Haaresbreite der Relegation entging. Doch ausgerechnet Foxes-Keeper Gordon Banks, der zweifellos zu den besten Torhütern seiner Zeit zählte und 1966 mit England den WM-Titel gewann, erwischte einen rabenschwarzen Tag. Banks sah bei allen drei Gegentreffern schlecht aus. Beim 1:0 erwischte ihn “The King” Denis Law, der 1962 nach einem Intermezzo beim FC Turin für die neue Rekord-Ablöse von £110.000 den Weg zu Utd. gefunden hatte, auf dem falschen Fuß. Bei den beiden weiteren Treffern in Halbzeit zwei profitierte David Herd von Banks Patzern, als dieser zunächst einen Schuss von Bobby Charlton und später eine Flanke von Johnny Giles nicht festhalten konnte. Der zwischenzeitliche Anschlusstreffer zum 2:1 durch Ken Keyworth war zuwenig für Leicester, am Ende triumphierte der Außenseiter. So war es ManUtd-Kapitän Noel Cantwell, der den Pokal in die Höhe strecken durfte und damit wieder Freude nach Stretford End brachte.

Manchester United: David Gaskell, Tony Dunne, Noel Cantwell ©, Pat Crerand, Bill Foulkes, Maurice Setters, Johnny Giles, Albert Quixall, David Herd, Denis Law, Bobby Charlton
Leicester City: Gordon Banks, John Sjoberg, Richie Norman, Frank McLintock, Ian King, Colin Appleton ©, Howard Riley, Graham Cross, Ken Keyworth, David Gibson, Mike Stringfellow
Tore: 1:0 Denis Law, 2:0 David Herd, 2:1 Ken Keyworth, 3:1 David Herd
Schiedsrichter: Ken Aston
Zuschauer: 79.684 im Wembley (London)

In der Saison 1963/64 blieben die Red Devils dann allerdings ohne Titel, weil ihnen zwei Liverpooler Vereine einen Strich durch die Rechnung machten. Beim Charity Shield holte man sich im Goodison Park gegen den amtierenden Champion Everton eine 0:4-Packung ab. Und die Meisterschaft, die man mit vier Zählern Rückstand auf den FC Liverpool als Vize beendete, verspielte man durch zwei Niederlagen gegen den ungeliebten Konkurrenten aus der Nachbarschaft. Dennoch, in diesem Jahr fanden zwei ganz wichtige Bausteine den Weg aus der Jugendabteilung in die Stammelf, mit denen der Umbruch praktisch abgeschlossen wurde. Die Rede ist von David Sadler und – natürlich – George Best.

Es folgten zwei Meistertitel in den Spielzeiten 1964/65 und 1966/67 und in den gleichen Jahren der Gewinn beim Charity Shield – Busby hatte es zum dritten Male geschafft, eine erfolgreiche Mannschaft aufzubauen. Das Titelrennen 1965 entschied ManUtd nur dank der um 19 Treffer besseren Tordifferenz gegenüber dem mit 61 Zählern punktgleichen Leeds United zu seinen Gunsten, 1967 verwies man Nottingham Forrest mit vier Punkten Vorsprung auf Rang zwei. Beim Charity Shield endeten die beiden Spiele remis. Der Titel wurde 1965 mit Liverpool nach einem 2:2, und 1967 mit Tottenham Hotspur nach einem 3:3 geteilt; der Pokal wanderte jeweils für ein halbes Jahr in die Trophäenschränke der Clubs.

Hervorzuheben aus dem auf allen Positionen stark besetzten Team ist das Offensiv-Trio Charlton, Best und Law. Die drei Ballartisten hatten ein brilliantes Spielverständnis, das die Anhänger verzückte und die Gegner alt aussehen ließ. Torschütze vom Dienst war Denis Law. Der Schotte netzte auf dem Weg zu den beiden Meisterschaften stolze 51 Mal ein, David Herd traf als zweitbester Striker 36 Mal.

ManUtd: P Dunne, S Brennan, A Dunne, P Crerand, N Cantwell, N Stiles, G Best (sub W Anderson), R Charlton, D Herd, D Law, J Aston
Liverpool: T Lawrence, C Lawler, G Byrne, G Milne, R Yeats, W Stevenson, I Callaghan, R Hunt, I St John, T Smith, G Strong
Tore: Best, Herd / Stevenson, Yeats
Zuschauer: 48.502 in Old Trafford
ManUtd: A Stepney, S Brennan, A Dunne, P Crerand, B Foulkes, N Stiles, G Best, D Law, R Charlton, B Kidd, J Aston
Tottenham: P Jennings, J Kinnear, C Knowles, A Mullery, M England, D Mackay, J Robertson, J Greaves, A Gilzean, T Venables, F Saul
Tore: Charlton 2, Law / Robertson, Jennings, Saul
Zuschauer: 54.106 in Old Trafford

Bevor diese dritte große Mannschaft von Matt Busby dann im Mittelmaß versank und die Ära des genialen Schotten nach mehr als 20 Jahren zu Ende ging, gelang ihr 1968 noch der bis dahin größte sportliche Erfolg der langen Vereinsgeschichte: ManUtd gewann den Europapokal der Landesmeister.

Nachdem die Red Devils 1965/66 noch im Halbfinale an Partizan Belgrad (1:0, 0:2) gescheitert waren, setzte man sich nun in der Vorschlussrunde gegen den spanischen Giganten Real Madrid mit 1:0 und 3:3 durch und traf im Endspiel auf Benfica Lissabon. Verantwortlich für die Fahrkarte nach Wembley, wohin die UEFA das Spiel vergeben hatte, war diesmal keiner der treffsicheren Offensiv-Kräfte, sondern mit Bill Foulkes ein Abwehrspieler. Das United-Urgestein erzielte beim Rückspiel vor 125.000 Zuschauern im Madrider Bernabéu kurz vor dem Abpfiff den zum Weiterkommen entscheidenden Treffer zum 3:3-Endstand.

Zehn Jahre nachdem die Busby Babes sich anschickten Europas Fußball-Thron zu besteigen und durch die Flugzeugkatastrophe auf diesem Weg so bitter gestoppt wurden, stand ManUtd nun vor dem langersehnten Ziel. Nein, dieses Spiel war keines wie jedes andere: Dieses Spiel einte die ganze Nation, mit diesen Finale gedachte man der Busby Babes. Bei den Red Devils standen mit Bobby Charlton und Bill Foulkes zwei Überlebende von München in der Elf. Außerdem waren die beiden auch die einzigen Spieler, die vom 1958 begonnenen Neuaufbau noch bei ManUtd aktiv waren.

United spielte an diesem feuchtheißen Abend des 29. Mai in blauen Trikots und ohne den am Knie verletzten Sturmführer Denis Law. Eine besondere Aufgabe hatte Nobby Styles zu erfüllen. Er sollte Benficas Weltstar Eusébio den Wind aus den Segeln nehmen.

Die ersten 45 Minuten verliefen dann enttäuschend, ehe ManUtd nach der Pause die Kontrolle übernahm und folgerichtig in Führung ging. Bobby Charlton überwand José Henrique mit einem platzierten Kopfball ins rechte Eck. In der Folgezeit verpasste man die Vorentscheidung, kassierte den Ausgleich und stand dann sogar vor dem Aus. Eusébio, der ansonsten bei Nobby Styles in guten Händen war, scheiterte – bedrängt von zwei Verteidigern – aus zwölf Metern am sensationell reagierenden Alex Stepney.

Es ging in die Verlängerung – und die gereichte zum Triumphzug für United, das gleich drei Treffer in den ersten 15 Minuten erzielte. Das 2:1 markierte George Best nach einem weiten Abschlag Stepney im Alleingang. Am Ende der Aktion umspielte er den chancenlosen Benfica-Keeper und konnte locker einschieben. Nur zwei Uhrzeigerdrehungen später erhöhte der blutjunge Brian Kidd auf 3:1. Das 19-jährige Geburtstagskind köpfte den Ball, der nach einem Charlton-Kopfstoß von einem Portugiesen auf der Linie abgewehrt wurde und Kidds Weg kreuzte, unter die Latte. Kapitän Bobby Charlton höchstpersönlich sorgte für den glorreichen Schlusspunkt. Beim 4:1, als er nach einer flachen Eingabe von Kidd das Leder aus spitzem Winkel hoch ins lange, linke Eck nagelte, zeigte er seine ganze Klasse.

Der Rest war riesengoßer Jubel, die Emotionen brachen heraus und ganz England feierte eine unvergessliche Nacht. Matt Busbys Traum, Manchester United an die Spitze Europas zu führen, war endlich Wirklichkeit. Der in die Jahre gekommene Schotte, der vier Wochen später für seine Verdienste im Fußball von der Königin zum Ritter geschlagen, und somit zur Sir Matt Busbyt wurde, fand nach dem Spiel folgende Worte: “This is the most wonderful thing that has happened in my life and I am the proudest man in England tonight.”

ManUtd: Alex Stepney, Bill Foulkes, Tony Dunne, Shay Brennan, David Sadler, Bobby Charlton, Paddy Crerand, Nobby Stiles, John Aston, Brian Kidd, George Best – Trainer: Matt Busby
Benfica: José Henrique, Adolfo Calisto, Jacinto Santos, Humberto Fernandes, Mário Coluna, Fernando Cruz, António Simões, Jaime Graça, Eusébio, José Augusto, José Torres – Trainer: Otto Martins Glória
Tore: 1:0 Bobby Charlton (53.), 1:1 Jaime Graca (79.), 2:1 Best (92.), 3:1 Kidd (94.), 4:1 Bobby Charlton (99.)
Schiedsrichter: Lo Bello (Italien)
Zuschauer: 92.000 Wembley (London, England)

Es sollte sich rasch zeigen, dass der Europapokal-Triumph genau zum richtigen Zeitpunkt kam, denn das Team hatte den Zenit erreicht. Bevor über Jahre hinweg deutlich kleinere Brötchen gebacken wurden, startete man aber beim Versuch, im Cup der Landesmeister den Titel zu verteidigen, ein letztes Ballyhoo. Anders als der Lokalrivale ManCity, der in der Saison 1967/68 mit zwei Punkten Vorsprung auf United englischer Meister geworden war und bereits in der ersten Runde gegen Fenerbahce Istanbul die Segel streichen musste, schafften die Red Devils zumindest den Einzug ins Halbfinale. Dort war dann aber gegen den späteren Sieger AC Mailand (0:2, 1:0) Schluss. Auch mit dem Gewinn des Weltpokals wurde es nichts. Im kontinentalen Vergleich erwiesen sich die Argentinier von Estudiantes de la Plata in Hin- und Rückspiel als zu stark. Nach einer 0:1-Niederlage in Südamerika kam United vor eigenem Publikum in Old Trafford nicht über ein 1:1 hinaus. Besonders deutlich wurde der Leistungsabfall aber in der Liga – der elfte Rang bedeutete nichts anderes als den Sturz ins Mittelmaß.

So war es für Sir Alexander Matthew “Matt” Busby nach 24 eindrucksvollen und emotionalen Jahren Zeit, als Trainer aufzuhören. Busby, der mit United 13 Titel gewann, erklärte 1969 seinen Rücktritt, blieb dem Club aber als Funktionär erhalten und kehrte alsbald für den erfolglosen Wilf McGuinness nochmal für ein halbes Jahr auf die Trainerbank zurück. Er übernahm zunächst aber den Posten des General Manager und fungierte als Vize-Präsident, ehe er 1982 zum Präsidenten aufstieg.

Doch es sind nicht allein die gewonnenen Meisterschaften und Pokale, die den Glasgower bis in die Gegenwart unvergessen machen. Viel mehr ließen ihn die während seiner Ära erreichten Umwälzungen im Verein und die von ihm propagierte und weiterentwickelte, aggressiv-offensive Spielweise im 4-3-3-System, zu dem werden, was er heute ist: eine Legende, wie sein geliebter Verein selbst. Busby ist tief in den Club verwurzelt. Seit 1993 heißt die Straße, an der das Clubgelände nebst Old Trafford liegt, Sir Matt Busby Way. In Old Trafford steht an der Osttribüne oberhalb des riesigen Fan-Shops ein in Bronze gegossenes Abbild von ihm, und in jeder Saison wird der Matt Busby Spieler des Jahres von den Anhängern gewählt. Es bestehen keinerlei Zweifel, für Manchester United ist Matt Busby der Mann, dem der Club auf dem Weg zu seiner jetzigen Ausstrahlung und disponierten Stellung am meisten zu verdanken hat.

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1969-86: Fünf Trainer, kaum Erfolg

So erfolgreich die vergangenen zwei Jahrzehnte für United waren, so trist sollten die kommenden 20 Jahre werden. Bevor 1986 Alex Ferguson das Ruder übernahm und die Red Devils Schritt für Schritt zurück an die Spitze führte, regierte von Wilf McGuinness bis Ron Atkinson zumeist die Mittelmäßigkeit. Erst mit der Vize-Meisterschaft 1980 wurde der Anschluss an die Top-Clubs wieder hergestellt und die Leistungen konstanter. Als Trostpflaster während dieser Jahre diente einzig der FA Cup, der dreimal nach Old Trafford geholt wurde.

Wilf McGuinness und Frank O’Farrell (1969 – 1972)

Busbys Nachfolge wurde im Sommer 1969 intern gelöst. Sein Co-Trainer Wilf McGuinness, der ab 1954 selbst 81 Mal für United als Profi auflief, ehe er 1959 infolge eines Fußbruchs seine aktive Karriere 1959 vorzeitig beenden musste und in den Trainerstab wechselte, rückte aus der zweiten in die erste Reihe. McGuinness’ Beförderung zum Chefcoach stand allerdings unter keinem guten Stern. Die alternden Sieger von 1968 standen am Ende ihrer Laufbahn und waren nur schwer zu motivieren. Dazu schwebte der lange Schatten von Matt Busby wie ein Damoklessschwert über ihm. Der neue General Manager war allgegenwärtig und untergrub mit seinen ständigen Besuchen beim Training zudem noch seine Autorität.

Nach einem achten Rang in der Saison 69/70 wurde McGuinness dann am 26. Dezember 1970 gefeuert, weil sich erneut eine ähnlich schwache Platzierung abzeichnete. Matt Busby übernahm für die zweite Hälfte der Spielzeit noch einmal das Zepter, konnte aber nichts bewegen; ManUtd wurde wiederum Achter. Am jungen McGuinness, bei seinem Amtsantritt war er gerade 31 Jahre alt, waren die Monate als hauptverantwortlicher Trainer nicht spurlos vorbei gegangen. Vom Stress geplagt, hatte er das ganze Haupthaar verloren. Er blieb zunächst im Trainerstab, kehrte Old Trafford dann aber im Februar 1971 den Rücken und übernahm Aris Saloniki.

Die 87 Partien unter McGuinness wurden von Frank O’Farrell noch unterboten. Der Ire wurde zur Saison 1971/72 von Leicester City abgeworben und am 08. Juni mit einem Fünfjahres-Vertrag ausgestattet. O’Farrell hatte einen guten Start, die Red Devils schienen bis Weihnachten sogar ein Titelkanditat zu sein. Aber dann kam der Einbruch und man landete zum dritten Mal in Folge auf Rang acht. Da sich die Spirale in der neuen Saison weiter abwärts drehte und sogar der Abstieg drohte, war der Verein zum Handeln gezwungen. Und so kam nach nur eineinhalb Jahren und 81 Spielen, wenige Tage nach einer deftigen 0:5-Klatsche bei Crystal Palace, am 16. Dezember 1972 O’Farrells Ende als Chefcoach. Das Hauptproblem des bei den Spielern wegen seiner unterkühlten und distanzierten Art wenig beliebten Iren hieß George Best. O’Farrell ließ sich von dem immer mehr ins Abseits abdriftenden Star auf der Nase rumtanzen, anstatt eine klares Zeichen zu setzen.

Auch die teuren Neuverpflichtungen, für die man ganz tief in die Kasse griff, konnten O’Farrell nicht retten. Immerhin begann er mit dem längst überfälligen Neuaufbau, vom dem sein Nachfolger dann profitieren sollte. Von März bis Dezember 1972 investierte man fast £800,000 in neue Beine. So kamen kurz hintereinander Martin Buchan für £125,000 aus Aberdeen und Ian Storey-Moore für £200,000 von Nottingham Forrest, beide Summen bedeuteten jeweils neue Rekordablösen. Weitere £200,000 flossen für Ted MacDougall zum AFC Bournemouth, £120,000 für George Graham zum FC Arsenal und nochmal £100,000 nach Schottland für Alex Forsyth, der von Partick Thistle kam. Doch all diese Spieler konnten die Abgänge der alten Leistungsträger nicht kompensieren. Der Substanzverlust, der durch den Verlust solcher außergewöhnlichen Akteure wie Bill Foulkes (Rücktritt 1970/685 Spiele), Shay Brennan (nach Waterford 1970/358), Nobby Styles (1971 zum FC Middlesbrough/391) und Pat Crerand (Rücktritt 1971/397) entstand, war einfach zu groß. Zudem stand Bobby Charlton kurz vom Ende seiner großen Karriere und George Best fiel mehr durch seine Eskapaden auf.

Tommy “The Doc” Docherty (1972 – 1977)

Mit Tommy Docherty übernahm kurz vor Weihnachten 1972 ein ganz anderer Trainer-Typ die Nachfolge des gefeuerten O’Farrells. Im Gegensatz zu dem äußerst reserviert auftretenden Iren, war der Schotte ein volksnaher und sehr redseliger Mann, der gerne im Mittelpunkt stand. “The Doc”, wie Docherty kurz genannt wurde, kam mit der Erfahrung von 15 Jahren als Profi und deren zehn als Trainer zu ManUtd. Er trat von seinem Job als schottischer Nationalcoach zurück, weil es ihn ungemein reizte, die Red Devils wieder auf Erfolgskurs zu bringen.

Und obwohl United 1973 den Abstieg vermeiden konnte und nochmal für £400.000 auf dem Transfermarkt zuschlug (u. a. kam Stürmer Lou Macari für £200.000 von Celtic), schien es zunächst so, als sollte auch Dohertys Amtszeit nur ein kurzes Gastspiel werden. Denn allen Vorschusslorbeeren zum Trotz, erreichte man unter Docherty in der Spielzeit 1973/74 den Tiefpunkt, scheiterte in der Relegation gegen Birmingham City und stieg zum ersten Mal seit 1938 in die Second Division ab. Der erneute Aderlass vor der Saison war einfach zu groß. Neben den jahrelangen Stammkräften Bobby Charlton (Rücktritt, 758 Spiele/249 Tore), Denis Law (ablösefrei zu ManCity, 398/237), David Sadler (für £25.000 zu Preston Nord End, 328/27) und Tony Dunne (ablösefrei zu den Bolton Wanderers, 534/2), verließen mit Ted MacDougall (West Ham, 18/5) und (Ian Storey-Moore (Rücktritt nach Verletzung, 43/12) auch noch zwei Spieler den Club, die erst kurz zuvor verpflichtet worden waren. Nach dem Abstieg verließen mit George Best (Vertragsauflösung, 470/179) und Brian Kidd (£110.000 zu Arsenal, 257/70) zwei weitere Altstars Stretford End, von den 68er Europapokalsiegern war nun nur noch Keeper Alex Stepney für United aktiv.

Docherty durfte trotz des Absturzes in die Zweitklassigkeit weitermachen und rechtfertigte in den nächsten Jahren dann das in ihn gesetzte Vertrauen. United marschierte mit aggressivem Angriffsspiel recht souverän durch die zweite Spielklasse, verlor in Old Trafford nur eine Partie und schaffte mit drei Punkten Vorsprung auf Aston Villa den direkten Wiederaufstieg. Dochertys Maßnahmen griffen, das neu formierte, junge Team wuchs zusammen und Einkäufe wie Martin Buchan, Lou Macari, Gerry Daly, Alex Forsyth oder Stewart Houston zeigten nun ihre Klasse. Die Fortschritte wurden dann auch in der First Division sichtbar. Die Red Devils belegten als Aufsteiger sensationell den dritten Platz, der zur Teilnahme am Uefa Cup berechtigte und spielten sich im FA Cup bis ins Finale. Zu neuer Silberware reichte es allerdings nicht, man unterlag vor 100.000 Zuschauern im Wembley dem FC Southampton knapp mit 0:1.

Und die starke Saison blieb keine Eintagsfliege. 1976/77 beendete man die Liga als guter Sechster, in Europa erwies sich nach zwei Siegen über Ajax dann Juventus Turin in der zweiten Runde als zu stark (1:0/0:3). Doch der große Wurf gelang im FA Cup: Mit einem 2:1-Erfolg im Endspiel gegen den FC Liverpool wurden neun Jahre ohne Titel ad acta gelegt. Der Jubel über den Triumph war groß. ManUtd war wieder wer und schien mit einer Reihe hoffnungsvoller Talente wie Stuart Pearson, Brian und Jimmy Greenhoff, Steve Coppell, Sammy Mcilroy und Gordon Hill ausgestattet, unter Docherty vor einer rosigen Zukunft zu stehen. Niemand ahnte, dass dieses gewonnene Finale das letzte Spiel unter dem Schotten war …

Denn nur 44 Tage nach dem Pokalgewinn platzte eine vereinsinterne Bombe. Tommy Dochertys Affäre mit der Frau des Physiotherapeuten Laurie Brown wurde in der Öffentlichkeit bekannt. Die Vereinsspitze um Präsident Louis Edwards handelte sofort und und trennte sich am 03. Juni 1977 von dem überaus beliebten Trainer.

Als Docherty 1976 nach dem mit 0:1 gegen Southampton verlorenen Finale mit markigen Worten versprach, den Fa Cup dann im nächsten Jahr zu holen, schien diese Aussage nicht mehr als eine Durchhalteparole zu sein. Auch an diesem 21. Mai 1977 setzten nicht viele Experten auf United, das gegen den seit dem Kanalbau 1894, der Manchester Anbindung an die See brachte, verhassten FC Liverpool, als potentieller Außenseiter galt. Der ewige Rivale aus der nur 30 Meilen entfernten Hafenstadt reiste als frisch gebackener englischer Meister zum Endspiel und gewann nur vier Tage später am 25. Juni mit einem 3:1 gegen Borussia Mönchengladbach im Rom den Europapokal der Landesmeister.

Doch die Red Devils verhinderten das Triple. Als Martin Buchan in der 90. Minute Liverpools Stürmerstar Kevin Keegan erfolgreich bei einem Kopfstoß störte, war die Überraschung perfekt: ManUtd hatte den Favoriten nach hartem Kampf mit 2:1 in die Schranken verwiesen. Die drei Treffer fielen innerhalb von nur sechs Minuten. Zunächst schoss Stuart Pearson United nach Kopfballverlängerung von Jimmy Greenhoff mit einem satten Schuss aus halbrechter Position in Front (50.). Liverpool antworte zwei Minuten später mit dem schönsten Tor des Tages. Jimmy Case nahm einen langen Schlag von Joey Jones auf Höhe der Strafraumgrenze mit dem Rücken zum Tor an, legte sich den Ball nach rechts vor und drosch ihn in den rechten oberen Winkel. Uniteds Siegtreffer resultierte dann aus einem Fehler von Liverpools Tommy Smith. Jimmy Greenhoff hatte dem Verteidiger rechts im Strafraum das Spielgerät abgeluchst, der Schuss des heranstürmenden Macari flog Greenhoff dann an den Unterschenkel und fand von dort den Weg über die Linie (55.).

Die Ehre, den Pokal in Empfang zu nehmen, hatte Martin Buchan, der Kevin Keegan gut im Griff hatte und zum besten Spieler der Partie gekürt wurde.

ManUtd: Stepney, Nicholl, Albiston, B Greenhoff, Buchan, McILroy, J. Greenhoff, Coppell, Pearson, Hill (81. McCreery), Macari
Liverpool: Clemence, McDermott, Fairclough, Smith, Keegan, Johnson (64. Callaghan), Neal, Jones, Kennedy, Hughes, Case
Tore: 1:0 Pearson (50.), 1:1 Case (52.), 2:1 Jimmy Greenhoff (55.)
Schiedsrichter: Robert Matthewson
Zuschauer: 100.000 im Wembley

David Sexton (1977 – 1981)

Die vier Jahre unter Dave Sexton sind rasch abgehandelt. Der gebürtige Londoner war ein ganz anderer Charakter als sein beliebter, äußerst umgänglicher Vorgänger. Er war introvertiert und glich von der Persönlichkeit her eher seinem Vor-Vorgänger, dem Iren Frank O’Farrell. Sexton trat seinen Job am 14. Juni mit der Empfehlung langjähriger Profierfahrung sowie zwei erfolgreichen Trainerstationen beim FC Chelsea und den Queens Park Rangers bei den Red Devils an. Doch im Gegensatz zu seinem Engagement bei Chelsea, wo er auch als Nachfolger von Tommy Docherty angeheuert hatte und die Blues zu Titeln im FA Cup (1970) und im Europapokal der Pokalsieger (1971) führte, konnte er in Manchester nicht von der Aufbauarbeit Dochertys profitieren.

Außer dem “halben” Erfolg beim 0:0 gegen Meister Liverpool im Charity Shield 1977 gab es nur sehr wenige Höhepunkte während seiner Amtszeit, die zudem von schlimmen Krawallen der United-Hooligens – u. a. in St. Etienne und Middlesbrough – geprägt war. Zu den positiven Schlagzeilen zählen nur noch die hochdramatische 2:3-Niederlage im FA-Cup-Finale 1979 gegen den FC Arsenal und die Vize-Meisterschaft 1979/80. In Sachen Transfers stieß United in neue Dimensionen vor. Nachdem Anfang 1978 mit den Verpflichtungen von Joe Jordon (£350,000) und Gordon McQueen (£495,000), die beide von Leeds United kamen, alte Rekorde pulverisiert wurden, zahlte man im August 1979 für Ray Wilkins bereits (£825,000) an Chelsea. Im Oktober 1980 wurde dann die Millionengrenze überschritten: United überwies für Gerry Birtles 1,25 Millionen britische Pfund auf das Konto von Nottingham Forrest.

Sextons Entlassung zum Ende der Saison 1980/01 hing eng mit Birtles zusammen. Wurden die anderen teuren Neuerwerbungen den Erwartungen zu großen Teilen noch gerecht, so entpuppte sich Birtles als der vielleicht größte Flop in der Vereinsgeschichte. Der Stürmer blieb in den ersten 30 Spielen komplett ohne Tor und kehrte im September 1982 frustriert nach Nottingham zurück. Da war das Kapitel Sexton an Stretford End schon Geschichte. Der bei den meisten Anhängern wenig geachtete Coach stand aufgrund seiner abwartenden Spielweise in der Kritik. Letztlich konnten ihn auch sieben Siege an den abschließenden Spieltagen nicht retten. United kam als Achter ins Ziel und Sexton bekam nur kurz nach dem Saisonende am 30. April 1981 seine Papiere. Kaum jemand weinte ihm eine Träne nach.

Zu erwähnen ist aus dieser Zeit noch, dass im Februar 1979 mit Alex Stepney der letzte Europapokalheld von 1968 Old Trafford den Rücken kehrte. Das Torhüter-Urgestein ging nach 13 Jahren, 539 Spielen und zwei Treffern (!) auf seine alten Tage noch für eine Spielzeit nach Amerika zu Dallas Tornado.

Liverpool: R Clemence, P Neal, J Jones, P Thompson, R Kennedy, E Hughes, K Dalglish, J Case, D Fairclough, T McDermott, I Callaghan
Manchester United: A Stepney, J Nicholl, A Albiston, S McIlroy, B Greenhoff, M Buchan, S Coppell, J Greenhoff (D McCreery), J Pearson, L Macari, G Hill
Zuschauer: 82.000 im Wembley

Ron Atkinson (1981 -1986)

Für den neuen Präsidenten der Red Devils, Martin Edwards, der 1980 nach dem Tod seines Vaters Louis vom Vize aufstieg, war die Trainersuche als Entscheidungsträger Neuland. Schließlich fiel seine Wahl auf Roy Aktinson, dessen gute Arbeit bei West Bromwich Albion das Interesse Uniteds geweckt hatte. Big Ron, wie der gebürtige Liverpooler gerufen wurde, sollte endlich wieder die englische Meisterschaft nach Old Trafford holen. Mit ausschlaggebend für sein Engagement war auch die Tatsache, dass der zugängliche und direkte Atkinson in seinem Wesen an den erfolgreichen Tommy Docherty erinnerte und zudem eine ähnliche Fußballphilosophie vertrat. United spielte unter Atkinson wieder den herzerfrischenden Angriffsfußball, der den Club groß gemacht hatte und bei den Anhängern so beliebt war.

Doch trotz einer sichtlichen Steigerung rannte man der Meisterschaft vergeblich hinterher – frustrierend für das ganze Umfeld, dass es über viele Jahre nicht gelang, die Phalanx des FC Liverpool zu brechen, der in diesen Jahren ein Abonnement auf den Titel hatte. Anders verhielt es sich im FA Cup. Atkinson führte die Red Devils dort zu zwei Erfolgen in den Jahren 1983 und 1985. Der Charity Shield 1983, wo man beim 2:0 gegen Liverpool durch zwei Tore von Bryan Robson die Oberhand behielt, komplettiert Atkinsons Titelsammlung. Das beste Ergebnis auf internationaler Ebene war der Einzug ins Halbfinale des Uefa Cups 1983/84. Nachdem man sich eindrucksvoll im Viertelfinale gegen den FC Barcelona durchgesetzte und dabei mit einem 3:0 vor heimischer Kulisse noch ein 0:2 aus dem Hinspiel ausbügelt hatte, erwies sich dort Juventus Turin als zu stark (1:1, 1:2).

