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Superbowl XLIII - Der Kampf um die Vince-Lombardy-Trophy

1. Februar 2009, 17:37 geschrieben von BVB-Benny.

Die NFL-Saison findet heute Nacht beim 43. Superbowl ihren Höhepunkt. Zu diesem spannenden Spiel herrscht wie jedes Jahr der Ausnahmezustand in den USA.

Das Ereignis

Es ist das größte Einzel-Sportereignis der Welt. Rund 100 Millionen Zuschauer allein in den USA werden an den Bildschirmen sitzen. Auch in Europa schlagen sich einige Millionen für dieses Spiel die Nacht um die Ohren. Für die Amerikaner selbst kein Problem: Die meisten Berufstätigen haben traditionell am Montag nach dem Superbowl einen freien Tag. Nur Ärzte, Feuerwehrmänner etc. müssen natürlich arbeiten. Letztes Jahr wurde in den Zeitungen darum gebeten, den Toilettengang möglichst nicht in die Halbzeitpause zu verlegen, da ansonsten die Abwasserversorgung unter der Überlastung zusammenbrechen könne. Auch die Lebensmittel-Industrie freut sich: Bei den privaten Superbowl-Parties werden jedes Jahr Unmengen an Chips, Pommes, Burgern und Popcorn verzehrt. Ein Highlight auch die Halbzeit-Show, zu der jedes Jahr das Beste, was die Musikszene zu bieten hat, für Unterhaltung sorgt. Einge Nicht-Footballfans verfolgen den Superbowl allein wegen dieser Show.

Seit ein paar Jahren kommen nun auch deutsche Fans in den Genuss des Superbowls im Free-TV. In diesem Jahr überträgt die ARD nicht nur live aus Tampa, sondern zeigte auch schon eines der Conference-Finals komplett und das zweite in einer Zusammenfassung. Trotz der komplexen und komplizierten Regeln und Taktiken des Spiels scheint sich American Football also auch in Deutschland durchaus Beliebtheit zu erfreuen. Das dürfte vor allem an den zuletzt spannenden und packenden Spielen gelegen haben.

Die Rahmenbedingungen

Der 43. Superbowl wird im Raymund James Stadium in Tampa, Florida ausgetragen. Das Stadion hat mit einem Piratenschiff eine besondere Konstruktion in die Tribüne eingebaut, was dem Namen des Teams, welches hier zu Hause ist, den Tampa Bay Buccaneers – zu deutsch: Seeräuber – geschuldet ist. 72.500 Zuschauer passen hinein, und genauso viele werden heute Nacht natürlich dort auch Platz nehmen. Dafür haben sie auch saftige Preise gezahlt: Tickets kosten zwischen 500 und 1.000 Dollar. Vorausgesetzt, man musste sie nicht auf dem Schwarzmarkt kaufen. Dort dürften die Preise noch um ein Vielfaches höher liegen.

43 ist die Zahl dieses Superbowl-Sundays. Zum 43. Mal wird der Superbowl ausgetragen, 43 Tonnen wiegt das Piratenschiff im Stadion und 43 Strip-Clubs gibt es in Tampa. So dürfte auch für Unterhaltung nach dem Spiel gesorgt sein. Auch das Wetter in Florida wird voraussichtlich mitspielen. Etwas über 10°C bei bewölkten Himmel sind zu erwarten. Einem tollen Football-Abend steht also nichts im Wege.

Die Teams

Die Cardinals im Superbowl – ein amerikanisches Märchen

Sie galten als Loser und Versager, niemand sah sie auch nur in den Playoffs. Und jetzt stehen sie am heutigen Sonntag, dem 1. Februar 2009 im Superbowl. 52 Jahre nach dem letzten Titel haben sie die Möglichkeit, die Vince-Lombardy-Trophy zu gewinnen.

Kaum jemand verkörpert die Geschichte der Arizona Cardinals wohl so gut wie ihr Quarterback Kurt Warner. Zwar hat der 37-jährige immerhin schon drei Finalteilnahmen auf dem Buckel, trotzdem war seine Karriere auch von vielen Talfahrten gezeichnet.

Zu Beginn reichte das Gehalt, das er erhielt, nicht einmal zum Leben und er musste nebenbei in einem Supermarkt arbeiten. 1998 schien er in der NFL gescheitert, musste nach Europa zu den Amsterdam Admirals wechseln. Ein Jahr später ging er zurück in die USA, zu den St. Louis Rams – als dritter Quarterback. Wieder ein Jahr später hatte Warner endlich mal Glück, profitierte von der Verletzung von Stamm-Quarterback Trent Green und führte die Rams erst in den Superbowl und dort dann zum Sieg. Nachdem er auch 2001 im Finale stand, dort aber eine Niederlage kassierte, folgte wieder ein Tal, gekennzeichnet von Verletzungen und anschließenden Formkrisen. Nach einer katastrophalen Saison bei den New York Giants wechselte er zu den erfolglosen Arizona Cardinals.

