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[Eintracht Frankfurt] Vorstand vs. Aufsichtsrat - Einträchtliche Machtspiele in der Mainmetropole

31. Januar 2009, 13:41 geschrieben von Mario, abgelegt unter Deutscher-Fussball.

Vorstand vs. Aufsichtsrat – Einträchtliche Machtspiele in der Mainmetropole

Getreu dem Motto: nichts ist, wie es scheint, aber alles so wie es hier zu lesen steht, begann das MAG seine Reise im Winter 2009 durch den großen weiten Blätterwald im portugiesischen Tal der Wölfe – Vale do Lobo – im sonnenverwöhnten Süden der iberischen Halbinsel.

Hier an der Algarve, dem traditionellen Wintertrainingslager der Frankfurter Eintracht, zeigten sich die Hessen bisher in stets unaufgeregter Manier von ihrer besten Seite. Neben den täglichen Leibesübungen der Kicker unter blauem Himmel strahlten die Verantwortlichen Ruhe und Gelassenheit aus. Nicht so im Winter 2009. Und so titelte die Frankfurter Rundschau am 8. Januar völlig überraschend: Dieses Jahr ist alles anders

Ein Jahr vorstellen bitte!? / Foto: forza-tus.de Eigentlich steht Eintracht Frankfurt seit dem Amtsantritt von Vorstands-Chef Heribert Bruchhagen vor fünf Jahren für Ruhe, Gelassenheit und Verschwiegenheit. In diesem Winter rissen die Schlagzeilen jedoch nicht ab. Thema Nummer 1 war der Vertrag von Friedhelm Funkel, der im Sommer ausläuft.

Bisher wurde die Vertragsverlängerung für gewöhnlich im Trainingslager per Handschlag innerhalb weniger Minuten besiegelt. Nach fünf erfolgreichen Jahren des Trainer-Urgesteins haben sich in den Gremien jedoch Stimmungen und Meinungen verändert. Im Vorstandskreisen ist zwar Heribert Bruchhagen federführend und steht nach wie vor auf der Seite Funkels. Im Aufsichtsrat, der Beschlüsse des Vorstandes, die über einen Wert von 500 000 Euro hinausgehen, absegnen muss, hat sich allerdings eine Front gegen Funkel gebildet. Drei Mitglieder sollen sich bereits gegen eine weitere Zusammenarbeit mit Funkel ausgesprochen haben. Herbert Becker, Chef des Gremiums, sieht vor allem die Entwicklung um seinen Liebling Caio sehr kritisch. Aber auch die Entwicklung der Mannschaft bzw. die zum Teil unattraktive Spielweise geben immer wieder Anlass zur Diskussion. Dennoch zeigte sich Bruchhagen zuversichtlich, versprach einen in Kürze zu verkündenden einstimmigen Vorstandsbeschluss in der Trainerfrage. Funkel sei schließlich die Lokomotive der Eintracht. “Die Frage ist nicht, ob wir mit ihm verlängern wollen. Die Frage müsste lauten: Will Funkel bei uns verlängern?” Für Spannung war also gesorgt im ansonsten so unaufgeregten und verschwiegenen Riederwald, ähm sorry, Vale do Lobo.

Und so ließ die nächste Schlagzeile nicht lange auf sich warten. Auf Hr-online hieß es Funkel-Verlängerung wackelt, dicht gefolgt von Trainerfrage in Saure-Gurken-Zeit .

Bereits tags darauf wusste die Sonntagsausgabe der FAZ durch Ralf Weitbrecht jedoch Besserung zu verkünden. “Friedhelm Funkel, die Sechste?”
“Der Eintracht Trainer steht vor einer Verlängerung seines Vertrags – trotz einiger Vorbehalte im Verein”. Weiterhin schrieb Weitbrecht: “Hielt sich Bruchhagen in den vergangenen Wochen in der Trainerfrage zumeist bedeckt, so gab es am Samstag erste Hinweise, dass die Eintracht wohl auch eine sechste Saison mit Funkel bestreiten wird. “Warten wir mal ab”, sagte Bruchhagen lächelnd, “bis zum Ende des Trainingslagers sind es ja noch ein paar Tage. Erst am Ende der Schlacht werden die Toten gezählt.”

