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[WM-Qualifikation 2010] Paraguay qualifiziert

10. September 2009, 05:11 geschrieben von Jinxo, abgelegt unter Int-Fussball, WM-2006.

Paraguay ist durch – Guaranies qualifizieren sich zum achten Mal für eine WM

Die Spiele, in denen man sich für ein großes Turnier qualifiziert sind immer besondere Spiele. So erinnert man sich als Deutscher erinnert noch gern an Häßlers Tor gegen Wales im Jahre 1989. Für die Bürger Paraguays und ihre Nationalmannschaft, die entweder den Spitznamen Guaranies (nach den Ureinwohnern Paraguays) oder Abirroja (nach den rot-weiß gestreifen Trikots) trägt, kam am Mittwochabend südamerikanischer Zeit ein solcher Moment dazu. Man wusste, dass Paraguay mit einem Sieg das Ticket für Südafrika lösen würde, doch der Gegner in Ascunción war immerhin der zweimalige Weltmeister Argentinien, trainiert von Diego Maradona. Doch Paraguay zeigte keine Angst vor großen Namen und als Nelson Valdez in der 28. Minute ins Tor hämmerte entstand in den Köpfen der Paraguayaner ein Moment kollektiver Fußballgeschichte. Es war das Tor, das Spiel, das Argentinien geschlagen und die WM-Fahrkarte für Paraguay gelöst hatte.

Das MAG nimmt die Qualifikation Paraguays zum Anlass, die Mannschaft kurz vorzustellen:


Paraguay

Steckbrief:

Trikotfarben: rot-weiß-blau
FIFA-Weltrangliste: 23
WM-Teilnahmen: 1930, 1950, 1958, 1986, 1998, 2002, 2006
Größter Erfolg: Achtelfinale (1986, 1998, 2002)
Kontinentalmeister: 2 (1953, 1979)

Rekordnationalspieler: Carlos Gamarra (110 Einsätze)
Rekordtorschütze: José Saturnino Cardozo (25 Tore)
Trainer: Gerardo Martino (46 Jahre)
Bilanz der letzten 10 Spiele: 6 Siege, 1 Unentschieden, 3 Niederlagen (8:7 Tore)

WM-Historie, aktuelle Spieler und Trainer:

Sieben Mal war Paraguay bislang bei Weltmeisterschaften dabei, nur 1950 schaffte es das Team nicht, ein Spiel zu gewinnen. Trotzdem ging es für die Guaranies nie über das Achtelfinale hinaus. Die WM-Geschichte Paraguays beginnt gleich mit der ersten WM 1930 in Uruguay. Das erste WM-Spiel fand gegen die USA statt. Deren Stürmer Bert Patenaude erwischte einen Traumtag und schoss Paraguay mit dem ersten Dreierpack der WM-Geschichte im Alleingang ab. Der 3:0-Niederlage folgte ein 1:0-Sieg gegen Belgien. Dennoch war in der Vorrunde Schluss, genau wie 1950. Erneut spielte man in einer Dreiergruppe in der Vorrunde, konnte dieses Mal aber kein Spiel gewinnen. Einem 2:2 gegen Schweden folgte ein 0:2 gegen Italien. 1958 dann reiste man das erste Mal außerhalb des eigenen Kontinents zu einer WM. Beim Turnier in Schweden erzielte das Team von Trainer Aurelio González in jedem seiner Spieler drei Tore, konnte aber nur eines gewinnen. Im ersten Spiel unterlag man Frankreich, für das Just Fontaine dreimal traf, mit 3:7, im letzten Spiel schaffte man ein 3:3 gegen Jugoslawien. Zwischen den beiden Spielen lag der erste Sieg bei einer WM in 28 Jahren, ein 3:2 gegen Schottland.

Genau diese 28 Jahre sollte es dann wieder dauern, bis zum nächsten Spiel, Tor und Sieg Paraguays bei einer WM. 1986 in Mexiko wurde die Albirroja mit den Gastgebern, Belgien und dem Irak in eine Vorrundengruppe gelost. Gleich das erste Spiel gegen WM-Neuling Irak konnten die Guaranies für sich entscheiden. Julio César Romero erzielte den 1:0 Siegtreffer. Jener Romero, von Pelé unter die 125 besten Fußballer aller Zeiten gewählt, erzielte auch beim 1:1 gegen Mexiko das Tor. Bis heute gilt Romero, der u.a. für New York Cosmos, Fluminense und den FC Barcelona spielte, als einer der besten Spieler, die Paraguay je hervorgebracht hat. Im abschließenden Gruppenspiel gegen Belgien erzielte dann allerdings nicht Romero sondern Roberto Cabanas, der das Romero das Tor gegen Mexiko aufgelegt hatte, die Tore. Der damals 27-jährige traf zweimal, das Spiel endete 2:2, Paraguay stand im Achtelfinale gegen England. Die Three Lions machten dort mit der Albirroja kurzen Prozess. 3:0 schlugen sie die Südamerikaner: Zweimal Lineker und einmal Beardsley waren die Torschützen für England auf deren Weg zur Begegnung mit der Hand Gottes im Viertelfinale.

