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Am Ende waren die Fans stärker: Friedhelm Funkel schmeißt hin!

21. Mai 2009, 18:02 geschrieben von Mario.

Friedhelm Funkel und Eintracht Frankfurt trennen sich trotz des zuvor um ein Jahr verlängerten Vertrages zum Saisonende. Damit ziehen Trainer und Verein die Konsequenzen aus einer für die Hessen denkwürdigen Saison, die in einer beispiellosen Hetzkampagne der Fans mündete.

Ein Märchen geht zu Ende

Eigentlich las sich die Geschichte der Frankfurter Eintracht und Trainer Friedhelm Funkel bis vor wenigen Monaten noch wie ein Märchen. Da war ein hessischer Traditionsverein, der am Boden lag, arm, erfolglos und mal wieder in die Zweitklassigkeit abgerutscht. Dann übernahm im Juni 2004 Friedhelm Funkel das Ruder und führte die Eintracht prompt in die erste Liga. Dort angekommen, stabilisierte sich der “Fahrstuhl-Klub” und sorgte für Furore. Dem Pokalfinale 2005 folgte sogar die Teilnahme am Uefa-Cup. Unvergessen ist sicherlich der 4:0-Erfolg gegen Bröndby IF, der die Teilnahme an der Gruppenphase ermöglichte, die man dann letztlich nicht überstand.

Dennoch machten die Erfolgserlebnisse Mut für die Zukunft und schweißten Team und Fans zusammen. Der nächste Schritt sollte folgen. Spätestens am 26. Spieltag der Saison 2007/08 wähnten sich die Hessen auf dem besten Weg zurück auf der internationalen Bühne, dort wo man nach eigenem Ermessen sowieso hingehört, zumindest wenn es nach den Fans geht. Durch den überraschenden 2:0-Sieg bei Bayer Leverkusen erklommen die Funkel-Jünger ungeahnte Gefilde in der Tabelle. Platz sieben in Schlagdistanz zu den Champions-League-Plätzen ließ das Umfeld von Höherem träumen. Doch kaum dort angekommen, erlebte der Traditions-Klub eine beispiellose Talfahrt, die ihren unrühmlichen Höhepunkt beim jüngsten Heimauftritt, der desaströsen 0:5-Schlappe gegen Werder Bremen, fand. Saison übergreifend wurden mickrige 9 von 42 Spielen gewonnen, und das bei einer sehr bedenklichen Punkteausbeute von 37 Zählern. Die Stimmung bei den Fans kippte jedoch zu einem wesentlich früheren Zeitpunkt.

Verpatzter Saisonstart war der Anfang vom Ende

Bereits der Start der aktuellen Saison verhieß nichts Gutes. Am 8. Spieltag endete die Talfahrt auf Platz 18 in der Tabelle. Zwar berappelte sich das Team und schaffte den Sprung ins gesicherte Mittelfeld. Das Abstiegsgespenst war dennoch ständiger Begleiter. Funkel verwies immer wieder auf die vielen verletzten Stammspieler, die das Potenzial seiner Elf zu sehr beeinträchtigen würden. In dieser Phase hatte sich allerdings längst ein Affront gegen das Trainer-Urgestein gebildet. Selbst in Aufsichtsratskreisen hatte der gebürtige Neusser nicht nur Freunde. Die vorzeitige Vertragsverlängerung, die man traditionell im Wintertrainingslager per Handschlag über die Bühne brachte, mündete dann in einem Chaos. Vorstand und Aufsichtsrat waren uneins, demonstrierten Machtspiele in der Mainmetropole.

Nicht zuletzt die Personalie Caio, der teuerste und zugleich hoffnungsvollste Transfer der Vereinsgeschichte, trieb einen Keil zwischen Teile des Aufsichtsrates unter der Führung des Vorsitzenden Herbert Becker, dessen Vorliebe zum brasilianischen Ballzauberer kein Geheimnis blieb, und dem Vorstand, angeführt von Heribert Bruchhagen. Schließlich einigte man sich doch noch, den im Sommer auslaufenden Vertrag des Trainers um eine weitere Saison zu verlängern. Vorstandsboss Heribert Bruchhagen, der Funkel ausnahmslos den Rücken frei hielt, setzte sich letztlich im sicheren Gefühl seiner Unentbehrlichkeit im Verein durch. Folglich war jedoch klar, dass Funkel unter kritischerer Beobachtung stand als ihm lieb gewesen wäre.