Die Red Devils fuhren als haushoher Favorit gegen das als Tabellenschlusslicht gerade in die Second Division abgestiegene Brighton & Hove Albion in die englische Hauptstadt. Doch man fing sich einen späten Ausgleichstreffer zum 2:2 ein und konnte auch in der Verlängerung nicht mehr nachlegen. Erst im Wiederholungsspiel wurde der Klassenunterschied deutlich. Hier präsentierte sich United klar überlegen und gewann standesgemäß mit 4:0. Kapitän Bryan Robson steuerte zwei Tore bei und nahm den Pokal in Empfang.

ManUtd: Gary Bailey, Mike Duxbury, Arthur Albiston, Ray Wilkins, Gordon McQueen, Kevin Moran, Bryan Robson, Arnold Mühren, Frank Stapleton, Norman Whiteside, Alan Davies
Brighton: Graham Moseley, Chris Ramsey (56. Gerry Ryan), Gary Stevens, Steve Gatting, Graham Pearce, Neil Smillie, Jimmy Case, Tony Grealish, Gary Howlett, Michael Robinson, Gordon Smith
Tore: 0:1 Smith (14.), 1:1 Stapleton (55.), 2:1 Wilkins (72.), 2:2 Stevens (87.)
Referee: Alf Grey (Norfolk)
Zuschauer: 100.000 im Wembley
ManUtd:* Gary Bailey, Mike Duxbury, Arthur Albiston, Ray Wilkins, Gordon McQueen, Kevin Moran, Bryan Robson, Arnold Mühren, Frank Stapleton, Norman Whiteside, Alan Davies
Brighton: Graham Moseley, Steve Gatting, Graham Pearce, Tony Grealish, Steve Foster, Gary Stevens, Jimmy Case, Gary Howlett (74. Gerry Ryan), Michael Robinson, Gordon Smith, Neil Smillie
Tore: 1:0 und 3:0 Robson (25./44.), 2:0 Whiteside (30.), Mühren (62., Elfmeter)
Referee: Alf Grey (Norfolk)
Zuschauer: 92.000 im Wembley
ManUtd: G Bailey, M Duxbury, A Albiston, R Wilkins, K Moran, G McQueen, B Robson, A Mühren (J Gidman), F Stapleton, N Whiteside, A Graham
Liverpool: B Grobbelaar, P Neal, A Kennedy, M Lawrenson, P Thompson (C Johnston), A Hansen, K Dalglish, S Lee, I Rush, M Robinson (D Hodgson), G Souness
Tore: 1:0 und 2:0 Robson
Zuschauer: 92.000 im Wembley

Die Partie gegen die Toffees sollte gleich aus zweierlei Gründen in die Geschichtsbücher eingehen. Zum einen verhinderte ManUtd – wie schon 1977 mit dem 2:1-Erfolg über den FC Liverpool – durch den 1:0-Sieg gegen Everton, das in dieser Saison sowohl die Meisterschaft als auch den EC der Pokalsieger gewann, erneut das erste Triple einer englischen Mannschaft. Zum anderen sah mit Kevin Morgan der erste Spieler in einem Finale des seit 1872 ausgetragenen FA Cups die Rote Karte.

Die Red Devils verkrafteten den Platzverweis gut und wurden dadurch sogar beflügelt. In der dramatischen Verlängerung war es dann der Ire Norman Whiteside, der in der 110. Minute mit einem spektakulären Treffer für die Entscheidung sorgte. Er nahm ein Zuspiel von Mark Hughes auf und zog auf rechts zum Strafraum. Ein kurzer Hacken, dann schlenzte er den Ball zwischen zwei Verteidigern hindurch unhaltbar für Southall genau neben den linken Pfosten.

Man Utd: Bailey, Gidman, Albiston (45. Duxbury), Whiteside, McGrath, Moran, Robson, Strachan, Hughes, Stapleton , Olsen
Everton: Southall, Stevens, Van Den Hauwe, Ratcliffe, Mountfield, Reid, Steven, Gray, Sharp, Bracewell, Sheedy
Tore: 1:0 Whiteside (110.)
Referee: P. Willis
Zuschauer: 100.000 im Wembley
Gelbe Karten: – / –
Rote Karte: Moran (78.)

Der Top-Transfer von Atkinson war sicherlich die Verpflichtung von Bryan Robson im Oktober 1981. United zahlte die neuerliche Rekordsumme von £1,5 Millionen an Atkinsons alten Arbeitgeber West Brom. Doch dieses Geld war gut investiert, denn Robson bestätigte seine Klasse, stieg zum Kapitän auf und gehört heute den größten United-Legenden. Big Ron setzte seine Personalvorstellungen konsequent um und vertraute dabei auch auf Profis mit Perspektive. Neben Neueinkäufen wie Frank Stapleton (1981 für £900,000 von Arsenal), Remi Moses (1981 für £600,000 von West Brom) und Paul McGrath (1982 für £30,000 von St. Patrick Athletic) schlugen auch zwei Akteure ein, die bereits als Teenager den Weg zu United gefunden hatten: Norman Whiteside und Mark Hughes.

In der Saison 1985/86 schien dann endlich die Meisterschaft greifbar, als die Red Devils die ersten zehn Ligaspiele am Stück gewinnen konnten. Und obwohl das Team auch in den nächsten fünf Partien bei drei Siegen und zwei Remis weiterhin ungeschlagen blieb und am 09. November beim 0:1 daheim gegen Sheffield Wednesday die erste Niederlage kassierte, rutschte man noch auf Rang vier der Tabelle ab. Auch wenn man berücksichtigt, dass mit dem wieder einmal verletzt ausgefallenen Kapitän Bryan Robson der Leader die halbe Runde verpasste, so war dies der Anfang vom Ende für Atkinson – er hatte seinen Kredit aufgebraucht.

Nach einem miserablen Start in seine sechste Saison und dem frühen Aus im League Cup waren Atkinsons Tage gezählt. Noch am selben Abend der derben 1:4-Pleite in Southampton zog Martin Edwards den Schlussstrich und gab am 04. November 1986 die Trennung bekannt. Kaum zu glauben, aber wahr: Die Entlassung von Atkinson blieb die einzige während der Amtszeit Edwards. Der Präsident, der erst im Jahr 2000 die Geschäftsführung an Peter Kenyon abgab, bewies bei der Wahl des Nachfolgers ein goldenes Händchen. Noch im November betrat der Schotte Alex Ferguson die Bühne Old Trafford, wo er bis heute das Zepter schwingt…

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ManUtd und Sir Alex – eine einzigartige Kombination

Die Zeit in Schottland

Alexander Chapman Ferguson wurde am 31. Dezember 1941 im Glasgower Stadtteil Govan geboren und arbeitete nach einer Lehre als Werkzeugmacher bis zum Alter von 23 Jahren in einer Schiffswerft seiner Heimatstadt. Schon während dieser Zeit spielte er für Queens Park und St. Johnstone Fußball, ehe er dann 1964 in Dunfermline eine Profikarriere als Mittelstürmer startete. Von dort wechselte er 1967 für 65.000 britische Pfund zu den Glasgow Rangers, dem Club, für den er in der Kindheit schwärmte. Dort blieb der gewünschte Erfolg aus und er wurde 1969 nach Falkirk transferiert. Zum Abschluss seiner aktiven Zeit spielte Ferguson dann noch ein Jahr in Ayr und hängte seine Stiefel 1974 an den Nagel.

Doch Ferguson blieb dem Fußball treu und stieg bei East Stirling ins Trainergeschäft ein, von wo er aber ziemlich rasch den Weg nach St. Mirren fand. Dort lieferte er dann trotz limitierter Möglichkeiten gute Arbeit ab, bis er 1978 überraschend nach Differenzen mit dem Präsidenten gefeuert wurde. Er blieb nicht lange ohne Engagement, denn beim FC Aberdeen hatte man das Talent Fergusons erkannt und holte ihn 1978 in den Verein. Und Ferguson brachte den Erfolg mit. Er führte The Dons während seiner bis 1986 andauernden Ära an die schottische Spitze und gewann zudem 1983 den Europapokal der Pokalsieger durch einen 2:1-Triumph über Real Madrid. Dieser Erfolg ist zugleich der letzte europäische Titel einer schottischen Mannschaft. Ferguson geriet dank seiner erfolgreichen Arbeit in den Fokus der großen Clubs, die den Schotten mit Angeboten lockten. Nachdem er ziemlich erfolglos bei der WM 1986 in Mexiko als schottischer Nationalcoach fungierte, entschied er sich schließlich für Manchester United…

Mit Disziplin zurück an die Spitze

Als Alex Ferguson am 6. November 1986 seine Arbeit bei den Red Devils antrat, hatte United gerade den Hauptgewinn gezogen. Bei vielen Anhängern war aufgrund seiner hervorragenden Ergebnisse mit dem FC Aberdeen die Hoffnung groß, mit ihm wieder in erfolgreiche Gewässer zu segeln. Doch dass diese “Ehe” in einer einzigartigen Zusammenarbeit gipfeln würde, die bis in die Gegenwart reicht und die Ära Busby bei weitem in den Schatten stellt, ahnte wohl damals niemand.

Nach einer ersten Bestandsaufnahme zog er eine ernüchternde Bilanz: Irgendwann in den Jahren nach dem Abschied seines großen Landsmanns Matt Busby, hatte United den Anschluss verpasst. Die Strukturen waren veraltet, die Jugendarbeit lag vernachlässigt am Boden und die Moral der Mannschaft war eines Profiteams unwürdig. Ferguson stellte sich der Herausforderung. Mit viel Elan und Durchsetzungsvermögen setzte er fortan seine Ideen um. Für die Spieler brach eine neue Zeitrechnung an. Ferguson verlangte unbedingte Disziplin, er duldete keine Schlamperei und verhängte für zwei Tage vor jedem Spiel absolutes Alkoholverbot.

Doch nur mit diesen Maßnahmen und der Einführung neuer Trainingsmethoden war kein Erfolg möglich. Ferguson begann mit einem grundlegenden Umbau des Kaders. Nach einigen Startschwierigkeiten, die ihren Höhepunkt Ende 1989 fanden und mit “Fergie raus” Rufen von den halbleeren Rängen in Old Trafford begleitet wurden, besserten sich die Leistungen und die Ergebnisse stimmten plötzlich. Der Schotte hatte es geschafft. Ein ganz wichtiger Fakt dabei war Fergusons Weitsicht in Sachen Transfers. Er hatte ein phantastisches Gespür für Talente, so dass die Neuerwerbungen fast komplett einschlugen. Auch das von ihm auf Vordermann gebrachte Scouting brachte den gewünschten Erfolg, viele junge Nachwuchsspieler wurden an Land gezogen, die nur wenig später entscheidend zur Dominanz der Red Devils beitrugen.

Fergies erster Titel war der Gewinn des FA Cups 1990 (1:0 gegen Crystal Palace im Wiederholungsspiel). Der Bann war gebrochen und es folgten der Gewinn im Europacup der Pokalsieger 1991 gegen Barcelona (2:1) und der Sieg im League Cup 1992 über Nottingham Forrest (1:0). Trotzdem geriet Ferguson nochmal in die Kritik, weil der langersehnte Meistertitel am letzten Spieltag durch eine 0:2-Niederlage in Liverpool verspielt wurde. Doch ein Jahr später hatte das Warten ein Ende – Ferguson holte 1993 zum ersten Mal nach 26 Jahren die Championship nach Old Trafford. Diesem Titelgewinn, zu dem unter anderem Cantona, Irwin, Schmeichel und der blutjunge Giggs beitrugen, sollten bis heute neun weitere Meisterschaften folgen. Neben vier weiteren Erfolgen im FA Cup führte Ferguson United 1999 zum Gewinn der Champions League. In einem dramatischen Finale behielt man mit 2:1 die Oberhand gegen Bayern München – Fergusons größter Erfolg, der 2008 durch einen Sieg gegen den FC Chelsea wiederholt wurde.

Seine Titelsammlung

Aberdeen

Manchester United

Persönliche Auszeichnungen

Alex Ferguson, der am 20. Juli 1999 von Queen Elizabeth II zum Ritter geschlagen wurde, fährt in all seinen Jahren als Trainer einen klaren Kurs. Sein Credo ist die Disziplin. Wer nicht 100-Prozent mitzieht, der bekommt Schwierigkeiten. Neben Spielern wie Roy Keane, David Beckam oder auch Ruud van Nistelrooy, die allesamt nach Differenzen mit ihm gehen mussten, vertritt er auch gegenüber den Medien seine Prinzipien. So gibt er der BBC seit einigen Jahren überhaupt keine Interviews mehr und erscheint auch nicht zu den obligatorischen Pressekonferenzen nach den Spielen.

Aber was zählt, sind die Erfolge seiner Mannschaft und die gewonnenen Titel. Und hier spricht alles für Sir Alex Ferguson, der bei United den “inneren Kern” bildet und das ganze Unternehmen zusammenhält. Der Sir geht auch nach 22 Jahren mit gutem Beispiel voran. Fast täglich betritt er pünktlich um 7:30 Uhr das Vereinsgelände, um seiner Arbeit nachzugehen. Und momentan ist nicht abzusehen, wie lange er dies noch tut. In der Öffentlichkeit unbestätigten Aussagen zufolge, will er zumindest so lange weitermachen, bis seine Red Devils den ungeliebten FC Liverpool als englischen Rekordmeister abgelöst haben. In dieser Saison konnte United bereits zu den Reds, die in der zur Saison 1992/93 neu geschaffenen Premier League noch ohne Meisterschaft da stehen, aufschließen. Mit jeweils 18 Títeln – gibt es zumindest für ein Jahr – zwei englische Rekordmeister.

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1986-90: Die Basis wird gelegt

Bevor mit dem Gewinn des FA Cups 1990 für United und Alex Ferguson die Zeit der Ernte begann, standen noch dreieinhalb magere Jahre ins Haus. Bis auf den sehr guten zweiten Platz in der Saison 1987/88, blieb man sowohl in der Liga als auch in den Pokalwettbewerben ohne jegliche Titelchance. Dennoch war diese Phase ausschlagend für die Erfolge bis Mitte der neunziger Jahre, da das Gros der daran beteiligten Spieler, von 1987 bis 1989 zu den Red Devils geholt wurde.

Die ersten beiden Top-Transfers von Ferguson, der schon damals viel Geld in die Hand nahm, um seine Wunschspieler zu ködern, waren 1987 der schottische Sturmtank Brian McClair (Celtic, £850,000) und der intelligente Abwehrorganisator Steve Bruce (Norwich City, £825,000). McClair erzielte gleich in seiner ersten Saison stolze 31 Tore. Seine Gesamtbilanz bis zu seinem Abschied 1998 erhöhte sich in 470 Partien auf 127. “Choccy” gehörte mit Steve Bruce, der 1993 Bryan Robson als Kapitän beerbte und in 414 Spielen 51 Treffer markierte, zu den Eckpfeilern bei Uniteds Wiedergeburt unter Fergie.

1988 gelang Fergie dann ein entscheidender Deal. Er holte den unzufriedenen Mark Hughes für 1,8 Millionen britische Pfund aus Barcelona zurück, wohin der Waliser im August 1986 für £2,5 Millionen gewechselt war. Etwas mehr als eine Million gab United zudem für Torhüter Jim Leighton (Aberdeen, £450,000) und den bereits über 30 Jahre alten nordirischen Verteidiger Mal Donaghy (Luton Town, £650,000) aus.

Das Jahr 1989 war dann so etwas wie der Höhepunkt in Sachen Kaderumbau. Mit dem Schotten Gordon Strachan (Leeds, £300,000), dem Iren Paul McGrath (Aston Villa, £450,000) und dem Nordiren Norman Whiteside (Everton, £750,000) drei langjährige Stammspieler den Verein. Die Neuinvestitionen fielen aber ungleich höher aus. Von Juli bis September genehmigte Präsident Martin Edwards Ausgaben von £7,25 Millionen, die wie folgt angelegt wurden: Mike Phelan (Norwich City, £750,000), Neil Webb (Nottingham Forest, £1.5 Million), Gary Pallister (Middlesbrough, £2.3 Million), Paul Ince (West Ham United. £2.4 Million) und Danny Wallace (Southampton, £1.3 Million) fanden den Weg nach Old Trafford.

Im Liga-Alltag lieferte die teure Truppe aber eine bittere Enttäuschung nach der anderen ab – der miese elfte Platz der Saison 88/89 wurde mit dem 13. noch einmal unterboten. Die Anhänger waren frustriert und ließen ihrem Unmut freien Lauf. Ferguson stand Ende 1989 im Kreuzfeuer der Kritik, die Medien hatten sich eingeschossen. Doch Altmeister Matt Busby stand seinem Landsmann zur Seite und riet diesem, die Presse zu ignorieren.

Wer weiß, ob Fergie nach Ende der Saison 1989/90 noch Coach bei United gewesen wäre, wenn die Mannschaft zum Saisonausklang nicht den FA Cup gewonnen hätte. Der knappe 1:0-Erfolg im Wiederholungsspiel gegen Crystal Palace verdeckte viele Ungereimtheiten. Lee Martin, der aus der eigenen Jugend kam und während seiner achtjährigen Karriere an Stretford End lediglich zwei Mal ins Schwarze traf, erzielte das goldene Tor bei Fergies erstem Titelgewinn mit United. Mit diesem Erfolg war der Bann gebrochen, von nun an fand in fast jeder Spielzeit irgendein Pokal seinem Platz im Trophäenschrank.

Manchester United: Jim Leighton, Paul Ince, Lee Martin (88. Clayton Blackmore), Steve Bruce, Mike Phelan, Gary Pallister (93. Mark Robins), Bryan Robson ©, Neil Webb, Brian McClair, Mark Hughes, Danny Wallace
Crystal Palace: Nigel Martyn, John Pemberton, Richard Shaw, Andy Gray (David Madden), Gary O’Reilly, Andy Thorn, Phil Barber (69. Ian Wright), Geoff Thomas, Mark Bright, John Salako, Alan Pardew
Tore: 0:1 O’Reilly (18.), 1:1 Robson (35.), 2:1 und 3:3 Hughes (62./109.), 2:2 und 3:2 Wright (72./92.)
Referee: Allan Gunn
Zuschauer: 80.000 im Wembley

Endlich ein Titel – der Jubel der Spieler auf dem Rasen und der Anhänger auf den Rängen ließen erkennen, mit welcher Sehnsucht man bei United auf diesen Erfolg gewartet haben, wie hoch der Druck auf Ferguson gelastet hatte. Dieser Erfolg war praktisch der wegweisende Ritterschlag für den Schotten, der ihm Respekt und Anerkennung von allen Seiten einbrachte.

Prägende Personen aus Devils-Sicht bei diesem – von Seiten Crystal Palace äußert aggressiv geführten – Spiel waren Paul Ince, der als bester Spieler ausgezeichnet wurde, und natürlich Lee Martin. Der Torschütze wurde nach seinem Treffer, zu dem Neil Webb mit einem präzisen Seitenwechsel die Vorarbeit leistete, von den Mitspielern fast erdrückt. Martin nahm den Ball im Strafraum und hämmerte ihn mit voller Wucht per Rechtsschuss unhaltbar ins Netz. Da United in der zweiten Halbzeit seine spielerische Überlegenheit zum Ausdruck brachte, ging der Sieg auch in Ordnung. Kapitän Bryan Robson durfte als erster Spieler überhaupt den geschichtsträchtigen Pokal zum dritten Mal in Empfang nehmen und zum frenetischen Jubel in die Höhe strecken.

Manchester United: Les Sealey, Paul Ince, Lee Martin, Steve Bruce, Mike Phelan, Gary Pallister, Bryan Robson ©, Neil Webb, Brian McClair, Mark Hughes, Danny Wallace
Crystal Palace: Nigel Martyn, John Pemberton, Richard Shaw, Andy Gray, Gary O’Reilly, Andy Thorn, Phil Barber (64. Ian Wright), Geoff Thomas ©, Mark Bright, John Salako (79. David Madden), Alan Pardew
Tor: 1:0 Martin (59.)
Referee: Allan Gunn
Zuschauer: 80.000 im Wembley
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Die glanzvollen Neunziger

Das letzte Jahrzehnt des vergangenen Jahrhunderts sollte für Manchester United und Alex Ferguson ein überaus erfolgreiches werden – das 1999 mit dem ersten Triple einer englischen Mannschaft einen krönenden Abschluss fand. Doch der Reihe nach …

1990/91

Mit lediglich zwei erwähnenswerten Neuzugängen, die das Prädikat “besonders wertvoll” zu Recht verdienen, starteten die Red Devils in die Saison 1990/91. Dabei handelte es sich um den erfahrenen irischen Abwehrrecken Denis Irin, der für £625,000 von den Oldham Athletics kam, und den blutjungen Waliser Ryan Giggs (mehr unter Helden und Legenden), der aus der Nachwuchsabteilung aufrückte. Während Irvin gleich den Sprung ins Team schaffte und beim “halben Erfolg” im Charity Shield gegen Liverpool (1:1) mit von der Partie war, musste Giggs bis zum 02. März 1991 auf sein Debüt warten. Er kam als Joker für Denis Irvin, konnte aber nichts an der 0:2-Heimniederlage gegen Everton ändern.

Während die Mannschaft in der Liga mit dem sechsten Platz wieder nicht voll überzeugen konnte, lief es in zwei der drei Pokalwettbewerbe richtig gut. Im League Cup verpasste man im Finale durch eine 0:1-Niederlage gegen Zweitligist Sheffield Wednesday, das vom früheren United-Coach Ron Atkinson trainiert wurde, den Titel nur knapp. Doch diese Schlappe wog nicht allzu schwer, denn im Cup der Pokalsieger machte es United besser. Im ersten Jahr nach der fünf Spielzeiten andauernden Sperre, die die UEFA nach der Katastrophe im Heyselstadion für alle englischen Clubs verhängt hatte, gelang den Red Devils mit einem 2:1-Sieg gegen den von Johann Cruyff trainierten FC Barcelona eine eindrucksvolle Rückkehr auf die europäische Bühne. 23 Jahre nach dem Triumph im Pokal der Landesmeister, war dies der zweite kontinentale Erfolg für United.

Liverpool: B Grobbelaar, G Hysen, D Burrows, B Venison, R Whelan, G Ablett, P Beardsley (R Rosenthal), R Houghton, I Rush, J Barnes, S McMahon
Manchester United: I Sealey, D Irwin, M Donaghy, S Bruce, M Phelan, G Pallister, C Blackmore, P Ince, B McClair, M Hughes, D Wallace (M Robins)
Tore: 0:1 Blackmore, 1:1 Barnes (Elfmeter)
Zuschauer: 66.558 im Wembley

Gleich bei seinem allerersten Auftritt auf internationaler Ebene gewann Alex Ferguson mit Manchester United den Titel im Euuropapokal der Pokalsieger. Auf dem Weg ins Endspiel, bei dem der Gegner im niederländischen Rotterdam FC Barcelona hieß, eliminierte man die Stolpersteine Montpellier und Legia Warschau, blieb im ganzen Wettbewerb ungeschlagen und gewann auswärts sogar alle Partien. Barca schaltete im Semifinale Juventus Turin aus, und galt trotz der Sperren von Stammtorwart Zubizarreta und Amor sowie des verletzungsbedingten Ausfalls von Christo Stoitchkov als Favorit.

Doch es kam anders: Mark Hughes führte die Red Devils mit einem Doppelpack zum Sieg. Ausgerechnet Hughes, der von August 1986 bis Juni 1988 in Diensten der Katalanen stand und praktisch abgeschoben worden war. Der Waliser war während der gesamten 90 Minuten ein ständiger Unruheherd und band dabei Ronald Koeman in der Defensive.

Trotz überlegen geführter Partie dauerte es bis zur 68. Minute, ehe United in Führung ging. Nach einem Foul an Hughes schlug Bryan Robson den Ball vom Strafraumeck vor das Tor, Steve Bruce verlängerte die Eingabe und Hughes drückte die Kugel über die Linie. Nur sieben Minuten später sorgte Hughes für die Vorentscheidung. Von Robson genial in Szene gesetzt, tauchte er frei vor Busquéts auf, umspielte diesen und drosch das Leder aus 18 Metern ins verwaiste Gehäuse der Spanier. Barca gab sich aber noch nicht geschlagen. Nach Koemans Anschlusstreffer per Freistoß, rettete Clayton Blackmore in den dramatischen Schlussminuten den Sieg, als er auf der Linie gegen Michael Laudrup klärte.

ManUtd: Sealey – Irwin, Bruce, Pallister, Blackmore – Phelan, Robson, Ince, McClair – Hughes, Sharpe – Trainer: Ferguson
Barcelona: Busquéts – Nando, Alexanko (72. Pinilla), Ronald Koeman, Ferrer – Ensebio, Bakero, M. Laudrup, Goicoechea – Julio Salinas, A. Beguiristain – Trainer: Cruyff
Tore: 1:0/2:0 Hughes (68./75.), 2:1 Koeman (79.)
Schiedsrichter: Bo Karlsson (Schweden)
Zuschauer: 48.000 De Kuip (Rotterdam, Niederlande)
Gelbe Karten: Robson / Bakero
Rote Karte:: Nando (87.)

1991/92

Die Saison 1991/92 ist rückblickend neben den zwei Titelgewinnen und der nur knapp verpassten Meisterschaft noch wegen eines anderen, zukunftsweisenden Aspekts bemerkenswert: Mit David Beckham (mehr unter Helden und Legenden), Nicky Butt, Gary Neville und Paul Scholes banden die Scouts junge Talente an den Club, die schon wenig später für Glanz und Gloria sorgen sollten. Weitere neue Gesichter an Old Trafford waren zudem der dänische Weltklasse-Keeper Peter Schmeichel (Bröndby, £600,000), Abwehrspieler Paul Parker (Queens Park Rangers, £1.7 Million) sowie der ukrainische Wirbelwind Andrei Kanchelskis (Schachtjor Donezk, £650,000), der allerdings schon im Mai verpflichtet wurde und bei einer Partie der ausklingenden Runde zum Einsatz kam. Alle drei konnten auf Anhieb die Erwartungen erfüllen und spielten sich in die Stammformation.

Obwohl die Red Devils alles andere als eine schlechte Runde ablieferten, überwog am Ende die Missstimmung. Die gegenüber Leeds United nur um Haaresbreite verpasste, lang ersehnte Liga-Meisterschaft hinterließ einen tiefsitzenden Stachel. Auch der Gewinn des League Cups und des UEFA-Supercups konnte nur wenig darüber hinwegtrösten. Beide Pokale wanderten jeweils nach knappen 1:0-Erfolgen zum ersten Mal in Uniteds Trophäenkabinett.

Wegen der politischen Unruhen in Jugoslawien, die im Zerfall des Vielvölkerstaates gipfelte, entschied die UEFA, den eigentlichen Modus mit Hin- und Rückspiel außer Kraft zu setzen und so den Engländern die Reise nach Belgrad zu ersparen. So fand das Finale in Old Trafford statt, wo sich die Red Devils gegen das spieltechnisch starke, serbische Starensemble durch einen Treffer von Brian McClair durchsetzte. Steve Bruce nahm den Pott als Stellvertreter für den geschonten Kapitän Bryan Robson vor der mageren Kulisse von etwas mehr als 20.000 Besuchern entgegen.

ManUtd: Peter Schmeichel – Lee Martin (71. Ryan Giggs), Denis Irwin, Steve Bruce ©, Gary Pallister – Neil Webb, Andrei Kanchelskis, Paul Ince, Clayton Blackmore – Brian McClair, Mark Hughes – Trainer: Alex Ferguson
Roter Stern: Zvonko Milojević – Duško Radinović, Goran Vasilijević, Miodrag Belodedici, Ilija Najdoski – Miroslav Tanjga, Vlada Stošić, Vladimir Jugović, Siniša Mihajlović – Darko Pančev, Dejan Savićević (82. Ilija Ivić) – Trainer: Vladica Popović
Tore: 1:0 McClair (67.)
Schiedsrichter: Mario van der Ende (NED)
Zuschauer: 22.110 in Old Trafford

Nach mehr als 30 Jahren ohne Erfolg beim 1961 ins Leben gerufenen League Cup sollte nun endlich dieser weiße Fleck in der Club-Chronik getilgt werden. Anders als in der Vergangenheit, wurde der Wettbewerb zunehmend ernst genommen. Ferguson setzte auf seine Stammkräfte, und United hatte zwölf Monate nach der blamablen 0:1-Finalniederlage gegen Sheffield Wednesday die Chance auf Wiedergutmachung.

Gegner im Londoner Wembley Stadion war Nottingham Forrest, das vom legendären Brian Clough gecoacht wurde – einem Mann, der in ganz England wegen seiner großartigen Erfolge mit dem limitierten Nottingham verehrt wurde. Auf dem Platz standen mit Roy Keane und Teddy Sheringham zudem zwei Akteure in Reihen der Tricky Trees, die später im Dress der Red Devils für Furore sorgen sollten.

