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Fußball Bundesliga: Die Trainer-Reise nach Jerusalem

6. Juni 2009, 15:28 geschrieben von Mario, abgelegt unter Deutscher-Fussball.

Alle reden von Reformen; in der Politik sowieso, im Sport natürlich auch. In der Fußball Bundesliga wird nicht nur geredet, hier wird gehandelt, und zwar konsequent und nachhaltig wie selten zuvor. Denkste! Anstelle des Stuhl-Materials, das überaus spröde und veraltet daherkommt, wechselt man in der höchsten deutschen Spielklasse lieber die darauf sitzenden Personen. Und damit das ganze auch schnell geht und Spaß bereitet, hat das Spiel jetzt einen Namen bekommen: Die Reise nach Jerusalem.

Die halbe Liga spielt mit

Für das kleinste Rad am Wagen, dem schwächsten Glied in der Kette, dem Sündenbock für Fans, Vorstände, Aufsichtsräte und Medien, auch Trainer genannt, wurde jetzt in der Fußball Bundesliga ein altes Spiel wieder entdeckt: Die Reise nach Jerusalem.

Der Spielverlauf

Man ordnet Stühle im Kreis an, und zwar einen Stuhl weniger als Teilnehmer. Diese stellen sich ebenfalls im Kreis auf. Sobald der Spielleiter die Musik ertönen lässt, müssen sich alle im Kreis um die Stühle bewegen. Der Spielleiter stoppt die Musik zu einem willkürlichen Zeitpunkt; dann muss jeder Teilnehmer versuchen, sich möglichst schnell auf einen freien Stuhl zu setzen; es bleibt am Schluss immer ein Teilnehmer stehen und scheidet aus. Nun wird ein Stuhl entfernt … Wikipedia

Die Teilnehmer

VfL Wolfsburg/FC Schalke 04

Auf dem Weg zur ersten deutschen Meisterschaft des VfL Wolfsburg hätte sich Felix Magath fast selbst einen Stein in den Weg geworfen. Dass er Fred Ruttens und Andreas Müllers Erbe beim FC Schalke 04 antreten würde, sollte möglichst bis zum Saisonende geheim gehalten werden. Dies gelang freilich nicht. Schon wenige Tage, nachdem die Tinte auf dem Vertrag getrocknet war, wurde der spektakuläre Wechsel publik. Wer weiß, was passiert wäre, wenn …

Ein zweiter, längst nicht so schwerwiegender Fauxpas unterlief Martin Winterkorn während eines Interviews nach dem Meisterschaftsfinale. Auf die Frage eines Premiere Reporters, ob er denn zumindest den Anfangsbuchstaben von Magaths Nachfolger nennen könnte, antwortete der VW-Manager unverhohlen: V! Somit war auch dieses Geheimnis gelüftet. Nein, nicht etwa Friedhelm Vunkel, sondern Armin Veh wird also den frisch gebackenen Meister übernehmen.

Bayern München

Fünf Spieltage vor Saisonende hatte das Management des FC Bayern München genug gesehen. Klinsmann musste gehen und seinen Stuhl für Jupp Heynckes räumen, der diesen wiederum wenig später an den Niederländer van Gaal übergab, welcher die Geschicke des Rekordmeisters in der kommenden Saison leiten wird.

Arminia Bielefeld

Was Bayern kann, so die Macher der Bielefelder Arminia, können wir schon lange. Michael Frontzeck musste seinen Stuhl am 33. Spieltag an Jörg Berger übergeben. Irgendwie schien dem Feuerwehrmann dieser aber nicht zu gefallen. In der zweiten Liga, wo sich die Ostwestfalen jetzt befinden, macht ihm das Spiel freilich keinen Spaß mehr, weshalb Bergers Stuhl zunächst leer bleibt.

Borussia Mönchengladbach

Auch Hans Meyer hatte die Freude an seiner Gladbacher Borussia trotz des Klassenerhalts überraschend verloren. Ließ er sich doch wenige Runden vor Schluss noch ein Lippenbekenntnis entlocken, das Anderes verhieß, machte der Trainer-Guru an Stelle dessen Platz für seinen Nachfolger Michael Frontzeck.

