[UEFA Cup 2008/09] Bremen verliert in Istanbul
21. Mai 2009, 13:39 geschrieben von Elbefohlen, abgelegt unter Int-Fussball.
Werder Bremen hat den erhofften Coup mit einer schwachen Vorstellung verspielt. Der Bundesligist musste sich in Istanbul Schachtjor Donezk mit 2:1 nach Verlängerung geschlagen geben.
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| Schachtjor Donezk | 2:1 n.V. (1:1, 1:1:) | SV Werder Bremen |
Werder ruft Potenzial nicht ab
Enttäuscht und traurig schlichen die Spieler und Verantwortlichen des SV Werder Bremen aus dem nicht ganz ausverkauften Sükrü Saracoglu Stadion, der Heimstätte von Fenerbahçe, in die Katakomben, während sich Schachtjor Donezk freudetrunken den Fotografen zum Siegerfoto präsentierte. Nein, es war nicht der Abend der Grün-Weißen, die mit so viel Hoffnung hierher nach Istanbul gereist waren. Sie wollten ihre Chance beim Schopf packen, nach 1992 den zweiten europäischen Titel an die Weser holen und als letzter Sieger des UEFA Cups vor der Reform in die Geschichte eingehen. Doch sie hatten die Rechnung ohne den Gegner gemacht und blieben selber vieles schuldig.
Schon nach wenigen Minuten wurde deutlich, dass die Ukrainer den Bremern in puncto Spielanlage an diesem Abend klar überlegen waren. Schachtjor, erstmals mit seinen fünf brasilianischen Legionären in der Startformation, wirbelte die Bremer mit präzisen Kombinationen und Seitenwechseln gehörig durcheinander – auch wenn sich die Schaaf-Elf später phasenweise ganz gut aus der Affäre zog und den Gegner vom eigenen Tor fern hielt. Im Spiel nach vorn lief bei Werder wenig zusammen. Wie Schaaf und Allofs in der Nachbetrachtung unisono feststellten, blieben einige Spieler hinter den Erwartungen zurück. Zudem wurde der Kräfteverschleiß bei den Norddeutschen in ihrem 52. Saisonspiel spürbar. Je weiter sich die Uhr drehte, desto müder wurden die Beine. Und dazu bewahrheitete sich die Befürchtung, dass die Ausfälle von Diego und Mertesacker ein deutliches Handikap sein würden. Der brasilianische Regisseur fehlte an allen Ecken und Enden, seine Kreativität, seine Pässe auf die Stürmer und seine Torgefahr wurden schmerzlich vermisst.
Kämpferisch kann man den Hanseaten keinerlei Vorwürfe machen. Selbst in den letzten zehn Minuten der Verlängerung versuchten sie alles, um noch zum Ausgleich zu kommen. Leider schienen sie das Glück der späten Tore in den Spielen zuvor überstrapaziert zu haben, denn es gab sie, die Chancen. Doch Tziolis, dessen Flachschuss haarscharf am rechten Pfosten vorbeistrich, und Pizarro, dessen Treffer wegen eines Foulspiels die Anerkennung verwehrt blieb, wurden nicht belohnt.
Schachtjor jubelt zu Recht
Hochklassig war es nicht, dieses Finale. Aber es hatte mit den Ukrainern einen verdienten Sieger, da die Mannschaft von Mircea Lucescu zumeist optisch überlegen war und auch ein Plus an besseren Einschussmöglichkeiten hat. Angetrieben wurde die Elf von ihrem Kapitän Srna, ihrem Spielgestalter Jadson und den beiden quirligen Außenstürmern, Willian und Ilsinho.