In den ungeliebten blauen Ausweichtrikots angetreten, dominierte United dann das Endspiel. Für das einzige Tor der Partie war wieder einmal Bryan McClair zuständig. Der Schotte ebnete den Weg zum Sieg bereits nach knapp einer Viertelstunde.

ManUtd: Peter Schmeichel – Paul Parker, Steve Bruce, Gary Pallister, Denis Irvin – Mike Phelan, Andrei Kanchelskis (75. Lee Sharpe), Paul Ince, Ryan Giggs – Brian McClair, Mark Hughes – Trainer: Alex Ferguson
Nottingham: Andy Marriott – Gary Charles (Brian Laws), Brett Williams, Des Walker, Darren Wassall – Roy Keane, Gary Crosby, Scot Gemmill, Kingsley Black – Nigel Clough, Teddy Sheringham – Trainer: Brian Clough
Tore: 1:0 Brian McClair (14.)
Zuschauer: 76.810 im Wembley

1992/93

So groß die Freude über den Erfolg im FA-Cup auch war, der Jubel am Ende der Spielzeit 1992/93 war um ein Vielfaches größer. Denn endlich, 26 Jahre nach der letzten nationalen Meisterschaft, gewann United in beeindruckender Manier die frisch ins Leben gerufene Premier League, die die alte Division One als höchste Spielklasse Englands abgelöst hatte. Mit 84 Punkten wurde die Konkurrenz deutlich in die Schranken verwiesen, der Vorsprung auf Aston Villa betrug beachtliche zehn Zähler. Das frühe und enttäuschende Aus in den drei Pokalwettbewerben geriet fast zur Nebensache.

Alex Ferguson hatte es geschafft; er hatte ein wunderbares Team zusammengestellt. Die Stammformation mit Schmeichel im Tor, der schier unüberwindbaren Abwehrkette Parker/Bruce/Pallister/Irvin, dem spielfreudigen Mittelfeld mit Ince/Giggs/Sharpe/ Kanchelskis sowie dem torhungrigen Sturmduo McClair/Hughes funktionierte wie ein Uhrwerk. Und dennoch: Fergie gelang im November ein gleichwohl überraschender als auch genialer Transfer-Coup, der diese ohnehin schon grandiose Mannschaft entscheidend aufwertete. Die Rede ist von Éric Cantona (mehr unter Helden und Legenden). Der begnadete, geistreiche Franzose hatte als Schlüsselspieler bei der Meisterschaft Leeds Uniteds in der Vorsaison noch für Frust bei United gesorgt. Er war mit einer Ablöse von 1.2 Millionen britischen Pfund ein verhältnismäßiges Schnäppchen, und schlug ein wie eine Bombe.

Aufbauend auf dieser Elf gelang es den Red Devils nun, den verhassten FC Liverpool dauerhaft von der nationalen Spitze zu verdrängen. Ähnlich dominant wie Pool in den 80er Jahren, regierte ManUtd fortan die Liga und avancierte dank wundervollem Angriffsfußball zum Serienmeister.

1993/94

Bei der Titelverteidigung in der Spielzeit 1993/94 degradierte United den Rest der Liga erneut zu Statisten. Nach 27 Siegen, elf Unentschieden und nur vier Niederlagen aus den 42 Partien, hatte man mit 95 Punkte gesammelt und Vize Blackburn um acht Zähler distanziert. Top-Scorer des fast unveränderten Teams waren Cantona, Hughes und Giggs, die wettbewerbsübergreifend 25, 22 beziehungsweise 17 Mal ins Schwarze trafen. Einen Neuzugang hatte man sich im Sommer aber doch geleistet. Und was für einen: Für stolze 3,75 Millionen Pfund fand der Ire Roy Keane (mehr unter Helden und Legenden) von Nottingham den Weg nach Old Trafford. Diese Verpflichtung stand der von Cantona kaum nach. Ähnlich wie der Franzose, war auch der Ire auf Anhieb die gewünschte Verstärkung. Er absolvierte in seiner ersten Saison 50 Spiele und schoss dabei acht Tore.

Während United im Europacup Landesmeister bereits in zweiten Runde den Galatasaray Istanbul (H 3:3/A 0:0) ausschied, untermauerte man im FA und League Cup die neu gewonnene Stärke. Gleich in beiden Wettbewerben buchte United einen Platz für die Finals im Wembley, aus denen man aber nur einmal als Sieger hervorging. Nachdem sich Aston Villa Ende März beim Endspiel um den League Cup (1:3) als zu stark erwies, schlugen sich die Red Devils gut eineinhalb Monate später deutlich besser und gewannen mit einem überzeugenden 4:0 gegen den FC Chelsea zum achten Mal in ihrer Vereinsgeschichte den traditionsreichen FA Cup – und damit ihr erstes Double.

Bei herrlichem Sonnenschein sahen die über 66.000 Zuschauer dazu passend zwei wunderschöne Tore. Mark Hughes brachte United mit einem Seitfallzieher aus sieben Metern in Führung. David Seaman im Kasten der Gunners war dabei ebenso chancenlos, wie wenig später sein Gegenüber Peter Schmeichel, dem Ian Wright die Kugel volley von der Strafraumgrenze in den linken Winkel hämmerte.

Zum tragischen Helden beim entscheidungsbringenden Elfmeterschießen wurde dann Seaman, als dieser sich vom Punkt versuchte. Denn es blieb beim Versuch: Sein Schuss kullerte im Zeitlupentempo auf Schmeichel zu – der Däne hielt den leichtesten Elfer seiner Karriere und ManUtd jubelte.

Manchester United: P Schmeichel, P Parker, D Irwin, S Bruce, A Kanchelskis, G Pallister, P Ince, R Keane, M Hughes, R Giggs (B Robson), É Cantona – Trainer: Alex Ferguson
Arsenal: D Seaman, L Dixon (M Keown), N Winterburn, P Davis, A Linighan, T Adams, J Jensen, I Wright, K Campbell, P Merson, A Limpar – Trainer: Steve Morrow
Tore: 1:0 Hughes, 1:1 Wright
Zuschauer: 66.519 im Wembley

Auf regennassem, schnellen Rasen waren die Blues, bei denen Spielertrainer Glenn Hoddle zunächst auf der Bank saß, knapp eine Stunde die bessere von zwei schwach auftretenden Mannschaften. Doch dann änderte sich das Geschehen, die Red Devils gewannen an Passsicherheit und forcierten das Flügelspiel. Die Chance zur Führung bot sich dann, als Denis Irvin nach Zuspiel von Ryan Giggs links in den Strafraum zog und dort unsanft von Frank Sinclair gestoppt wurde – Strafstoß. Éric Cantona, sicher vom Punkt wie kaum ein Zweiter, schnappte sich den Ball. Drei kurze Schritte, und Chelsea-Keeper Dmitri Kharine war geschlagen.

Und nur sechs Minuten später, mitten hinein in Chelseas wütende Reaktion, wiederholte sich dieses Szenario. Eiskalt versenkte Cantona ein zweites Mal; der Ball zappelte erneut im rechten unteren Eck. Damit nicht genug, Mark Hughes schraubte nach einem Ausrutscher von Eddie Newton, der zuvor schon den zweiten Elfmeter mit einem Rempler gegen Kanchelskis verursacht hatte, das Ergebnis in der 69. Minute gar auf 3:0.

Obwohl Chelsea immer noch dagegen hielt und zu Chancen kam, blieb den Londonern ein Treffer verwehrt. Stattdessen erhöhte Brian McClair nach wunderbarer Vorarbeit von Paul Ince in der Schlussminute noch auf 4:0. Mit der Gewissheit des erstem Doubles und begleitet von grenzenlosem Jubel, nahm Steve Bruce den Pokal entgegen. Der etatmäßige Kapitän Bryan Robson wurde einen Tag vor dem Finale aus dem Kader gestrichen. Er dürfte als einziger den Freudentaumel mit zwiespältigen Gefühlen beigewohnt haben.

Manchester: Schmeichel, Parker, Irwin (84. Sharpe), Pallister, Bruce, Giggs, Ince, Keane, Hughes, Cantona, Kanchelskis (84. McClair) – Trainer: Ferguson
Chelsea: Kharine, Clarke, Newton, Kjeldbjerg, Johnsen, Sinclair, Spencer, Burley (68. Hoddle) Stein (84. Cascarino), Peacock, Wise – Trainer: Hoddle
Tore: 1:0 und 2:0 Cantona (60., Strafstoß/66., Strafstoß), 3:0 Hughes (69.), 4:0 McClair (90.)
Schiedsrichter: D. Elleray
Zuschauer: 79.634 im Wembley

1994/95

Nach dem famosen Doppel-Erfolg standen im Sommer dann personelle Veränderungen im Kader an. Dabei standen diesmal aber nicht die Neuerwerbungen, von denen einzig David May (Blackburn Rovers, £1.25 Millionen) zu erwähnen ist, im Fokus der Schlagzeilen, sondern mit Bryan Robson ein prominenter Abgang. Nach 13 erfolgreichen Jahren, 461 Spielen und 98 Toren wechselte der grandiose Mittelfeldstratege ablösefrei zum FC Middlesbrough. Robsons zwölf Saisons als United-Kapitän sind unerreicht. Er war einer der besten Fußballer, die je an der Stretford End spielten. Neben Robson verließen auch Clayton Blackmore (245 Spiele/26 Tore), Mike Phelan (145/3), Torhüter Les Sealey (55), Lee Martin (108/2) und Danny Walace (70/11) Old Trafford.

Die Spielzeit 1994/95 begann dann mit dem Gewinn des Charity Shields durch ein 2:0 über die Blackburn Rovers vielversprechend. Doch dieses Erfolgserlebnis sollte das letzte bleiben. In der Meisterschaft musste man sich mit nur einem Punkt Rückstand auf Blackburn mit dem zweiten Platz begnügen, im FA Cup unterlag man dem FC Everton beim Finale mit 0:1, in der neu geschaffenen Champions League war nach der Gruppenphase Feierabend und im League Cup bereits nach Runde zwei.

Dennoch bestimmte ManUtd aufgrund eines höchst unappetitlichen Vorfalls die Nachrichtenlage. Auslöser des gewaltigen Medienechos war der spektakuläre Kung-Fu-Tritt von Éric Cantona beim Auswärtsspiel in Crystal Palace am 25. Januar 1995. Wutentbrannt war der Franzose ausgerastet, nachdem er mit Rot vom Platz geflogen war und auf dem Weg in die Kabine, von einem in der ersten Reihe sitzenden Hooligan, bespuckt und beleidigt worden war. Cantona wurde für acht Monate weltweit gesperrt und flog zudem endgültig aus der Equipe Tricolore. Viele Experten lasten die verpasste Meisterschaft und das verloren gegangene Fa-Cup-Finale dem Umstand an, dass eben Cantona den Red Devils wegen seiner Sperre fehlte. Wenn man sich vor Augen führt, dass das Enfant Terrible zu diesem Zeitpunkt der unangefochtene Leader der Mannschaft war und bis zu seinem Ausschluss bereits zwölf Tore erzielt hatte, kann man dem kaum widersprechen.

Ein Dutzend Tore gelangen in der zweiten Saisonhälfte dann auch Andy Cole. Der brandgefährliche Stürmer kam für insgesamt sieben Millionen Pfund (£6 Millionen Ablöse + Keith Gillespie), die einen neuen britischen Transferrekord bedeuteten, im Januar von Newcastle United. Fünf seiner zwölf Treffer markierte er am 04. März beim 9:0-Kantersieg über Ipswich Town, beide Marken sind bis heute Rekorde in der Premier League. Ein weiteres geschichtsträchtiges Spiel sahen 43.738 am 10. November 1994 in Old Trafford: United fegte Lokalrivalen City mit 5:0 aus dem Stadion – der höchste Derby-Sieg aller Zeiten, zu dem Kanchelskis drei Treffer beisteuerte. Außerdem rückten einige der hochtalentierten Nachwuchsspieler in den Blickpunkt und machten den Stammkräften ihre Plätze streitig. Neben Giggs, der bereits zu den Leistungsträgern zählte, kamen auch Nicky Butt, Gary Neville, Paul Scholes und David Beckham zu zahlreichen Einsätzen.

Gleich dreimal konnten die Red Devils den späteren Meister während der Saison in die Knie zwingen. Neben den beiden Erfolgen in der Liga (A 4:2/H 1:0), kam noch der 2:0-Sieg im Charity Shield dazu. Éric Cantona und Paul Ince, der mit einem spektakulären Fallrückzieher zum Endstand traf, schossen United zum elften Titel in diesem Wettbewerb.

Manchester United: P Schmeichel, D May, L Sharpe, S Bruce, A Kanchelskis, G Pallister, É Cantona, P Ince, B McClair, M Hughes, R Giggs – Trainer: Ferguson
Blackburn Rovers: T Flowers, H Berg, G le Saux, M Atkins (P Thorne), C Hendry, A Gale, S Ripley, T Sherwood, I Pearce, R Slater, J Wilcox – Trainer: Kenny Galglish
Tore: 1:0 Cantona (Strafstoß), 2:0 Ince
Zuschauer: 60.402 im Wembley

1995/96

Im Sommer 1995 stopfte United erstmal das durch die Verpflichtung von Andy Cole entstandene Loch in der Vereinskasse. Mit Mark Hughes (Chelsea, £1.5 Millionen), Paul Ince (Inter Mailand £7 Millionen) und Andrei Kanchelskis (Everton, £5 Millionen) kehrten drei Stützen der vergangenen Jahre dem Club den Rücken. Besonders schmerzhaft war der Abschied von Mark Hughes, der von 1983 an – unterbrochen von einem knapp zweijährigen Intermezzo beim FC Barcelona (August 86 – Juni 88) – die Fans mit seiner herzerfrischenden, spektakulären Spielweise sowie vielen tollen, und auch wichtigen Toren in Verzückung versetzt hatte. Der Waliser trug das Dress mit dem Teufelchen insgesamt 466 Mal und schoss dabei 164 Tore.

Obwohl United dann trotz der enormen Erlöse auf namhafte Zugänge verzichtete und somit nachhaltig das Vertrauen in seine aufstrebenden Nachwuchskräfte untermauerte, stand am Ende der Runde 1995/96 erneut der Gewinn des Doubles. Nach anfänglichen Startschwierigkeiten, die das Aus im Uefa Cup (1. Runde gegen Rotor Wolgograd) und im League Cup (2. Runde gegen York City) zur Folge hatten, legten die Red Devils eine schier unglaubliche zweite Saisonhälfte hin. In der Premier League fingen sie das zu Weihnachten auf zwölf Zähler enteilte Newcastle United noch auf der Zielgeraden ab. Entscheidend für diese phänomenale Aufholjagd mit nur zwei Niederlagen in 19 Partien war das Comeback von Éric Cantona, der sich am 1. Oktober beim 2:2 an der Anfield Road gleich mit einem Treffer von seiner Sperre zurück meldete. Der Franzose war mit 14 Toren auch der treffsicherste Schütze in der Liga. Hinter ihm reihten sich Cole und Giggs (je 11), Scholes (10), Beckham (7) sowie Keane (6) ein. Knapp eine Woche nach der zehnten Meisterschaft folgte dann durch einen knappen 1:0-Erfolg gegen Liverpool der neunte Titel im FA Cup.

Ferguson hatte bei der Zusammenstellung des Kaders nun zum wiederholten Male alles richtig gemacht. Die jungen Wilden dankten ihm ihre Aufstellungen mit starken Leistungen und bejubelten die ersten errungenen Lorbeeren. Der rasante Aufstieg von Butt, Becks, Scholes und den Neville-Brüdern forderte weitere “Opfer” unter den alten Stammspielern. So läutete für Steve Bruce, Paul Parker und Lee Sharpe im Sommer die Schlussglocke. Kapitän Steve Bruce, der zusammen mit Gary Pallister das vielleicht beste Innenverteidiger-Duo der letzten Jahre bildete und so immens wichtig für die Erfolge Uniteds war, zog es nach neuen Jahren Old Trafford ablösefrei zu Birmingham City. Bruce gehört heute mit 414 Einsätzen und sieben großen Titeln – dem Gewinn des Uefa Cups 1991, den drei Meisterschaften 93, 94 und 96, zwei FA-Cup-Triumphen 94 und 96 sowie dem Sieg im League Cup 92 – zu den echten Institutionen des Clubs. Sharpe ging nach acht Jahren, 265 Spielen und 36 Toren für £4.5 Millionen zu Leeds United, während Nationalspieler Parker, der aufgrund von langwierigen Verletzungen kaum mehr Einsatzzeiten hatte, bei Derby County auf neues Glück hoffte.

Auf dem Weg ins dritte Finale in drei Jahren schaltete United unter anderem auch ManCity und den FC Chelsea aus. Der Gegner im Wembley war kein geringerer als der ewige Rivale FC Liverpool, der aber seine Vormachtstellung an die Red Devils abgeben musste. Hatte Fernsehkommentator und Ex-_Pool_ Alan Hansen zu Saisonbeginn im Bezug auf ManUtd sich mit der Aussage: “Mit Kindern wirst du nichts gewinnen” noch weit aus dem Fenster gelehnt, so wurde er jetzt eines Besseren belehrt – denn nach der Meisterschaft behielt die Elf von Alex Ferguson auch an diesem Samstag die Oberhand.

Die sehr fairen 90 Minuten hatten allerdings nicht die von vielen erhoffte Klasse. Nachdem United in den Anfangsminuten Gas gab und durch Beckham eine richtig gute Chance hatte, übernahmen die Abwehrreihen die Spielkontrolle, die Stürmer waren auf beiden Seiten abgemeldet und versuchten ihr Glück mit Fernschüssen. In Halbzeit zwei drohte die Partie einzuschlafen, einzig Cantona prüfte James mit einem Schuss aus kurzer Distanz.

Als bereits alles mit der Verlängerung rechnete, entschied “King Éric” das Spiel zugunsten Manchesters. Der Franzose profitierte in der 85. Minute von einem Fehler David James’. Nach einer Beckham-Ecke von rechts faustete der Keeper der Reds den Ball genau vor die Füße des an der Strafraumgrenze lauernden Cantonas. Dieser zog in der Rückwärtsbewegung direkt mit rechts ab – Tor. Wenig später nahm der Matchwinner, der an diesem Tag den verletzten Steve Bruce als Kapitän vertrat, als erster ausländischer Spieler überhaupt den Pott entgegen.

ManUtd: Schmeichel, P. Neville, Pallister, May, Irwin, Beckham (89. G. Neville), Keane, Butt, Giggs, Cantona, Cole (63. Scholes) – Trainer: Ferguson
Liverpool: James, Wright, Babb, Scales, Jones (87. Thomas), McAteer, Barnes, McManaman, Redknapp, Fowler, Collymore (75. Rush) – Trainer: Roy Evans
Tore: 1:0 Cantona (85.)
Referee: D. Gallagher
Zuschauer: 79.007 im Wembley
Gelbe Karten: P. Neville / Redknapp, Babb

1996/97

Zur Spielzeit 1996/97 wurde der Kader mit sechs Neuzugängen aufgepeppt. Neben dem blutjungen Wes Brown aus dem eigenen Nachwuchs, kam mit den beiden Niederländern Jordi Cruyff (Barcelona, £1.4 Millionen) und Raimond van der Gouw (Vitesse Arnheim, £500,000), den zwei Norwegern Ronny Johnsen (Besiktas Istanbul, £1.2 Millionen) und Ole Gunnar Solskjaer (Molde FK, £1.5 Millionen) sowie dem Tschechen Karel Poborsky (Slavia Prag, £3.5 Millionen) internationales Flair nach Stretford End. Allerdings konnten von den genannten nur Johnsen, Solskjaer und Brown, der aber bis zum 4. Mai 1998 auf sein Debüt warten musste, richtig Fuß fassen.

Angeführt von ihrem neuen Kapitän Éric Cantona, der 1996 auch zu Europas Fußballer des Jahres gewählt wurde, und dem mit 18 Toren sehr treffsicheren Solskjaer gewann United zum vierten Mal in fünf Jahren die englische Meisterschaft. Mit sieben Punkten Vorsprung verwies man die punktgleichen Teams Newcastle United, Arsenal London und Liverpool auf die Plätze. Die Magpies aus Newcastle waren zudem Kanonenfutter beim zweiten Titel des Jahres. United setzte sich beim traditionell vor der Saison ausgetragenem Charity Shield glatt mit 4:0 durch. In der Champions League scheiterte man nach zwei 0:1-Niederlagen gegen den späteren Sieger Borussia Dortmund, in den beiden englischen Pokalwettbewerben spielte man diesmal gar keine Rolle.

Aufgrund des gewonnen Doubles rückte Vize-Meister Newcastle als Gegner in den Charity Shield. Die von Kevin Keegan trainierte Elf hatte dann aber nicht den Hauch einer Chance. Nach einem vorentscheidenden Doppelschlag durch Cantona und Butt in der 25. und 30. Minute, ließen späte Tore von Beckham (86.) und Keane (88.) die Partie für Newcastle zum Debakel werden.

Manchester United: P Schmeichel, D Irwin (G Neville), P Neville, D May, R Keane, G Pallister, É Cantona, D Beckham, P Scholes (J Cruyff), N Butt (K Poborsky), R Giggs – Trainer: Ferguson
Newcastle United: P Srnicek, S Watson, J Beresford, D Batty, D Peacock, P Albert, R Lee, P Beardsley (F Asprilla), A Shearer, L Ferdinand, D Ginola (K Gillespie) – Trainer: Kevin Keegan
Tore: 1:0 Cantona (25.), 2:0 Butt (30.), 3:0 Beckham (86.), 4:0 Keane (88.)
Zuschauer: 73.214 im Wembley

1997/98

In den Sommermonaten 1997 regierte an Old Trafford eine Art Schockzustand – ausgelöst durch den völlig unerwarteten Rücktritt von Éric Cantona. Wenige Tage vor seinem 31. Geburtstag am 24. Mai verkündete der Franzose seine – für die verdutzten Anhänger einfach unfassbare – Entscheidung, künftig als Schauspieler Karriere machen zu wollen. Zudem hatte er zunehmend Probleme mit der Richtung, in die sich sein geliebter Verein entwickelte. The King sah das Ende der großen Individualisten kommen; mit einem Team, das nur auf Funktionalität ausgerichtet ist, und Mitspielern, die wie eine “Herde Schafe” ihr Programm abspulen, konnte er sich nicht identifizieren. Alle Überredungskünste Fergusons fruchteten nicht, der Abschied von Uniteds schillernder Ikone war besiegelt. Im Nachhinein gab er aber als Hauptgrund für den Rücktritt an, dass er auf dem Höhepunkt seiner Laufbahn aufhören wollte, und nicht als alternder, nur noch mittelmäßiger Profi.

Das Lamentieren half nichts: The show must go on. Neben Teddy Sheringham, der für £3.5 Millionen Pfund von den Tottenham Hotspur als Ersatz für Cantona verpflichtet wurde, sollten auch Erik Nevland (Viking Stavanger, £1.5 Millionen) und Henning Berg (Blackburn Rovers, £5 Millionen) ihr Können für die Red Devils unter Beweis stellen.

Letztlich verlief das Spieljahr 1997/98 aber nicht wie geplant. Nach einem erneuten Triumph beim Charity Shield und einer furiosen ersten Saisonhälfte, die nur durch das 0:2 beim Dritt-Runden-Aus im League Cup gegen Ipswich Town einen Ausrutscher verzeichnete, nahm sich United in den Wintermonaten eine Schwächephase. So musste man sich in der Liga nach Niederlagen gegen Coventry City, Southampton, Leicester City, Sheffield Wednesday und Arsenal am Ende mit der Vize-Meisterschaft zufrieden geben. Den Titel sicherten sich die Gunners mit nur einem Zähler Vorsprung. In der Champions League ereilte die Red Devils nach zwei Remis gegen Monaco (A 0:0/H 1:1) im Viertelfinale ein ebenso bitteres Aus wie im FA Cup, wo man gegen den späteren Absteiger FC Barnsley in der fünften Runde den Kürzeren zog.

Kurz nach dem Ende der neben 1995 einzigen Saison dieser Dekade ohne einen großen Titel, verließen mit Brian McClair und Gary Pallister zwei weitere altgediente Stützen den Verein. Während Abwehrfels Pallister neun Jahre für United auf Trophäensammlung ging, waren es beim treffsicheren Schotten McClair sogar deren elf. In der Club-Chronik stehen beeindruckende Statistiken zu den beiden: McClair spielte 470 Mal für die Red Devils und erzielte dabei 127 Tore, Pallister kam auf 438 Einsätze und 15 Treffer. Pallister ging für 2,5 Millionen zum FC Middlesbrough, McClair, der heute Leiter der Jugendakademie bei United ist, zog es ablösefrei in seine Heimat zum FC Motherwell.

Zum vierten Mal innerhalb der letzten fünf Jahre hatte sich ManUtd für Charity Shield qualifiziert – und zum vierten Mal wanderte die Trophäe nach Old Trafford. Es war zudem das erste Spiel nach Cantonas Rücktritt. Roy Keane hieß der neue Kapitän und Teddy Sheringham feierte sein Debüt.

Nach 90 ausgeglichenen Minuten stand es 1:1. Ex-_Devil_ Mark Hughes hatte Chelsea in Führung geköpft, Ronny Johnsen mit seinem ersten Tor für United nur Minuten später ausgeglichen. Er wuchtete eine Giggs-Ecke per Kopf in die Maschen. Beim fälligen Elfmeterschießen brachte Peter Schmeichel United dann auf die Siegerstraße. Der Däne hielt gleich gleich den ersten Schuss von Frank Sinclair mit Bravour. Nachdem die nächsten Schützen allesamt verwandelten, drosch Roberto Di Matteo den Ball über die Latte. Nicky Butt versenkte den entscheidenden Elfer zum 4:2.

Manchester United: P Schmeichel, D Irwin, P Neville, R Johnsen, R Keane, G Pallister, P Scholes, N Butt, A Cole, T Sheringham (72. J Cruyff), R Giggs (72. D Beckham) – Trainer: Ferguson
Chelsea: E de Goey, F Sinclair, D Granville, J Morris (46. D Petrescu), F Leboeuf, S Clarke, G Poyet, R Di Matteo, G Zola, M Hughes (77. G Vialli), D Wise – Trainer: Ruud Gullit
Tore: 0:1 Hughes (52.), 1:1 Johnsen (1:1)
Elfmeter: Sinclair -, Scholes +, Zola +, Irvin +, Di Matteo -, Keane +, Leboeuf +, Butt +
Schiedsrichter: P. Jones
Zuschauer: 73.636 im Wembley
Gelbe Karten: Sheringham / Petrescu, Sinclair, Wise
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1999 – Das Triple

“Glory, Glory, Man United” – die Stimmbänder der großen Anhängerschar wurden in der Saison 1998/99 arg strapaziert. Innerhalb von zehn Tagen feierten die Red Devils in ihrem erfolgreichsten Jahr mit dem Gewinn der Meisterschaft, dem FA Cup und der Champions League als erste englische Mannschaft das Triple. Die bittere 0:3-Klatsche beim Charity Shield zum Saisonauftakt gegen den FC Arsenal und 1:3 gegen Tottenham in der fünften Runde des League Cups gerieten zur absoluten Nebensache.

Nach dem verkorksten Vorjahr rüstete United vor Beginn der Spielzeit gewaltig auf. Neben dem Schweden Jesper Blomquist, der für 4,4 Mio. € vom FC Parma kam, sprengten zwei weitere Transfers den bisherigen Rahmen. Die Verpflichtungen des niederländischen Top-Verteidigers Jaap Stam (PSV Eindhoven) für 17 Mio. € und des Goalgetters Dwight Yorke (Aston Villa) für 19,2 Mio. € stellten jeweils einen neuen Ablöserekord dar. Doch beide Investitionen amortisierten sich rasch. Stam wurde zum Bollwerk in der Abwehr, Yorke bildete mit Andy Cole ein toll harmonierendes und torgefährliches Sturm-Duo. Yorke erzielte in seiner ersten Saison insgesamt 29 Treffer. Damit war der Angreifer aus Trinidad & Tobago Uniteds Top-Scorer, seine 18 Buden in der Liga machten ihn zudem zum Torschützenkönig der Premier League.

Den für die Meisterschaft entscheidenden Treffer erzielte allerdings Andy Cole. Am letzten Spieltag schmorte Cole gegen die Tottenham Hotspur bis zur Halbzeit auf der Bank. Nur zwei Minuten nach seiner Einwechselung für Teddy Sheringham traf er mit seinem ersten Ballkontakt zur 2:1-Führung, die bis zum Abpfiff Bestand hatte. Die Red Devils behaupteten ihre Tabellenführung und sicherten sich in diesem Herzschlagfinale den Titel mit einem Punkt Vorsprung auf den FC Arsenal.

Schon wieder Meister… / Foto: www.footballcorner.de

Doch zum Feiern blieb der Elf von Erfolgs-Coach Ferguson keine Zeit: Bereits sechs Tage später stand am 22. Mai das Endspiel im FA Cup auf dem Programm. United hatte auf dem Weg nach Wembley eine grandiose Pokalrunde gespielt und mit dem FC Middlesbrough, dem FC Liverpool, dem FC Fulham, dem FC Chelsea sowie dem FC Arsenal nacheinander namhafte Konkurrenz eliminiert. Der Siegeszug ging auch im Finale weiter. Mit einem ungefährdeten 2:0 über Newcastle United machte man das dritte Double in fünf Jahren perfekt.

