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[WM-Qualifikation 2010] Nordkorea qualifiziert

18. Juni 2009, 02:27 geschrieben von Jinxo, abgelegt unter WM-2006, Int-Fussball.

Südafrika begrüßt den nächsten Gast – Nordkorea für seine zweite WM qualifiziert

Während der Gastgeber der WM 2010, Südafrika, in Rustenburg dabei war, den Ozeanienmeister im Rahmen des Confederation Cups mit 2:0 zu besiegen, machten Saudi-Arabien und Nordkorea im Geburtsort jenes Wettbewerbs, Riad, den vierten und letzten direkten WM-Teilnehmer Asiens aus. Die Hausherren mussten gewinnen, den Gästen genügte ein Remis. Trotz großer Chancen schafften es die Saudis nicht, den Ball im Tor unterzubringen, so dass das Spiel mit 0:0 endete. Dies bedeutete, dass Nordkorea sich für die WM qualifiziert hatte. Den Grünen Falken aus Saudi-Arabien hingegen steht nun ein steiniger Weg bevor, wollen sie den Nordkoreanern folgen. Nur wenn sowohl Bahrain als auch Neuseeland in den Relegationsspielen ausgeschaltet werden, schaffen sie die fünfte WM-Teilnahme noch.

Das MAG nimmt die Qualifikation Nordkoreas zum Anlass, die Mannschaft kurz vorzustellen:


Nordkorea

Steckbrief:

Trikotfarben: rot-weiß
FIFA-Weltrangliste: 106
WM-Teilnahmen: 1966
Größter Erfolg: Viertelfinale 1966
WM-Gastgeber: – Kontinentalmeister: –

Rekordnationalspieler: unbekannt
Rekordtorschütze: unbekannt
Trainer: Kim Jong-hun
Bilanz der letzten 10 Spiele: 2 Siege, 4 Remis, 4 Niederlagen (5:6 Tore)

WM-Historie, aktuelle Spieler und Trainer:

Nordkorea stellt in vielerlei Hinsicht eine große Unbekannte dar. Durch die rigide Informationspolitik des Regimes um Kim Jong Il dringt wenig über das Land im Allgemeinen und den Fußball dort im Besonderen nach außen. Umso interessanter wird es sein, wie die Verantwortlichen in den folgenden Monaten mit dem wachsenden Medieninteresse umgehen werden. Das bekannteste am nordkoreanischen Fußball ist seine WM-Geschichte. Diese ist zwar mit einer einzigen Teilnahme 1966 recht kurz, dafür aber erfolg- und ereignisreich. Denn in England erreichte die nach einem mythischen Pferd Chollima genannte Mannschaft das Viertelfinale. Ausschlaggebend dafür war der wohl größte Moment in der Fußballgeschichte des kommunistischen Landes. Nach einem 0:3 gegen die Sowjetunion und einem 1:1 gegen Chile, mussten die Nordkoreaner das Abschlussspiel in Middlesbrough gegen Italien gewinnen, um als Gruppenzweiter ins Viertelfinale einzuziehen. Dies schien ein aussichtsloses Unterfangen, doch als Pak Doo-Ik in der 41. Minute Enrico Albertosi im italienischen Tor überwand, begannen die Asiaten zu träumen. Dank einer starken Abwehrleistung wurde der Traum unter frenetischem Beifall der englischen Zuschauer wahr und man gewann das Spiel. Die Italiener waren damit ausgeschieden und wurden bei ihrer Ankunft zuhause mit Tomaten beworfen, die Nordkoreaner dagegen standen im Viertelfinale.

Dort traf man auf Portugal und stand kurz vor der nächsten Sensation. Nach 25 Minuten führte die Chollima mit 3:0, doch im Gegensatz zum Gruppenspiel gegen Italien konnten die Ostasiaten dieses Mal die Führung nicht halten. Vier Treffer durch Eusebio – darunter zwei Elfmeter – und eines durch José Augusto drehten das Spiel und Portugal zog ins Halbfinale ein, wo es gegen den späteren Weltmeister, Gastgeber England, ausschied. Dennoch reisten die Kicker erhobenen Hauptes zurück in die Heimat, wo der Triumph und vor allem die Tatsache, dass die Engländer gegen Italien Nordkorea angefeuert hatten, propagandistisch ausgeschlachtet wurde. Bis zum heutigen Tag war jenes Spiel im Goodison Park von Liverpool das letzte WM-Spiel Nordkoreas. Zwar nahm man an den Qualifikationen für die Turniere 1974, 1982, 1986, 1990, 1994 und 2006 teil, doch zum großen Wurf reichte es nie, obwohl man einige Male die letzte Phase der Qualifikation erreichen konnte.

Dass dies in diesem Jahr anders ist, liegt zum einen an der Heimstärke der Nordkoreaner; keiner Mannschaft gelang es, in den beiden Gruppenphasen ein Tor im Kim Il Sung-Stadion von Pjöngjang zu erzielen. Das einzige “Heimgegentor” kassierte Nordkorea durch die Erzfeinde aus dem Süden der koreanischen Halbinsel, dieses Spiel fand aber – da Nordkorea sich weigerte, die südkoreanische Flagge zu hissen und die Hymne des Nachbarlands zu spielen – in Shanghai statt. Zum anderen kassierte die Chollima in beiden Gruppenphasen nur fünf Gegentore und zeigte damit, dass die Stärke der Mannschaft im Abwehrverbund liegt. Unterstützt wird diese These von der Tatsache, dass die elf Tore aus vierzehn Spielen nicht dafür sprechen, dass Nordkorea mit einem herausragenden Sturm gesegnet ist.

Auf Grund der die Freizügkeit seiner Bürger einschränkenden Politik des Regimes in Pjöngjang spielen die meisten Spieler der Nationalmannschaft in der heimischen Liga. Lediglich die in Japan geborenen Koreaner, die so genannten Zainichi, die sich dafür entscheiden, für das Land ihrer Eltern zu spielen, dürfen im Ausland Fußball spielen. Der bekannteste dieser Spieler, so man bei den Nordkoreanern überhaupt von bekannt sprechen darf, ist Choe Myong-Ho (20), der für den aktuellen Tabellenvierten der Russischen Premjer-Liga, Krylia Sovetov Samara, spielt. 2005 wurde der “nordkoreanische Cristiano Ronaldo” (wie er von der russischen Journalistin Maria Priatkina bezeichnet wurde) als bester Jungprofi Asiens ausgezeichnet. Diese Ehre war auch schon den Bundesligaprofis Mehdi Mahdavikia und Shinji Ono zu Teil geworden. Neben Choe spielt nur Hong Yong-Jo in einer höchsten europäischen Spielklasse. Der 27-jährige Stürmer steht beim russischen Erstligaaufsteiger FK Rostov unter Vertrag, wo er regelmäßig zum Einsatz kommt und im April den Siegtreffer beim Überraschungserfolg des Aufsteigers bei ZSKA Moskau erzielen konnte. Trainiert wird die Mannschaft von Kim Jong-Hun, der seinen großen Auftritt vor Weltöffentlichkeit im April diesen Jahres hatte, als er nach der Niederlage in Südkorea behauptete, drei seiner besten Akteure seien von den Gastgebern vergiftet worden.


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