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UEFA-Fünfjahreswertung - Die Saison 2008/09

4. Juni 2009, 22:03 geschrieben von Heiland, abgelegt unter Int-Fussball.

Wieder ein erfreuliches Jahr für die deutschen Mannschaften, denn sie waren viertstärkster Verband. Insgesamt wurden mit 12,687 Punkten fast ebenso viele gesammelt wie im Vorjahr – das MAG berichtete – und die deutschen Vertreter haben auf Italien Boden gut gemacht.

Dabei lief es in beiden Wettbewerben zunächst ausgesprochen schlecht. Schalke 04 war in der Qualifikation zur Gruppenphase der Champions League chancenlos gegen Atlético Madrid, den stärksten ungesetzten Club. Auch Werder Bremen bekleckerte sich nicht mit Ruhm und schaffte erst im letzten Spiel gegen Inter Mailand, das bereits für das Achtelfinale festgestanden hatte, seinen ersten Sieg. Der bescherte den Hanseaten wenigstens Platz drei in der Gruppe und damit die Teilnahme am Uefa-Pokal. Einzig Bayern München wurde souverän Gruppensieger, ließ ein sattes Dutzend Treffer im Achtelfinale gegen Sporting Lissabon folgen, um dann sang- und klanglos gegen den FC Barcelona unterzugehen.

Im Uefa-Pokal schied der unterlegene DFB-Pokal-Finalist Borussia Dortmund schon in der ersten Runde gegen Udinese Calcio im Elfmeterschießen aus, nachdem sie ihre Heimpleite aus dem Hinspiel noch gedreht hatten. Den Knappen gelang in der Gruppenphase ein 3:1 gegen den zweiten Anzug von Paris SG und ein Remis bei Racing Santander – zu wenig, um die Zwischenrunde zu erreichen. Hertha BSC machte es nicht besser, zwei Remis bedeuteten am Ende Platz vier. Die Big Points holten der Hamburger SV und Wolfsburg, die ihre Gruppen jeweils gewannen, und der VfB Stuttgart, der mit dem Sieg gegen das bereits als Gruppensieger feststehende Standard Lüttich Platz zwei erreichte.

Für die Wölfe erwies sich der erste Anzug von Paris SG in der Zwischenrunde als zu stark. Die Schwaben scheiterten in der gleichen Runde am aus der Champions League abgestiegenen Titelverteidiger Zenit St. Petersburg. Übrig blieben die beiden Nordlichter, Hamburger SV und Werder Bremen. Die Truppe von Martin Jol glich nach der Gruppenphase in drei Spielen einen Rückstand aus und zog ins Halbfinale ein. Die Elf von Thomas Schaaf lag gegen den AC Mailand in beiden Spielen und gegen Udinese Calcio im Rückspiel zweimal hinten. Im Halbfinale, beim direkten Aufeinandertreffen, mussten sie sogar daheim die erste Niederlage einstecken und auch im Rückspiel erst einem Rückstand hinterherlaufen, bevor sie den Einzug ins Finale schafften. Das ging dann allerdings verloren, wenn auch erst in der Verlängerung.

In beiden Wettbewerben gelangen den deutschen Klubs inklusive Qualifikation 36 Siege und 23 Remis in 77 Spielen. Das waren zwei Siege, sieben Remis und drei Spiele mehr als in der Vorsaison. Dass der Koeffizient dennoch kleiner war, lag daran, dass mit Hertha BSC – über die Fair-Play-Wertung – ein Teilnehmer mehr an den Start gegangen war.

Die anderen Verbände

Die Champions League wurde – fast schon traditionsgemäß – von den englischen Vereinen dominiert. Für die italienischen Vertreter und spanischen Vereine war – fast ebenso traditionsgemäß – im Achtelfinale Endstation. Villarreal schaffte es wenigstens unter die letzten Acht. Die einzige Mannschaft, die in der Lage war, der englischen Dominanz Einhalt zu gebieten, war der FC Barcelona. Italiens Rückstand auf Spanien schrumpfte von 15 Punkten auf elf, während gleichzeitig der Vorsprung vor Deutschland um sechs Zähler schmolz.

Die Ukraine machte mehr als 16 Punkte und damit einen mächtigen Sprung von Platz zwölf auf sieben, weil die beiden Absteiger aus der Champions League, Schachtjor Donezk und Dinamo Kiew, erst im Halbfinale gegeneinander gelost wurden. Metalist Charkow scheiterte, nach sechs Siegen in Folge mit nur einem Gegentor, im Achtelfinale an Schachtjor Donezk. Einzig Dnjepr Dnjepropetrowsk war bereits in der Qualifikation gegen die Schweizer aus Bellinzona einzig wegen der Auswärtstorregel ausgeschieden.