Wieder nur vier Tage später wurde dieser Erfolg dann nochmal getoppt und mit dem Gewinn der Champions League eine unfassbare Saison gekrönt. Ähnlich wie im FA Cup hatte man auch auf europäischer Bühne brilliert. Nachdem man die Gruppe mit dem FC Barcelona, Bröndby IF und dem FC Bayern ungeschlagen als Zweitplatzierter abschloss, schaltete man im Viertelfinale mit Inter Mailand (H 2:0/A 1:1) und im Halbfinale mit Juventus Turin (H 1:1/A 2:3) zwei italienische Top-Klubs aus. Der 3:2-Auswärtssieg im Stadio Delle Alpi geriet dabei zum Krimi. Die Red Devils lagen bereits nach elf Minuten durch einen Doppelschlag von Inzaghi hinten, ehe der an diesem Abend herausragende Roy Keane mit seinem Tor (24.) ein kaum für möglich gehaltenes Comeback einläutete. Letztlich war es Andy Cole, der mit dem Treffer zum 3:2 in der 84. Minute für die Entscheidung sorgte. Dieses hochdramatische Spiel wurde aber vom Finale noch mit Abstand in den Schatten gestellt …

Im herrlichen Ambiente des Camp Nou in Barcelona traf man auf den früheren Gruppengegner Bayern München. Mit zwei Toren von Sheringham und Solskjaer in der Nachspielzeit drehte United die bereits verloren geglaubte Partie noch um und untermauerte eindrucksvoll das in den 90er entstandene Sprichwort: “ManUtd always score in the last Minute”. Das Triple war perfekt – der zu dieser Zeit reichste Club der Welt das Maß der Dinge, der Jubel grenzenlos.

Doch damit nicht genug, quasi als Sahnehäuptchen machten die Red Devils im November den totalen Triumph perfekt – und aus dem Triple ein Quadruple. In der japanischen Hauptstadt Tokio bezwang man beim Weltpokal, der jährlich zwischen den Gewinnern der europäischen Champions League und der südamerikanischen Copa Libertadores ausgetragen wird, den brasilianischen Spitzenclub SE Palmeiras knapp mit 1:0.

Anders als der schwere Weg ins Finale selbst, wurde dieses für United fast zu einem Spaziergang. Gegner Newcastle, der die Saison auf einem enttäuschenden 13. Rang beendet hatte, stand nahezu während der gesamten Partie auf verlorenem Posten.

Wegbereiter zum zehnten FA-Cup-Triumph war Teddy Sheringham. Kurz nachdem er für den verletzten Roy Keane in der neunten Minute den Platz betreten hatte, schloss er eine wunderschöne Kombination mit Andy Cole und Paul Scholes zum 1:0 für United ab (11.). Auch am zweiten Treffer war Sheringham beteiligt. Er legte für Scholes auf, der flach aus 17 Metern den Endstand herstellte (53.). Humpelnd stieg der verletzte Keane die Stufen zur Ehrentribüne hoch, um den Pokal unter dem tosenden Applaus der mitgereisten United-Fans entgegen zu nehmen.

ManUtd: Peter Schmeichel, Gary Neville, David May, Ronny Johnsen, Phil Neville, David Beckham, Ryan Giggs, Roy Keane (9. Teddy Sheringham), Paul Scholes (78. Jaap Stam), Andy Cole (60. Dwight Yorke), Ole Gunnar Solskjaer – Trainer: Ferguson
Newcastle: Stephen Harper, Didier Domi, Laurent Charvet, Andy Griffin, Nikolaos Dabizas, Rob Lee, Temur Ketsbaia (79. Stephen Glass), Dietmar Hamann (46. Duncan Ferguson), Nolberto Solano (68. Silvio Maric), Gary Speed, Alan Shearer – Trainer: Gullit
Tore: 1:0 Sheringham (11.), 2:0 Scholes (53.)
Schiedsrichter: Peter Jones (England)
Zuschauer: 79.101 Wembley (London, England)
Gelbe Karten: – / Hamann

Dieses Finale um Europas Krone im Vereinsfußball stieß bereits im Vorfeld auf ein riesiges Medieninteresse. So wurden das für beide Kontrahenten greifbare Triple, die Flugzeugkatastrophe von München, Matt Busbys 90. Geburtstag, Peter Schmeichels letztes Spiel für die Red Devils oder die Gelb-Sperren für Keane und Scholes heiß diskutiert – das Ereignis elektrisierte die Massen. Doch was sich dann an jenem Abend des 26. Mai vor 90.000 Zuschauern im Camp Nou und Millionen vor den TV-Geräten abspielte, sucht bis heute an Spannung und Dramaturgie seinesgleichen: Manchester United drehte mit zwei Joker-Toren in der Nachsspielzeit einen 0:1-Rückstand noch um sorgte somit für eines der spektakulärsten Comebacks in einem Europacup-Endspiel überhaupt.

Das Vorspiel

Mit ManUtd und Bayern München hatte dieses Endspiel zwei absolut würdige Finalisten. Gemeinsam hatten sie sich in der Gruppe D gegen den FC Barcelona und Bröndby IF durchgesetzt. Im Viertel- und Halbfinale eliminierten die Bayern dann den 1. FC Kaiserslautern und Dynamo Kiew, die Red Devils schalteten mit Inter Mailand und Juventus Turin zwei italienische Clubs aus. Außerdem hatten beide Mannschaften in ihren Heimatländern das Double, bestehend aus Meisterschaft und Pokal, gewonnen – dem Sieger winkte das seltene Triple.

Beide Trainer mussten bei ihren Aufstellungen improvisieren. Bayern-Coach Ottmar Hitzfeld musste auf Giovane Elber und Bixente Lizarazu verzichten, Alex Ferguson fehlten Kapitän Roy Keane und Paul Scholes aufgrund von Gelb-Sperren.

Die erste Halbzeit

Kurz nachdem Schiedsrichter Pierluigi Collina mit den beiden Mannschaftsführern, Peter Schmeichel und Oliver Kahn, die Seitenwahl beendet hatte, erlebte die Partie den ersten Paukenschlag. Ronny Johnsen foulte Carsten Jancker unmittelbar vor der Strafraumgrenze. Mario Basler trat aus halblinker Position zum Freistoß an und zirkelte den Ball mit einem Flachschuss rechts an der Mauer genau ins lange Eck (6.).

Die frühe Führung gab den Deutschen Sicherheit. Die Bayern agierten fortan souverän und waren die bessere Mannschaft. Kompakt in der Defensive und kompromisslos in den Zweikämpfen, ließen sie die Red Devils nicht zur Entfaltung kommen. Es blieb bis zur Pause beim 1:0. Die 40.000 United-Fans im Stadion waren unzufrieden mit der Leistung ihrer Lieblinge, sie sahen ihren Traum platzen.

Die zweite Halbzeit

Nach Wiederanpfiff wurden das Kräfteverhältnis zu Gunsten der Bayern noch klarer. Während United seltsam lethargisch wirkte und eines seiner schlechtesten Saisonspiele überhaupt ablieferte, drückte die Hitzfeld-Elf, angetrieben von Mario Basler, auf das zweite Tor – und damit auf die Vorentscheidung. Doch mit Glück und Geschick hielt sich United in der Partie: Schmeichel parierte glänzend gegen Carsten Janker, Stefan Effenberg und Mehmet Scholl, Pfosten bzw. Querlatte retteten bei Scholls gefühlvollem Lupfer und Janckers akrobatischem Fallrückzieher.

Die Red Devils erwachten erst zehn Minuten vor Ende aus ihrem Tiefschlaf. Ferguson brachte mit Teddy Sheringham (67.) und Ole Gunnar Solskjaer (81.) zwei neue Stürmer und bewies dabei ein glückliches Händchen. Beide waren sofort präsent und zwangen Kahn bei einigen Abschlüssen wenigstens mal zu Paraden. Glatzkopf Collina blickte schon mal auf die Uhr, und von den Rängen hallten aus der Bayernkurve die ersten Siegesgesänge durch die Arena.

An der Seitenlinie wurde die Tafel mit der Nachspielzeit hochgehalten: drei Minuten! Ecke für Manchester – ging doch noch was? Schmeichels Gehäuse war verwaist, er erwartete wie alle anderen im Strafraum der Bayern Beckhams Hereingabe. Der Ball rauschte am hünenhaften Dänen vorbei zu Dwight Yorke, der ihn unkontrolliert in die Mitte köpfte. Thorsten Fink, der für Lothar Matthäus ins Spiel gekommen war, versuchte zu klären. Doch die Aktion misslang und die Kugel fiel dem an der Strafraumgrenze stehenden Ryan Giggs genau auf den rechten Fuß. Der Waliser zog direkt ab und Sheringham hielt an der Fünfmeterlinie seinen rechten Fuß in den Schuss – Tor (90.35). Unglaublich, dank unerschütterlicher Moral hatten die Red Devils wieder eine Hand am Pott, der doch schon meilenweit weg war. Das Camp Nou explodierte förmlich unter dem Aufschrei der Devils-Fans.

Und noch war es nicht vorbei. Jetzt hatte sich das Szenario komplett geändert: United hatte Blut geleckt, die Bayern waren geschockt und ließen die Köpfe hängen. Solskjaer holte erneut einen Eckball heraus. Wieder wartete alles – bis auf Schmeichel, der diesmal in seinem Kasten blieb – auf Beckhams Standard von links. Alles hielt den Atem an, Sheringham stieg hoch und köpfte Richtung Tor. Diesmal war Solskjaer zur Stelle und drückte den Ball volley unter die Latte (92.17). Was für ein Drama, der Wahnsinn2 war perfekt! Wenig später pfiff Collina den Thriller ab. Manchester United gewann mit den zwei irrsten Minuten der Clubgeschichte die Champions League sowie als erste und bisher einzige englische Mannschaft das Triple. Der Jubel und die Feierlichkeiten fielen dementsprechend ausgiebig aus.

ManUtd: Peter Schmeichel – Gary Neville, Denis Irwin, Ronny Johnsen, Jaap Stam, David Beckham, Nicky Butt, Ryan Giggs, Jesper Blomqvist (67. Teddy Sheringham), Andy Cole (81. Ole Gunnar Solskjaer), Dwight Yorke – Trainer: Sir Alex Ferguson
FC Bayern: Oliver Kahn, Markus Babbel, Samuel Kuffour, Lothar Matthäus (80. Thorsten Fink), Thomas Linke, Stefan Effenberg, Jens Jeremies, Mario Basler (89. Hasan Salihamidzic), Michael Tarnat, Carsten Jancker, Alexander Zickler (71. Mehmet Scholl) – Trainer: Hitzfeld
Tore: 0:1 Basler (6.), 1:1 Sheringham (90.+1), 2:1 Solskjaer (90.+3)
Pierluigi Collina (Italien)
Zuschauer: 90.000 Camp Nou (Barcelona, Spanien)
Gelbe Karten: – / Effenberg

Kurz vor dem Ende des Kalenderjahres 1999 reisten die Red Devils ins Land der aufgehenden Sonne, um dort in Tokio die perfekte Saison 1998/99 mit einem Erfolg beim Weltpokal zu krönen. Gegner in der japanischen Hauptstadt war Palmeiras São Paulo. Die Brasilianer hatten sich beim Finale der Copa Libertadores gegen Deportivo Cali in zwei Spielen (A 0:1/H 4:3 i.E.) durchgesetzt und so für diesen Wettbewerb qualifiziert, der 2004 zum letzten Mal ausgetragen wurde. Während ManUtd nach 1968, als man gegen Estudiantes La Plata noch im bis 1981 gespielten, alten Modus mit Hin-und Rückspiel (A 0:1/H 1:1) den Kürzeren zog, zum zum zweiten Mal nach dieser Trophäe griff, war es für Palmeiras ein Novum.

Obwohl dann die Elf von Trainer Luiz Felipe Scolari die gesamten 90 Minuten im ausverkauften Olympiastadion dominierte, stand sie am Ende mit leeren Händen da. Die katastrophale Chancenverwertung, ein kapitaler Fehler ihres Keepers Marcos und ein glänzend aufgelegter Mark Bosnich im Kasten von United, verhinderten einem anderen Ausgang.

Während der im Sommer für Peter Schmeichel gekommene Bosnich mit sensationellen Paraden die São Paulo-Angreifer zur Verzweiflung trieb, ebnete Palmeiras’ Schlussmann Marcos den Weg zu Uniteds goldenem Tor. Er unterlief eine Flanke von Ryan Giggs, der sich am linken Flügel durchgetankt hatte, so dass Roy Keane aus Nahdistanz nur noch ins leere Tor einschießen brauchte (34.). Giggs hatte in der 58. Minute bei einem Konter auch das 2:0 – und somit die Vorentscheidung – auf dem Fuß, vergab aber freistehend.

So aber musste bis zum Schlusspfiff gezittert werden, ehe der Sieg in trockenen Tüchern war. ManUtd gewann nach dem Triple nun auch den Weltpokal als erste und bislang einzige englische Mannschaft.

ManUtd: Mark Bosnich, Gary Neville, Denis Irwin, Jaap Stam, Mikaël Silvestre, David Beckham, Nicky Butt, Ryan Giggs, Roy Keane, Paul Scholes (75. Teddy Sheringham), Ole Gunnar Solskjaer (46. Dwight Yorke) – Trainer: Ferguson
Palmeiras: Marcos, Júnior Baiano, Junior, Roque Junior, Francisco Arce, Alex, César Sampaio, Aurelio Galeano (54. Evair), Zinho, Faustino Asprilla (56. Oseas), Paulo Nunes (77. Euler) – Trainer: Scolari
Tore: 1:0 Keane (35.)
Schiedsrichter: Helmut Krug (Deutschland)
Zuschauer: 53.372 National Stadium (Tokio, Japan)
Gelbe Karten:* Silvestre / Alex
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Mit Ferguson ins neue Jahrtausend

Nach dem totalen Triumph im Jahr 1999 waren die Red Devils auf dem Gipfel angekommen – und mit ihnen Alex Ferguson. Dessen Arbeit wurde rund um den Globus mit Hochachtung gewürdigt. Neben der Auszeichnung zum UEFA-Trainer des Jahres gab es am 20. Juli eine weitere, ganz besondere Ehrerbietung, als er von der Queen zum Ritter geschlagen wurde. Der Schotte hatte bei United wohl den sichersten Trainerplatz der gesamten Fußballwelt, nichts und niemand konnte an seinem Stuhl sägen. Es war klar, dass die perfekt harmonierende “Ehe” zwischen dem Verein und Fergie auch über die letzte Saison des ausklingenden Jahrtausends hinaus Bestand haben würde.

1999/2000

Fergusons Bedenken, den Spielern könnte es aufgrund der vielen Erfolge an Motivation fehlen, bewahrheitete sich dann in der Saison 1999/2000 nicht ganz – es wurde eine Spielzeit mit Licht und Schatten. So auch bei den Transfers. Von den fünf Neuerwerbungen fassten der französische Abwehrspieler Mickaël Silvestre (Inter Mailand, 5,7 Mio. €) und der erst 17-jährige irische Mittelfeldakteur John O’Shea (Waterford Bohemians, ablösefrei) richtig Fuß bei ihrem neuen Club. Weniger bis gar kein Glück hatten der Südafrikaner Quinton Fortune (Atlético Madrid, 2,25 Mio. €), der allerdings bis zum Sommer 2006 zum Kader gehörte und eine gute Rolle als Backup auf verschiedenen Positionen spielte, sowie die beiden Torhüter Mark Bosnich (Aston Villa, ablösefrei) und Massimo Taibi (SSC Venedig, 4,5 Mio €). Während der Australier Bosnich zumindest bis Januar 2001 blieb und beim Gewinn des Weltpokals gegen Palmeiras (siehe 1999 – Das Triple) zwischen den Pfosten stand, entpuppte sich Taibi als totaler Fehleinkauf. Der Italiener wurde bereits zwölf Monate später nach nur fünf Einsätzen verlustbringend für 2,2 Mio € wieder in seine Heimat verkauft.

Die Saison begann dann mit einem Déjà-vu. Wie im Vorjahr kassierte man beim Charity Shield eine Niederlage gegen Arsenal (1:2), die der Serie von 33 ungeschlagenen Spielen ein Ende setzte und zugleich für alle Pokalwettbewerbe des Jahres außer dem Weltcup richtungsweisend war. Denn dieser Pleite folgten zunächst das verlorene UEFA-Supercup-Finale gegen Lazio (0:1) und das Aus im League Cup gegen Aston Villa (0:3), später das Scheitern bei der Club-WM in Rio und schließlich der Knock Out im Viertelfinale der Champions League gegen den späteren Sieger Real Madrid (A 0:0/H 2:3).

Einziger Trost blieb also der neuerliche Gewinn der englischen Meisterschaft. Die Dominanz, mit der United die Premier League in dieser Runde beherrschte, war geradezu erschreckend; 18 Punkte Vorsprung auf die Gunners kamen einer Demütigung gleich. Zuhause in Old Trafford behielt man eine weiße Weste, verlor auf fremden Platz nur drei Partien und erzielte 97 Tore. 39 davon gingen auf da Konto von Yorke (20) und Cole (19).

2000/01

Nachdem die 90er mit Abstand die erfolgreichste Dekade der langen Historie waren, hoffte man bei den Red Devils natürlich auf weitere Titel auch im neuen Jahrtausend. Abgesehen von der Verpflichtung des französischen Welt- und Europameisters Fabien Barthez, der für 11,7 Mio. € vom AS Monaco als neue klare Nummer eins kam, gab es vor der Fabien Barthez-Saison 2000/01 keine gravierenden Veränderungen beim Stammpersonal.

Das gesamte Spieljahr geriet dann fast zum Spiegelbild des vergangenen: United verlor den Charity Shield (0:2 gegen Chelsea, flog früh aus dem FA (0:1 daheim gegen West Ham) sowie dem League Cup (1:2 beim FC Sunderland) und scheiterte im Viertelfinale der Königsklasse am späteren Titelträger, dem FC Bayern München. United musste sich den Deutschen, die sich für die bitterböse 1:2-Finalniederlage von 1999 revanchierten, dabei in beiden Partien geschlagen geben (H 0:1/A 1:2).

Dass am Ende der Spielzeit dennoch gejubelt werden durfte, lag an erneuten Gewinn der Premier League – und damit der dritten englischen Meisterschaft in Folge. Selbst für die erfolgsverwöhnten Red Devils stellte dieser Hattrick ein Novum dar. Obwohl die letzten drei Saisonspiele allesamt verloren wurden, standen komfortable zehn Punkte Vorsprung auf Vize Arsenal in der Endabrechnung zu Buche. Gegen die Gunners zeigte United auch die beste Partie des Jahres. Am 28 Spieltag wurde die Wenger-Elf vor über 67.000 Zuschauern in Old Trafford regelrecht auseinander genommen und mit einer 6:1-Packung auf die Heimreise geschickt. Bereits nach 38 Minuten hatte ManUtd fünfmal eingenetzt, wobei Dwight Yorke die ersten drei Tore erzielte (3./18./22.). Aber abgesehen von diesem Hattrick lief es für den Angreifer aus Trinidad & Tobago lange nicht so gut wie im Vorjahr. Er kam lediglich auf neun Liga-Tore und rangierte damit gemeinsam mit Andy Cole nur auf Platz drei der vereinsinternen Rangliste. Top-Scorer dieser Runde war Teddy Sheringham, dem neben seinen 15 Treffern in der Liga noch fünf in der Champions League und einer im FA Cup gelangen.

Sheringham, der nach seiner Verpflichtung im Sommer 1997 zunächst einen schweren Stand hatte, stand im Gegensatz zum Vorjahr zumeist in der Anfangsformation und spielte in seinem 35. Lebensjahr wohl die stärkste Saison seiner Karriere. Die überragenden Auftritte zahlten sich aus: Er wurde 1991 sowohl von seinen Kollegen als auch von den Journalisten zum Fußballer des Jahres in England gewählt. Umso überraschender kam der Abschied nur wenige Wochen nach der Meisterfeier. Sheringham sah aufgrund der neuen Konstellation im Sturm seine Chancen auf regelmäßige Einsatzzeiten schwinden und forcierte einen ablösefreien Wechsel zu den Tottenham Hotspur. Nach vier Jahren, in denen er letztlich doch noch in die Herzen der United-Fans erobert hatte, kehrte er Old Trafford nach 153 Spielen und 46 Toren den Rücken.

2001/02

Die Saison 2001/02 wurde dann von sportlichen Enttäuschungen, vielen Veränderungen im Kader und der Unsicherheit um die Zukunft von Alex Ferguson geprägt. Der Sommer stand ganz im Zeichen von zwei Mega-Transfers. Zunächst wurde die Verpflichtung des niederländischen Stürmerstars Ruud van Nistelrooy (PSV Eindhoven) für die Rekordsumme von 28,5 Mio. € bekannt gegeben. Wenig später wurde dieser Rekord förmlich pulverisiert. Für den argentinischen Spielgestalter Juan Sebastián Verón überwiesen die Red Devils schwindelerregende 42,6 Mio. € an Lazio Rom. Dazu kamen mit Roy Carroll (Wigan Athletic, 3 Mio. €) eine neue Nummer zwei und mit Laurent Blanc (Inter Mailand, ablösefrei) ein neuer Abwehrchef. Der erfahrene Franzose ersetzte Jaap Stam, der völlig überraschend seine Koffer packte und Ende August für 25,7 Mio. € zu Lazio abwanderte. Rückblickend stufte Ferguson den Verkauf des wegen seiner robusten Spielweise bei der Anhängerschar überaus beliebten Niederländers allerdings als Fehler ein. Zudem stellte er klar, dass die Höhe der Ablösesumme der ausschlaggebende Grund für diese Entscheidung war – und nicht die Autobiografie Staams, die laut Medienberichten eine Kontroverse zwischen den beiden ausgelöst haben sollte. Im Winter fand dann noch ein spektakulärer Stürmertausch statt. Andy Cole (275 Spiele/121 Tore) wechselte nach sieben Jahren Stretford End für 12,2 Mio. € zu den Blackburn Rovers, der Uruguayer Diego Forlán (Independiente, 11 Mio. €) ersetzte ihn.

Trotz dieser gewaltigen finanziellen Anstrengung büßte United seine Vormachtstellung auf der Insel in dieser Runde ein. Der FC Arsenal gewann das Double und sicherte sich dabei die Meisterschaft am vorletzten Spieltag ausgerechnet mit einem 1:0-Erfolg in Old Trafford. Die Red Devils beendeten die Premier League auf dem dritten Rang, der schlechtesten Platzierung seit der Einführung der Liga vor zehn Jahren überhaupt. Während van Nistelrooy einen grandiosen Einstand feierte, Tore wie am Fließband schoss (23 in der Liga, wettbewerbsübergreifend 36) und von den englischen Profis zum Fußballer des Jahres gekürt wurde, blieb Verón weit hinter den Erwartungen zurück. Anders als David Beckham, der torgefährlich wie noch nie auftrat und das Offensiv-Spiel ankurbelte, konnte der Argentinier kaum Impulse setzen. Der Gaucho und die Premier League – ein ganz großes Missverständnis. Auch die Abwehr präsentierte sich anfällig wie lange nicht, Jaap Stams Fehlen war augenscheinlich. Da sich Beckham zu allem Überfluss beim Viertelfinal-Rückspiel gegen La Coruña im Zweikampf mit Duscher einen Mittelfußbruch zuzog und für die letzten Spiele ausfiel, war es kein Wunder, dass man am Ende ohne jegliche Silberware da stand.

Die größte Chance auf einen Titel bot sich in der Champions League, wo dann aber im Semifinale gegen Bayer Leverkusen Endstation war. Oliver Neuville verbaute mit seinen Ausgleichstoren zum 2:2 im Hinspiel in Manchester und zum 1:1 im Rückspiel in Leverkusen die Reise in Sir Alex’ schottische Heimat, wo im Glasgower Hampden Park das Endspiel stattfand. Die nationalen Pokale verliefen frustrierend. Einer 1:2-Niederlage beim Charity Shield gegen Liverpool folgte ein 0:4 gegen Arsenal im League Cup und ein 0:2 im FA Cup beim FC Middlesbrough.

Einen weiteren Grund für das schwache Abschneiden lieferte Alex Ferguson selbst, weil er einen Verbleib über die Saison hinaus infrage stellte. Peter Kenyon, der 2000 von Präsident Martin Edwards als Geschäftsführer installiert wurde und im Februar 2004 zum FC Chelsea wechselte, sah sich um die Jahreswende gezwungen, den Trainermarkt zu sondieren. Doch letztlich verwarf Ferguson seine Rücktrittsgedanken, blieb den Red Devils weiterhin treu und setzte den Umbau der Mannschaft fort.

Für einige verdiente Teufel standen deshalb die Ampeln auf Rot. Denis Irwin, den Fergie bei seinem letzten Auftritt am 12. Mai gegen Charlton zum Kapitän beorderte und so seine Wertschätzung für den Iren zum Ausdruck brachte, verließ den Klub nach zwölf Jahren, 529 Spielen und 33 Toren ohne Ablöse in Richtung Wolverhampton Wanderers, Ronny Johnsen (150/9) ging nach sechs Jahren ebenfalls ablösefrei zu Aston Villa. Auch Raimund van der Gouw, der als Ersatzkeeper in sechs Spielzeiten auf 60 Einsätze kam, kostete seinem neuem Verein, West Ham United, keinen Euro. Einzig Dwight Yorke (152/66) spülte Geld in die Kasse. Der “lächelnde Killer” hatte seinen Stammplatz in der abgelaufenen Saison verloren und die Spiele zumeist nur als Bankdrücker verfolgt. Anders als Ferguson, glaubten die Blackburn Rovers noch an seinen Torinstinkt und sicherten sich die Dienste des Stürmers für 3,5 Mio. €.

2002/03

Für den erfolgreichsten und umsatzstärksten Club war die titellose Saison natürlich nicht zufriedenstellend. Alex Ferguson hatte als Schwachstelle eindeutig die Innenverteidigung ausgemacht, die Stams Abgang einfach nicht auffangen konnte. Er suchte Abhilfe, und wurde beim Liga-Konkurrenten Leeds United fündig. Rio Ferdinand, der Kapitän der Whites, war auserkoren, die Probleme zu beheben. Beide Seiten einigten sich über den Wechsel. Ferdinand unterschrieb bei United einen Kontrakt über fünf Jahre und kostete utopische 46 Mio. € an Ablöse – die wieder einmal einen neuen Rekord im englischen Fußball bedeutete. Weitere nennenswerte Aktivitäten blieben aus, der etwas abgespeckte Kader hatte die Chance zur Rehabilitation. Und obwohl die Titelflut tatsächlich eingedämmt wurde, fand das Team in die Erfolgsspur zurück und konterte jene Experten, die das Ende der erfolgreichen Ära unter Ferguson prognostiziert hatten.

Der Start in die Saison verlief schleppend. Beim ungarischen Team Zalaegerszegi TE setzte es in der Qualifikation zur Champions League eine 0:1-Niederlage, die aber im Rückspiel vor eigenem Publikum mit einem 5:0 mehr als wett gemacht wurde. Als die Red Devils dann am 2. Weihnachtsfeiertag nach schwachem Spiel mit 1:3 beim FC Middlesbrough bereits ihre fünfte Niederlage in der Premier League kassierten und der Rückstand auf Tabellenführer Arsenal auf sieben Zähler anwuchs, war die Meisterschaft in weite Ferne gerückt. Anders sah es in den Pokalwettbewerben und in der Königsklasse aus, hier war man überall gut dabei. Doch dann kam alles ganz anders. Während man in der Liga zur Aufholjagd blies und wieder am Titel schnupperte, flog United mit einer 0:2-Heimpleite gegen Arsenal aus dem FA Cup, verlor Anfang März das Finale im League Cup ebenfalls mit 0:2 gegen den FC Liverpool und schied zu guter Letzt im Viertelfinale der Königsklasse gegen Real Madrid aus. Dieses Aus war besonders bitter, da man bis dahin äußerst dominant aufgetreten war und zudem Old Trafford Schauplatz für das Finale war. Beim 4:3-Erfolg im packenden Rückspiel, bei dem Ronaldo alle drei Tore für die Madrilenen erzielte, zeigte United zwar den gewohnten Fighting Spirit, konnte aber das 1:3 aus dem Bernabéu nicht mehr umdrehen.

Als letzte Hoffnung auf einen Titel blieb nun noch die Meisterschaft. Schritt für Schritt hatte sich United seit dem Boxing Day wieder an Arsenal herangearbeitet, zog am 32. Spieltag nach Punkten gleich – doppelt süß, da Liverpool mit 4:0 abgefertigt wurde -, legte eine Woche später mit einem 6:2-Kantersieg bei Newcastle United nach und holte sich den Platz an der Sonne. Das Kopf an Kopf-Rennen mit den Gunners elektrisierte die Insel. Am vorletzten Spieltag fiel die Entscheidung zugunsten der Red Devils. Der FC Arsenal verlor sein Heimspiel gegen Leeds United mit 2:3, während ManUtd an Old Trafford beim 4:1 gegen Charlton Athletic nichts anbrennen ließ. Stürmerstar Ruud van Nistelrooy, der mit 25 Treffern Torschützenkönig in England wurde und mit insgesamt 44 einen neuen Club-Rekord aufstellte, gelang dabei ein Hattrick (32./37./53.). Einfach außergewöhnlich: United hatte zum achten Mal in elf Jahren die Saison als englischer Meister beendet. Macher Alex Ferguson war stolz auf das Erreichte und stufte diese achte Meisterschaft als “die süßeste” ein.