Für Torgefahr sorgte auch der im 4-2-3-1-System in vorderster Front agierende Luiz Adriano. Der Stürmer vergab bereits in der sechsten Minute die Großchance zur Führung, als sein Schuss knapp am linken Pfosten vorbeiging. In der 25. Minute machte er es dann besser. Nachdem Fritz sich bei einem von Rat aus der eigenen Hälfte nach vorn gespielten Ball verschätzt hatte, war der Stürmer zur Stelle, schüttelte Naldo ab und überwand Wiese mit einem schönen Lupfer (25.). Danach durfte sich Bremen zunächst bei seinem Keeper bedanken, dass es bei dem einen Gegentreffer blieb. Wiese parierte glänzend gegen Willian, Lewandowski und Ilsinho. Dass es mit einem Unentschieden in die Halbzeit ging, lag an einem Fehler von Schachtjor-Torhüter Pyatov. Der Schlussmann beförderte mit einer verunglückten Faustabwehr einen 30 Meter-Freistoß von Naldo ins eigene Tor (35.).
Im zweiten Durchgang stand dann erst einmal wieder Wiese im Mittelpunkt. Er entschärfte mit zwei glänzenden Paraden direkt getretene Freistöße von Srna (49.) und Jadson (51.). Doch danach nahm sich die Partie eine Auszeit, beide Teams schalteten einen Gang zurück und waren vornehmlich darauf bedacht, sich keinen weiteren Gegentreffer einzufangen. Die Verlängerung wurde nötig.
Schachtjors Aktivposten entscheiden die Partie
Die Entscheidung zu Gunsten der Ukrainer, die konditionell voll auf der Höhe waren, fiel in der 97. Minute. Wieder einmal fand ein maßgeschneiderter Seitenwechsel den am rechten Flügel lauernden Srna. Der Kroate nahm den Ball mit der Brust mit, lief ein paar Schritte Richtung Grundlinie und legte dann quer in die Mitte. Auch hier ließ die Bremer Deckungsarbeit zu wünschen übrig, Jadson konnte unbedrängt aus elf Metern abziehen und überwand Wiese mit einem Flachschuss. Hier machte der Bremer Keeper eine unglückliche Figur. Er kam zwar am Boden noch an den Ball, konnte ihn aber nicht mehr um den Pfosten lenken.
Das war’s für die Bremer, die trotz aller Bemühungen den Bock nicht mehr umstoßen konnten und am Ende mit leeren Händen dastanden. “Es tut weh, aber es geht weiter.” brachte ein gefasster, aber auch enttäuschter Thomas Schaaf seine Gefühlslage kurz und knapp auf den Punkt. Für den Trainer wird es nun darauf ankommen, seine Mannschaft wieder aufzurichten. Denn bereits am Samstag können die Werderaner in der Meisterschaft zum Zünglein an der Waage werden, ehe eine Woche darauf das Pokalfinale in Berlin ansteht – und dort hat man dann die allerletzte Möglichkeit, die verkorkste Saison doch noch mit einem Titel halbwegs zu retten.
Unser Glückwunsch geht derweil an Schachtjor, das zu Recht feiern darf und in der Heimat sicherlich überschwänglich empfangen werden wird.
Statistik
Schachtjor Donezk: Pyatov – Srna, Kucher, Chygrynskyy, Rat – - Fernandinho Lewandowski – Ilsinho (100. Gai), Jadson (112. Duljaj), Willian – Luiz Adriano (90. Gladkyy) – Trainer: Lucescu
Werder Bremen: Wiese – C. Fritz (95. Pasanen), Prödl, Naldo, Boenisch – Niemeyer (103. Tziolis), Baumann – Frings, Özil – Rosenberg (78. Hunt), Pizarro – Trainer: Schaaf
Tore: 1:0 Luiz Adriano (25.), 1:1 Naldo (35.), 2:1 Jadson (97.)
Schiedsrichter: Medina Cantalejo (Spanien)
Zuschauer: 38.000 im Sükrü Saracoglu (Istanbul)
Gelbe Karten: Srna, Lewandowski, Ilsinho / Frings, C. Fritz, Tziolis, Boenisch
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