Eintracht Frankfurt

In Frankfurt, bei der Eintracht, inszenierte man für den von Fans und Medien geforderten Abgang Friedhelm Funkels eine Geschichte, die alle Beteiligten in hellem Licht erscheinen ließ. Wir berichteten.
Am 21. Mai verkündete Funkel in einer eigens dafür einberufenen Pressekonferenz seinen Rücktritt. Er habe Heribert Bruchhagen bereits am Montag zuvor um die Auflösung seines Vertrages gebeten. Nun, dass dies eine Inszenierung des Vorstandsvorsitzenden der Eintracht war, ahnten Insider bereits während der Bekanntgabe des scheidenden Coaches. Denn schon nach der 0:2-Niederlage beim VfL Bochum sprach Bruchhagen offen von anstehenden Analysen anstelle von Trainer-Treuschwüren, die man sonst von ihm gewohnt war. Auf der gestrigen Pressekonferenz dann ein fataler Versprecher des Machers der Eintracht, als er von der Entlassung Funkels sprach, um sich in sekundenschnelle selbst zu korrigieren. Auf der Home-Page der Eintracht ist im heutigen Pressespiegel ein Bild-Zitat zu finden, das eindeutiger kaum sein kann:

Die Fans hoffen, dass Fußball mit Skibbe mehr Spaß macht als zuletzt. Doch das Kapitel Funkel ist noch nicht ganz abgeschlossen. Bis Mitte Juni hat der Ex-Trainer Frist, sich zu entscheiden, ob er für seine Vertragsauflösung eine Abfindung annimmt, oder weiter monatlich bis 2010 Gehalt bezieht. Dann könnte er aber nur mit Eintrachts Zustimmung einen neuen Job annehmen.

Dieser Satz hätte bei einer freiwilligen Vertragsauflösung durch den Trainer wohl wenig Nährboden. Den Fans wirds egal sein. Michael Skibbe verbreitete gestern eine spürbare Aufbruchstimmung am Main.

Hamburger SV/Bayer Leverkusen

Nachdem Martin Jol überraschend seinen Wechsel zu Ajax Amsterdam bekannt gegeben hatte, begannen auch beim Hamburger SV Spekulationen über eine Nachfolgelösung. Die Klubführung schaute nach Leverkusen, wo man sich unlängst zu Bruno Labbadia bekannt hatte, und das obwohl dieser seinen Rausschmiss vor dem Pokalfinale hartnäckig provoziert hatte. Die Bayer-Bosse fanden die Vorgehensweise der Konkurrenz aus Hamburg gar nicht gut und ließen verkünden: Bruno Labbadia bleibt in Leverkusen. Er hat einen gültigen Vertrag und wird diesen erfüllen. Dieses Statement hatte allerdings gerade mal die Halbwertzeit eines halben Tages, denn schon wenige Stunden später riefen Leverkusens Macher die Presse zu sich, um frohen Mutes die Verpflichtung von Jupp Heynckes zu verkünden. Zuvor waren die Hanseaten so frei, die Vertragsunterzeichnung von Bruno Labbadia bekannt zu geben.

1. FC Köln

“Der 1.FC Köln ist eine Herzensangelegenheit für mich”: Zitat Christoph Daum. Um so überraschender seine am 30. 05. gezogene Option einer Ausstiegsklausel seines Vertrages bei den Geißböcken, die am 31. 05. endete. Daum geht zurück in die Türkei nach Istanbul, wo man ihm bei Fenerbahce ca. 3,5 Millionen Euro Schmerzensgeld für sein gebrochenes Herz zahlt. Immerhin. Über mögliche Nachfolger darf spekuliert werden. Ob sich Mirko Slomka am Ende auf den freien Stuhl während seiner Reise nach Jerusalem setzen wird, ist bis zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht überliefert.

Sollte bei der Aufzählung der Vereine ein Klub vergessen worden sein, bitten wir höflichst um Nachsicht!


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