An den letzten sechs Triumphen hatte David Beckham (mehr unter Helden und Legenden) einen respektablen Anteil, künftige Titel mussten ohne den glamourösen Spice-Boy gewonnen werden. Obwohl Beckham erst im Mai 2002 einen neuen Dreijahresvertrag abgeschlossen hatte, der ihm 90.000 englische Pfund pro Woche garantierte und zum bestbezahlten Spieler der Welt machte, verkündete er seinen Abschied. Das Verhältnis zu Alex Ferguson hatte sich zuletzt merklich abgekühlt, dem Schotten war die ausufernde Medienpräsenz seiner Nummer sieben ein Dorn im Auge. Schon während der Saison überschlugen sich die Medien mit Spekulationen über einen eventuellen Wechsel. Schließlich wurde sein Verkauf zu Real Madrid am 17. Juni offiziell bestätigt. Der spanische Nobel-Club hatte Becks mit einem Vertrag über vier Jahre geködert und überwies 37,5 Mio. € Ablöse an Manchester United. Weitere Abgänge waren der Franzose Laurent Blanc (Karriereende) sowie der Argentinier Verón, der in den zwei Jahren bei United knapp die Hälfte seines Marktwertes verloren hatte und für 22,5 Mio. € zum FC Chelsea transferiert wurde.

2003/04

Nach dem Abschied von Beckham stand an Stretford End die Frage im Mittelpunkt, wer denn wohl künftig die vakante Nummer Sieben sein eigen nennen würde. In Anbetracht der Tradition um dieses Trikot, das in den vergangen 40 Jahren von George Best, Bryan Robson, Éric Cantona und eben zuletzt von David Beckham getragen wurde, war klar, dass dies nur ein Spieler sein konnte, der sich genau wie seine Vorgänger von der breiten Masse abhebt und das “gewisse Etwas” mitbringt. Ein Freundschaftsspiel gegen Sporting Lissabon schaffe Klarheit. Auf Seiten der Portugiesen wirbelte ein 18-jähriger Flügelflitzer so beeindruckend, dass dessen Wechsel zu den Red Devils für 17,75 Mio. € innerhalb kürzestes Zeit abgewickelt wurde: ManUtds neue Nummer 7 hieß Cristiano Ronaldo. Und schon wenig später zeigte sich, dass Ronaldo die richtige Wahl war. Wieder einmal hatte Ferguson sein Gespür für aufstrebende Talente unter Beweis gestellt und ein echtes Juwel an Land gezogen.

Davon kann man bei den meisten anderen Neuerwerbungen dieses Jahres nur begrenzt reden. Außer Tim Howard (New York Red Bulls, € 3,2 Mio, 77 Spiele), der zumindest im ersten seiner drei Jahre Stammspieler wurde und dabei überraschend Fabien Barthez den Platz im Tor wegschnappte, blieb nur noch der im Januar 2004 verpflichtete Stürmer Louis Saha (Fulham, €1 7,5 Mio) länger als 24 Monate an Trafford. Der Brasilianer Kléberson (Atlético Paranaense, € 8,6 Mio), der Kameruner Eric Djemba-Djemba (FC Nantes € 4,5 Mio) und der Franzose David Bellion (FC Sunderland, € 3 Mio) konnten ihre Chance nicht nutzten und wurden alsbald verlustbringend wieder abgegeben.

In Sachen Meisterschaft hatte United dann nicht den Hauch einer Chance gegen ein entfesseltes Arsenal. Die Gunners blieben während der kompletten Saison in der Liga ohne jegliche Niederlage und hatten am Ende 15 Zähler Vorsprung auf die drittplatzierten Red Devils. Zweiter wurde mit dem FC Chelsea ein weiterer Londoner Club. Die Blues, die lange Zeit im Konzert der Großen nur eine Zweitbesetzung waren, hatten mit dem russischen Oligarchen Roman Abramowitsch einen neuen Besitzer, der daran etwas ändern wollte. United ließ die Punkte vor allem in der Rückrunde liegen, wie die schwache Bilanz von acht Siegen, fünf Remis und sechs Pleiten aufzeigt. Ein Grund dafür war das Fehlen von Rio Ferdinand, der ab Januar für acht Monate wegen einer verpassten Doping-Kontrolle weltweit gesperrt wurde und dazu eine saftige Strafe von 50.000 britischen Pfund berappen musste. Top-Torschütze war mit 20 Treffern erneut van Nistelrooy, Ronaldo traf in seiner ersten Saison viermal. 15 Mal stand der junge Portugiese in der Startelf, 14 weitere Einsätze hatte er als Einwechselspieler.

Kein Titel in der Liga also. Gut, dass es endlich auf anderer Bühne etwas zu bejubeln gab. Für Änderungen am Briefkopf sorgen der Gewinn des Community Shields gegen Arsenal und der Triumph im FA Cup, der im Finale mit einem glatten 3:0 gegen den FC Millwall perfekt gemacht wurde. In der Königsklasse scheiterte man buchstäblich in letzter Minute durch den Treffer von Costinha zum 1:1 im Achtelfinale am FC Porto (H 1:2), der diesen Wettbewerb später auch gewann. Das Duell mit den Portugiesen war von Brisanz, weil dort José Mourinho als Trainer arbeitete. Jener Mann, der zur neuen Spielzeit zum FC Chelsea wechselte und ManUtd erheblich Konkurrenz machen sollte.

Im Mittelpunkt des Shields, bei dem die beiden dominierenden Teams des abgelaufenen Spieljahres in Cardiff aufeinander trafen, stand United-Neuzugang Tim Howard. Der amerikanische Keeper sah zunächst bei einem Freistoß von Thierry Henry aus 35 Metern ganz schlecht aus, hielt dann aber beim Elfmeterschießen zweimal glänzend gegen van Bronckhorst und Pirés und wurde so zum Matchwinner. Zum tragischen Helden avancierte Arsenals Francis Jeffers. Der junge Mittelstürmer war keine Viertelstunde auf dem Platz, als er nach bösem Foul an Phil Neville mit glatt Rot schon wieder runter musste. Dieser Umstand kostete seinem Team den Sieg, meinte Gunners-Coach Arséne Wenger nach der Partie. Roy Keane war dies egal. Wieder einmal nahm er als Kapitän eine Trophäe entgegen.

ManUtd: T Howard, P Neville, (78. D Forlán), Q Fortune (68. J O’Shea), R Ferdinand, R Keane, M Silvestre, OG Solskjaer, N Butt (61. E Djemba-Djemba), R Van Nistelrooy, R Giggs, P Scholes – Trainer: Ferguson
Arsenal: J Lehmann, Lauren, A Cole, P Vieira, S Campbell, K Touré, R Parlour (45. S Wiltord), G Silva (61. Edu), T Henry (45. R Pires), D Bergkamp (60. F Jeffers), F Ljungberg (64. G Van Bronckhorst) – Trainer: Wenger
Tore: 1:0 Silvestre (15.), 1:1 Henry (20.)
Elfmeterschießen: Scholes +, Edu +, R. Ferdinand +, van Bronckhorst -, van Nistelrooy -, Wiltort +, Solskjaer +, Lauren +, Forlán +, Pirés –
Schiedsrichter: Steve Bennett
Zuschauer: 59.293 im Millennium Stadium (Cardiff)
Gelbe Karten: Fortune, Neville, Scholes / A. Cole, Vieira
Rote Karte: Jeffers (73.)

Die Red Devils reisten gegen den FC Millwall, der die Division One als Zehnter beendet hatte und seit Einführung der Premier League 1992 der erste unterklassige Verein in einem FA-Cup-Finale war, als turmhoher Favorit ins walisische Cardiff und wurden dieser Rolle letztlich mit einem ungefährdeten 3:0-Erfolg auch gerecht. Wie gewaltig die Unterschiede zwischen den Vereinen waren, verdeutlicht die Tatsache, dass United zum 16. Mal im Endspiel stand und Millwall seine Premiere feierte. Die ungleich schwerere Aufgabe hatte ManUtd bereits im Halbfinale gelöst, als man im Villa Park von Birmingham durch ein Tor von Paul Scoles den FC Arsenal mit 1:0 ausgeschaltet hatte.

Im Finale hatte dann Cristiano Ronaldo seinen ersten ganz großen Auftritt für United. Mit herrlichen Dribblings und spektakulären Tricks wirbelte er mit goldenen Schuhen an den Füßen durch die gegnerische Hälfte und stürzte Millwalls Abwehr von einer Verlegenheit in die nächste. Nachdem Darren Ward einen Schuss von ihm von der Linie kratzte und Roy Keane aus 30 Metern an Keeper Andy Marshall scheiterte, stellte er kurz vor der Halbzeit mit einem Kopfball die Weichen auf Sieg. Ronaldo sprintete auf Höhe der Fünfmeterlinie in eine Flanke von Gary Neville und vollstreckte eiskalt (44.).

Ohne wirklich zu glänzen, drückte die Ferguson-Elf gegen die nervösen Lions dann nach dem Wechsel auf die Entscheidung. Darren Fletcher (46.) und Paul Scholes (52.) scheiterten erneut am toll haltenden Marshall, Dennis Wise klärte einen Silvestre-Kopfball auf der Linie (60.). Dann startete Ryan Giggs ein Solo in den Strafraum, wo ihn David Livermore von den Füßen holte. Ruud van Nistelrooy drosch den Strafstoß links unter die Latte (65.). Der Holländer markierte dann aus abseitsverdächtiger Position nach Zuspiel von Giggs auch den Treffer zum 3:0-Endstand (81.). Zur Pokalübergabe erschien das komplette Team Uniteds dann in einem Trikot mit der Nummer 36 und der Aufschrift Davis. Der junge Mittelfeldspieler Jimmy Davis war im August bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Manchester gedachte mit dieser Aktion seiner und vergibt die 36 seither nicht mehr.

ManUtd: Tim Howard (84. Roy Caroll), Gary Neville, Wes Brown, John O’Shea, Mikaël Silvestre, Ryan Giggs, Roy Keane, Paul Scholes, Darren Fletcher (84. Nicky Butt), Cristiano Ronaldo (84. Ole Gunnar Solskjaer), van Nistelrooy – Trainer: Alex Ferguson
Millwall: Andy Marshall, Darren Ward, Robbie Ryan (74. Barry Cogan), Matthew Lawrence, Dennis Wise (89. Curtis Westen), Peter Sweeney, David Livermore, Paul Ifill, Marvin Elliot, Tim Cahill, Neil Harris (75. Mark McCammon) – Trainer: Dennis Wise
Tore: 1:0 Cristiano Ronaldo (44.), 2:0 und 3:0 Ruud van Nistelrooy (65., Elfmeter/81.)
Schiedsrichter: Jeff Winter
Zuschauer: 71.350 im Millennium Stadium (Cardiff)
Gelbe Karten: – / Dennis Wise
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Glazer übernimmt die Macht

Obwohl die Spielzeit 2004/05 eine der wenigen Jahre in der Ära Ferguson ohne Titel wurde, lieferte sie genügend Schlagzeilen. Die einzig positive Meldung aus sportlicher Sicht datiert dabei vom 24. Oktober 2004, als man durch Tore von Wayne Rooney und Ruud van Nistelrooy den FC Arsenal an Old Trafford mit 2:0 schlug und damit den Gunners die erste Niederlage in der Premier League nach 49 Spielen beibrachte. Ansonsten erwiesen sich aber die Londoner Clubs als Spielverderber. Gegen Arsenal verlor man den Community Shield mit 1:3 und – diese Niederlage schmerzte um ein Vielfaches mehr – das FA-Cup-Finale mit 4:5 im Elfmeterschießen. Paul Scholes scheiterte mit seinem Versuch am glänzend parierenden Jens Lehmann und verdarb so seinem Kapitän Roy Keane, der mit seiner siebten Finalteilnahme einen neuen Rekord aufstellte, das Happy End. Der FC Chelsea, bei dem Mourinho das Zepter übernommen hatte, schmiss die Red Devils im Halbfinale des League Cups mit 2:1 aus dem Wettbewerb, und dominierte – dank der mit Abramowitsch-Millionen verstärkten Mannschaft – auch in der Meisterschaft. Unglaubliche 18 Zähler Rückstand hatte das drittplatzierte United am Ende auf die Blues, deren sechs auf Vize Arsenal. Mit mageren elf Ligatoren war Neuzugang Wayne Rooney bester Schütze. Und damit sind wir bei den Veränderungen im Kader…

Vier namhaften Abgängen standen vier ebenso namhafte Neuzugänge gegenüber, die allerdings für ein horrendes Defizit von fast 52 Mio. € im Transfergeschäft dieses Sommer sorgten. Neben Nicky Butt, der nach zwölf schönen Jahren und 387 Spielen, United für 3,75 Mio. € in Richtung Newcastle verließ, verzichtete Ferguson künftig auch auf Diego Forlán (FC Villarreal, 3,2 Mio. €), Eric Djemba-Djemba (Aston Villa, 2,54 Mio. €) und Fabien Barthez, der bereits ein halbes Jahr an Olympique Marseille ausgeliehen war und nun endgültig ohne Ablöse an die französische Mittelmeerküste wechselte. Als neue Spieler an Old Trafford stellten sich die englische Offensivkraft Alan Smith (Leeds United, 9 Mio. €), der blutjunge spanische Verteidiger Gerard Piqué (FC Barcelona, 5.25 Mio. €), der argentinische Defensive Gabriel Heinze (Paris St. Germain, 10 Mio. €) und die Teenager-Sensation Wayne Rooney vor. Für den kurz vor seinem 19-jährigen Geburtstag stehenden Stürmer überwiesen die Red Devils stolze 37 Mio. € an den Ligakonkurrenten FC Everton. Eigentlich wollte United Rooney, der im Alter von 16 Jahren sein Debüt in der Premier League gab, rasch den Weg in die englische Nationalmannschaft fand und eine klasse EM 2004 in Portugal spielte, erst zur nächsten Saison verpflichten. Da auch andere Vereine zunehmend Interesse bekundeten, entschloss man sich zum sofortigen Handeln und setzte sich mit dem besseren Angebot gegen Newcastle United durch. Eine Entscheidung, die sich als richtig erwies.

Und obwohl die Verpflichtung von Rooney erst im nächsten Jahr eingerechnet wurde, legte United im August 2004 schwache Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr vor. Der damalige Vorstandsvorsitzende Roy Gardner erklärte den Gewinneinbruch von 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr (41,03 Mio. € vor Steuern gegenüber 57,8 Mio €), bei dem der Verkauf von Beckham zu einem Transferüberschuss von 19 Mio. € beitrug, mit einem Minus bei den Spielertransfers. Doch auch das frühe Aus im Achtelfinale der Königsklasse gegen den AC Mailand (H 0:1/A 0:1) und die ständig steigenden Lohnkosten spiegelten sich in der Bilanz wider. Um die Einnahmen konstant zu erhöhen, beschloss man das Fassungsvermögen von Old Trafford von bislang 68.200 auf über 75.000 Plätze zu erweitern. Trotz der diesmal nicht zufriedenstellenden Zahlen, spielte United finanziell auf der Insel in einer eigenen Liga. Und auch wenn man just in diesem Jahr zum ersten Mal seit sieben Jahren die Position des umsatzstärksten Clubs an Real Madrid abgeben musste, weckten die Red Devils Begehrlichkeiten bei potenten Investoren.

So tobte abseits des operativen Geschäfts hinter den Kulissen ein erbitterter Kampf, bei dem es um erheblich größere Summen ging und die Anhänger auf die Barrikaden trieb: Malcolm Glazer schickte sich an, Manchester United komplett zu übernehmen. Der amerikanische Milliardär, dem bereits die Tampa Bay Buccaneers aus der NFL gehörten, fing Anfang des Jahres 2003 an, Aktien des seit 1991 an der Börse notierten Clubs zu kaufen. Nachdem Glazer für 9 Mio. britische Pfund 2,9 Prozent der Anteile erworben hatte, begründete er diesen Schritt mit den Worten: “United ist eine attraktive, weltweit bekannte Sportmarke, ich dachte, das ist ein glänzendes Investment.” Ein Schelm, der Böses dabei dachte! Denn dem geschäftstüchtigen Ami, der sich nicht im geringsten für Fußball interessierte, ging es um viel mehr – er entpuppte sich als Wolf im Schafspelz. Schritt für Schritt stockte Glazer seinen Aktienanteil auf, im Oktober hielt er bereits 8,9 Prozent und war zweitgrößter Anteilseigner beim wertvollsten Fußballverein der Welt. Auch als dann United eine friedliche Übernahme ablehnte, ließ sich Glazer nicht von seinem Kurs abbringen. Es kam zum “offenen Krieg” um den auf 1,1 Milliarden Euro geschätzten Traditionsverein, dessen Aktienkurs sich infolge der Übernahmespekulationen auf einem Höhenflug befand. Glazer, der im November 2004 nunmehr 28,11 Prozent der Anteile zusammengekauft hatte, spielte mit der neu gewonnenen Macht und verhinderte die Wiederwahl des Vorstandes. Während die Kleinaktionäre zusammen standen und mit ihrer Vereinigung “Shareholders United” wie 1999 (damals kämpften sie erfolgreich gegen eine Übernahme von Medienmogul Rupert Murdoch) alles daran setzten, Glazers Einfluss einzuschränken, suchte Club-Chef David Gill das Gespräch mit dem neuen Großaktionär, um dessen Absichten zu erkunden. Im Dezember lehnte die Clubführung erneut ein Angebot ab, da der Kaufpreis zu großen Teilen über Schulden finanziert werden sollte.

Doch wenige Monate später zahlte sich die Hartnäckigkeit Glazers aus. Allen Widerständen und Fan-Protesten zum Trotz, hatte er sein Ziel erreicht. Der entscheidende Schachzug gelang am 12. Mai 2005, als er sich mit den Großaktionären, J.P. McManus und John Magnier, einig wurde, ihnen ihren Anteil von 28,7 Prozent abkaufte und auf einen Schlag mit nun 56,9 Prozent Mehrheitseigner von Manchester United war. Die beiden irischen Geschäftsleute waren bei dieser Übernahmeschlacht das Zünglein an der Waage – und sie spielten diese Rolle perfekt. Erst als Glazer alle anderen Möglichkeiten ausgereizt hatte, winkte ihnen beim Verkauf ihres Paketes, das in der Investment-Gesellschaft Cubic gebündelt war, der maximale Profit. Der Rest war Formsache, für 3 Pfund pro Aktie machte er den verbleibenden Aktionären ein Verkaufsangebot. Kurze Zeit später besaß Glazer mit seiner Holding Red Football Ltd. bereits 75 Prozent aller Anteile, der Handel der Aktie wurde eingestellt. Am 28. Juni hatte er 98 Prozent in seinem Besitz vereint und zahlte die restlichen Aktionäre aus.

Außer beim Glazer-Clan und den beiden Iren, deren Gewinn 70 Mio. Pfund betrug, stieß der Mega-Deal weitgehend auf Ablehnung. Angst um die Zukunft des Vereins und Wut machten sich breit. Und dies zurecht, wie sich alsbald zeigen sollte. Denn aus dem schuldenfreien und professionell geführten Vorzeige-Club wurde ein Privatunternehmen mit kapitalem Schuldenberg von etwa 660 Mio. Pfund. Der neue Eigentümer hatte sich die Übernahme 1,2 Milliarden Euro kosten lassen und diese Summe hauptsächlich mit Krediten bei Banken und Hedge-Fonds finanziert – Außenstände die er nun auf United überschrieb. Allein für die Tilgung der Zinsen muss ManUtd nun jährlich Unsummen aufbringen (Die Schätzungen gehen weit auseinander. Es ist von mindestens 20 bis über 50 Millionen Pfund die Rede). Glazer berief drei seiner fünf Söhne in den Vorstand, kündigte eine konsequente Kostenkontrolle, höhere Eintrittspreise sowie eine Steigerung bei der Vergabe von Lizenzrechten und dem Merchandising an. Desweiteren versprach er, sich nicht ins unmittelbare Tagesgeschäft einmischen zu wollen und bestätigte David Gill im Amt des Vorstandsvorsitzenden. Auch Alex Fergusons Posten blieb entgegen erster Befürchtungen unangetastet. Für Transfergeschäfte wurde dem Schotten jährlich ein angemessenes Budget zugesichert. Logisch – denn ohne sportlichen Erfolg würden die Einnahmen wegbrechen und das neue Privatunternehmen zusammenfallen wie ein Kartenhaus.

2005/06

Im Jahr eins unter neuen Besitzverhältnissen verlief trotz hochwertiger Verstärkungen nicht alles wunschgemäß – der Gewinn des League Cups war der Rausreißer und rettete die Saison.

Der deutliche 4:0-Finalerfolg gegen Wigan Athletic lieferte zwar positiven Gesprächsstoff, rangierte aber im Interesse der Öffentlichkeit nur an zweiter Stelle. Das meistdiskutierte Thema war der plötzliche Abschied von Roy Keane. Der 34-jährige Kapitän (mehr unter Helden und Legenden) hatte zunächst Anfang November mit einem Interview, bei dem Mitspieler und Transferpolitik des Vereins scharf kritisiert wurden, für großen Unmut bei Alex Ferguson gesorgt und das ohnehin angespannte Verhältnis weiter getrübt. Nach einem weiteren Streit mit dem Schotten zog dieser den Schlussstrich. Am 18. November wurde in “beiderseitigem Einvernehmen” die Trennung verkündet. Keane, der zwölfeinhalb grandiose Jahre an Old Trafford hatte, 480 Mal das Trikot der Red Devils trug und als einer der besten Spieler überhaupt in Uniteds langer Geschichte gilt, schloss sich Celtic Glasgow an. Wie außergewöhnlich beliebt der “Bad Boy” bei Uniteds Anhängerschaft war, zeigte sich bei seinem Abschiedsspiel. Fast 70.000 Zuschauer pilgerten am 09. Mai 2006 zur Partie in Old Trafford gegen Celtic und stellten damit einen neuen englischen Rekord für einen solchen Anlass auf.

Doch Keane war nicht der einzige langjährige Stammspieler, der den Verein verließ. Denn während Gary Neville die Kapitänsbinde von Keane übernahm, standen die Zeichen bei seinem jüngeren Bruder Phil auf Abschied. Dieser hatte im Vorjahr geringere Einsatzzeiten als zuvor, ganze zwölf Mal lief der Defensivmann in der Liga als Starter auf – nur in seiner Debüt-Saison 1994/95 waren es weniger. Phil, der in seinen elf Jahren 386 Spiele für United bestritt und unter anderem sechsmal Meister wurde, wechselte für 5,3 Mio. € zu den Toffees ins rund 50 Kilometer entfernte Liverpool. Weitere Abgänge waren Roy Carroll (West Ham United, ablösefrei) und Kléberson (Besiktas Istanbul, 3,5 Mio. €).

Von Sparzwängen war bei der Verstärkung des Kaders nichts zu spüren, wie Fergies Einkaufsliste verdeutlicht. Nachdem bereits im Sommer die beiden Torhüter Edwin van der Sar (FC Fulham, 4 Mio. €) und Ben Foster (Stoke City, 2 Mio. €) sowie der in der Offensive variabel einsetzbare Südkoreaner Ji-Sung Park (PSV Eindhoven, 7,3 Mio. €) verpflichtet wurden, legte man im Januar nochmal kräftig nach. Um der Abwehr mehr Stabilität zu verleihen, nahm United den französischen Außenverteidiger Patrice Evra (AS Monaco, 8 Mio. €) und den serbischen Innendecker Nemanja Vidić (Spartak Moskau, 10,5 Mio. €) unter Vertrag.

Als diese zwei ihren Dienst bei den Red Devils antraten, waren in der Champions League bereits alle Messen gesungen. Zum ersten Mal seit 1995/96 hatte man den Einzug ins Achtelfinale verpasst. Nach nur einem Sieg, drei Remis und zwei Niederlagen landete man in der Gruppe mit dem FC Villarreal, Benfica Lissabon und dem OSC Lille auf dem enttäuschenden letzten Platz und verpasste dadurch sogar das Trostpflaster Uefa Cup. In der Meisterschaft musste man sich trotz eigentlich konstant guten Ergebnissen und 83 Punkten dem übermächtigen FC Chelsea beugen, der mit Mourinho den Titel verteidigte und am Ende acht Zähler Vorsprung hatte. Im FA Cup besiegelte Liverpools Peter Crouch eine Woche vor dem League-Cup-Triumph gegen Wigan beim 0:1 an der Anfield Road das Aus in der Runde der letzten Sechzehn.

Ein Treffer wird bejubelt… / Foto: www.footballcorner.de

Top-Torschütze war mit 21 Treffern erneut Ruud van Nistelrooy, der diese Position seit seiner Verpflichtung im Sommer 2001 quasi abonniert hatte und nur in der Saison 2004/05, in der er verletzungsbedingt über weite Strecken zum Zuschauen verurteilt war, von Wayne Rooney überflügelt wurde. Doch künftig mussten die Fans auf seine Tore verzichten, denn in der Rückrunde kam es zum Bruch zwischen Van the Man und Alex Ferguson. Der Schotte setzte den Holländer einige Male auf die Bank. So geschehen unter anderem beim League-Cup-Finale und beim letzten Saisonspiel gegen Charlton. Aus Sicht van Nistelrooys eine Majestätsbeleidigung – der Abschied war vorprogrammiert. Es war dann keine allzu große Überraschung, dass sein Verkauf im Sommer Realität wurde. Für 15 Mio. € wechselte der Stürmer zu Real Madrid. Zweifellos ein herber Verlust für United, denn van Nistelrooy war ein eiskalter Vollstrecker mit eingebauter Torgarantie. Seine Zahlen sind phänomenal: In 219 Spielen traf er 150 Mal.

Anders als es das deutliche Endergebnis von 4:0 vermuten lässt, musste United gegen die Latics hart arbeiten, um den Sieg zu sichern. Der von Paul Jewell trainierte Aufsteiger begann forsch und ließ sich auch durch den Rückstand zunächst nicht aus dem Konzept bringen. Doch anstatt den durchaus verdienten Ausgleich zu realisieren, schossen die Red Devils binnen sieben Minuten drei Tore und klärten die Fronten.

Uniteds bester an diesem Nachmittag war Wayne Rooney. Der Stürmer präsentierte sich enorm spielfreudig und trieb seine Mannen immer wieder an. Lohn für seine klasse Vorstellung waren zwei Tore und die Wahl zum besten Spieler der Partie.

“For you Smudge” stand auf den zuvor unter Vorbehalt gedruckten weißen T-Shirts, die alle United-Spieler bei der Siegerehrung trugen. Gewidmet war diese Aktion Alan Smith, der sich eine Woche vorher beim Fa-Cup-Aus in Liverpool sein linkes Bein ganz übel gebrochen hatte und monatelang ausfiel.

Man Utd: van der Sar, G. Neville, Brown (83. Vidić), Ferdinand, Silvestre (83. Evra), C. Ronaldo (73. Richardson), O’Shea, Giggs, Park, Saha, Rooney – Trainer: Ferguson
Wigan: Pollitt (14. Filan), Chimbonda, De Zeeuw, Henchoz (62. McCulloch), Baines, Bullard, Kavanagh (72. Ziegler), Scharner, Teale, Camara, Roberts – Trainer: Paul Jewell
Tore: 1:0 und 4:0 Rooney (33./61.), 2:0 Saha (55.), 3:0 C. Ronaldo (59.)
Schiedsrichter: Alan Wiley
Zuschauer: 66.866 im Millennium Stadium (Cardiff)
Gelbe Karten: C. Ronaldo / de Zeeuw

2006/07

Kaum zu glauben, aber wahr: Im November 2006 feierte Alex Ferguson ein 20-jähriges Jubiläum als Trainer der Red Devils. Und wie sollte es anders sein, auch in dieser Saison hatte der Kaugummi kauende Schotte, der keinerlei Amtsmüdigkeit erkennen ließ und nach wie vor fest im Sattel saß, Erfolg.

