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MAG-Analyse: Vom Stammspieler zum Bankdrücker! Sind die Vereine Schuld?

7. September 2009, 12:48 geschrieben von informer, abgelegt unter Deutscher-Fussball.

Es muss ein merkwürdiges Gefühl sein. Man spielt bei zwei Weltmeisterschaften, stand 2002 im Finale der Champions-League…und ist jetzt bei Werder Bremen nicht mal mehr Ersatz, sondern Zuschauer. Jurica Vranjes hat mit der rauen Seite der Realität Bekanntschaft gemacht. Besonders nachdem das Transferfenster geschlossen ist. Denn Werder-Sportdirektor Klaus Allofs hat klargestellt, dass Werder nicht mehr mit Vranjes plant. Den Durchbruch bei Werder hat Vranjes nie geschafft: Jahrelang bewegte er sich im luftleeren Raum zwischen erster Mannschaft und Bank. Das Ende der Transferfrist bedeutet für Vranjes, auch die nächsten Monate auf der Tribüne zu verbringen. Ob das dem Verein hilft, ist die Frage: Der Spieler bekommt sein volles Gehalt, bringt dem Verein aber null Gegenleistung. Für den Spieler ist das nicht das Schlimmste. Auch wenn ein Sportler lieber spielen will: Es gibt größere Härten im Leben als sechsstellige Gehälter auf der Tribüne abholen zu müssen.

Suspendiert – und was dann?

Das Image eines Vereins leidet stark, wenn Spieler scheitern. Denn Vranjes ist kein Einzelfall, Tosic leistet ihm auf der Tribüne Gesellschaft. Bremen nimmt lieber nur 16 Spieler mit zu einem Auswärtsspiel, als Tosic und Vranjes auf die Bank zu setzen. Und es gibt mehr. Ob Albert Streit auf Schalke (der sogar vom Training suspendiert wurde), ob Lell oder Sosa bei Bayern München, ob Mahdavikia bei Eintracht Frankfurt oder Öczan bei 1899 Hoffenheim: Problemfälle hat jede Mannschaft. Unterschiedlich ist nur der Umgang mit den Gescheiterten – da zeigt sich der Charakter eines Vereins bzw. des Trainers. Einige Vereine gestatten den Spielern nur, sich persönlich fitzuhalten, andere erlauben das Training mit der zweiten Mannschaft, bei einigen können die Gescheiterten normal trainieren. Borussia Mönchengladbach weiß, wie sich das Blatt drehen kann – verhalf doch gerade der „unsägliche“ Baumjohann den Fohlen zum Klassenerhalt, weil sich kein Käufer gefunden hatte.

Als Spieler nicht mehr berücksichtigt zu werden, ist oft der Anfang vom Ende. Denn wer nicht spielt, wird nicht beobachtet. Wer nicht beobachtet wird, wird nur selten von anderen Vereinen als Verstärkung erkannt. Damit ist das Abstellgleis erreicht, und von diesem Gleis wieder herunterzukommen, gehört zu den härtesten Aufgaben, die das Profifußballwesen mit sich bringt. Der Fall Vranjes wirft ein Schlaglicht auf die Problematik. Denn für ihn zerschlugen sich bereits Wechsel zu Paris St. Germain oder zum AS Monaco. Und es ist die Frage, ob ein längerer Tribünenaufenthalt die Referenz ist, die einen Wunschverein zur Entscheidung bewegt, Vranjes unbedingt als Verstärkung benötigen zu müssen.

Das Problem: der ‘Kaka von morgen’

Die Wurzel des Übels liegt eigentlich im Geld. Immer mehr Bundesliga-Vereine wollen den „Kaka von morgen“ – denn der von heute ist zu teuer (Finanzkonzentrate wie Manchester City mal ausgenommen). Deswegen holen die Vereine günstige Spieler, von denen sie sich eine Entwicklung erhoffen. Aber nur selten gelingt die Entwicklung von der Raupe zum Schmetterling wie im Fall Diego. Oft machen die Spieler nicht den gewünschten Weg, wie eben im Fall Vranjes, Alberto, Lell, Munteanu etc. Die Nachfrage nach solchen Spielern ist dementsprechend überschaubar. Und durch Degradierung mit ihren psychologischen Folgen werden die Chancen auf ein positives Ende nicht besser. Ob ein besseres Scouting helfen könnte, Transfer-Flops zu verhindern? Wahrscheinlich schon. Denn dass z. B. Vranjes keine Weltklasse-Qualitäten hat, war jahrelang bekannt. Darüber hinaus ist strittig, ob Vranjes 2005 noch als Talent geführt werden konnte. Ihn mit der Maßgabe zu verpflichten, dass die Leistung deutlich besser werden soll, zeigt eine Erwartungshaltung, die nie hätte da sein dürfen. Da Bremen keine Gelegenheit hat, seinen Problemkindern auf der Bundesliga- oder der europäischen Bühne Praxis, Erfahrung und Zeit zu geben, sollten Transfers besser vorbereitet werden. In den Schlagzeilen steht der gescheiterte Spieler. Ein Blick auf die Kaderpolitik des Vereins zeigt jedoch, dass die Verantwortlichen entscheiden, welcher Spieler geholt wird.


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