Die Schotten leisteten sich nach über zehn Punkten im Vorjahr mit weniger als zwei ihre schwächste Spielzeit seit Einführung der Fünfjahreswertung und fiel um drei Plätze auf 13 zurück. Dänemark, das die letzten Jahre kontinuierlich stärker wurde, holte über acht Punkte und rückte um drei Plätze auf 16 nach vorne. Es wäre sogar noch mehr für die Skandinavier drin gewesen, wenn Midjylland nicht zu Hause kurz vor Schluss noch ein Eigentor zum 0:1 gegen das Fair-Play-Team von Manchester City geschossen hätte, was in der zweiten Qualifikationsrunde zur Verlängerung und anschließend zum Ausscheiden nach Elfmeterschießen geführt hatte.

Wie viel die Teilnahme an der Champions League Gruppenphase gerade für Verbände aus unteren Regionen der Fünfjahreswertung ausmachen kann, bewiesen Bate Borisov aus Weißrussland und Anorthosis Famagusta aus Zypern. Die beiden Verbände verbesserten sich um sieben respektive sechs Ränge. Das dürfte aufgrund der veränderten Qualifikation künftig häufiger zu beobachten sein.

Ausblick auf die nächste Saison

Die folgende Tabelle zeigt die Ausgangssituation nach Abzug der Punkte aus der Saison 2004/05, wobei die Bonuspunkte für bereits feststehende Teilnahmen an der Champions League 2009/10 mit eingerechnet sind:

Rang Land Punkte
1 England 65,642
2 Spanien 63,293
3 Italien 50,624
4 Deutschland 47,457
5 Frankreich 40,073
6 Russland 38,958
7 Ukraine 34,550
8 Rumänien 34,074
9 Portugal 28,962
10 Niederlande 27,796
11 Türkei 27,650
12 Schottland 23,791
13 Dänemark 22,950
14 Schweiz 22,625
15 Griechenland 21,999
16 Belgien 19,200
17 Bulgarien 18,875
18 Tschechien 17,875
19 Norwegen 15,300
20 Zypern 13,749

Deutschland braucht zehn Siege mehr als der amtierende Weltmeister, um ihn zu überholen. Ein Unterfangen, das schwierig zu erreichen sein dürfte. Mit entscheiden werden wie immer die direkten Duelle. Das hat Bremen dieses Jahr schon vorgemacht und mit acht Punkten aus sechs Spielen zwei von drei Gegnern eliminiert. Wenn mehr deutsche als italienische Clubs die Gruppenphasen erreichen respektive überstehen, braucht es vielleicht nicht einmal – wie in dieser Saison -Schützenhilfe der englischen Mannschaften, um dieses Jahr schon Platz drei zu erreichen.

Frankreich und Russland werden um Platz fünf kämpfen. Die Ukraine wird voraussichtlich nicht noch einmal so eine starke Saison spielen und daher kaum in den Kampf eingreifen können. Aber sie können aufholen, wenn einer der beiden anderen schwächelt. Zwischen Portugal, den Niederlanden und der Türkei ist ein spannender Dreikampf um die Plätze sieben und acht zu erwarten. Rumänien wird sich ihren Ergebnissen der letzten beiden Spielzeiten nach nicht auf der achten Position halten können und daher wahrscheinlich um bis zu drei Plätze zurückfallen.

Auf zwölfter Position befindet sich derzeit Schottland (6 Teilnehmer), das seine Leistungen schwerlich noch einmal verschlechtern kann. Dennoch werden sie sich einen harten Kampf mit den dahinter lauernden Dänen (5 Teilnehmer), Schweizern (4 Teilnehmer) und Griechen (5 Teilnehmer) liefern müssen, um ihren Platz zu verteidigen. Für die Skandinavier sprechen die starken Leistungen der letzten drei Jahre. Griechenland hatte in den letzten beiden Spielzeiten ebenfalls wieder ansteigende Werte. Bei den Eidgenossen waren die Leistungen in der Vergangenheit abwechselnd mal gut und mal schlecht. Jetzt wäre wieder ein guter Wert an der Reihe. Von den dahinter liegenden Belgiern, Bulgaren und Tschechen wird angesichts kontinuierlich fallender Koeffizienten weniger zu erwarten sein.

Spannend ist vielmehr die Frage, ob – und falls ja – welchem Verband unterhalb von Platz 20 es gelingt, seinen Meister in die Champions League Gruppenphase zu bringen und damit einen gewaltigen Schritt nach vorne zu machen. Potenzielle Kandidaten sind etwa mit Stabaek IF, Partizan Belgrad, Dinamo Zagreb, Slovan Pressburg, Kalmar FF oder NK Maribor vorhanden. Die Vertreter aus Zypern (Apoel Nikosia) und Weißrussland (erneut Bate Borisov) wird jedenfalls so schnell niemand mehr unterschätzen. Lange werden wir nicht warten müssen, denn die neue Saison beginnt mit der Auslosung der Qualifikationsrunden am 22. Juni, die von Ende Juni bis Anfang August stattfinden. Die Play-offs werden am 7. August ausgelost und vom 18. bis 20. beziehungsweise 25. bis 27. August ausgetragen.


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