Bei United war nach einigen durchwachsenen Jahren ein klarer Aufwärtstrend zu erkennen. Das Team besaß soviel individuelle Klasse, dass der Verkauf von van Nistelrooy ohne Verlust an Torgefährlichkeit kompensiert wurde. Hauptakteure der Abteilung Attacke waren mit jeweils 23 Toren die beiden Youngster C. Ronaldo (17 Treffer in der Liga) und Rooney (14) sowie Ryan Giggs, der im Herbst seiner langen Karriere noch einmal richtig aufdrehte und im August und Februar zum Spieler des Monats gewählt wurde. Vor der bombensicher stehenden Defensive führten im Mittelfeld Paul Scholes und Michael Carrick glänzend Regie. Carrick, der für viel Geld (27,2 Mio. €) von den Tottenham Hotspurs gekommen war, konnte auf Anhieb überzeugen. Über welche Klasse die Mannschaft verfügte, verdeutlicht ein Blick auf die Elf des Jahres:

Torwart: Edwin van der Sar (Manchester United)
Abwehr: Gary Neville, Patrice Evra, Rio Ferdinand, Nemanja Vidić (alle Manchester United)
Mittelfeld: Steven Gerrard (Liverpool), Paul Scholes, Ryan Giggs, Cristiano Ronaldo (alle Manchester United)
Sturm: Didier Drogba (Chelsea), Dimitar Berbatov (Tottenham Hotspur)
Trainer: Alex Ferguson

ManUtd konnte in der Meisterschaft den Hattrick des FC Chelsea verhindern. Mit 89 Punkten, einer beeindruckenden Tordifferenz von 83:27 (+56) und acht Zählern Vorsprung auf die Blues sicherte man sich den Titel. Im Gegenzug verdarb die Mourinho-Elf den Red Devils das Double. Didier Drogbas Treffer in der Verlängerung entschied das FA-Cup-Finale zugunsten der Londoner. Während man im League Cup enttäuschte und das Aus im Achtelfinale beim Zweitligisten Southend United (0:1) gar blamabel war, lief in der Königsklasse bis zum Halbfinal-Hinspiel beim AC Mailand alles nach Plan. Die Ferguson-Elf gewann die spannende Partie in Old Trafford mit 3:2 und reiste guten Mutes zum Rückspiel nach Italien. Doch im Guiseppe Meazza fand dann bei strömenden Regen eine Beerdigung erster Klasse statt. Die Rossonieri spielten wie im Rausch – und United an die Wand. Mit dem glatten mit 0:3 war man letztlich noch gut bedient.

Die Meistermannschaft 2006/07 / Foto: Lukas Heierli

Milan nahm damit Revanche für die Demütigung, die United im Viertelfinale dem AS Rom zugefügt hatte. Im wohl besten Saisonspiel hatte man am 10. April vor heimischer Kulisse ein wahres Angriffsfeuerwerk abgebrannt und die Roma durch Tore von Carrick (11./60.), Smith (17.), Rooney (19.), C. Ronaldo (44./49.) und Evra (81.) mit 7:1 zurück auf den Stiefel geschickt.

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2008 – zurück auf Europas Thron

Die Spielzeit 2007/08 sah ein Manchester United der Extraklasse, das fast an die Erfolge von 1999 anknüpfen konnte. Wie damals gewann man die Champions League und die Meisterschaft. Nur der dritte Titel deckte sich nicht. Anstatt im FA Cup triumphierte man beim Community Shlied, der aber von seiner Wertigkeit her deutlich geringer einzustufen ist.

Um diese Erfolge möglich zu machen, wurde in Sachen Transfers erneut viel Geld bewegt. Die Bilanz wies ein sattes Minus von über 60 Mio. € aus. Keine Rolle dabei spielte Ole Gunar Solskjaer. Nach elf Jahren Stretford End beendete der “Killer mit dem Babyface” verletzungsgeplagt seine Karriere. Der unkomplizierte Norweger, der sich mit seinem 2:1-Siegtreffer in der 93. Minute beim Chgampions-League-Finale 1999 gegen Bayern München unsterblich machte, schoss in 366 Spielen 126 Tore. Solche Statistiken konnten die anderen Abgänge nicht aufweisen, dafür brachten sie Ablöse. Das meiste Geld spülte Gabriel Heinze (83 Spiele/4 Tore) in die Kasse, der für geschätzte 12 Mio. € zu Real Madrid wechselte. Auch die Verkaufserlöse für Alan Smith (9 Mio. €, Newcastle United, 93/12), Kieran Richardson (8,2 Mio. €, AFC Sunderland, 83/11) und Nachwuchsstürmer Giuseppe Rossi (9,95 Mio. €, FC Villarreal, 14/4) fielen recht üppig aus, waren aber nur ein Bruchteil dessen, was neu investiert wurde.

Denn drei der sechs Neuzugänge kosteten 25 Mio. € und mehr. Aus Portugal kamen im Doppelpack die talentierten offensiven Mittelfeldspieler Anderson (FC Porto, 31,5 Mio. €) und Nani (Sporting Lissabon, 25,5 Mio.€), die beide mit Fünfjahres-Verträgen ausgestattet wurden. Weitere 25 Mio. € flossen für den englischen Nationalspieler Owen Hargreaves, der schon länger auf Fergies Wunschzettel gestanden hatte, nach Deutschland zum FC Bayern München. Carlos Téves komplettierte das Quartett der Hochkaräter. Der argentinische Stürmer, der West Ham United in der Vorsaison mit seinen Toren fast im Alleingang vor dem Abstieg gerettet hatte, hatte sich sich bei den Hammers frei gekauft. Nach zähem Ringen mit Tévez’ Beratergesellgesellschaft MSI einigte man sich auf ein Leihgeschäft über zwei Jahre, für das 12,7 Mio. € Gebühr fällig wurden. Der polnische Torhüter Tomasz Kuszcak (West Bromwich Albion, 4,3 Mio. €) und das 18-jährige brasilianische Defensiv-Talent Rodrigo Possebon (Sport Club International, 3,5 Mio. €) waren die Neuerwerbungen fünf und sechs. Tévez fand sich von allen Einkäufen am besten in seiner neuen Heimat zurecht. Er erfüllte die in ihn gesetzten Erwartungen voller Zufriedenheit und bildete mit C. Ronaldo und Wayne Rooney eine unglaublich spielstarke Angriffsreihe, die allein in der Premier League für 57 Tore gut war.

Zu Hause brennt kaum was an… / Foto: Lukas Heierli

Mehr als die Hälfte dieser Treffer, nämlich 31, gingen auf das Konto von C. Ronaldo. Der portugiesische Ausnahmekönner hatte bereits im letzten Jahr einen gewaltigen Leistungssprung gemacht und und legte nun nochmal an Klasse zu – er avancierte in der mit so großartigen Individualisten gespickten Liga zu dem Superstar. C. Ronaldo war der entscheidende Schlüssel im Spiel Uniteds, seine Ideen und Tore brachten den Erfolg. Er wurde mit Ehrungen nur so überhäuft. Neben der Auszeichnung zu Europas Fußballer des Jahres 2007-08, wurde er in England zum zweten Mal in Folge sowohl von seinen Kollegen, den Journalisten und den Fans zum Spieler des Jahres gewählt und gewann als Zugabe noch den Goldnen Schuh als bester Torschütze der europäischen Ligen.

Während man im League Cup mit einer B-Elf in der dritten Runde an Coventry City (H 0:1) scheiterte und im Viertelfinale des FA-Cups gegen den FC Portsmouth (H 0:1) die Segel streichen musste, konnten sich die Fans bei der Meisterschaft und in der Champions League auf elektrisierende Entscheidungen freuen. In beiden Wettbewerben kam es zum Showdown mit dem FC Chelsea.

Die Blues, die sich nach einem durchwachsenen Saisonstart von ihrem charismatischen Coach José Mourinho getrennt hatten, fanden unter ihrem neuen Trainer, dem Israeli Avram Grant, zu alter Stärke zurück. Am drittletzten Spieltag verlor United das direkte Duell an der Stamford Bridge mit 1:2 und behauptete die Tabellenführung nur dank der um 17 Treffer klar besseren Tordifferenz. Nachdem sich beide am 37. Spieltag keine Blöße gaben, musste die letzte Runde die Entscheidung bringen. Die Londoner hofften aber vergeblich auf einen Ausrutscher Uniteds und kamen selbst nur zu einem Remis daheim gegen Bolton. Die Red Devils gewannen souverän bei Wigan Athletic mit 2:0 und sicherten sich ihren 17. Meistertitel, den zehnten der Ära Ferguson. Obwohl mit Chelsea und Arsenal (je 3) sowie Liverpool (4) drei Teams weniger Niederlagen aufweisen konnten als United, das fünfmal als Verlierer vom Platz ging, war der Titel verdient. Manchester konnte die meisten Siege (27), die meisten Tore (80) und die wenigsten Gegentore (22) für sich verbuchen. Für Ryan Giggs, der bei all diesen zehn Triumphen zum Stammpersonal gehörte, hatte dieser Erfolg eine ganz besondere Note. Gemeint ist aber nicht sein spielentscheidener Treffer zum 2:0, sondern die Tatsache, dass er mit seiner Einwechslung in der 68. Minute seinen 758 Einsatz für United feierte und damit den Vereinsrekord des legendären Bobby Charlton einstellte. Der Waliser hatte sich den richtigen Tag für dieses Ereignis ausgesucht.

Zehn Tage später, am 21. Mai, hatte Giggs beim Saison-Höhepunhkt dann die Chance zum alleinigen Rekordhalter aufzusteigen: Das Champions-League-Finale stand an. Manchesters Weg in das Endspiel war eine Demonstration der Stärke. Nachdem man die Gruppenphase mit fünf Siegen und einem Remis ungeschlagen als Tabellenerster beendet hatte, setzte sich diese Dominanz auch in den Ko-Runden fort. Bei nur einem Gegentor in den sechs Partien schaltete die Ferguson-Elf nacheinander Olympique Lyon (A 1:1/H 1:0), den AS Rom (A 2:0/H 1:0) und den FC Barcelona (A 0:0/H 1:0) durch. Paul Scholes erzielte im Rückspiel gegen die Katalanen mit einem wunderbaren Fernschuss in den rechten Dreiangel. Ferguson belohnte Scholes, der 1999 das Drama gegen die Bayern aufgrund einer Gelb-Sperre verpasst hatte, mit einer Spielgarantie für das Finale, wo mit dem FC Chelsea ein bestens bekannter Gegner wartete. Das Endspiel in Moskau wurde zur Nervenschlacht. Nach 120 Minuten hieß 1:1, das Elfmeterschießen musste die Entscheidung bringen. Und hier hatten die Red Devils genau wie beim Community Shield zu Beginn der Saison das bessere Ende auf ihrer Seite – ein wunderbares Jahr erlebte eine spektakuläre Krönung.

Nachdem die Trophäe sechs Jahre lang im walisischen Cardiff ausgespielt wurde, war nun das neue Wembley wieder Schauplatz des Finals. Gegner der Red Devils war genau wie im Jahr 2000 an gleicher Stelle FA-Cup-Sieger Chelsea. Die Blues hatten sich diesen Titel gesichert, als sie durch ein Drogba-Tor in der Verlängerung gegen ManUtd mit 1:0 die Oberhand behielten.

Die Revanche gelang dank einer Glanzleistung von Edwin van der Sar, der im Elfmeterschießen die Schüsse von Pizarro, Lampard und Wright-Phillips abwehrte und so den Erfolg sicherte. Ryan Giggs hatte das Team als Kapitän auf das Feld geführt und kam so auch einmal in den Genuss, als erster einen Pokal emporstrecken zu dürfen.

Chelsea: Cech – A Cole (Diarra 68.), Ben Haim, Carvalho, Johnson (Sidwell, 78.) – Lampard, Essien, Mikel – Wright-Philips, J. Cole (Sinclair 82.), Malouda (Pizarro 52.) – Trainer: José Mourinho
ManUtd: van der Sar – Silvestre (Nani 68.), Ferdinand, Vidić, Brown – Evra, O’Shea, Carrick, Ronaldo – Giggs (Fletcher 81.), Rooney – Traner: Alex Ferguson
Tore: 0:1 Ryan Giggs (35.), 1:1 Florent Malouda (45.)
Elfmeterschießen: 0:0 Claudio Pizarro -, 0:1 Rio Ferdinand +, 0:1 Frank Lampard -, 0:2 Michael Carrick +, 0:2 Shaun Wright-Phillips -, 0:3 Wayne Rooney +
Schiedsrichter: Mark Hasley
Zuschauer: 80.731 im Wembley (London)
Gelbe Karten: Ben Haim, Carvalho, Mikel / Rooney

Mit ManUtd und dem FC Chelsea hatten erstmals gleich zwei englische Mannschaften den Sprung ins Finale der Königsklasse geschafft und damit die finanzielle Überlegenheit der großen Premier-League-Clubs auch sportlich zum Ausdruck gebracht: Geld schießt Tore. Wobei diese Feststellung völlig fehl am Platze war, denn sowohl die Red Devils als auch die Blues schoben einen Riesenberg an Schulden vor sich her. Richtig wäre also: Schulden schießen Tore. Zweifellos standen aus rein fußballerischer Sicht aber die richtigen Teams im Endspiel.

Elfmeterschießen sind ein wenig wie Glücksspiel – nach offener Ausgangslage werden binnen Minuten Gewinner und Verlierer ermittelt. Am Ende stehen auf der einen Seite gefeierte Helden und auf der anderen bedröppelte Versager. Um halb zwei Uhr Moskauer Ortszeit wusste einer sofort, dass er die Schuld an Chelseas Elfmeterniederlage trägt: John Terry. Hätte der Blues-Kapitän getroffen wäre zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte Champions-League-Sieger gewesen. Doch Terry rutschte auf dem regennassen Rasen beim Schuss sein Standbein weg, der Ball klatschte an den rechten Pfosten. Das Elfmeterschießen ging weiter, zwei Schützen später hielt van der Sar Anelkas Elfmeter und Manchester holte den Henkelpott zum dritten Mal.

Mit der Auswahl von Terry als Versager vom Punkt hat das Schicksal seinen Sinn für Ironie bewiesen, aus der Millionentruppe, zusammengekauft von überall auf dem Globus, ist es ausgerechnet der einzige, der aus der eigenen Jugend stammt, der den Elfmeter zum größten Triumph der Vereinsgeschichte verschießt. Hätte Terry getroffen, der Versager hätte Cristiano Ronaldo geheißen, allerdings nicht aus einer ironischen Stimmung des Schicksals heraus, sondern aus eigener Überheblichkeit. Im Versuch Chelsea-Torwart Cech zu überlisten, überlistete er sich selbst und gab Cech einen einfachen Ball zu halten. Doch Terry warf Ronaldo einen Rettungsring zu und Anelka zog mit seinem Fehlschuss den Portugiesen wieder an Bord. Anelka war äußerlich unberührt von seinem Versagen, die emotionale Verbindung zum Verein, zu dem er erst im Winter gewechselt war, ist wohl nicht groß genug um herzzerreißende Szenen wie bei John Terry herzugeben. Der 27-jährige weinte bitterlich an der Schulter von Trainer Avram Grant. Auch bei Cristiano Ronaldo rollten die Tränen. Der Portugiese lag mit dem Gesicht nach unten auf dem Rasen und ließ seinen Gefühlen freien Lauf.

Das Finale hatte Spuren hinterlassen. Kein Wunder bei 120 Minuten plus der Entscheidung vom Punkt, einen klaren Sieger hätte die Partie wohl auch nicht verdient gehabt. Zu ausgeglichen war es gesamt gesehen gewesen. Jedes Team dominierte Teile des gutklassigen Spiels, United war bis zu Chelseas Ausgleich kurz vor der Halbzeit das bessere Team. Mit der kleinen Umstellung C. Ronaldo über links kommen zu lassen, nutzte Trainer Ferguson aus, dass Chelsea als rechten Verteidiger Michael Essien aufgeboten hatte. Dieser ist ein begabter Fußballer, aber kein Außenverteidiger. So war es auch kein Wunder, dass Essien es war, der C. Ronaldo bei dessen Tor unbehindert aufsteigen ließ. Kurz darauf vergab Carrick vor fast leerem Tor die Gelegenheit zum 2:0 und Tévez rutschte wiederum wenige Minuten nach dieser Chance nur sehr knapp am Ball vorbei.

Erst nach der Pause kam Chelsea in Fahrt, mit dem Rückenwind eines kuriosen Treffers von Lampard. Zwei Abfälschungen und ein ausrutschender Torwart waren nötig, damit Lampard an den Ball kam und ihn im Tor versenken konnte. Eine Beschreibung der Szene würde eher nach einer schlechten Monty-Python-Kopie als nach einem Fußballspiel klingen. Dennoch war dieser Treffer die Initialzündung für die Blues, denen aber trotz vorhandener Chancen kein weiteres Tor gelingen wollte. In der Verlängerung musste dann auf der einen Seite Terry den Ball für Chelsea von der Linie kratzen, auf der anderen Seite die Latte für Manchester retten. Ein Tor wollte aber auch in den zusätzlichen dreißig Minuten nicht fallen, es zeichnete sich nur einer als Tor aus. Didier Drogba verpasste vier Minuten vor Schluss in einem Tumult Vidić einen Wischer übers Gesicht. Schiedsrichter Michel, der über das ganze Spiel zu viele Beschwerden der Spieler zuließ, zeigte dem Ivorer die Rote Karte. Der fiel so fürs Elfmeterschießen aus, auch deshalb musste Terry antreten und zum Versager werden.

Am Ende zeigte sich das Schicksal nicht nur ironisch in der Wahl des tragischen Helden, sondern auch sentimental in der Wahl der Sieger. Genau fünfzig Jahre war es her, dass die Busby Babes auf der vereisten Landebahn in München Riem verunglückten (Die Tragödie von München) und so auf dem Weg zu Europas Krone gestoppt wurden. Acht von ihnen fanden den Tod, zusätzlich starben auch 15 andere Passagiere. Passend zu diesem tragischen Jubiläum durfte der Europapokal also wieder nach Manchester. Als Rio Ferdinand und Ryan Giggs gemeinsam die Trophäe entgegen nahm, mischten sich in die ausgelassene Freude auch Gedanken an die Opfer von damals, denen dieses Erlebnis verwehrt blieb. Bobby Charlton, einer der Überlebenden der Katastrophe und Kapitän jener United-Elf, die 1968 dann erstmals den Europacup der Landesmeister gewann, hatte die Reise nach Moskau mit angetreten und stand nun inmitten der emotionsgeladenen Siegesfeier.

ManUtd: van der Sar – W. Brown (120.+5 Anderson), R. Ferdinand, Vidić, Evra – Carrick, Scholes (87. Giggs) – Hargreaves, C. Ronaldo – Rooney (102. Nani), Tévez – Trainer: Alex Ferguson
FC Chelsea: P. Cech – Essien, Ricardo Carvalho, Terry, A. Cole – Makelele (120.+4 Belletti) – Ballack, Lampard – J. Cole (99. Anelka), Malouda (93. Kalou), Drogba – Trainer: Avram Grant
Tore: 1:0 C. Ronaldo (26.), 1:1 Lampard (45.)
Elfmeterschießen: 1:0 Tévez +, 1:1 Ballack +, 2:1 Carrick +, 2:2 Belletti +, C. Ronaldo -, 2:3 Lampard +, 3:3 Hargreaves +, 3:4 A. Cole +, 4:4 Nani +, 4:4 Terry -, 5:4 Anderson +, 5:5 Kalou +, 6:5 Giggs +, Anelka –
Schiedsrichter: Lubos Michel (Slowakei)
Zuschauer: 69.500 im ausverkauften Luzhniki (Moskau)
Gelbe Karten: Scholes, R. Ferdinand, Vidić, Tévez / Makelele, Ricardo Carvalho, Ballack
Rote Karte: Drogba (116., Tätlichkeit)
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2009 – Rekordmeister

Rekordmeister! – die Tatsache, dass sich Manchester United mit dem zweiten Titel-Hattrick der Clubgeschichte (die Red Devils gewannen die Premier League dreimal in Serie schon einmal in den Jahren 1999-2001) zum 18. Mal die englische Meisterschaft sicherte und damit mit dem ewigen Konkurrenten, FC Liverpool, gleichzog, war sicherlich der Höhepunkt der Saison 2008/09. Zusammen mit dem Gewinn der Club-Weltmeisterschaft und dem Triumph im League Cup tröstete der Meistertitel über das Halbfinal-Aus im FA Cup sowie das verlorene Endspiel in der Champions League hinweg.

Die Fans hatten erneut Grund zur Freude / Foto: www.footballcorner.de

Die Schlagzeilen im Sommer drehten sich um zwei Spieler. Zum einen richtete sich das Medieninteresse auf Cristiano Ronaldo, der heftig von Real Madrid umworben wurde, aber letztlich nach langem, nervigen hin und her allen Abwerbungsversuchen widerstand und sich zu Manchester United bekannte. Doch dieses “Wechseltheater” erlebte bloß eine kurze Pause, denn wenig später begann der nächste Akt. Und auch wenn es zunächst kaum jemand glauben mochte, dieser stand unter dem Motto: Aufgeschoben ist nicht aufgehoben! Die zweite Personalie, die lange Zeit in den Medien diskutiert wurde, war Dimitar Berbatov. Allerdings verhielt es sich mit dem Bulgaren genau andersherum: United buhlte um den brandgefährlichen Stürmer der Tottenham Hotspurs, obwohl diese ihn gar nicht ziehen lassen wollten. Nach wochenlangem Gezerre durfte sich Manchester als Sieger fühlen. Praktisch mit dem Ende der Transferperiode einigten sich beide Vereine über einen Wechsel, der den Spurs stolze 38 Mio. € in die Kasse spülte. Berbatov war zunächst das einzig neue Gesicht in Old Trafford, ehe der Verein im Winter noch einmal tätig wurde und für insgesamt 17 Mio. € mit Zoran Tosic sowie Adem Ljajic zwei hoffnungsvolle Talente von Partizan Belgrad verpflichtete. Mit dem für eine Ablöse von 5 Mio. € in seine Heimat zurückkehrenden Gerard Piqué (FC Barcelona), dem in die Jahre gekommenen Mikaël Silvestre (FC Arsenal) und dem in Manchester nie richtig glücklich gewordenen Louis Saha (FC Everton) verließen drei zum Profikader zählende Akteure die Red Devils.

Desweiteren bekamen während der Saison einige Spieler aus dem Nachwuchs Gelegenheit, sich zu präsentieren. Neben dem brasilianischen Außenverteidiger Rafael, der gemeinsam mit seinem Zwillingsbruder Fabio im Januar 2008 von Fluminense auf die Insel gelockt wurde, es in seiner ersten Saison wettbewerbsübergreifend auf 28 Einsätze brachte und eine tolle Entwicklung an den Tag legte, spielten sich auch der irische Mittelfeldakteur Darren Gibson sowie die beiden Sturm-Azubis Danny Welbeck und Federico Macheda in den Vordergrund. Welbeck antizipierte das Spielsystem rasch und durfte drei Treffer (1 x PL, 2x FA Cup) bejubeln. Dem noch jüngeren Macheda (geboren im August 1991), der noch nicht so weit integriert war wie Welbeck, gehörten allerdings die größeren Schlagzeilen. Macheda kam erst in der Endphase der Saison zum Zug und hatte mit seinen spielentscheidenden Toren gegen Aston Villa und den AFC Sunderland erheblichen Anteil an der geglückten Titelverteidigung. Der Italiener erzielte bei seinem Debüt am 31. Spieltag im Old Trafford gegen die Villains in der Nachspielzeit mit einer wunderschönen Einzelaktionen den viel umjubelten Siegtreffer zum 3:2. Damit nicht genug, er wiederholte dieses Kunststück nur eine Woche später im Stadium of Light, als ihm nur eine Minute später nach seiner Einwechslung (75.) der – allerdings äußerst glückliche – Treffer zum 2:1-Auswärtssieg gelang. Ein weiterer Lichtblick war Jonathan Evans, der im Januar 2008 von seiner Ausleihe aus Sunderland zurückgeholt wurde und sich nun im weiteren Verlauf der Saison mehr und mehr als fester Bestandteil der Innenverteidigung etablieren konnte. Der junge Nordire fand neben 17 Spielen in der Liga auch in sieben Begegnungen der Champions League die Berücksichtigung von Alex Ferguson.

Bleiben wir gleich bei der Meisterschaft, in der es zwischen den Red Devils und dem FC Liverpool ein spannendes Kopf- an Kopfrennen bis zum Schluss gab. Dass United letztlich einen Vierpunktevorsprung über die Ziellinie rettete, war der Ausgeglichenheit und der Stärke des gesamten Kollektivs geschuldet – dieser Titel hatte wahrlich viele Väter. Macheda, mit seinen immens wichtigen Toren, war nur ein kleiner Teil des Puzzles.

Nach einem eher durchwachsenen Start, zu dem auch die 1:2-Niederlage im UEFA-Supercup in Monaco gegen Zenit St. Petersburg gehörte, hatte man nach dem ersten Saisondrittel bis zu fünf Punkte Rückstand auf die Tabellenspitze, den man dann dank einer eindrucksvollen Serie peu à peu verkürzen konnte und schließlich mit Beginn des neuen Jahres am 21. Spieltag die Tabellenspitze übernahm – und diese fortan nicht mehr hergab (Wenn man die Nachholspiele am eigentlichen Termin wertet). United blieb nach einer 1:2-Niederlage am 12. Spieltag auswärts beim FC Arsenal in 16 Partien ohne Niederlage (14 Siege/2 Unentschieden). Das Besondere an dieser Leistung war, dass man zwischen dem 13. Spieltag, einem 5:0-Heimsieg gegen Hull, und dem 25. Spieltag, einem 1:0-Auswärtserfolg bei West Ham United, in 14 Spielen gänzlich ohne Gegentor blieb, erst Roque Santa Cruz setzte beim 2:1 gegen Blackburn mit seinem zwischenzeitlichen Ausgleich zum 1:1 den Ganzen nach mehr als 22 Stunden ein Ende. Für “Oldie” Edwin van der Sar, der beim Spiel gegen die Rovers nicht zwischen den Pfosten stand, ging die Jagd auf den Europarekord für die längste Zeit ohne Gegentreffer weiter. Nach einem 2:0 gegen Portsmouth vor eigenem Publikum, hätte den Holländer am 4. März beim Auswärtsspiel in Newcastle ein weiteres “zu Null” gereicht, um die bestehende Bestmarke von 1390 Minuten des Belgiers Dany Verlinden aus dem Jahre 1990 zu knacken. Doch der Däne Peter Løvenkrands wurde mit seinem Treffer in der 9. Minute zum Spielverderber. Van der Sar blieb letztlich 1.311 Minuten ohne Gegentor und konnte damit zwei neue Rekorde setzen. Er überbot damit die bisherige englische Bestmarke von Steve Death aus dem Jahr 1979 (1103 Minuten) und nahm gleichzeitig dem Schotten Bobby Clark den aus dem Jahr 1971 resultierenden britischen Rekord ab (1212 Minuten) – ein echter Meilenstein für den 1,97 Meter langen Hühnen kurz vor dem nahenden Ende seiner großen Karriere.

Edwin van der Sar – der Rückhalt im Tor / Foto: www.footballcorner.de

Nach der Partie gegen Newcastle, die Manchester United durch Treffer von Rooney und Berbatov noch mit 2:1 für sich entschied, mussten alle Anhänger der Red Devils dann nochmal kurzzeitig um den Gewinn der Meisterschaft zittern – denn es folgten zwei Niederlagen am Stück. Zunächst wurde man vom FC Liverpool im eigenen Haus quasi überrollt, dann endete die Reise zum FC Fulham mit einer 0:2-Pleite. Vor allem die deutliche 1:4-Heimklatsche gegen die von Rafa Benítez gecoachten, ungeliebten Nachbarn aus Liverpool erregte die Gemüter. Anstatt einer Vorentscheidung im Titelkampf, kassierte man die höchste Heimniederlage seit Bestehen der Premier League gegen den Erzrivalen.

Die Tabellenführung geriet in Gefahr und der sehnlichst erwünschte Titelhattrick stand auf der Kippe. Doch nun zeigte sich bei den Schützlingen von Alex Ferguson das Herz eines Champions – es folgten die beiden von Youngster Macheda entschiedenen Partien und damit die Rückkehr in die Erfolgsspur. Als dann am 34. Spieltag ein 0:2-Halbzeitrückstand gegen Tottenham in einem furiosen 5:2-Erfolg endete, konnte United nichts und niemand mehr auf dem Weg zur 18. englischen Meisterschaft aufhalten. Diese wurde schließlich am vorletzten Spieltag vor den eigenen Fans mit einem torlosen Remis gegen den FC Arsenal perfekt gemacht und überschäumend gefeiert. Und da die Tabelle niemals lügt, waren alle Diskussionen, ob dieser Titel verdient war oder nicht, müßig – Manchester United war ein würdiger Champion.

Treffsicherster Schütze im Kader war erneut Cristiano Ronaldo. Der portugiesische Superstar erzielte in der Liga 18 Tore und verwies seine Sturmkollegen Wayne Rooney (12) und Dimitar Berbatov (9) auf die Plätze. Garant für den Titel war wie gesagt einmal mehr die mannschaftliche Geschlossenheit. Über den wie gewohnt zuverlässigen van der Sar im Tor, der stabilen Innenverteidigung mit dem herausragenden Nemanja Vidic und und einem starken Patrice Evra, einem flexiblem Mittelfeld in unterschiedlichster Besetzung, bis hin zur variablen “Abteilung Attacke” mit dem lauf- und einsatzstarken Rooney. Am Ende freute sich Sir Alex Ferguson über seinen elften englischen Meistertitel – und er kündigte weitere Erfolgen an. Auf die Frage, ob es eine besondere Genugtuung für ihn sei, mit dem FC Liverpool nach Meisterschaften gleichgezogen zu haben, antwortete der Schotte süffisant: “Nein, etwas Besonderes ist es erst, wenn wir an ihnen vorbeigezogen sind.” Bei allen elf Erfolgen unter Ferguson war ein Mann dabei: Ryan Giggs. Der 35 Jahre alte Waliser erlebte seinen x-ten Frühling und erfuhr für seine starken Auftritte eine besondere Ehrung. Er wurde von seinen Kollegen zum “Spieler des Jahres 2008” gewählt – sicher auch eine Hommage an seine unvergleichliche Karriere.

