Eingeworfen: Bremen und Hamburg vor dem Vierfach-Duell
20. April 2009, 14:04 geschrieben von Elbefohlen, abgelegt unter Deutscher-Fussball.
Auch wenn der VfL Wolfsburg von der Tabellenspitze grüßt und sich unter Felix Magath anschickt, künftig in der Spitzengruppe des deutschen Fußballs ein Wörtchen mitzureden, so sind der Hamburger SV und Werder Bremen den Niedersachsen in puncto Renommee noch ein ganzes Stück voraus – die beiden Traditionsvereine sind die Aushängeschilder in Norddeutschland. 102-mal haben sich die beiden Rivalen bisher gegenübergestanden und dabei so manch heißes und emotionsgeladenes Derby ausgetragen. Die Bilanz spricht knapp für die Elf von der Weser. Bremen gewann 37 Partien, der HSV 32, 33-mal trennte man sich Unentschieden. In den kommenden Tagen meint es der Fußball-Gott nun besonders gut mit den beiden: In drei unterschiedlichen Wettbewerben kommt es zu insgesamt vier Begegnungen – und in allen geht es um viel.
Das erste Aufeinandertreffen findet am kommenden Mittwoch in der HSH-Nordbank-Arena statt und ist beileibe kein Spiel wie jedes andere. Es steht vielmehr unter dem Motto: Wer fährt nach Berlin? Da es sich um das Halbfinale im DFB-Pokal handelt, hat der Sieger das Finale-Ticket sicher. Ein Blick in die Geschichte des Pokals verrät uns, dass Werder Bremen bislang zumeist die Oberhand behielt. Die Bremer konnten sich in den bisherigen fünf Pokalduellen viermal durchsetzen, nur einmal kam der HSV eine Runde weiter. Das war in der Saison 1982/83, als man in der zweiten Runde Heimrecht hatte und mit 3:2 gewann. Werders heutiger Trainer, Thomas Schaaf, hatte die Gäste in Führung gebracht, doch Horst Hrubesch und zwei Mal Lars Bastrup drehten das Match zu Gunsten der Hanseaten. Jonny Ottens später Anschlusstreffer war nur noch Ergebniskosmetik.
1971/72 traf man im Achtelfinale aufeinander. Werder gewann das Hinspiel mit 4:2 und konnte sich im Rückspiel eine 0:1-Niederlage leisten. 1988/89 entschied ein Tor von Karl-Heinz Riedle das Viertelfinale im Hamburger Volksparkstadion für die damals von “König Otto” trainierten Bremer. 1991/92 und 1993/94 kreuzte man im Weserstadion die Klingen. Beide Male triumphierte die Heimelf. Während beim 3:1-Zweitrundenspiel im August 1991 alle vier Tore in der ersten halben Stunde fielen, benötigte Werder im Oktober 1993 eine Kraftanstrengung um das Viertelfinale zu überstehen. Eine gute Viertelstunde vor Schluss führten die Hamburger durch Treffer von Thomas von Heesen und Valdas Ivanauskas mit 2:1, ehe Werders Stürmer dreifach zurückschlugen. Bernd Hobsch, Frank Neubarth und “Kiwi” Wynton Rufer verwandelten das Weserstadion mit ihren Toren in ein Tollhaus.
Nun trifft man sich also im Halbfinale, und ein klarer Favorit lässt sich nicht ausmachen. Die Generalproben verliefen zwar unterschiedlich – der HSV gewann vor heimischer Kulisse gegen Hannover, Bremen kassierte in Berlin kurz vor Schluss den zweiten Gegentreffer und musste eine unglückliche Niederlage einstecken – und die Hanseaten rangieren in der Tabelle deutlich vor dem SV Werder, doch der setzte gerade im DFB-Pokal mit Siegen auf fremden Plätzen deutliche Ausrufezeichen (Dortmund, Wolfsburg). Während die Bremer auf dem Weg in dieses Semifinale nur Auswärtsspiele zu absolvieren hatten, durften die Elbestädter schon dreimal zuhause ran. Dabei wurden der VfL Bochum, 1860 München und der SV Wehen Wiesbaden eliminiert. Bremen dürfte deutlich schwerer zu schlagen sein.
Bereits am 30. April sieht man sich dann im Rahmen des Uefa Cups zum Halbfinal-Hinspiel im Weserstadion wieder, bevor dann eine Woche später am 7. Mai zum Rückspiel in Hamburg gebeten wird. Den Abschluss der norddeutschen Festwochen bildet dann am 10. Mai das Duell in der Bundesliga, wo die Hanseaten sich noch Chancen auf die Meisterschaft ausrechnen. Die Partie des 31. Spieltages findet im Weserstadion statt und Bremen wird natürlich alles versuchen, dem ewigen Rivalen aus der Nachbarstadt die Titelträume zu verbauen. Auch hier spricht die Statistik deutlich für Bremen. Von den 44 Bundesligaspielen im Weserstadion gewannen die Werderaner 20, 15-mal wurden die Punkte geteilt und neunmal konnte der HSV aller drei Zähler mit an die Elbe nehmen.
Wir als neutrale Beobachter freuen uns auf hoffentlich spannende, faire und torreiche Derbys. Das MAG wünscht beiden Teams viel Erfolg.
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