MAG-Rezension: "Strafraum" von Holger Nicklas und Johannes Hucke
18. August 2009, 12:04 geschrieben von informer, abgelegt unter Rezensionen.
Strafraum: Ein KSC Krimi von Holger Nicklas, Johannes Hucke, und Thomas Lindemann von Info Verlagsges. (Broschiert – 8. Juli 2009)
“Strafraum”
von Holger Nicklas und Johannes Hucke ist ein KSC-Krimi … zumindest dem Einband nach. Tatsächlich spielt der KSC auch eine Rolle, denn ein Spieler des Vereins stirbt auf dem Platz. Seine Freundin glaubt nicht an den diagnostizierten Herztod. Sie geht zur Polizei – und im Zuge der Ermittlungen wird ein Knäuel von Fäden entwirrt, an deren Ende die russische Wettmafia, kriminelle Pharmaunternehmen, Geld und menschliche Schwachheit zu finden sind.
Ist es die Sehnsucht der Autoren, dass im sportlich eher nicht so erfolgsverwöhnten Karlsruhe auch mal etwas Großes passiert – oder sind es Kassandra-Rufe? Im Alltag ist der Fußball schon längst zum Werkzeug des Kommerzes verkommen und wird vom Fernsehen diktiert, im Werk der Autoren wird diese Wirklichkeit noch überzeichnet. Doping und kriminelle Machenschaften haben das Team des KSC durchsetzt und scheinen Zerstörung anzurichten. Doch der etablierte Kapitän schafft es mit wenigen Worten, die Ehre junger Spieler anzustacheln …
Dieses Buch erfüllt seine Versprechungen nicht
Ganz ehrlich: Wer von diesem Buch etwas erwartet, wird enttäuscht. Weder schaffen es die Autoren, die atmosphärische Dichte eines gelungenen Romans zu entwickeln, noch spielt Fußball eine tragende Rolle. Die holprige Handlung wird auch durch Identifkationsfiguren nicht flüssiger – im Gegenteil: Immer wieder müssen sich die Kommissare aufraffen, der Sache nachzugehen, weil sie eigentlich nicht recht an die Vorwürfe glauben. Wie im amerikanischen Traum schaffen es ein paar rechtschaffene Protagonisten mit einfachen Mitteln, den Lauf des Unheils zu stoppen – obwohl die Macht des Bösen vorher nicht nur in Ansätzen als mächtig dargestellt wird.
Strafraum versucht etwas zu sehr, ein Fußball-Krimi zu sein und implantiert eine Handlung in die Welt rund um den Ball. Wie bei vielen Krimis mit Lokalkolorit sind die Effekte weltlicher Stilmittel in einem Mikrokosmos etwas anders und scheinen nicht so recht zu passen. Der triviale Ansatz des Krimis hätte das Zeug, einen runderen Abschluss zu erreichen – leider halten die Autoren den Weg nicht konsequent ein und verlieren durch Rempler an den Banden etwas Fahrt. Da die Autoren die Komplexität der Verwicklungen andeuten, aber nicht ausformulieren, schränken sie selbst ihre Möglichkeiten ein. Schade.
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