[Premier League 08/09] Liverpool 4, Arshavin 4 - Dramatik pur an der Anfield Road
22. April 2009, 14:46 geschrieben von Elbefohlen, abgelegt unter Int-Fussball.
Das aufgrund der Teilnahme des FC Arsenal am Halbfinale des FA Cups vom Wochenende auf den gestrigen Dienstag verlegte Ligaspiel der Londoner beim FC Liverpool war an Dramatik kaum zu überbieten. Nach dem spektakulären 4:4 gab es dennoch zumeist lange Gesichter…
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| Liverpool FC | 4:4 (0:1) | Arsenal FC |
Genau eine Woche nach dem hochdramatischen 4:4 der Reds beim FC Chelsea und dem damit verbundenen Aus in der Champions League, erlebte der FC Liverpool beim Punktspiel gegen den FC Arsenal ein Déjà-vu wie es im Buche steht. Genau wie am letzten Dienstag an der Stamford Bridge stand auch die Partie in Anfield unter dem Motto: Geben ist seliger denn Nehmen!
Die neuerliche Achterbahnfahrt verzückte zwar den neutralen Beobachter, trieb im Gegenzug aber beide Trainer in die Verzweiflung. Sowohl Rafa Benítez als auch Arsène Wenger mussten mit ansehen, wie ihre Abwehrreihen leichtfertige Ballverluste in Serie produzierten, die dann auch prompt bestraft wurden. Während bei den Gunners das ganze Defensivkonzept einem Torso glich und nur der gut aufgelegte Fabianski mit einigen Glanztaten noch weitere Gegentore verhinderte, brachten haarsträubende individuelle Fehler die Gastgeber um den eigentlich verdienten Sieg.
Denn es war der englische Rekordmeister, der dem Spiel seinen Stempel aufdrückte, wie ein klares Chancenplus und allen Eckenverhältnis von 13 zu 0 verdeutlicht. Auch ohne ihren verletzten Kapitän Gerrard inszenierte Liverpool zahlreiche gefährliche Angriffe gegen einen FC Arsenal, der das Fehlen von Gallas, Clichy, van Persie und Adebayor nicht wirklich kompensieren konnte. Dass mit Almunia auch der eigentliche Stammtorwart verletzungsbedingt nicht mitwirken konnte, machte sich dagegen nicht negativ bemerkbar.
Nachdem Liverpool das Spielgeschehen bis dahin dominierte, brachte Arshavin seine Farben in der 36. Minute wie aus dem Nichts in Führung. Mascherano hatte am eigenen Strafraum leichtfertig den Ball gegen Fabregas verloren. Nasri übernahm und steckte auf Fabregas durch. Der Spanier lief bis zur Grundlinie und legte von dort perfekt auf den in der Mitte freistehend positionierten Arshavin zurück. Der Russe hatte keine Mühe, zum 0:1-Pausenrückstand einzunetzen.
Die Reds kamen mit Wut im Bauch aus der Kabine und setzten nahtlos ihren Sturmlauf fort. Es dauerte nicht lange, bis die Bemühungen endlich den verdienten Lohn fanden. Torres drückte eine Flanke von Kuyt per Kopf zum Ausgleich in die Maschen (49.). Wenig später war Kuyt der erneute Vorbereiter für Benayouns Treffer zum 2:1. Der Niederländer fing ein Zuspiel von Gibbs ab und fand mit seiner Flanke von der rechten Seite Benayoun am langen Pfosten. Fabianski erwischte den Kopfball des Israelis erst hinter der Linie – die Partie war gedreht (56.).
Doch auch mit der Führung im Rücken fand die Liverpooler Abwehr nicht zu der gewohnten Sicherheit. Die nächsten Bock fabrizierte Arbeloa, der bei einem befreienden Kopfball von Carragher diesem nicht richtig entgegenging. Arshavin spritzte gedankenschnell dazwischen, lief ein paar Schritte Richtung Strafraum und zog dann aus circa 16 Metern ab – rumms, der Ball schlug unhaltbar für Reina genau neben dem rechten Pfosten zum 2:2-Ausgleich ein. Und es kam noch besser für den Russen, der erst im Januar für 20 Millionen Euro aus St. Petersburg zu den Gunners gewechselt war. Diesmal spielte ihm Fabio Aurelio beim Versuch den Ball aus dem Strafraum zu schlagen das Leder genau vor die Füße. Arshavin sagte artig Danke und brachte Arsenal mit seinem dritten Treffer erneut in Führung (70.). Die Effizienz der Wenger-Elf bis zu diesem Zeitpunkt war beeindruckend: Drei kapitale Fehler der Liverpooler Hintermannschaft wurden konsequent zu drei eigenen Toren genutzt. Sollte der FC Arsenal, der in den verbleibenden Saisonspielen noch auf Manchester United und den FC Chelsea trifft, hier zum ersten Mal Zünglein an der Waage spielen und den FC Liverpool praktisch aus dem Titelrennen schießen?
