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[Leichtathletik] Bolt in Weltrekord zu Gold

17. August 2009, 15:53 geschrieben von Roxeus.

Fabelweltrekord von Bolt – Gay chancenlos

Nie war ein Weltrekord im 100-Meter-Lauf weniger überraschend. In 9,58 Sekunden sprintete Jamaikas Wunderläufer Usain Bolt gestern Abend zu Gold bei der IAAF-WM in Berlin. Vorigen Sommer noch nahm er bei Olympia nach 70 Metern Fahrt raus und „trabte“ in 9,69 zu Gold. Ein Quantensprung. Silber ging an Tyson Gay (USA) in 9,71 – der drittschnellsten je gelaufenen Zeit. Bronze eroberte Bolts Landsmann Powell in 9,84 – eine Zeit, die bei den vergangenen drei Weltmeisterschaften jeweils zu Gold gereicht hätte. Es war also genau die Art von Rennen, die sich Zuschauer gewünscht, Veranstalter versprochen und die Athleten angekündigt hatten. Bolt steht für dieses Spektakel. Hat er dieses Mal durchgezogen? Auf den letzten Metern drehte er seinen Kopf nach links und rechts, den Start verschlief er völlig – also selbst da ist noch Luft nach oben.

Natürlich – da kommt man bei dem jamaikanischen Wundersprinter nicht umher – muss man auch über Doping sprechen. Auf der Karibik-Insel herrschen ideale Verhältnisse für einen Top-Sprinter: schönes Wetter, starke Trainigspartner, lasche Trainingskontrollen. Eine Anti-Doping-Agentur, Jadco, wurde erst im vergangenen Jahr gegründet. Mitglieder von Jadco sorgten jüngst dafür, dass eine in Verdacht stehende Gruppe von Athleten rechtzeitig zum WM-Start freigesprochen wurde. Trainingskontrollen, für die Jadco von der WADA (Welt-Anti-Doping-Agentur) befähigt worden ist, finden im Sprinterparadies offenbar kaum statt.

Auf den Spuren Ben Johnsons?

Bolt lief rund 0,2 Sekunden schneller als die nachweislich gedopten ehemaligen Weltmeister und Weltrekordträger Tim Montgomery und Justin Gatlin (beide USA; 2005 bzw. 2006 überführt). Natürlich fragt man sich dann: Geht das?

Mehr als zwanzig Jahre ist es her, dass ein Sprinter derart überlegene Zeiten lief. Der nach Kanada emigrierte Jamaikaner Ben Johnson pulverisierte den bis 1987 gültigen Weltrekord um eine Zehntel Sekunde, lief bei Olympia 1988 sogar in 9,79 Sekunden zu Gold. Einen Tag später war er als Betrüger entlarvt. Erst elf Jahre später erzielte Maurice Greene – ebenfalls verdächtigt, sich Dopingmittel vom Mexikaner Heredia besorgt zu haben – diese Zeit wieder.

Und jetzt eilt Bolt allen davon. Es ist nicht die Dominanz eines Maurice Greene, der einige Jahre die wichtigsten Rennen für sich entscheiden konnte. Es ist noch einmal eine Steigerung dessen, weil er nicht nur die Konkurrenz in Grund und Boden läuft, sondern auch die Uhr. Das fasziniert, das lockt die Zuschauer in die Arenen und an die Fernsehgeräte. Aber um die Fragen kommt Bolt nicht herum.


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