[Formel 1 2009] Das neue Gesicht der Königsklasse
20. März 2009, 19:16 geschrieben von Roxeus.
Sepp Blatter beschließt zur kommenden Fußball-Saison die Einführung fliegender Wechsel, sowie die Reduzierung auf neun Feldspieler. Undenkbar für den Fußball-Fan – in der Formel 1 aber gang und gäbe. Jedes Jahr wird versucht durch Einschränkungen die Sicherheit zu erhöhen, die Kosten zu senken und die Zahl der Überholmanöver zu steigern.
Neue Formel für den Weltmeister
Als Lewis Hamilton vergangene Saison den Weltmeisterthron bestieg, brachte er damit unweigerlich eine Diskussion ins Rollen: Sein Gegner Felipe Massa hatte einen Sieg mehr auf dem Konto und fühlte sich als der verdientere Weltmeister. Formel-1-Diktator Ecclestone haute mit seinem Vorschlag eines Medaillen-Systems (ähnlich dem Medaillen-Spiegel bei Olympia), das sicherstellen sollte, dass etwas ähnliches nicht mehr passiert, in die gleiche Kerbe. Wirklich nachvollziehbar war das nicht, schließlich war Hamilton nicht der erste Rennfahrer, der mit weniger Siegen den Titel holen konnte.
Aber so ist die Formel 1. Hier haben die Regeln selten länger Bestand als ein Weltrekord im Schwimmen. Und die wichtigste Änderung betrifft eben die WM-Entscheidung. Die Medaillen-Regelung ist zwar vom Tisch, aber dennoch wird in der kommenden Saison der siegreichste Fahrer Weltmeister. Bei gleicher Anzahl von Siegen entscheiden die gewohnten Punkte. An der Punktevergabe für den Konstrukteurs-Titel und die übrigen Plätze in der Fahrerwertung ändert sich nichts.
Im Beispiel ergibt sich das so: Hamilton und Massa haben vor dem letzten Rennen jeweils fünf Siege auf dem Konto. Der Gewinner des letzten Grand Prix darf sich Weltmeister nennen, auch dann wenn er in den übrigen elf Rennen ausgeschieden, und nach Punkten unterlegen ist. Erzielt keiner der beiden den K.O., dann entscheiden die Punkte.
Was bedeutet das? Die Absicht dahinter ist Siege reizvoller zu machen. Vorsichtige Fahrer, die den zweiten Platz nicht mehr riskieren wollen, um den Erfolg zu erringen, müssen jetzt mehr Risiko eingehen. Nebenwirkungen? – Ja. Die Stallorder ist sicherlich ein Thema. Wenn nur der Sieg zählt, wird es etwa aus Ferrari-Sicht keinen Sinn machen Doppelsiege Raikkonen-Massa und Massa-Raikkonen einzufahren. Und auch wenn die einzelnen Rennen interessanter werden sollten, besteht die Gefahr, dass die WM früh entschieden ist, wenn sich ein Pilot mit drei oder vier Siegen absetzt.
Update: Am Freitagabend gab die FIA schließlich dem Gegenwind der Teams nach. Die neue Weltmeisterregel tritt damit vorerst nicht in Kraft. Wenn die Formel-1-Teams dem neuen System, aus welchem Grund auch immer, nicht zustimmen, wird seine Umsetzung bis 2010 aufgeschoben, heißt es auf der FIA-Website.
Weitere wichtige Änderungen
- Wiedereinführung von Slicks und Restriktionen der Aerodynamik. Die Boliden sollen jetzt mit breiteren Frontflügeln und höher montierten Heckflügeln versehen werden. Weniger Luftverwirbelungen als bisher und mehr Grip durch die rillenlosen Reifen sollen in der Theorie für mehr Überholmanöver sorgen. Bei den Experten herrscht allerdings Uneinigkeit in der Frage.
- Motoren müssen jetzt für drei statt wie bisher für zwei Rennen halten.
- Weitere Kosteneinsparungen betreffen insbesondere Testeinschränkungen. Die Testfahrten während der Saison wurden komplett abgeschafft.
- In der Safety-Car-Phase darf wieder getankt werden. Dabei müssen die Piloten jetzt aber auf eine Mindestzeit achten, die sie in Ihrer Inlap nicht unterschreiten dürfen. Seit 2007 war die Boxengasse in den ersten Minuten einer jeden Safety-Car-Phase geschlossen.
- Einführung des Energie-Rückgewinnungssystems KERS – einer der interessantesten technischen Innovationen der vergangenen Saisons. Hierbei handelt es sich ein Hybridsystem, bei dem ein 60 kW leistender Elektromotor (gespeist durch gespeicherte Bremsenergie) für wenige Sekunden pro Runde zugeschaltet werden kann; also so etwas wie ein “Boost”. Nachteile sind hier das zusätzliche Gewicht des Systems, sowie technische Unausgereiftheiten.
Rennkalender:
| 29. März | Grand Prix von Australien |
| 5. April | Grand Prix von Malaysia |
| 19. April | Grand Prix von China |
| 26. April | Grand Prix von Bahrain |
| 10. Mai | Grand Prix von Spanien |
| 24. Mai | Grand Prix von Monaco |
| 7. Juni | Grand Prix der Türkei |
| 21. Juni | Grand Prix von Großbritannien |
| 12. Juli | Grand Prix von Deutschland |
| 26. Juli | Grand Prix von Ungarn |
| 23. August | Grand Prix von Europa |
| 30. August | Grand Prix von Belgien |
| 13. September | Grand Prix von Italien |
| 27. September | Grand Prix von Singapur |
| 4. Oktober | Grand Prix von Japan |
| 18. Oktober | Grand Prix von Brasilien |
| 1. November | Grand Prix von Abu Dhabi |
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