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[Relegation 2008/09] Nürnberg gewinnt in Cottbus 3:0

29. Mai 2009, 09:31 geschrieben von Jinxo, abgelegt unter Deutscher-Fussball.

Nürnberg mit erstklassiger Leistung und einem Bein zurück in der Bundesliga

Energie Cottbus 0:3 (0:1) 1. FC Nürnberg

Etwas verkrampft saß er da im Sessel des Bayerischen Rundfunks und musste antworten: „Ja, aus damaliger Sicht waren wir dafür.“ Martin Bader, dem Manager des FCN, fiel es noch am Montag sichtlich schwer zuzugeben, dass auch er im Oktober 2007 für die Wiedereinführung der Relegation, der fußballerischen Version des Nachsitzens, gestimmt hatte. Bader, damals Manager des amtierenden Pokalsiegers, der in der UEFA-Cup-Gruppenphase stand, rechnete wohl nicht damit, dass er durch sein Votum mitverhindert hatte, dass sein Verein, der 1. FC Nürnberg, dadurch nicht einmal zwei Jahre später die direkte Rückkehr ins Oberhaus verwehrt bleiben sollte. Umso erleichterter dürfte der 41-Jährige sein, dass sein Verein nach dem Relegationshinspiel eine hervorragende Ausgangsposition dafür hat, nach nur einem Jahr ins Oberhaus zurückzukehren.

Für diese hervorragende Ausgangsposition gesorgt hat ein beherzter und phasenweise auf jeden Fall erstklassiger Auftritt der Franken, die den FC Energie mitunter schon wie den Zweitligisten aussehen ließen, der er ab Sonntag wahrscheinlich sein wird. Grundlage des Erfolgs der Mannschaft von Michael Oenning war, wie in der gesamten Zweitligasaison, die sattelfeste Abwehr, angeführt von Torwart Raphael Schäfer und Innenverteidiger Javier Pinola. Dank ihrer Führung konnten sich der 19, 20 und 23 Jahre alte Rest der Abwehr sogar einige defensive Stellungs- und Abspielfehler erlauben, ohne dass daraus echte Großchancen entstanden. Das lag weitestgehend daran, dass der gebürtige Pole und der Argentinier es schafften, Stabilität auszustrahlen, aber dabei gleichzeitig im elften beziehungsweise neunten Spiel in Folge ohne Gelbe Karte zu bleiben. Für die beiden, im Saisonverlauf betrachtet, eine reife Leistung, die bedeutet, dass die Schlüsselspieler auch im Rückspiel in Nürnberg spielberechtigt sind. Dies verbessert die ohnehin günstige Ausgangsposition der Mannen von der Noris.

Diese Ausgangsposition erarbeiten sich die Franken neben ihrer Defensivarbeit, die nur wenige gute Chancen der Lausitzer zuließ, vor allem durch ihr gefährliches Konterspiel. Geschickt nutzten sie die Unkonzentriertheiten und Abspielfehler der Gastgeber aus und stießen ein ums andere Mal gefährlich bis zum Tor von Gerhard Tremmel vor. Gerade in der zweiten Halbzeit zerfiel Energie nahezu unter den Kontern des FCN und hätte sich auch über vier oder fünf Gegentore nicht beschweren können. Niemand kann sagen, wie das Spiel ausgegangen wäre, hätte Jiayi Shaos Kopfball nach sieben Minuten nicht die Handflächen von Raphael Schäfer, sondern die Tormaschen gefunden. Doch da Fußball kein Spiel der Konjunktive ist, bleibt diese Überlegung Spekulation, auch und gerade weil kurze Zeit später ein harmloser, deplatzierter Schuss von Isaac Boakye an Ivan Radeljic ins Tor abprallte. Mit dem frühen, wenn auch ungewollten, Tor überraschte der FCN die Cottbusser und stellte ebenso schnell das Publikum im Stadion der Freundschaft ruhig.

Dieses verstummte fast vollends, nachdem Energie aus einer Serie von Ecken kein Kapital schlagen konnten und kurz darauf auch noch Emil Jula durch eine Verletzung verlor. Ab diesem Zeitpunkt brach das Angriffsspiel der Gastgeber fast völlig zusammen, und der Weg für fast sechzig Minuten spielerische Dominanz des FCN war gelegt. Cottbus hingegen wirkte mit dem Druck überfordert. Eigentlich hatte man solche psychischen Schwierigkeiten eher von den Nürnbergern erwartet, bei denen einige blutjunge Akteure auf dem Feld standen und die im Durchschnitt mit 26,2 Jahren fast drei Jahre jünger waren als Energie (29,0 Jahre). Doch gerade auch die Jungen wie Diekmeier oder der spät eingewechselte Vidosic, dessen technisch gekonnter Einsatz das 3:0 einleitete, waren es, die Nürnberg in der zweiten Halbzeit ihre Stärke verliehen.

Die Stärke, die darin lag, mit wenigen gezielten Pässen die Cottbusser Abwehr vor erhebliche Probleme zu stellen. Ursächlich verantwortlich dafür war – neben der schwachen Raumbeherrschung der Hausherren – die während der regulären Saison oft vermisste Fähigkeit der Franken, den Ball schnell und schnörkellos in die Spitze zu spielen. Gerade Eiglers 2:0, dem eine schnelle Ballstaffette über Mintal und Gygax im Mittelfeld vorausging, ist ein Beweisstück für den Fußball, den der Pokalsieger von 2007 im Spreewald zum besten gab. Dem hatten die Platzherren außer einem Schuss von Skela nichts entgegenzusetzen. Fast ohne Gegenwehr ergab sich der FCE in sein Schicksal. Das Urteil seines Präsidenten nach dem Spiel, dass man sich vor den Augen der Nation blamiert hätte, mag zwar harsch klingen. Ob der klaren Unterlegenheit in der zweiten Halbzeit ist sein Ärger aber verständlich. Dass der FCN aus einer Aktion, bei der er eigentlich Zeit schinden wollte, noch zum 3:0 durch den agilen, wenn auch etwas ballverliebten Boakye kam, war ein bezeichnender Abschluss eines Spiels, an dessen Ende Martin Bader vielleicht sogar ein wenig froh war, dass er im Oktober 2007 die Hand gehoben hatte.

Statistik

Cottbus: Tremmel – Angelow (76. Kurth), Radeljic, Cagdas, Ziebig – Kukielka (61. Pavicevic), Rost – Rivic, Skela – Shao, Jula (34. Iliev). – Trainer: Prasnikar

Nürnberg: Schäfer – Diekmeier, Reinartz, Pinola, Bieler – Mnari – Gygax (71. Judt), Mintal, Kluge (76. Frantz) – Boakye, Eigler (86. Vidosic). – Trainer: Oenning

Tore: 0:1 Boakye (13.), 0:2 Eigler (55.), 0:3 Boakye (89.)

Schiedsrichter: Florian Meyer (Burgdorf, Niedersachsen)
Zuschauer: 22.528 im ausverkauften Stadion der Freundschaft (Cottbus)
Gelbe Karten: Ziebig, Cagdas –

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