Seine Zeit ist abgelaufen! / Foto: forza-tus.de

Caio und die Spirale des Misserfolges

An Caio rieben sich die Geister vom Tag seiner Verpflichtung an. Insoweit hatte sich bei den Hessen also nichts Gravierendes geändert. Auch, dass Funkel nie müde wurde, die zementierten Verhältnisse der Liga zu verkünden, seinem Team Mittelmaß zu attestieren, focht das Umfeld kaum mehr an. Dass der Brasilianer unter seiner Leitung nicht mehr zum Heilsbringer für besseren Fußball avancieren würde, war ebenso glaubhaft in den Köpfen der Fans und des Umfeldes zementiert wie der auf viele Jahre vorausgesagte Graue-Maus-Nimbus, den man aufgrund des finanziellen Ungleichgewichts der Bundesliga wohl ewig inne haben würde.

Und doch verselbstständigte sich eine teilweise kaum nachvollziehbare Hetzkampagne gegen Funkel, der in Fankreisen endgültig als Bösewicht für Mittelmaß und unansehnlichen Mauerfußball ausgemacht war. “Funkel raus”-Rufe waren zuletzt noch die glimpflichste Art und Weise der Trainer-Demontage, die in öffentlichen Drohungen auf der Internetseite des Vereins ihren unrühmlichen Höhepunkt fanden. Weiter angeheizt wurde die ohnehin vergiftete Stimmung durch etliche besorgniserregende Auftritte des Teams, trotz der Rückkehr einiger Stammspieler wie Chris, Korkmaz, Spycher oder Meier. Spielerischer Offenbarungseid war sicherlich die peinliche 0:5-Heimniederlage gegen Werder Bremen. Zum endgültigen Stimmungstief führte dann wohl die neuerliche Niederlage beim VfL Bochum, eine weitere blutleere Vorstellung der Eintracht, die das Fass zum Überlaufen brachte. Selbst Heribert Bruchhagen ließ sich nach dem Spiel angesichts der aufgeheizten Stimmung kein weiteres Bekenntnis zu seinem Coach entlocken. Man werde den Gesetzen der Liga entsprechend handeln und sich nach dem letzten Saisonspiel am 25.05. zusammensetzen, ließ der Vorstands-Boss in die Notizbücher der Pressevertreter schreiben.

Der Rest ist bekannt. Bereits am Montag bat Funkel nach eigener Aussage Bruchhagen um die Auflösung seines Vertrages und kam seiner Entlassung damit zuvor. Am Samstag im Heimspiel gegen den Hamburger SV sitzt der Trainer damit zum letzten Mal in Diensten der Eintracht auf der Bank. Einen Nachfolger gibt es nach Angaben des Vereins noch nicht. Spekuliert wird allerdings fleißig. Mirko Slomka, Michael Skibbe und Armin Veh sind die am häufigsten genannten Namen.

Zitate aus der offiziellen Pressekonferenz:

Ich habe gespürt, dass die Mannschaft Schwierigkeiten hatte, mit der Situation umzugehen. Wenn in der neuen Saison die ersten Spiele nicht erfolgreich gewesen wären, wäre die Mannschaft in den Fokus geraten.

Wir haben Friedhelm Funkel Dank zu sagen, dass er mit stoischer Ruhe einen Verein, der sich vorher durch Fragilität ausgezeichnet hat, in ruhiges Fahrwasser führte.

Eintracht Frankfurt wird immer in meinem Herzen sein. Ich habe hier eine tolle und fantastische Zeit verbracht, die schönste in meiner Karriere.

Ich habe nicht ein Prozent bereut, bei der Eintracht gewesen zu sein. Fünf Jahre sind eine verdammt stolze Zeit.

Quelle: Frankfurter Rundschau online


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