[Champions League 08/09] 4:4 - Rot-Blaues Spektakel geht für Chelsea gut aus
15. April 2009, 14:59 geschrieben von Elbefohlen, abgelegt unter Int-Fussball.
Der FC Chelsea der FC Liverpool lieferten Millionen Fußballfans beim Viertelfinal-Rückspiel an der Stamford Bridge einen unvergesslichen und spektakulären Abend. Am Ende von 90 dramatischen Minuten hieß es 4:4.
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| Chelsea FC | 4:4 (0:2) Hin 3:1 | Liverpool FC |
Nach dem 3:1-Auswärtserfolg aus dem Hinspiel schien das brisante Duell zwischen den Blues und Reds bereits so gut wie entschieden. Kaum jemand traute dem FC Liverpool ernsthaft zu, das drohende Viertelfinal-Aus beim Rückspiel an der Stamford Bridge doch noch abzuwenden. Doch die Reds reisten mit dem Motto: “Du hast keine Chance – also nutze sie” nach London und verlangten dem FC Chelsea in 90 grandiosen Minuten alles ab. Am Ende einer denkwürdigen Partie stand es 4:4 und die Blues hatten sich ins Halbfinale der Königsklasse gezittert.
Beide Trainer änderten ihre Startformationen im Vergleich zum Hinspiel nur geringfügig. Hiddink nahm gezwungenermaßen einen Wechsel vor, für den Gelb-gesperrten Terry rückte der Portugiese Carvalho in die Viererkette. Auch Rafa Benítez musste auf seinen Kapitän verzichten. Für den angeschlagenen Gerrard lief der Argentinier Mascherano auf, desweiteren spielte der Israeli Benayoun für den Spanier Riera.
Die Phase des Beschnupperns dauerte etwas mehr als zehn Minuten, dann nahm das Spiel Fahrt auf. Fernando Torres verzog nach Klasse Vorarbeit von Benayoun nur knapp, auf der anderen Seite setzte Lampard einen Freistoß Zentimeter am linken Pfosten vorbei. Doch danach kam von Chelsea nicht mehr viel. Die Hiddink-Elf verlor völlig den Spielfaden, ließ es an Einsatz vermissen und baute den Konkurrenten somit auf. Insbesondere das Dreier-Mittelfeld mit Lampard, Ballack und Essien stand neben sich. Liverpool ließ sich nicht lange bitten, suchte den Weg nach vorn und wurde alsbald belohnt. Fabio Aurelio legte sich im rechten Halbfeld den Ball zurecht, um einen Freistoß vor das Tor zu schlagen. Bei 35 Metern Torentfernung rechnete alles mit einer hohen Flanke in den Strafraum, doch Aurelio zirkelte den Ball per Aufsetzer mit links maßgenau ins kurze Eck (19.) – der verdutzte Cech im Kasten der Blues konnte nicht mehr eingreifen und war zum ersten Mal geschlagen. Keine zehn Minuten später musste der tschechische Keeper den Ball zum zweiten Mal aus seinem Gehäuse holen. Xabi Alonso hatte ihm bei einem Strafstoß keinerlei Abwehrchance gelassen (28.). Der Spanier war selbst zuvor von Ivanovic im Strafraum geklammert worden, der Elfmeterpfiff von Schiedsrichter Cantalejo berechtigt. Pool war auf dem besten Wege, den Bock doch noch um zustoßen.
Während man auf den Tribünen in den Gesichtern der Chelsea-Anhänger das Entsetzen über den Zwischenstand ablesen konnte, reagierte Hiddink ungehalten. Er versuchte seine Mannschaft mit Gesten wachzurütteln und nahm zudem einen frühen Wechsel vor. Kalou musste runter, Anelka sollte es fortan besser machen. Auch wenn diese Maßnahme ein bisschen mehr Ordnung in das Spiel der Hausherren brachte, Liverpool blieb das tonangebende Team. Kurz vor der Pause verhinderte Cech, bei dem Licht und Schatten wechselten, mit einer Glanzparade das 0:3 – er kratzte einen Kopfball von Kuyt von der Linie.