Keine 28 aber immerhin zwölf Jahre sollte es dauern, bis Paraguay wieder bei einer WM dabei war. Seit jener WM in Frankreich allerdings hat sich Paraguay stets für die Welttitelkämpfe qualifizieren können. Eine beachtliche Leistung für ein verhältnismäßig kleines südamerikanisches Land ohne große Stars. Über das Achtelfinale ging die Reise jedoch bei keinem der drei Turniere seit 1998. In Frankreich überstand Paraguay die Gruppenphase trotz zweier Null-zu-null gegen Bulgarien und Spanien durch ein 3:1 gegen Nigeria im letzten Gruppenspiel. Jenes 3:1 hieß auch, dass Spanien trotz eines gleichzeitig erspielten 6:1 gegen Bulgarien ausscheiden musste. Jenes Schicksal ereilte die Guaranies dann im Achtelfinale selbst, als sie trotz großen Kampfes die Segel streichen mussten. 113 Minuten lang hatten sich die Südamerikaner gegen Gastgeber Frankreich gewehrt, doch dann überwand der französische Kapitän Laurent Blanc Jose Luis Chilavert im Tor der Paraguayer und erzielte das erste Golden Goal der WM-Geschichte.

Auch 2002 hielt Paraguay im Achtelfinale lange das Null-zu-null. Erst zwei Minuten vor Schluss der regulären Spielzeit musste Chilavert hinter sich greifen. Oliver Neuville hatte ihn überwunden. In jenes Achtelfinale war Paraguay nur denkbar knapp gerutscht, nach einem 2:2 gegen Südafrika und einem 1:3 gegen Spanien, mussten die Weiß-Roten gegen Slowenien mit zwei Toren Unterschied gewinnen. Erst sechs Minuten vor Schluss erzielte Nelson Cuevas das erlösende Tor, das Paraguay ins Achtelfinale spülte. Jener Cuevas ist mit drei Toren der Rekordtorschütze Paraguays bei Weltmeisterschaften. Er ist dies dank eines Tores, das er im Juni 2006 in Kaiserslautern erzielte. Es war das 2:0 in einem bedeutungslosen Spiel gegen Trinidad und Tobago, nach 0:1-Niederlagen gegen England und Schweden war Paraguay bereits sicher aus dem Turnier ausgeschieden.

Einige, die 2006 in Vorrunde scheiterten, spielen immer noch eine große Rolle für die Albirroja: Allen voran die erfahrenen Justo Villar (Torwart), Julio Caceres und Denis Caniza (beide Abwehr). Alle drei werden bei Turnierbeginn 30 Jahre oder älter sein und würden mindestens das dritte Mal bei einer WM dabei sein. Caniza ist der Kapitän der Mannschaft und damit Nachfolger von Rekordnationalspieler Carlos Gamarra. Eigentlich hatte er 2006 seinen Rücktritt vom internationalen Fußball erklärt, wurde aber vom neuen Nationaltrainer überredet, weiter zu machen. Der 35-jährige, der bereits 1998 bei der WM in Frankreich in Aktion war, ist dank seiner Vielseitigkeit im Abwehrverbund ein wichtiger Bestandteil der Mannschaft. Wie gut die Abwehr funktioniert, sieht man auch am Gegentorschnitt in der WM-Qualifikation: In der oft torreichen Südamerikagruppe hat Paraguay weniger als ein Gegentor pro Spiel erzielt.

Dafür verantwortlich ist sicher auch Torwart Justo Villar. Im Verein beim spanischen Erstligisten Valladolid nur die Nummer zwei, ist er in Paraguay die unumstrittene Nummer eins. Bei der letzten WM allerdings verletzte sich der heute 32-jährige nach nur wenigen Minuten im ersten Spiel und musste von Aldo Bobadilla ersetzt werden. Der dritte im defensiven Bunde ist Julio Caceres. Caceres stand zwischen 2003 und 2007 beim französischen Verein FC Nantes unter Vertrag war jedoch regelmäßig ausgeliehen, so war er in den Jahren 2005 und 2006 für Atletico Madrid, River Plate und Taragona. Am Ende seines Vertrags in Nantes wechselte Caceres nach Mexiko. Heute spielt der Innenverteidiger wieder in Argentinien und ist dort vor allem für eine öffentliche Fehde mit Juan Riquelme bekannt. Caceres stellte die Motivation seines Teamkollegen Riquelme in Frage, dieser beschimpfte Caceres daraufhin als ahnungslos. Jenseits seiner Streitigkeiten mit Teamkollegen ist der bald 30-jährige ein solider Rückhalt sowohl für Boca Juniors als auch für die Nationalmannschaft.