Das Fachmagazin Kicker wusste am 12.01.09 gar Grauenvolles zu berichten und stellte die Frage: Erklärt Funkel am Dienstag seine Mission für beendet?. Noch am gleichen Tag ließ die Frankfurter Rundschau dann durch ihren Eintracht-Kenner Ingo Durstewitz in ihrer Online-Ausgabe verlauten, dass die Trainerfrage zu einem Zeitspiel gereift sei. Aufsichtsrat-Chef Herbert Becker, der zuweilen recht nervig auf die Trainerfrage reagierte, gilt in Fachkreisen als Funkelkritiker. Durstewitz, der mit ins Trainingslager gereist war und alle handelnden Personen der Eintracht kennt, berichtete von Uneinigkeit im neunköpfigen Gremium, dessen Hauptausschuss, bestehend aus den Räten Herbert Becker, Peter Fischer, Reinhard Gödel und Bernd Ehinger, unterschiedlicher Meinung sei. Einen Nebenkriegsschauplatz eröffnete Durstewitz dann mit seiner Aussage, der Aufsichtsrat habe bisher erst zwei mal einen Vorstandsbeschluss nicht abgesegnet. Dies seien die Vertragsverlängerungen Huggels und Rehmers gewesen.

Das hatte scharfe Proteste zur Folge, die in Fan-Kreisen in wahre Diskussionschlachten ausuferten. Was weiß der Durstewitz schon, was wir nicht schon lange wissen? Schließlich war auf Welt-Online zu lesen, dass “der Vorstand über die Trainerfrage ganz allein entscheidet. Der Aufsichtsrat hat zwar das Recht, den Vorstandsbeschluss abzulehnen. Von diesem Recht hat er aber fünf Jahre lang bei keiner einzigen Entscheidung Gebrauch gemacht. Es ist schwer vorstellbar, dass er dem Vorstand in so einer elementaren Frage nicht folgt.”

Im offiziellen Eintracht-Frankfurt Fan-Forum geisterte angesichts der eklatanten Widersprüche ein sogenannter Aufklärungsversuch umher, der die Ungereimtheiten aufgedeckt zu haben schien. Wer als Fan was auf sich hielt, las im kid-klappergass.blogspot, denn nur hier würde man die Wahrheit erfahren. Huggel sei schließlich ein Jahr vor Vertragsende für 400 000 € veräußert worden, weshalb ein Aufsichtsrats-Veto gar nicht vonnöten gewesen wäre. Nun, wie sich unlängst herausstellen sollte, erwies sich diese Aussage als falsche Wahrheit. Tatsache ist, dass Benjamin Huggels Vertragsverlängerung üblicherweise lange vor der Beendigung des Kontraktes verhandelt und demzufolge in der Tat vom Aufsichtsrat abgelehnt wurde. Die Ablösesumme war also eine Folge des Aufsichtsrats-Vetos. Genauso verhielt es sich im Falle Rehmers, dessen Vertragsverlängerung das Gremium ebenfalls ablehnte. Durstewitz, der Herbert Becker mehr als 20 Jahre persönlich kennt, bestätigte dies inzwischen telefonisch.