Auch nach der Pause änderte sich an den Kräfteverhältnissen zunächst einmal nichts. Dann kam Chelsea zum Anschlusstreffer wie die Jungfrau zum Kinde. Anelka hatte auf dem rechten Flügel zunächst Benayoun abgeschüttelt und dann auch Fabio Aurelio stehen gelassen. Praktisch von der Eckfahne schlug er eine scharfe, flache Hereingabe in die Mitte. Drogba rutschte hinein und gab dem Ball eine leichte Richtungsänderung, der überraschte Reina im Tor der Gäste machte eine unglückliche Figur und beförderte das Leder über die Linie (51.). Dieser Treffer war das Hallo-wach für die Blues, die nun jegliche Lethargie ablegten und auf den Ausgleich drängten. Der blieb Drogba bei einem Freistoß aus 20 Metern versagt, nur knapp strich der Schuss am rechten Pfosten vorbei. Nur 60 Sekunden später machte es sein brasilianischer Mannschaftskollege Alex aus ähnlicher Position besser. Der Innenverteidiger hämmerte den Ball aus 25 Metern unhaltbar für Reina mit dem rechten Außenrist zum 2:2 unter die Latte (57.). Jetzt jubelte der Großteil der 35.000 Zuschauer und die mitgereisten Liverpool-Fans knabberten nervös an den Fingernnägeln.
Und ihre Hoffnungen sanken in der 76. Minute auf den Nullpunkt. Ersatz-Kapitän Lampard traf für Chelsea nach wunderschöner Vorarbeit von Ballack und Drogba zum 3:2. Hauptverantwortlich für den Gegentreffer aus Sicht der Reds waren Fabio Aurelio und Xabi Alonso. Alonso hatte den Ball in der Vorwärtsbewegung verloren, Aurelio dann zunächst beim Pass von Ballack auf Drogba das Abseits aufgehoben und dann Lampard im Strafraum frei laufen lassen. Eine knappe Viertelstunde vor Abpfiff schien das Spiel entschieden, zu souverän trat Chelsea auf, drei Treffer für Liverpool wirkten utopisch.
Doch die Achterbahnfahrt ging weiter. Liverpool legte eine tolle Moral den Tag und kam wider Erwarten noch mal zurück. Lucas hielt aus 22 Metern einfach mal drauf, Essien fälschte den Schluss unhaltbar für Cech ab – 3:3 (81.). Ergebniskosmetik, dachte man. Doch nur eine Minute später zappelte der Ball erneut im Netz. Der eingewechselte Riera setzte sich auf links gegen Ivanovic im Zweikampf durch und flankte von der Grundlinie in die Mitte. Kuyt stieg an der Fünfmeterlinie am höchsten und köpfte zur erneuten Führung für die Reds ein (82.). Der Wahnsinn, Pool war wieder da und Chelsea musste erneut Zittern. Noch ein Treffer für die Gäste und das Aus wäre besiegelt. Jetzt schlug die Fangemeinde der Blues wieder voller Anspannung die Hände vors Gesicht. Die Erlösung kam in der 89. Minute, als Lampard nach einem Zuspiel von Anelka, der wiederum Fabio Aurelio entwischt war, aus circa 14 Metern zum Schuss kam. Der Ball klatschte an den linken Pfosten, sprang danach an den rechten und fand dann den Weg in die Maschen. Ein verrücktes Tor, das den Endstand in diesem irren und begeisternden Spiel bedeutete.
So unterschiedlich die Emotionen während des Auf und Ab in den äußerst fairen 90 Minuten auch waren, nach dem Abpfiff stellte der gegenseitige Respekt alle anderen Gefühle in den Schatten. Der FC Chelsea zog letztlich aufgrund des starken Auftritts im Hinspiel verdient ins Halbfinale ein. So lebt der Traum vom ersten Titel in der Champions League weiter. Doch um diesen zu realisieren, muss man als nächstes keinen geringeren als den FC Barcelona aus dem Weg räumen …
Statistik
FC Chelsea: Cech – Ivanovic, Alex, Carvalho, Ashley Cole – Essien – Ballack, Lampard – Kalou (36. Anelka), Malouda – Drogba (90. +4 di Santo
FC Liverpool: Reina – Arbeloa (85. Babel), Carragher, Skrtel, Fabio Aurelio – Lucas, Mascherano (69. Riera), Xabi Alonso – Kuyt, Benayoun – Torres (80. Ngog)
Tore: 0:1 Fabio Aurelio (19.), 0:2 Xabi Alonso (28./Foulelfmeter), 1:2 Drogba (51.), 2:2 Alex (57.), 3:2 Lampard (76.), 3:3 Lucas (81.), 3:4 Kuyt (82.), 4:4 Lampard (89.)
Schiedsrichter: Medina Cantalejo (Spanien)
Zuschauer: 35.000 in der Stamford Bridge (London)
Gelbe Karten: Carvalho, Ashley Cole, Ivanovic / Arbeloa, Benayoun
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