Und die Titelsammlung von Giggs erhielt noch weiteren Zuwachs. Beim Gewinn des Community Shields, als sich Manchester United mit 3:1 im Elfmeterschießen gegen FA-Cup-Sieger FC Portsmouth durchsetze, bestritt er das komplette Spiel und war einer der drei erfolgreichen Schützen vom Punkt. Bei den zwei weiteren Titeln sah dies ein bisschen anders aus. So durfte er im Dezember 2008 bei der in Japan stattfindenden FIFA-Club-WM zwar im Halbfinale von Beginn an ran, wurde aber im Endspiel gegen den Südamerika-Vertreter LDU Quito, das die Red Devils durch ein Tor von Rooney denkbar knapp mit 1:0 gewannen, gar nicht berücksichtigt. Und auch beim Erfolg im League Cup gegen die Tottenham Hotspurs schmorte der Waliser zunächst auf der Bank, ehe er mit Beginn der Verlängerung eingewechselt wurde und nach 120 torlosen Minuten als erster Schütze zum Elfmeterpunkt schritt, sicher verwandelte und so den Grundstein zum Pokalgewinn legte.

Nach den Erfolgen bei der Club-WM und im League Cup keimte in Manchester Hoffnung auf den ganz großen Coup: dem Quintuple (der Community Shield nicht mit eingerechnet). Doch aus diesem Traum wurde nichts, man scheiterte im FA Cup und der Champions League und musste sich mit einem “kleinen” Triple zufrieden geben. Im FA Cup kam das Aus im Halbfinale gegen den FC Everton. United unterlag den Toffees mit 2:4 im Elfmeterschießen. Alex Ferguson musste sich nach dem verlorenen Spiel aufgrund der gewählten Aufstellung und der Wahl der Elfmeterschützen herbe Kritik gefallen lassen. Der Schotte schickte einen mit vielen jungen Akteuren gespickten “zweiten Anzug” auf den Rasen von Wembley – wurde dafür aber nicht belohnt. Nach torlosem Spiel patzen Berbatov und Ferdinand vom Punkt.

Sir Alex – auch der geniale Coach ist nicht unfehlbar / Foto: www.footballcorner.de

In der Königsklasse qualifizierte man sich als Gruppenerster mit lediglich zwei Siegen und vier Unentschieden für die K.o.-Runden, wo dann nacheinander Inter Mailand (A 0:0/H 2:0), der FC Porto (H 2:2/A 1:0) und im Halbfinale der FC Arsenal (H 1:0/A 3:1) ausgeschaltet wurden und so mit dem Einzug in das Finale die Möglichkeit bestand, als erstes Team den Titel in der Champions League zu verteidigen. Doch mit dem FC Barcelona, der in Spanien die Saison mit wunderbaren Angriffsfußball klar dominiert hatte und mit dem Double aus Meisterschaft und Pokal im Rücken vor Selbstvertrauen strotzte, traf United am 27. Mai in Rom auf einem echten Gradmesser. Und das katalanische Starensemble mit seinen offensiven Aushängeschildern Messi, Henry, Eto’o, Xavi und Iniesta, das im Halbfinale gegen den FC Chelsea noch soviel Glück beim Weiterkommen hatte, erwies sich an diesem Abend als eine Nummer zu groß. Nach eigentlich überlegen geführten Anfangsminuten, fand diese Überlegenheit der Red Devils in der 10. Minute ein jähes Ende: Barça ging durch Eto’o mit der ersten Chance in Führung. Von diesem Nackenschlag erholte sich United nicht; Barcelona war in der Folgezeit die bessere Mannschaft, erhöhte durch Lionel Messi in der 70. Minute auf 2:0 und ging als verdienter Sieger vom Platz.

Allerdings wurde die Nachlese dieses wenig erbaulichen Abends rasch in den Hintergrund gerückt, denn der ewige Wechsel-Hickhack um Cristiano Ronaldo ging in die nächste – diesmal entscheidende – Runde. Nachdem es schon seit Monaten fast täglich neue Wasserstandmeldungen zu diesem Thema gegeben hatte, kochte die Gerüchteküche nun nach einer Personalentscheidung bei Real Madrid förmlich über. Bei den Königlichen wurde Florentino Pérez zum Präsidenten gewählt – und damit ein Déjà-vu der besonderen Art losgetreten. Denn Pérez, Spaniens größter Bauunternehmer und schon einmal von Juli 2000 bis Februar 2006 Präsident der Madrilenen, ging genau wie damals auf eine ganz besondere “Shopping-Tour”. So wie er damals für horrende Ablösesummen Stars wie Zidane, Figo, Ronaldo, Beckham oder Robinho bei den Blancos vereinte und die Ära der “Galaktischen” erschuf, begann er nun erneut, die besten Spieler nach Madrid zu locken. Und anders als noch im Dezember 2008, als Ferguson abfällig tönte: “United verkauft dem Mob nicht mal einen Virus”, einigten sich beide Vereine diesmal auf einen Wechsel. Real musste für Ronaldo allerdings tief in die Tasche greifen: Die Ablösesumme für den portugiesischen Superstar betrug gigantische 94 Millionen € – ein neuer Rekord im Transfer-Wahnsinn. Und auch für Ronaldo selber zahlte sich der Wechsel aus, der mit einem geschätzten Jahres-Salär von 13 Millionen € stieg er zum bestbezahlten Kicker weltweit auf.

Cristiano Ronaldo – folgt dem Ruf des Herzens, und des Geldes / Foto: www.footballcorner.de

Zurück blieben verwirrte und enttäuschte Anhänger. Denn obwohl Ronaldo nicht das beste Image inne hatte, war sein sportlicher Wert an der Stretford End über jeden Zweifel erhaben. Oftmals ragte er aus einem starken Kollektiv noch heraus und war der Mann für die entscheidenden Tore, der Mann, der den Unterschied auf dem Platz ausmachte. Die Entscheidung von Ferguson, ihm das legendäre Trikot mit der Nummer 7 zu geben, erwies sich als goldrichtig. Denn genau wie seine Vorgänger – Best, Robson, Cantona und Beckham – verkörperte er mit seiner individuellen Klasse jene Extraklasse, die die Tradition um dieses Trikot entstehen ließ – er war eben etwas “Besonderes”. Ronaldo, der im August 2003 als 18-jähriges Talent für 17,75 Millionen € von Sporting Lissabon nach Manchester kam, reifte unter Alex Ferguson zu einem der besten Fußballprofis seiner Zeit, wie die zahlreichen persönlichen Auszeichnungen – unter anderem die Wahl zum “Weltfußballer des Jahres 2008” – eindrucksvoll belegen. Der Portugiese mit der imposanten Freistoßtechnik schnürte die Stiefel insgesamt 292 Mal für die Red Devils und erzielte 118 Tore. Während seiner Zeit an Old Trafford sammelte der Verein etliche hochkarätige Titel ein, wobei der Gewinn der Champions League im Jahre 2008 wohl als Höhepunkt anzusiedeln ist. Ronaldo und United – eine sechsjährige Erfolgsgeschichte, die mit einem großen Knall zu Ende ging. Doch Ronaldo wusste genau, was er dem Verein – und speziell Alex Ferguson – zu verdanken hatte. Aus Madrid schwappten wärmende Worte über den Ärmelkanal, mit denen er sich ausdrücklich für die Jahre bei United bedankte und seine große Wertschätzung zum Ausdruck brachte.

Uniteds Titel mit Ronaldo

Doch damit nicht genug vom Abschied nehmen: Auch Carlos Tévez kehrte nach zwei Jahren Ausleihe dem Club den Rücken. Der bei der Fangemeinde immens beliebte Argentinier klagte über zu wenig Einsatzzeiten und fühlte sich nicht als vollwertiges Mitglied der “Familie Manchester United.” Obwohl Sir Alex um den Gaucho kämpfte und ein entsprechendes Angebot bei Tévez’ zwielichtigem Rechteinhaber, MSI Foot, abgab, standen die Zeichen auf Trennung. Und so absolvierte “Carlitos” begleitet von frenetischen Jubel auf Old Traffords Tribünen beim 0:0 gegen die Gunners am vorletzten Spieltag seine letzte Partie. Tévez bestritt insgesamt 99 Spiele und versenkte dabei den Ball 34 Mal im gegnerischen Tor. So sehr er immer mit viel Herzblut bei seinen Einsätzen dabei war, so emotional waren dann allerdings seine Worte, nachdem sein Wechsel zum Stadtrivalen Manchester City feststand – er griff Ferguson persönlich an und schob alle Schuld für seinen Abgang auf den Schotten.

Carlos Tévez – ein Abschied mit Wehmut / Foto: www.footballcorner.de

Man darf gespannt sein, wie United die Abgänge von Ronaldo und Tévez verkraftet und wie der Kader zur neuen Saison aussehen wird.

Trotz drückender Überlegenheit über die gesamte Spielzeit hinweg musste der Meister, der ohne die verletzten Ronaldo und Rooney ins Wembley gereist war, gegen den FC Portsmouth ins Elfmeterschießen, um den 17. Erfolg beim Community Shield
United perfekt zu machen. Einen Sieg in der regulären Spielzeit verhinderte ein glänzend aufgelegter David James im Tor von Pompey, der einige gute Chancen mit starken Reflexen zunichte machte. Beim Shootout vom Punkt bekam er dann allerdings keine Hand an den Ball und musste zudem mit ansehen, wie seinen Mannschaftskollegen die Nerven versagten: Diarra und Johnson schossen in die Wolken, Mvuemba scheiterte an van der Sar. Kapitän Gary Neville nahm den Pokal entgegen.

Man Utd: Van der Sar, G. Neville (Brown 66.), R. Ferdinand, Vidic, Evra, Fletcher, O’Shea (Carrick 66.), Scholes, Giggs, Nani (F. Campbell 79.), Tévez – Trainer: Ferguson
Portsmouth: James, G. Johnson, S. Campbell, Distin, Hreidarsson (Lauren 79.), Diop, Pedro Mendes (Mvuemba 75.), L. Diarra, Kranjcar (Utaka 60.), Crouch, Defoe – Trainer: Redknapp
Tore:
Elfmeterschießen: L. Diarra -, Tévez +, Defoe +, Giggs +, Mvuemba -, Carrick +, G. Johnson –
Schiedsrichter: Peter Walton
Zuschauer: 84.808 im Wembley (London)
Gelbe Karten: Vidivc, Neville / Distin

Nachdem sich Manchester United im Halbfinale dieser Club-WM gegen Gamba Osaka, gleichzeitig Vertreter des asiatischen Kontinents und des Gastgeberlandes Japan, in einem torreichen Spiel verdient mit 5:3 durchgesetzt hatte, traf man im Endspiel auf das kolumbianische Spitzenteam LDU Quito, das die südamerikanische Copa Libertadores gewonnen hatte.

Und obwohl die Red Devils nach einem Platzverweis für Nemanja Vidic nahezu die komplette zweite Hälfte in Unterzahl bestreiten mussten, brachten sie die Trophäe mit nach Europa – und das hochverdient. Die Ferguson-Elf zeigte eine überaus engagierte und ansprechende Leistung, nur in den Schlussminuten geriet der Triumph ein wenig in Gefahr. Das goldene Tor der Partie erzielte der überragende Wayne Rooney, der nach den 90 Minuten völlig verdient zum “Man of the Match” gewählt wurde, nach Vorarbeit von Cristiano Ronaldo (73.). Nachdem man 1999 mit einem 1:0-Sieg über Palmeiras bereits den Weltpokal gewonnen hatte, durfte man sich nun also Club-Weltmeister nennen und hatte einen Pokal mehr Trophäen-Kabinett.

Liga Deportiva: Cevallos, Norberto Araujo, Calle (Ambrossi 77.), Campos, Calderon, Reasco (Larrea 82.), Urrutia, William Araujo, Manso, Luis Bolanos (Navia 87.), Bieler – Trainer: Edgardo Bauza
Man Utd: Van der Sar, Rafael Da Silva (Neville 85.), Ferdinand, Vidic, Evra, Ronaldo, Carrick, Anderson (Fletcher 87.), Park, Tévez (Evans 51.), Rooney – Trainr: Ferguson
Tore: 0:1 Rooney (73.)
Schiedsrichter: Ravshan Irmatov (Uzbekistan)
Zuschauer: 68.682 im International Sports Stadium (Yokohama/Japan)
Gelbe Karten: Bieler, Campos, Cevallos, Calle, William Araujo.
/ Anderson
Rote Karte: Vidic (49.)

Der Gegner im Finale des Carling Cups waren die Tottenham Hotspurs, die damit die Möglichkeit hatten, diesen Titel zu verteidigen. Daraus wurde jedoch nichts, weil van der Sar-Vertreter Ben Foster im Kasten der Red Devils einen großartigen Tag hatte und auf jede Möglichkeit der Spurs zunichte machte.

Nach einem ausgeglichenen und flotten ersten Durchgang übernahm United, das mit einigen jungen Profis in der Startaufstellung begann, in der zweiten Hälfte mehr und mehr die Spielkontrolle. Ein Treffer wollte allerdings nicht gelingen und so ging es folgerichtig in die Verlängerung, in der beide Teams dann kaum noch Risiko gingen und so die Entscheidung im Elfmeterschießen fallen musste. Und wie schon beim Champions-League-Finale 2008 und beim Community Shield 2008, als man gegen den FC Chelsea beziehungsweise den FC Portsmouth dieses “Roulette” siegreich beenden konnte, behielt man auch diesmal die Oberhand. Während Tottenham nur einen Elfmeter im Netz unterbringen konnte, betrug die Ausbeute der United-Schützen 100 Prozent – Giggs, Tévez, Ronaldo und Anderson gaben sich keine Blöße und machten den dritten Erfolg in diesem Wettbewerb nach 1992 und 2006 perfekt.

Man Utd: Foster – O’Shea (Vidic 76.), Evans, Ferdinand, Evra – Ronaldo, Scholes, Gibson (Giggs 91.), Nani – Tévez, Welbeck (Anderson 56.) – Trainer: Ferguson
Tottenham: Gomes Corluka, Dawson, King, Assou-Ekotto – Lennon (Bentley 102.), Jenas (Bale 98.), Zokora, Modric – Bent, Pavlyuchenko (O’Hara 65.) – Trainer: Redknapp
Tore:
Elfmeterschießen: Giggs +, O’Hara -, Tévez +, Corluka +, Ronaldo +, Bentley -, Anderson +
Schiedsrichter: Chris Foy
Zuschauer: 88.217 im Wembley
Gelbe Karten: O’Shea, Ronaldo, Scholes / –

Die Saison 2009/10

Nach der grandiosen Vorsaison lief in der Spielzeit 2009/10 nicht alles nach Wunsch, ganz ohne Trophäe blieb man dank des erneuten Gewinns des League Cups und des Community Shields aber auch diesmal nicht.

Zunächst einmal ging es für Alex Ferguson darum, die Abgänge von Ronaldo und Tévez entsprechend zu kompensieren. Als Ersatz für den zu Real abgewanderten Portugiesen, der in den letzten Jahren die spielbestimmende Figur bei United war, wurde Luis Valencia auserkoren. Natürlich konnte und sollte der aus Ecuador stammende, spielstarke Mittelfeldakteur den Weltfußballer des Jahres 2008 nicht 1 zu 1 ersetzen, aber er sollte dem Angriffsspiel Impulse geben und mit seiner Dynamik eine Alternative zum vorhandenen Personal darstellen. Valencia kam von Wigan Athletic, das sich den Abschied ihres Mittelfeldmotors mit fast 19 Mio. € Ablöse teuer bezahlen ließ. In Sachen neuer Stürmer wurden deutlich kleinere Brötchen gebacken und ein überraschender Coup gelandet. Ferguson streckte seine Fühler in Richtung des ablösefreien Michael Owen aus und lockte den verletzungsanfälligen Angreifer schließlich tatsächlich nach Old Trafford. Eine Verpflichtung nicht ohne Brisanz, da Owen jahrelang für den Erzrivalen FC Liverpool spielte und dort auch seine größten Erfolge feierte. Während Valencia zur Stammkraft wurde und immerhin fünf Tore erzielen konnte, blieb für Owen zumeist nur die Jokerrolle. Am Duo Rooney und Berbatov war, sofern beide gesund und einsatzfähig waren, kein Vorbeikommen.
Neben Valencia und Owen kamen mit dem Franzosen Gabriel Obertan und dem Senegalesen Mame Biram Diouf noch zwei neue Spieler, die allerdings mehr als Investitionen für die Zukunft anzusiedeln waren. Sowohl Obertan (Girondins Bordeaux, 4 Mio. €) als auch Diouf (Molde FK, 4,5 Mio. €) erhielten während der Saison einige Einsätze und durften dabei ihr durchaus vorhandenes Talent unter Beweis stellen.

Gleich die Generalprobe eine Woche vor dem Saisonstart war in Bezug auf die Premier League richtungsweisend. Beim Community Shield unterlag man in einer packenden Partie dem FC Chelsea knapp im Elfmeterschießen, weil Giggs und Evra bei ihren Versuchen an Cech scheiterten. Genauso spannend wie diese Partie verlief dann die ganze Spielzeit, in der man gegen Chelsea bis zum letzten Spieltag um den Titel stritt. Am Ende hatten die Blues mit einem Zähler Vorsprung hauchdünn die Nase vorn und United musste sich nach zuvor drei Triumphen in Serie mit der Vizemeisterschaft begnügen. Nach 38 Runden hatten beide 27 Siege eingefahren, die Ferguson-Elf aber – trotz der mit nur 28 Gegentore besten Abwehr der Liga – eine Niederlage mehr kassiert. Die entscheidenden Punkte ließ man wohl am 33. Spieltag beim direkten Duell vor eigenem Publikum liegen, als Chelsea dank Toren von Joe Cole und Drogba in Old Trafford mit 2:1 die Oberhand behielt. Herausragender Spieler auf Seiten der Red Devils war Wayne Rooney, der einige berauschende Auftritte hatte und 26 Ligatreffer markierte. Berbatov, der es auf 12 Tore brachte, folgte als zweitbester Schütze mit großem Abstand.

Die beiden nationalen Pokalwettbewerbe verliefen höchst unterschiedlich. Während man im traditionsreicheren und deutlich höher einzuschätzenden FA Cup in der dritten Runde eine unerwartete und bittere 0:1-Heimniederlage gegen das unterklassige Leeds United hinnehmen musste und somit früh die Segel strich, konnte man beim League Cup überzeugen. Das Aus im FA Cup war dabei unnötig wie ein Kropf. Die Partie gegen Leeds war drei Tage vor dem Halbfinalhinspiel des League Cups gegen Manchester City angesetzt und um im prestigeträchtigen Match gegen den Stadtrivalen eine schlagkräftige Mannschaft auf den Platz zu schicken, schonte Sir Alex gegen Leeds einige seiner Stammkräfte und setze auf die Jugend. Dumm nur, dass das Spiel gegen die Citizens aufgrund des plötzlichen Wintereinbruchs abgesagt wurde und diese Maßnahme so wirkungslos verpuffte. Umso größer war dann die Freude, dass man sich anschließend gegen City in Hin- und Rückspiel durchsetzte und sich für das Finale qualifizierte. Dort setzte man sich vor knapp 90.000 Zuschauern im Wembley mit 2:1 gegen Aston Villa durch.

Auf internationaler Bühne trat man wie gewohnt in der Königsklasse an und peilte dort natürlich erneut das Finale an, wo man im Vorjahr gegen den FC Barcelona unterlegen war – doch es kam anders. In der Gruppenphase, wo man sich mit dem VfL Wolfsburg, ZSKA Moskau und Besiktas Istanbul auseinandersetzen musste und mit 13 Punkten als souveräner Sieger hervorging, hielt man sich noch genauso schadlos wie in der ersten K.o.-Runde gegen den AC Mailand (A 3:2/H 4:0). Doch dann erwies sich im Viertelfinale der FC Bayern München als Stolperstein. Das Hinspiel in der Allianz-Arena ging nach ganz früher Führung durch Rooney und zwei Gegentreffern in der letzten Viertelstunde noch mit 1:2 verloren. Ein Ergebnis, das für das Rückspiel in Old Trafford noch alles offen ließ und eigentlich ein Fingerzeig für ein Weiterkommen der Red Devils war. Und tatsächlich, United legte im Rückspiel einen Raketenstart hin und führte nach 41 Minuten mit 3:0. Gibson und Nani per Doppelpack sorgten für die sehenswerten und vielumjubelten Treffer, nach denen man sich bereits im Halbfinale wähnte. Doch Bayern schlug in Person von Olic, der van der Sar nach unwiderstehlichem Einsatz aus spitzem Winkel überwand, kurz vor dem Halbzeitpfiff zurück, ehe Robben in der 74. Minute eine Flanke von Ribery volley von der Strafraumgrenze zum Anschlusstreffer für die Bayern im Netz unterbrachte und so das ganze Stadion schockte. Danach ging nicht mehr viel, das Aus war besiegelt und das “Theatre of Dreams” weinte. Ferguson zeigte sich sichtlich zerknirscht ob der Pleite und ließ kein gutes Haar an den Deutschen, die seiner Meinung nach den Platzverweis für Rafael (50.) mit unsportlichen Mitteln provoziert haben sollen.

Gegner im Wembley-Stadion waren die Villains, die genau wie United im Halbfinale zittern mussten. Aston Villa gewann das Hinspiel bei den Blackburn Rovers durch ein Tor von Milner knapp mit 1:0, ehe dann rund 40.000 Besuchern im Villa Park ein irres Spektakel geboten wurde. Die Rovers führten bereits nach gut 25 Minuten mit 2:0, ehe Warnock nach einer halben Stunde der Anschluss gelang und man danach richtig aufdrehte. Am Ende hieß es 6:4 und das Finalticket war gebucht. Die Red Devils standen nach einer 1:2-Hinspielniederlage beim Stadtrivalen, bei der ausgerechnet der im Sommer im Unfrieden abgewanderte Tevez beide City-Treffer markierte, beim Rückspiel vor eigenem Publikum unter Druck. Rooney erlöste die Anhänger mit einem Kopfballtor in der 90. Minute zum 3:1.

Aston Villa war guten Mutes nach London gereist, denn man hatte gegen United in beiden Punktspielen der Saison gut ausgesehen (A 1:0/H 1:1) und baute zudem auf die positive Statistik in diesem Wettbewerb gegen United: von sechs Duellen wurden vier gewonnenen. Doch an diesem Sonntagnachmittag machte den Villains ein Spieler einen Strich durch die Rechnung, der in dieser Spielzeit der Liga seinen Stempel aufdrückte und im Anschluss zurecht zu Englands Fußballer des Jahres gekürt wurde: Wayne Rooney.

Das erste Achtungszeichen setzte Villa bereits nach wenigen Minuten. Vidic hielt Agbonlahor im Strafraum zu lang und zu heftig am Trikot und brachte ihn zu Fall. Den fälligen Foulelfmeter verwandelte Milner per Flachschuss ins rechte Eck souverän (5.). Doch wenig später leistete sich Abwehfrchef Dunne, sonst ein Muster an Beständigkeit, einen folgenschweren Patzer. Er vertendelte den Ball leichtfertig gegen Berbatov und lud die Red Devils zum Ausgleich ein. Owen nahm die Einladung gern entgegen – 1:1 (12.). In der Folgezeit entwickelte sich eine richtig gute und abwechslungsreiche Partie mit Chancen auf beiden Seiten. Kurz vor der Halbzeit musste Owen verletzt runter und wurde ersetzt durch Rooney, der im Vorfeld des Finales mit Knieproblemen zu kämpfen hatte und erst kurzfristig grünes Licht für einen Platz auf der Bank gegeben hatte.

Im zweiten Durchgang war die Ferguson-Elf dann tonangebend und erspielte sich ein Plus an guten Gelegenheiten. Eine Viertelstunde vor Abpfiff war es dann soweit, nach einer herrlichen Kombination fiel die 2:1-Führung. Valencia trieb den Ball auf halbrechts in Richtung Strafraum, spielte mit Berbatov Doppelpass und flankte dann von der Grundlinie maßgenau auf den Kopf von Rooney, der Friedel aus circa 11 Metern mit einer Bogenlampe ins rechte Kreuzeck keinerlei Abwehrmöglichkeit ließ (74.). Letztlich war dies die Entscheidung, obwohl Villa nochmal an den Ketten zog und Rooney nach erneut glänzender Vorarbeit von Valencia, der zum besten Spieler der Partie gewählt wurde, einen Kopfball hätte in Zählbares umsetzen können. So durfte über den insgesamt vierten Triumph beim League Cup, den man nun zum dritten Mal in den letzten fünf Jahren gewinnen konnte, gejubelt werden. Darüber hinaus war es das allererste Mal, dass die Red Devils einen großen Titel verteidigen konnten.

Aston Villa: Friedel – Cuéllar (80. Carew), Collins, Dunne, Warnock – A. Young, Milner, Petrov, Downing – Agbonlahor, Heskey – Trainer: O’Neill
ManUtd: Kuszczak – Rafael (68. G. Neville), Vidic, Evans, Evra – Valencia, Fletcher, Carrick, Park (86. Gibson) – Owen (42. Rooney), Berbatov – Trainer: Ferguson
Tore: 1:0 Milner (5., Elfmeter), 1:1 Owen (12.), 1:2 Rooney (74.)
Schiedsrichter: Phil Dowd
Zuschauer: 88.596 im Wembley
Gelbe Karten: Collins, Downing / Evra, Vidic

17 Mal konnte Manchester United diese Trophäe bereits gewinnen und ist damit Rekordhalter. Nachdem im letzten Jahr der 18. Titel nach turbulentem Spielverlauf im Elfmeterschießen verpasst wurde, machte man es diesmal gegen denselben Gegner besser. Denn in der Neuauflage des Shields von 2009 traf man wiedr auf den FC Chelsea. Da die _Blues in der abgelaufen Saison die Meisterschaft und den FA Cup gewonnen hatten, rückte United als Vizemeister nach und buchte auf Umwegen das Ticket für Wembley.

Und auch Spiel selbst weckte Erinnerungen ans Vorjahr, wie vor zwölf Monaten lieferten sich die beiden Mannschaften ein hochklassiges und rassiges Duell. Chelsea hatte insgesamt ein Chancenplus, konnte dies aber nicht gegen clevere und eiskalt zuschlagende Red Devils nutzen. Rooneys phantastische Vorbereitung zu Valencias Führungstreffer kurz vor dem Seitenwechsel ebnete den Weg zum Sieg. Hernándes und Berbatov machten den Sack dann zu, obwohl lange Zeit kräftig gezittert werden musste.

Chelsea: Hilário – Ferreira (79. Bruma), Ivanovic, Terry, A. Cole (79. Zhirkov) – Mikel (60. Drogba), Essien, Lampard – Kalou, Anelka (60. Sturridge), Malouda (73. Benayoun) – Trainer: Ancelottil
ManUtd: Van der Sar – O’Shea, Vidic, Evans, Fábio (72. Smalling) – Valencia, Carrick (79. Fletcher), Scholes (79. Giggs) Park (46. Nani) – Owen (46. Hernándes), Rooney) (46. Berbatov) – Trainer: Ferguson
Tore: 0:1 Valencia (41.), 0:2 Hernándes (76.), 1:2 Kalou (82.), 1:3 Berbatov (90.)
Schiedsrichter: Andre Marriner
Zuschauer: 84.623 im Wembley
Gelbe Karten: –

Trotz des nicht ganz so erfolgreichen Jahres zeigte sich Alex Ferguson keineswegs amtsmüde, auch nach mittlerweile 24 Jahren als Trainer der Red Devils wartet man vergebens auf Verschleißerscheinungen. Bevor der Schotte wirklich einmal die Schuhe an den Nagel hängt, muss er den FC Liverpool als englischer Rekordmeister abgelöst und diesen Titel mit Manchester United im alleinigen Besitz haben. Und zwei weitere alte Haudegen werden auch im nächsten Jahr in Old Trafford zu sehen sein: Ryan Giggs und Paul Scholes können es noch immer nicht lassen und haben ihre Verträge um ein weitere Spielzeit verlängert. Wie die Saison 2010/11 gelaufen ist, lest ihr hier im nächsten Sommer…

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Die Helden

David Beckham: Als die Scouts der Red Devils David Beckam im Alter von zarten elf Lenzen entdeckten, ahnte wohl noch niemand, was für einen Spieler man da an Land gezogen hatte. Hatten früher George Best oder Eric Cantona schon Glanz und Glamour in Old Trafford verbreitet, so sprengte Beckham in dieser Hinsicht um die Jahrtausendwende alle Dimensionen – der “Spiceboy“ erwuchs zum globalen Medienereignis, zur tausendfach kopierten Stil-Ikone, die weltweit in Perfektion vermarktet wurde. Forciert durch seine Ehe mit Victoria Adams, Mitglied der Girl-Band Spicegirls, erreichte sein Bekanntheitsgrad auch weit abseits des Fußballs ungeahnte Ausmaße; Becks Antlitz zierte zuhauf die Titelseiten der Illustrierten und Magazine. Er scheffelte Werbemillionen und geriet im weiteren Verlauf seiner Karriere zunehmend ins Kreuzfeuer der Kritik, weil infrage gestellt wurde, ob seine Leistungen als Profi nicht überschätzt werden. Ob dem nun so ist oder nicht – sowohl United als auch Real Madrid, für die Becks ab 2003 im Ensemble der “Galaktischen“ kickte, verdienten am Merchandising mit Beckham-Artikeln Unsummen. Für beide Vereine hat sich seine Verpflichtung auf jeden Fall gerechnet.