Auf Heribert Bruchhagen warf die Angelegenheit mittlerweile ein ungewollt düsteres Licht, zumal immer wieder neue Zitate des Machers auftauchten, die unterschiedlicher kaum sein konnten. In der FAZ sprach Bruchhagen zunächst von 90 durchgewunkenen Vorstandsbeschlüssen, während er auf Spiegel-Online flugs um Zehn auf 100 Beschlüsse erhöhte. Gut, dass nur wenige Tage später ein einstimmiger Vorstandsbeschluss vermeldet werden konnte, den der Aufsichtsrat wohl nicht ablehnen wird, so zumindest die Auffassung des großen weiten Blätterwaldes. Denn allerorten stand zu lesen, dass die Vertragsverlängerung mit Friedhelm Funkel unter Dach und Fach sei. Die bevorstehende Aufsichtsratssitzung, in welcher abschließend darüber befunden werden muss, hat Heribert Bruchhagen mit seinen kessen Ankündigungen längst aus den Köpfen der schreibenden Zunft herausgeschlagen. Ein Possenspiel in der Mainmetropole, das der mächtige Boss wohl gewinnen wird. Dennoch bleibt die Frage, ob Bruchhagen sein hohes Ansehen angesichts solcher Machtdemonstrationen noch lange wird bewahren können. Allein seiner Vorgehensweise hat es Eintracht Frankfurt zu verdanken, im Winter 2009 nicht wie gewohnt, unaufgeregt, verschwiegen und gelassen daher zu kommen. Fast wäre die T-Frage zur Zerreißprobe der Führungsebene ausgeartet. Es bleibt zu hoffen, dass der Aufsichtsrat seine ansonsten untadeligen Führungsqualitäten zu schätzen weiß und seine Verdienste um die Eintracht in die Waagschale wirft, wenn es am 6. Februar ans Eingemachte geht.

Nun, wir vom MAG versprechen auch weiterhin zwar nicht auf Augenhöhe, ganz sicher aber unaufgeregt und gelassen einen Blick in die Mainmetropole zu werfen, getreu dem Motto:

Nichts ist, wie es scheint, aber alles so wie es hier zu lesen steht.


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  1. Super Bericht!


    — Jan    Jan 31, 14:09    #
  2. Hallo Mario,

    nur zur Klarstellung: Wer bei mir im Blog liest, muss nichts “auf sich halten” und den von dir genannten Anspruch (“denn nur hier würde man die Wahrheit erfahren.”) erhebe ich mir für mich und meinen Blog nicht. Mir geht es um Widersprüche, die ich manchmal ebenso werte, wie du es hier tust. Nebenbei: Den Hinweis auf Huggels damals noch laufenden Vertrag findest du zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Artikels von Durstewitz auch im Forum auf eintracht.de.

    Wenn Ingo Durstewitz dir gegenüber bestätigt hat, dass Becker ihm von diesen beiden angeblichen Aufsichtsratbeschlüssen erzählt hat, deckt sich das mit meiner Vermutung, wer die Quelle Durtsewitz´ bei seinem Artikel war.

    In diesem Fall stünde die Aussage des Aufsichtsratvorsitzenden gegen die des Vorstandsvorsitzenden, der – wie in meinem Blogeintrag erwähnt – behauptet, dass bisher keine seiner Vorlagen vom Aufsichtsrat abgelehnt worden sei (sid, 13.1.2009). Einem der beiden Herren – Becker oder Bruchhagen – muss dann die Erinnerung wohl einen Streich spielen, nicht wahr?

    Beckers Aussage steht übrigens auch im Fall von Rehmer Bruchhagens entsprechender Behauptung und dem von mir ebenfalls im Blogeintrag genannten Zitat Funkels (FNP, 19.5.2007) entgegen, der von den Argumenten des Vorstandes hinsichtlich Rehmers Veretzungsanfälligkeit spricht.

    Eines noch:
    “Die Ablösesumme war also eine Folge des Aufsichtsrats-Vetos.” Diesen Satz von dir verstehe ich nicht. Huggels Ablösesumme war doch unzweifelhaft eine Folge von Huggels noch ein Jahr laufenden Vertrags. Eines Vertrags, aus dem Huggel entlassen werde wollte, “weil er sich in Frankfurt” – laut Ingo Durstewitz in der FR vom 26.6.2007 – “nur wenige Chancen auf einen Stammplatz ausrechnete”.

    Einträchtlicher Gruß
    Kid


    Kid Klappergass    Jan 31, 15:52    #

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