Und jetzt steht er wieder im Superbowl. Mit den Cardinals, die keiner der Experten auf der Rechnung hatte. Nach der Regular Season waren sie noch belächelt worden, weil sie sich in einer vergleichsweise leichten Division mit 9-7 Siegen für die Playoffs qualifiziert hatten. Den Sprung bis ins Finale traute man ihnen nach wie vor nicht zu. Doch in den Playoffs überzeugten die Cardinals mit der zweitbesten Pass-Offense, gutem Laufspiel und einer verbesserten Defense, die aber noch immer Schwachpunkt des Teams ist. Zwar gelang es zuletzt bemerkenswert gut, dem Gegner den Ball abzunehmen, aber man gewährte ihnen weiterhin viel zu viele Yards Raumgewinn. Trotzdem kann der amerikanische Traum für Kurt Warner und seine Cardinals heute Abend wahr werden. Dann hätte er wieder einen Gipfel seiner Karriere erreicht. Vielleicht den letzten …

Die Pittsburgh Steelers – eine Defense aus Stahl

21 Touchdowns gelangen den Gegnern der Steelers in der Regular Season. 31 weniger als den Gegnern der Arizona Cardinals. Knallharte Jungs stehen da in der Defense-Line beim Team aus der Stahlstadt Pittsburgh. Aber so stark die Defense auch ist, in der Offense muss man nicht vor ihnen zittern. Die Steelers sind ganz klar ein Lauf-Team, aber selbst die Spezialität funktionierte zuletzt nicht so gut. Nach seiner Verletzung ist Running Back Willie Parker noch nicht wieder der Alte und blieb mit durchschnittlich 3,7 Yards pro Run unter seinen Möglichkeiten. Diese reichen jedoch theoretisch immer für ein First Down, sodass Pittsburgh nur im Notfall, soll heißen bei einem hohen Rückstand, auf Pass-Offense umsteigt. Und das, obwohl man mit Ben Roethlisberger einen durchaus sehr guten Quarterback in den eigenen Reihen hat, der aufgrund seiner Physis schwer zu sacken ist und so seinen Receivern immer wieder viel Zeit zum Laufen geben kann.

Dass Offense Coordinator Bruce Arians das nur selten nutzt, liegt vielleicht daran, dass Roethlisberger in dieser Saison keine herausragenden Statistiken vorweisen kann. 17 Touchdownpässe sind zu wenig, 15 Interceptions deutlich zu viel. So geht man lieber den zwar konservativen und für Zuschauer eher unattraktiven, dafür aber sichereren Weg des Laufspiels. Bisher hat das auch ganz gut funktioniert, schließlich steht man im Superbowl, zum siebenten Mal übrigens. Gewonnen hat man zuletzt 2006. Damals hieß der Gegner Seattle Seahawks und man hatte relativ wenig Mühe. Ob das heute trotz guter Vorzeichen genauso ausschaut, bleibt abzuwarten.

Pittsburgh ist Favorit – aber nur auf dem Papier

Klar, über die letzten Jahren gesehen waren die Steelers die bessere von beiden Mannschaften. Auch haben sie mit sieben Superbowl-Teilnahmen mehr Erfahrung, was in so einer Drucksituation immer von Vorteil ist. Trotzdem hat die Mannschaft in dieser Saison deutliche Schwächen und ist alles andere als unbesiegbar. Die Arizona Cardinals konnten sich in den Playoffs immer weiter steigern. Zuletzt gegen die Philadelphia Eagles zeigte man auch starke Nerven, als man erst eine deutliche Halbzeit-Führung verspielte, mit einem Punkt hinten lag und am Ende doch noch gewann. Dieser Sieg könnte noch einmal beflügelt und zusätzliches Selbstvertrauen geschaffen haben.

Es ist wie so oft im Superbowl ein Spiel der starken Offense gegen die starke Defense. Die Mannschaft mit der besseren Verteidigung hat dabei zumeist nicht die schlechtesten Chancen, was eher für die Steelers sprechen würde. Jedoch die Sympathien der im Grunde genommen für dieses Spiel neutralen Fans dürften eher auf Seiten des Teams aus Glendale liegen. Es wäre einfach eine typisch amerikanische Geschichte, wenn die einstigen Versager es plötzlich nach ganz oben schaffen würden. Auch hatten die Außenseiter in den letzten Jahren nicht selten das bessere Ende für sich, so zum Beispiel die New York Giants vor einem Jahr. So ist es, wie eigentlich jedes Jahr, sehr schwierig, eine Prognose für den Ausgang des Spiels zu treffen. Freuen wir uns einfach auf ein attraktives und spannendes Spiel, in dem die bessere Mannschaft gewinnen wird.


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