Doch noch war Liverpool nicht geschlagen. Nur zwei Minuten nachdem Arshavin die ansonsten so stimmgewaltige Anfield Road zum Schweigen gebracht hatte, schlugen die Reds in Person von Torres zurück. El Niño nahm nach einem Zuspiel seines Landsmannes Riera den Ball mit dem Rücken zum Tor auf Höhe der Sechzehnmeterlinie an, drehte sich – unbehelligt von den nur zuschauenden Arsenal-Verteidigern – und überwand den diesmal etwas unglücklich aussehenden Fabianski mit einem Flachschuss ins rechte Eck (72.). Das Stadion war wieder da und trieb die Roten fortan enthusiastisch nach vorn – denn es galt, dieses Spiel unbedingt zu gewinnen.
Als dann aber Fabianski bei einem Schuss von Benayoun auf dem Posten war und Liverpool auf der anderen Seite Glück hatte, dass ein Treffer von Bendtner wegen vermeintlicher Abseitsposition nicht anerkannt wurde, schien die Partie beim Anbrechen der 90. Minute mit 3:3 zu Ende zu gehen. Doch der Schein war trügerisch. Zunächst durfte sich Arsenal nach dem vierten Treffer von Arshavin kurzzeitig als Sieger wähnen. Der russische Wirbelwind schloss einen mustergültigen Konter, den der eingewechselte Walcott direkt im Anschluss an eine Liverpooler Ecke eingeleitet hatte, freistehend zum 3:4 ab. Doch auch dies war noch nicht das letzte Wort dieser hochdramatischen und packenden Partie. Für den Schlusspunkt sorgte Benayoun, der nach einer unübersichtlichen Situation im Strafraum der Gäste frei zum Schuss kam und mit dem Treffer zum 4:4 in der 93. Minute zumindest einen Punkt für den FC Liverpool sicherte.
Ein Punkt ist zwar besser als gar keiner, aber für die Benítez-Schützlinge in ihrer derzeitigen Situation wohl zu wenig. Aufgrund der besseren Tordifferenz eroberte man zumindest für 24 Stunden zwar die Tabellenführung, doch da der amtierende Meister Manchester United zwei Spiele weniger ausgetragen hat, liegen die Trümpfe im Meisterschaftskampf nun eindeutig beim ungeliebten Rivalen aus der Nachbarstadt. Auch Arsenal kann mit dem Ausgang des Spiels nicht zufrieden sein. Obwohl man sich in der Defensive offen wie ein Scheunentor präsentierte, muss die Mannschaft cleverer sein und die Führung über die letzten Minuten bringen. Und so überwog trotz mitreißender 96 Minuten und 8 Sekunden auf beiden Seiten der Frust über die Punkteteilung. Der Mann des Spiels war zweifellos Arshavin. Der Russe zeigte sich im Abschluss eiskalt und nutzte rigoros jede sich bietende Gelegenheit.
Statistik
FC Liverpool: Reina – Arbeloa, Carragher, Agger, Fabio Aurelio – Xabi Alonso, Mascherano – Benayoun, Kuyt (86. El Zhar), Riera (74. Babel) – Fernando Torres – Trainer: Benítez
FC Arsenal: Fabianski – Sagna, Touré, Silvestre, Gibbs – Arshavin, Song, Fabregas, Denilson (65. Walcott), Nasri – Bendtner (90. Diaby) – Trainer: Wenger
Tore: 0:1, 2:2, 2:3 und 3:4 Arshavin (36./67./70./90.), 1:1 und 3:3 Torres (49./72.), 2:1 und 4:4 Benayoun (56./90. +3)
Schiedsrichter: Webb
Zuschauer: 44.424 in Anfield (Liverpool)
Gelbe Karten: – / Sagna
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