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[WM Geschichte] Einmal und nie wieder - Indonesien

10. Juni 2009, 02:55 geschrieben von Jinxo, abgelegt unter WM-2006, Int-Fussball.

Einmal und nie wieder – Einmalige WM-Teilnahmen

WM-Teilnahmen werden von Spielern gerne als „einmalige Erlebnisse“ bezeichnet, um auszudrücken, wie wunderbar und beeindruckend die Teilnahme an einem solchen Turnier doch ist. Doch für 25 Nationen war das Mitmachen bei einer Weltmeisterschaft im wahrsten Sinne des Wortes „einmalig“, sie konnten sich bislang nur ein einziges Mal für eine WM qualifizieren. Selbst wenn man die sechs Nationen herausrechnet, die sich 2006 zum ersten Mal qualifizierten und somit noch keine weitere Chance zur Qualifikation hatten, bleiben 19 Verbände, denen die Qualifikation nur ein einziges Mal gelungen ist. Darunter finden sich Riesenreiche und Kleinststaaten, von der Landkarte verschwundene und umbenannten Nationen. In loser Folge will das MAG bis zur WM in einem Jahr einige dieser einmaligen Teilnehmer vorstellen und ihr Schicksal näher beleuchten. Den Anfang macht das erste asiatische Land, das je an einer WM teilnahm:

Indonesien

- einzige Teilnahme: 1938

Genau genommen müsste der Artikel mit Niederländisch-Indien überschrieben sein, denn unter diesem Namen traten die Asiaten in Frankreich an. Der Weg ins Turnier war der holländischen Kolonie dabei denkbar einfach gemacht worden. Für den asiatischen Startplatz hatten sich nur Japan und Niederländisch-Indien gemeldet. Als Japan dann wegen des Kriegs gegen China zurückzog, war der Weg nach Frankreich frei. Es wird angenommen, dass die Japaner die Indonesier geschlagen hätten, so dass der Rückzug gemeinhin als Glücksfall für die Südostasiaten angesehen wird.

Vielleicht auch deshalb hatte die FIFA für sie in Frankreich noch ein Relegationsspiel gegen die USA, die auch kampflos bis dahin gekommen waren, angesetzt. Der Sieger sollte sich dann endgültig für die Endrunde qualifizieren, die in Frankreich aus einem reinen KO-System bestand, das mit dem Achtelfinale begann. Die US-Amerikaner aber weigerten sich zum Relegationsspiel anzutreten. Dieses hätte an einem Sonntag stattfinden sollen, doch ein Spiel am Tag des Herren widerstrebte den gläubigen Kickern aus „God’s own country“. So standen die Indonesier ohne ein Qualifikationsspiel im Achtelfinale der WM 1938.

Körperlich unterlegen

Die Auslosung hatte ergeben, dass sie dort auf die Ungarn treffen sollten. Die Magyaren waren vier Jahre zuvor in Italien im Viertelfinale an Österreich gescheitert und hatten sich seitdem spielerisch weiter entwickelt. Zwar waren sie noch nicht dort, wo sie knapp fünfzehn Jahre später sein sollten, auf der Höhe ihres Könnens, doch den Mannen aus der holländischen Kolonie waren sie haushoch überlegen. Paul Marchandeau, französischer Finanzminister und Bürgermeister von Reims, wo das Spiel stattfand, meinte nach dem Spiel, er habe den Eindruck gehabt, „als ob auf dem Felde 22 ungarische Athleten standen gegen 11 kleine indische Zwerge.“ Damit spricht Marchandeau schon das größte Manko an, dass Niederländisch-Indien gegenüber den Ungarn hatte, die körperliche Fitness und Robustheit.

Zu sehr waren die oft klein gewachsenen Asiaten den Europäern in Sachen Physis unterlegen, daran können auch einige Vertreter der holländischen Kolonialherren in Reihen der „Klein-Oranjes“ nichts ändern. Nach nur dreizehn Minuten gingen die Ungarn durch Kohut mit 1:0 in Führung, fünf weitere Treffer folgten bis zum Schlusspfiff. Dennoch applaudierte die circa 10.000 Zuschauer bei jedem Versuch der Indonesier zu einem Tor zu kommen. Erfolgreich war aber keiner der Verusche, so dass das Spiel in der französischen Königsstadt mit 6:0 für Ungarn endete.