Beckham, der am 02. Mai in London Leytonstone als Sohn eines bekennenden United-Fans zur Welt kam und auf Wunsch der Eltern zunächst die Schule beendete, kam 1991 nach Manchester und unterschrieb dann ein Jahr später seinen ersten Profivertrag. Nach ein paar Anlaufschwierigkeiten – er gab sein Debüt am 23. September 1992 – schaffte er 1995 den Durchbruch. Gemeinsam mit einigen jungen Talenten wie Ryan Riggs, Paul Scoles, Roy Keane und den Neville-Brüdern, gehörte er zur “goldenen Generation“, die unter Alex Ferguson groß auftrumpfte und Titel auf Titel gewann. Beckham hatte seine Position im rechten offensiven Mittelfeld. Neben seiner herausragenden Fähigkeit, mit weiten, maßgenauen Pässen und Seitenwechseln das Spiel zu öffnen und so seine Mitspieler in Szene zu setzen, verfügte er über eine ganz besondere Gabe bei ruhenden Bällen. Beckhams Standards waren eine gefährliche Waffe, die Ecken und Freistöße kamen präzise und führten oftmals zu Toren. Besonders gefürchtet waren seine direkten Freistöße. In dieser Disziplin setzte er neue Maßstäbe, hier passt das Prädikat Weltklasse auf jeden Fall.

Beckham gewann mit den Red Devils dreizehn Titel, inklusive dem Vierfach-Triumph mit Champions League, Weltpokal, dem nationalen Titel und dem FA-Cup 1999 sowie fünf weiteren englischen Meisterschaften (1996, 1997, 2000, 2001 und 2003). Nach 356 Partien und 86 Toren verkündete der Großverdiener – er handelte bei seiner Vertragsverlängerung 2002 ein wöchentliches Salär von 90.000 britischen Pfund aus – am 17. Juni 2003 seinen Abschied von Old Trafford. Für €37,5 Mio. schloss er sich Real Madrid an, ehe er im Januar 2007 mit einen neuerlichen Mega-Deal nach Los Angeles wechselte, um dem Fußball in Amerika neuen Schwung zu geben.

Sein ganz persönliches Waterloo erlebte Beckham im Trikot der Three Lions. Bei der WM 1998 in Frankreich flog er nach einem Tackling von hinten gegen den Argentinier Diego Simeone im Viertelfinale mit Rot vom Platz. England verlor das Spiel im Elfmeterschießen, und für Beckham hagelte es negative Schlagzeilen und Anfeindungen von allen Seiten. Er war der Sündenbock, der für das Aus büßen musste. Doch Becks meisterte diese Krise und führte die Nationalelf 2002 als Kapitän zur Weltmeisterschaft nach Japan und Südkorea.

George Best: Keinen anderen Fußballer der Welt kann man wohl mit den Worten “Genie und Wahnsinn“ so treffend beschreiben, wie den genialen Nordiren. Seine Qualitäten als Fußballer waren Alles überragend, sein Talent einfach einzigartig. Er verstand es wie kaum ein Zweiter, seine Gegenspieler zu vernaschen. Sein Repertoire war riesengroß, die Tricks und die spektakuläre Spielweise brachten die Anhängerschar ins Schwärmen. Best, der für jeden Spaß zu begeistern war, erlangte bereits in jungen Jahren Kultstatus und wurde zum ersten “Popstar” des Fußballs – mehr noch, er war in den späten Sechzigern einer größten Stars in England überhaupt. Die Kehrseite der Medaille offenbarte sich in etlichen Undiszipliniertheiten auf dem Platz und in seinem ausschweifenden Lebenswandel, der von Alkoholeskapaden und Partys geprägt war. Er besaß Nachtclubs und Modegeschäfte, das süße Leben nahm ihn in Beschlag und wirkte sich zunehmend negativ auf seine Leistung als Fußballer aus.

Best, der am 22. Mai 1946 in Belfast geboren wurde, kam als 16-Jähriger auf Empfehlung von Bob Bishop nach Old Trafford. Der Scout informierte Matt Busby kurz und knapp mit den Worten: “I belive I’ve found a genius.”. Seine Glanzzeit hatte der Offensiv-Künstler in den späten 60er Jahren unter dem großen Matt Busby, als er zusammen mit Bobby Charlton und Denis Law ein kaum zu stoppendes Trio bildete. Im Jahr 1968 wurde Best zum Fußballer Europas sowie in England und Schottland zum Spieles des Jahres gewählt. Neben dem Treffer zur 2:1-Führung beim Gewinn des Europapokals der Landesmeister 1968 gegen Benfica Lissabon, bleibt ein Spiel gegen den gleichen Kontrahenten aus dem Jahr 1966 als Sternstunde in Erinnerung. Beim 5:1-Kantersieg im Halbfinale des Europacups in Lissabon zerlegte Best die portugiesische Spitzenmannschaft mit drei Treffen quasi im Alleingang.

Mit dem Abschied von Busby ging dann auch die Karriere von “El Beatle“ den Bach herunter. Nach wettbewerbsübergreifend 470 Spielen und 179 Toren stand Best mit lediglich 27 Jahren am 1. Januar 1974 zum letzten Mal für United auf dem Platz. Gezeichnet von seiner Alkoholsucht verstarb einer der brillantesten Ballartisten aller Zeiten im November 2005. Gut einen Monat vor seinem Tod sagte Best: “People will remember me for my football”. Und das taten sie. Nachdem sein Ableben bekannt wurde, gedachte man seiner rund um den Globus. Zu seinem letzten Geleit versammelten sich dann am 03. Dezember 100.000 Menschen in den Straßen seiner Geburtsstadt Belfast, um ihrem Idol die letzte Ehre zu erweisen.

Die Schuhe der Stars / Foto: www.footballcorner.de

*Eric Cantona: Der geniale Franzose war rückblickend wohl einer der wichtigsten Transfers in der Geschichte der Red Devils – und zugleich ein echtes Schnäppchen. Für gerade einmal 1,2 Mio. britische Pfund kam er völlig überraschend im November 1992 vom amtierenden Meister Leeds United nach Old Trafford. Nur wenige Wochen später war klar, was für einen Glücksgriff Alex Ferguson da getätigt hatte: Cantona war das entscheidende Puzzlestück, das der Mannschaft bislang gefehlt hatte. Mit seiner Willenskraft, seiner Aura und seinem genialen Spiel riss er das ganze Team mit und erweckte den Glanz vergangener Jahre. Die nackten Zahlen belegen, dass die Einschätzung von Ferguson, der ihn als “Katalysator für den Erfolg“ bezeichnete, den Nagel auf den Kopf trifft. Mit Cantona in den Reihen holte United zwischen 1993 und 1997 vier Liga-Titel, triumphierte zweimal im FA Cup (1994 und 1996) und dreimal beim Charity Shield (1993, 1994 und 1996). Bemerkenswert dabei ist, dass neben der ersten Meisterschaft seit 26 Jahren in der Spielzeit 1993, eine Saison später das allererste Double heraussprang. Zwei Jahre später wiederholte United dieses Kunststück mit Cantona als Kapitän und gefeierten Helden. Als erster Ausländer überhaupt nahm er 1996 den FA Cup als Kapitän entgegen und wurde im gleichen Jahr zu Englands Spieler des Jahres gewählt. Cantona Lieblingsposition war hinter den Spitzen. Er verstand es wunderbar, sich freizustehlen, verfügte über eine überragende Technik und erstaunlichen Spielwitz. Zudem zeichneten ihn eine enorme Nervenstärke und die Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor aus. In 181 Pflichtspielen traf er 80 Mal und versenkte dabei 17 von 19 Strafstößen.

“’66 was a great year for english football, Eric was born.“ – diese Worte sagen alles über das Standing bei den United-Anhängern aus. “Gott“ oder “König“ waren die kurzen, aber treffenden Bezeichnungen für das größte Idol seit George Best. Cantona baute eine bisher nie da gewesene Bindung zu den Fans auf. Er gab alles für den Club. Mit seinem Auftreten und dem nach außen getragenen Stolz, für Manchester United zu spielen, verkörperte er das, was die Anhänger liebten: Cantona war das Besondere – er machte den Unterschied, mit dem sich ManUtd in ihren Augen von den anderen Vereinen abhob. Éric Cantona wurde am 19. November 2005 zum besten Premier League-Spieler aller Zeiten gewählt. Er sammelte bei einer Umfrage, an der sich weltweit 26.000 Fußball-Fans beteiligten, mit 17 Prozent die meisten Stimmen.

Die Verehrung für den temperamentvollen Star erlitt auch nach seinem legendären Kung-Fu-Tritt gegen einen Fan von Crystal Palace, der ihn zuvor übel beleidigt und bespuckt hatte, keinen Abbruch. Cantona, der abseits des Platzes bekennender Kunstliebhaber war, ließ sich des Öfteren zu Undiszipliniertheiten hinreißen. In seinem Heimatland hatte er nach mehreren Fehltritten, die im Dezember 1991 sogar zu einem zwischenzeitlichen Rücktritt führten, den Ruf als unbelehrbaren Exzentriker, der ihn dann regelrecht auf die Insel fliehen ließ. Dort hatte er sich trotz aller Provokationen der gegnerischen Fans bis zu dem wüsten Ausraster am 25. Januar 1995 trotz einiger Platzverweise ganz gut im Griff. Die Strafe war drakonisch, Cantona wurde für acht Monate von allen Wettbewerben gesperrt und flog zudem aus der Equipe Tricolore. Was folgte, war der zweite Platz in der Liga mit einem Punkt Rückstand auf Meister Blackburn und ein verlorenes Finale im FA Cup – es war das einzig titellose Jahr für United während Cantonas Engagement. Viele Fachleute rechneten nicht mit einem Comeback bei United, doch Ferguson hielt zu seinem Star und überredete ihn gar zum Weitermachen.

Im Juni 1997 schockte der am 24. Mai 1966 in Paris geborene Liebling der Massen dann die Fußballwelt. Die Feierlichkeiten nach dem Gewinn des elften Meistertitels waren gerade beendet, da verkündete Cantona völlig unerwartet seinen Rücktritt als Fußballprofi. Mit einem Alter von gerade einmal 31 Jahren kam sein Abschied nicht nur für die entgeisterten United-Anhänger um einige Jahre zu früh. Doch die Entscheidung hatte Bestand, “King Eric“ wechselte die Branche und verdiente fortan sein Geld als Schauspieler. Außerdem wurde er zum Aushängeschild für den Sportartikelhersteller Nike, für den er einige bahnbrechende Werbespots drehte.

Bobby Charlton: Dem Mann mit dem schütteren Haar, der am 11. Oktober 1937 in Ashington das Licht der Welt erblickte, wurde seine Berufung praktisch in die Wiege gelegt. Die Familie seiner Mutter stellte im Raum Newcastle eine kleine Fußball-Dynastie. Da verstand es sich fast von selbst, dass auch Bobby und sein Bruder Jack diesen Weg einschlugen. Manchester United setzte sich beim Werben um den talentierten Schuljungen letztlich gegen eine Vielzahl anderer Vereine durch und holte ihn im Juni 1953 nach Stretford End. Doch es sollte noch einige Zeit vergehen, bis sich Charlton in der neuen Umgebung durchsetzte. Umso beeindruckender verlief dann sein Debüt: Am 06. Oktober 1956 erzielte er beim 4:2-Sieg gegen Charlton Athletic gleich zwei Treffer. Charlton spielte sich immer mehr in den Vordergrund und schaffte es letztlich trotz harter Konkurrenz zum Stammspieler. Auch dank seiner zehn Tore wurden die Red Devils 1957 englischer Meister. Die Türen für eine große Karriere hatten sich geöffnet.

Und diese wäre um ein Haar schon bald wieder zu Ende gewesen, ehe sie richtig begonnen hatte. Charlton überlebte den Flugzeugabsturz von München, weil ihn Mannschaftskollege und Torhüter Harry Gregg aus der geborstenen Maschine rettete. Heute wird die Katastrophe, bei der am 06. Februar 1958 23 Menschen den Tod fanden und die das Ende der Busby Babes bedeutete, mit keinem Namen mehr in Verbindung gebracht als mit Bobby Charlton. Dieser erholte sich von seinen Verletzungen und entwickelte sich zu einem der bedeutendsten Fußballer, die England je hervorgebracht hat.

Nachdem er zunächst als Stürmer und dann als Linksaußen eingesetzt wurde, stellte ihn Busby 1964 auf die Position des Spielmachers. Und hier kam Charltons Klasse dann voll zur Geltung. Aus der Zentrale konnte er sich am meisten einbringen, seine Ideen umsetzen und das Spiel lesen. Neben seiner Torgefährlichkeit und einem präzisen Passspiel, zeichnete ihn seine große Fairness auf und neben dem Platz aus. Es gab kaum einen integeren Sportsmann als Charlton. Mit der Zeit wurde Charlton zum verlängerten Arm von Busby. Beide inspirierten sich gegenseitig, beide hatten eine gemeinsame Liebe: Manchester United.

Andere Spieler kamen und gingen – Charlton blieb. Er gewann mit United drei Meisterschaften (57/65/67), den FA-Cup 1963 und führte sein Team als erste englische Mannschaft zum Sieg im Europapokal der Landesmeister 1968 gegen Benfica Lissabon, wobei er selbst zwei Tore zum 4:1-Erfolg nach Verlängerung beisteuerte. Nach Ryan Giggs, der ihn 2008 überflügelte, hat er mit 758 Spielen zwischen 1956 und 1973 die zweitmeisten Einsätze in Uniteds langer Geschichte. Die Marke von 249 Treffern wettbewerbsübergreifend, wird aber wohl genau wie die 199 Liga-Tore, ein Rekord für die Ewigkeit sein. Charlton versuchte sich nach seinem Rücktritt erfolglos als Trainer bei Preston North End und arbeitete dann als Funktionär bei Wigan Athletic, bevor er 1984 nach Old Trafford zurückkehrte und als Direktor mit in den Verein eingebunden wurde. Und auch heute, mehr als fünf Jahrzehnte nachdem er zu ManUtd gekommen ist, repräsentiert er seinen Club nach außen und hat einen Stammplatz in Old Trafford, von dem er die Darbietungen seiner Nachfolger begutachtet.

Der Platz von Sir Bobby /Foto: Lukas Heierli

Auch als Nationalspieler hatte Charlton Erfolg. Er bestritt insgesamt 106 Einsätze für England und markierte dabei 49 Tore, kein anderer traf öfter für die Three Lions. Charlton spielte gemeinsam mit seinem Bruder die WM 1966 im eigenen Land. Er ebnete England den Weg ins Endspiel gegen Deutschland mit zwei wunderbaren Fernschüssen beim 2:1-Halbfinalsieg über Portugal und trug so entscheidend zum Titelgewinn bei. Charlton wurde für seine Verdienste im Fußball 1994 von Queen Elizabeth zum Ritter geschlagen – eine Ehre, die sich Robert Charlton, wie “Sir Bobby eigentlich richtig heißt, ohne Zweifel verdient hat.

Roy Keane: Sucht man in der Chronik Uniteds nach einem Enfant Terrible, bleibt man zwangsläufig bei Roy Keane hängen. Der am 10. August 1971 in Cork geborene Ire, der 1993 für 3,75 britische Pfund von Nottingham Forrest trotz einer mündlich gegebenen Zusage bei den Blackburn Rovers, lieber zu den Red Devils wechselte, verkörperte das Image des “bösen Buben“ wie kaum ein zweiter. Keane schonte weder sich selbst, noch seine Gegenspieler. Er stand zu seiner oft unbequemen Meinung und scheute nicht mit Kritik am eigenen Verein und den Mannschaftskollegen, was ihm viel Sympathie bei den Fans verschaffte.

Der Ire fand in der Saison 1995/96 nach dem Abschied von Paul Ince seinen festen Platz im Mittelfeld und wuchs dann rasch in die Rolle eines Führungsspielers hinein. Damit nicht genug, Ferguson sah in ihm den neuen Leader im Team und gab ihm nach dem unerwarteten Rücktritt von Éric Cantona die Kapitänsbinde. Und Keane zahlte dieses Vertrauen mit Leistung zurück. Er gab über ein ganzes Jahrzehnt die Richtung vor, war ein stetes Vorbild an Einsatz und besaß eine unerschütterliche Siegermentalität, die auf die gesamte Mannschaft ausstrahlte; seine Robustheit und Zweikampfstärke war phänomenal. Unter seiner Führung gewann United neun große Titel, was ihn zum erfolgreichsten Kapitän an Stretford End macht. Unvergessen dabei ist das Jahr 1999, als er ManUtd neben dem ersten Triple der Vereinsgeschichte mit dem Sieg in der Champions League, der englischen Meisterschaft und dem FA Cup, obendrein dank seines Tores noch zum Gewinn des Weltpokals gegen SE Palmeiras verhalf. Wobei Keane beim CL-Endspiel gegen den FC Bayern aufgrund Gelb-Sperre, die er sich uneigennützig bei seiner grandiosen Vorstellung im Semifinale gegen Juventus Turin abgeholt hatte, zum Zuschauen verdammt war. Dass er im Finale nicht auf dem Feld stand, wurmte ihn aber sehr. Im Jahr 2000 wählten ihn sowohl die Kollegen als auch die Journalisten zum besten Spieler Englands, darüber hinaus wurde er nach der Verlängerung seines auslaufenden Vertrages mit einem Wochenverdienst von £52.000 zum bestbezahlten britischen Profi dieser Zeit.

Für riesiges Aufsehen sorgte Keane dann mit seiner Autobiographie die im August 2002 in die Buchläden kam. Sein öffentliches Bekenntnis, den Norweger Alf Eng Haaland beim Derby gegen ManCity im April 2001 mit einem Revanchefoul absichtlich verletzt zu haben, erschütterte die Insel (Keane hatte sich selbst 1997 bei einem Foul an Haaland eine schwere Knieverletzung zugezogen, die ihn fast die komplette Saison kostete. Haaland beschuldigte den am Boden liegenden Keane der Schauspielerei – was dieser nicht vergaß.). Und als ob sein Ruf nicht schon ruiniert genug war, brachte er mit einem krachenden Ellenbogencheck gegen Sunderlands Jason McAteer, das Fass zum überlaufen – Keane war der Buhmann der Liga. Er sammelte während seiner Zeit bei United elf rote Karten. Noch hielt Ferguson zu seinem Kapitän, der sich nach der Sperre dann auf dem Platz auch tatsächlich weniger aggressiv zeigte und solche dummen Attacken sein ließ.

Doch Roy Keanes Ende kam dann im November 2005. Der kritikfreudige Ire, der seinen Unmut über Teamkollegen, dem Publikum oder der Spielweise, in den vergangenen Jahren schon öfter in den Medien propagiert hatte, nahm bei einem TV-Interview zunächst einige Mitspieler und das United-Management ins Visier. Als er dann kurz danach heftig mit Co-Trainer Carlos Queiroz aneinander geriet und es mit Ferguson zu neuerlichen Streitigkeiten wegen eines Einsatzes im Reserveteam kam, war das Maß voll. Ferguson, der Keanes Leistungen auf dem Platz nicht in Abrede stellte und den Iren als einen der besten Mittelfeldspieler überhaupt einordnete, hatte genug und setzte der überaus erfolgreichen Zusammenarbeit am 18.11. nach zwölfeinhalb Jahren ein abruptes Ende. Keane trug das Trikot mit dem Teufelchen stolze 480 Mal, erzielte 51 Tore und sammelte insgesamt rekordverdächtige 17 Titel. Nachdem er noch eine halbe Saison für Celtic Glasgow in Schottland spielte, beendete Keane seine große Karriere als Aktiver endgültig und kehrte nach England zurück. Er übernahm beim AFC Sunderland den Job als Trainer und führte den Club 2007 in die Premier League.

William Henry “Billy” Meredith: Meredith (30. Juli 1874 – 19. April 1958) war ein rechter Außenstürmer, wie er im Buche steht: schnell, unglaublich lauf- und kampfstark und mit guter Übersicht. Der “Welsh Wizard” kam im Zuge des Skandals bei Manchester City im Mai 1906 zu United und gab am 01. Januar 1907 sein Debüt (1:0 gegen Aston Villa). Er spielte 335 Mal für die Red Devils und kehrte dann 1921 wieder zu City zurück, wo er 1924 seine eindrucksvolle Karriere mit fast 50 Jahren beendete. Der Name des Walisers ist untrennbar mit Manchester verbunden. Er wird von den Fans beider Vereine verehrt. Für ManUtd holte er fünf Titel und für City einen.

Meredith absolvierte 48 Länderspiele für Wales, er hält den Rekord als ältester Nationalspieler. Als er mit Wales am 15. März 1920 im Londoner Highbury gegen England auflief, war er bereits 45 Jahre und 229 Tage alt. Außerdem machte sich der Waliser für die Rechte der Spieler stark. So war er trotz des Widerstandes der FA Mitbegründer der ersten Spielergewerkschaft im Jahr 1907.

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Old Trafford

Old Trafford, oder “The Theatre of Dreams” wie der große Bobby Charlton das Stadion taufte, blickt auf eine lange und bewegte Geschichte zurück.

Das Theater der Träume / Foto: www.footballcorner.de

Unzufrieden mit dem bisherigen Stadion in der Bank Street, das dem aufstrebenden Club nicht mehr gerecht wurde, entschloss sich Manchester United Anfang des Jahres 1909 eine neue Heimstätte zu bauen. Man entschied sich für Old Trafford, lieh sich vom Club-Besitzer John Henry Davies 90,000 Pfund, kaufte dafür Land und beauftragte den Architekten Archibald Leitch mit der Bauplanung. Entgegen dem ursprünglichen Plan, der ein Fassungsvermögen von 100.000 Plätzen vorsah, wurde aufgrund von Kostenfragen die Kapazität deutlich verkleinert und schließlich eine Arena für 80.000 Zuschauer gebaut. Die Südseite wurde überdacht und mit Sitzplätzen ausgestattet, die anderen drei Seiten wurden als Freiluftribünen gestaltet. Am 19. Februar 2010 wurde das neue, damals einzigartige Stadion mit einer Partie gegen den FC Liverpool eingeweiht, die allerdings mit 3:4 verloren ging. Am 25. März 1939 sahen 76,962 Zuschauer das FA-Cup-Halbfinale zwischen de Wolverhampton Wanderers und Grimsby Town. Dies ist bis heute die größte Kulisse, die sich je in Old Trafford eingefunden hat.

Die “Heimat” der Profis / Foto: www.footballcorner.de

Nach ersten Umbaumaßnahmen in den Jahren 1936 und 38, als zunächst die Nordseite und dann die Ecken der Südtribüne überdacht wurden, erlebte das Stadion am 11. März 1941 seine schwärzesten Stunden. Bei einem Bombenangriff der deutschen Luftwaffe auf Manchester wurde Old Trafford zu großen Teilen in Schutt und Asche gelegt. In Folge der notwendigen Neugestaltung, die sich über acht Jahre hinzog, musste United seine Heimspiele an der Maine Road, dem Grund des Stadtrivalen Manchester City, austragen. Aus dieser Zeit datiert er Besucherrekord für ein Spiel der Red Devils. 81.962 Besucher verfolgten am 17. Januar 1948 das 1:1 gegen den FC Arsenal. Die Rückkehr nach Old Trafford, das nach dem Wiederaufbau für eine Kapazität von 67.000 Gästen ausgelegt war, erfolgte am 24. August. 41.748 United-Anhänger bejubelten einen 3:0-Erfolg über die Bolton Wanderers.

Mit der Beginn der 50er startete eine großangelegte Modernisierungsphase, die alle vier Tribünen betraf. Am Ende war Old Trafford komplett überdacht und hatte eine Flutlichtanlage. Doch auch dieser Zustand war nur eine Momentaufnahme. Im Laufe der nächsten Jahrzehnte gab es immer wieder Veränderungen, die dann nach der Katastrophe von Hillsborough und dem daraus resultierenden Beschluss, alle Stehplätze abzuschaffen, 1990 ihren Gipfel erreichten. Ganze 45.000 Plätze betrug das Fassungsvermögen zu dieser Zeit.

Foto: www.footballcorner.de

Dies war natürlich zu wenig für United. Und so wurde Stück für Stück wieder erweitert. Nacheinander wurden die Nord- (1996-99/55.000) die West- (2000-01/61.000) sowie die Osttribüne (2001-05/68.000) aufgestockt und im letzten Bauabschnitt die Ecken des zweiten Ranges ausgebaut (2005-07). Mit 76,212 Plätzen fasst es jetzt wieder annährend so viele Besucher wie 1910. Old Trafford ist damit nach dem Wembley das zweitgrößte Stadion Englands. Es ist hochmodern ausgestattet und beherbergt unter anderem das Club-Museum und einen riesigen Mega-Store.

Der riesige Fan-Shop / Foto: Lukas Heierli

Kurzum: Old Trafford gehört zu den bemerkenswertesten Stadien der Welt. Die Red Devils haben auf dem 116 × 76 Meter großen Grün große Schlachten geschlagen, viele unvergessene Emotionen geschürt und in der fast 100-jährigen Historie der Arena zahlreiche Titel gefeiert – Old Trafford und Manchester United sind untrennbar miteinander verbunden.

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Der aktuelle Kader (2010/11)

Torhüter:

Nr. Name Nationalität Größe geb. Vertrag bis
40 Benjamin Paul Amos ENG 10.04.1990 1,85 m ?
29 Tomasz Kuszczak PL 20.03.1982 1,91 m 2012
1 Edwin van der Sar NL 29.10.1970 1,97 m 2011

Abwehr:

Nr. Name Nationalität Größe geb. Vertrag bis
6 Wesley Brown ENG 13.10.1979 1,85 m 2012
30 Richie de Laet BEL 28.11.1988 1,86 m 2012
23 Jonathan Evans NIRL 02.01.1988 1,88 m 2014
3 Patrice Evra FRA 15.05.1981 1,75 m 2012
20 Fabio BRA 09.07.1990 1,72 m 2014
5 Rio Ferdinand ENG 07.11.1978 1,91 m 2013
2 Gary Neville ENG 18.02.1975 1,80 m 2011
22 John O´Shea IRL 30.04.1981 1,91 m 2012
21 Rafael BRA 09.07.1990 1,72 m 2013
12 Chris Smalling ENG 22.11.1989 1,92 m 2014
15 Nemanja Vidic SER 21.10.1981 1,89 m 2014

Mittelfeld:

Nr. Name Nationalität Größe geb. Vertrag bis
8 Anderson BRA 13.04.1988 1,76 m 2012
16 Michael Carrick ENG 28.07.1981 1,89 m 2012
24 Darren Fletcher SCO 1.02.1983 1,83 m 2012
28 Darren Gibson IRL 1,76 m 25.10.1987 2012
11 Ryan Giggs WAL 29.11.1973 1,80 m 2011
4 Owen Hargreaves ENG 20.01.1981 1,80 m 2011
17 Nani POR 17.11.1986 1,76 m 2014
26 Gabriel Obertan FRA 1,86 m 26.01.1989 2013
13 Ji Sung Park KOR 25.02.1981 1,78 m 2012
18 Paul Scholes ENG 16.11.1974 1,68 m 2011
25 Luis Antonio Valencia ECU 05.08.1985 1,81 m 2013

Sturm:

Nr. Name Nationalität Größe geb. Vertrag bis
33 Bebé POR 1,90 m 12.07.1990 2015
9 Dimitar Berbatov BUL 30.01.1981 1,88 m 2012
14 Chicharito MEX 1,75 m 01.06.1988 2014
27 Federico Macheda ITA 22.08.1991 1,84 m 2014
7 Michael Owen ENG 14.12.1979 1,73 m 2011
10 Wayne Rooney ENG 24.10.1985 1,78 m 2012
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Alle Erfolge auf einen Blick

Champions League: 3x 1968, 1999, 2008
Europacup der Pokalsieger: 1x 1991
Europäischer Supercup: 1x 1991
Weltpokal/Club-WM: 2x 1999, 2008
Englischer Meister: 18x 1908, 1911, 1952, 1956, 1957, 1965, 1967, 1993, 1994, 1996, 1997, 1999, 2000, 2001, 2003, 2007, 2008, 2009
FA Cup: 11x 1909, 1948, 1963, 1977, 1983, 1985, 1990, 1994, 1996, 1999, 2004
Charity/Community Shield: 17x 1908, 1911, 1952, 1956, 1957, 1965*, 1967*, 1977*, 1983, 1993, 1990*, 1994, 1996, 1997, 2003, 2007, 2008, 2010
League Cup: 3x 1992, 2006, 2009, 2010

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