Nie mehr in der Nähe der Teilnahme

Es war bis heute das einzige Spiel, das Indonesien bei einer WM bestreiten sollte. Damit ist es das einzige Land der WM-Geschichte, das nur ein einziges Spiel bei einer Endrunde bestritt. Wirklich nahe gekommen sind die Indonesier einer Qualifikation seitdem nicht mehr. So leicht wie bei ihrer Teilnahme 1938 hat man es ihnen nicht wieder gemacht. 1985 standen sie zumindest unter den letzten vier, die um einen asiatischen Startplatz ein Jahr später in Mexiko kämpfen. Doch eine 1:6-Niederlage im Gesamtergebnis gegen den späteren Qualifikanten Südkorea zerstörte die Träume von einer zweiten Teilnahme.

In der Qualifikation zur kommenden WM in Südafrika schied Indonesien bereits in der zweiten Runde aus. In der ersten Runde war man noch kampflos weiter gekommen, da Guam zurückgezogen hatte, doch gegen Syrien hatten die damals vom Bulgaren Ivan Kolev trainierten Indonesier keine Chance: Einem 1:4 in Jakarta folgte eine 0:7-Klatsche in Damaskus. Die Rückspielniederlage war die höchste je erlittene Niederlage Indonesiens in einem Länderspiel.

Schon einige Monate vor der Blamage in der WM-Qualifikation hatte sich angedeutet wie schwach der indonesische Fußball selbst im kontinentalen Vergleich ist. Trotz Heimvorteils hatte es die Mannschaft nicht aus der Gruppenphase bei der Asienmeisterschaft geschafft. Zugegebenermaßen die Niederlagen gegen Südkorea und Saudi-Arabien waren knapp, doch den Ansprüchen genügte die Leistung der Merah Putih, der Rot-Weißen, nicht.

Die einzigen internationalen Erfolge der Indonesier in den letzten Jahren liegen in der südostasiatischen Regionalmeisterschaft, dem ASEAN Cup, der bis 2004 noch Tiger Cup hieß. Unter den elf antretenden Nationalvertretungen rangieren die Indonesier immerhin auf Rang vier der Nationen, hinter Thailand, Singapur und Vietnam, die alle den ASEAN Cup bereits gewonnen haben. Indonesien hingegen stand lediglich drei Mal im Endspiel.

Großes Land, wenig Fußball

Begründet wird die Schwäche des viertbevölkerungsreichsten Landes der Erde im Fußball zum einen mit der Dominanz des Nationalsports Badminton. In diesem Sport holten indonesische Athleten bereits 18 olympische Medaillen, darunter 6 goldene, in allen anderen Sportarten zusammen nur sieben. Zum anderen liegt die Schwäche des Fußballs aber auch an internen Schwierigkeiten. Erst seit der abgelaufenen Saison gibt es einen erneuten Versuch einer nationalen Liga. Zuvor waren drei Jahre lang nur regionale Titelkämpfe ausgetragen worden, der letzte Versuch war aus logistischen Gründen gescheitert.

Die Reisekosten im riesigen Indonesien – zwischen dem östlichsten und westlichsten Spielort der neuen Indonesian Super League liegen knapp 4700 Kilometer – waren für die meisten Vereine nicht zu stemmen. Hinzu kommt, dass sich gerade die fußballinteressierten Schichten im Lande eher für englische Premier League als für die heimische Liga interessieren. Um das Interesse zu wecken fehlen Zugpferde. Ein Versuch mit ausländischen Altstars Zuschauer zu locken war in den Neunzigern gescheitert, Roger Milla und Mario Kempes lockten kaum jemanden in die Stadien.

Doch die einheimischen Spieler haben auch nicht das Zeug zum Zugpferd. Der bekannteste indonesische Spieler, Rekordnationalspieler und -torschütze Bambang Pamungkas, spielte zwar unter anderem bei Borussia Mönchengladbach und dem 1. FC Köln vor. Das einzige europäische Engagement des „David Beckhams von Indonesien“ war aber beim holländischen Drittligisten EHC Norad. Auch das zeigt wie weit der indonesische Fußball inzwischen von einer weiteren WM-Teilnahme entfernt ist, in der Weltrangliste befindet man sich auf Platz 138, eingerahmt von Swaziland und Burundi, es ist der niedrigste Rang eines ehemaligen WM-Teilnehmers. Daher steht für Indonesien zu befürchten, dass für eine erneute Qualifikation – wie bei der ersten Teilnahme – schon alle Qualifikationsgegner abspringen müssten.

Quellen:
-Franta, Robert. Fußballweltmeisterschaft 1938 – Frankreich. Kassel, 2002.
-Grüne, Hardy. Welfußball-Enzyklopädie. Band 1 – Europa & Asien. Göttingen, 2007.
-Schäflein, Markus/Hummel, Thomas (Red.). Süddeutsche Zeitung WM-Bibliothek. Band 1 – 1930-1950. München, 2006.


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