Die in Deutschland bekannten Namen paraguayischer Fußballer sind jedoch andere, sie sind weiter vorne zu finden. Der kleinste der drei zu nennenden Fische ist Jonathan Santana. Der Mittelfeldspieler, der sowohl zentral defensiv als auch außen spielen kann, war 2006 nach Wolfsburg gewechselt und relativ regelmäßig zum Einsatz gekommen. Im vergangenen Winter lieh der spätere deutsche Meister den 27-jährigen nach Argentinien aus, wo er für San Lorenzo zehnmal zum Einsatz kam. Eine feste Größe ist Santana weder in Wolfsburg noch in der Nationalmannschaft, für die er erst seit 2007 spielberechtigt ist. Geboren und aufgewachsen ist der Sohn einer Paraguayerin und eines Argentiniers nämlich in Buenos Aires, erst seit zwei Jahren hat Santana die paraguayische Staatsbürgerschaft. Der andere paraguayische Nationalspieler, der in der Bundesliga aktiv ist, ist Nelson Valdez von Borussia Dortmund. Der 25-jährige Angreifer ist als Chancentod verschrieen, kann aber dennoch 34 Bundesligatore in 169 Spielen vorweisen. Auf zehn Saisontore oder mehr ist Valdez aber noch nie gekommen. Dennoch ist er eine feste Größe im Sturm der Guaranies.

Diese wäre auch der wohl bekannteste Paraguayer im Fußball: Roque Santa Cruz. Der ehemalige Bayern-Spieler, der inzwischen bei Manchester City unter Vertrag steht, bestritt jedoch sein letztes Spiel für Paraguay vor einem Jahr. Der 27-jährige laboriert seit längerem an einer Knieverletzung und muss sich momentan noch von den Folgen einer erneuten OP am Knie unterziehen. Jene Verletzungsanfälligkeit war schon einer der Gründe gewesen, warum Bayern München Santa Cruz hatte ziehen lassen. Nach seinem Wechsel zu Blackburn hatte er kurzzeitig groß aufgespielt und damit das Interesse größerer englischer Vereine erregt, genauso schnell wie sein Stern stieg, sank er jedoch auch wieder. Auf 19 Tore im ersten Jahr bei Blackburn folgten nur vier im zweiten, dennoch holte Mark Hughes, der Santa Cruz schon als Trainer von Blackburn verpflichtet hatte, den Stürmer zu Manchester City. Ist Santa Cruz fit, spielt er auch in der Nationalmannschaft eine wichtige Rolle, schließlich ist er von allen aktiven Spielern der mit den meisten Länderspieltoren.

Auf die Rückkehr Santa Cruz’ hoffen nicht nur viele Fans in Paraguay und Manchester, sondern auch sein Nationaltrainer Gerardo Martino. Der 46-jährige ist seit Februar 2007 Nationaltrainer der Albirroja, die zuvor vom Uruguayer Anibal Ruiz trainiert worden waren. Der in Rosario in Argentinien geborene Martino hatte sich durch eine erfolgreiche Arbeit als Vereinstrainer in Paraguay den Job als Nationaltrainer erarbeitet. Zwischen 2002 und 2006 hatte er dreimal die paraguayische Meisterschaft geholt und galt daher als logischer Nachfolger von Ruiz. Martinos Start in die Tätigkeit als Nationaltrainer war gemischt: Einerseits übernahm Paraguay schnell die Führung in der Südamerikagruppe der WM-Qualifiaktion und holte aus den ersten zehn Spielen dreiundzwanzig Punkte, andererseits musste man zu Beginn von Martinos Amtszeit im Viertelfinale der Copa America eine empfindliche 0:6-Schlappe gegen Mexiko hinnehmen.

Auch hatte man aus den Qualifikationsspielen elf bis vierzehn nur einen Punkt geholt, umso wichtiger war das 1:0 gegen Bolivien am 5.9., welches das Selbstbewusstsein von Martino und seinen Mannen wieder herstellen konnte. Der ehemalige Mittelfeldspieler (2 Länderspiele für Argentinien) ist in Europa fast völlig unbekannt, auch weil er als Spieler nur im Jahr 1991 in Europa aktiv war; für den spanischen Erstligisten CD Teneriffa. In Südamerika genießt der Fußsballlehrer jedoch einen sehr guten Ruf, so wurde er 2007 als südamerikanischer Trainer des Jahres ausgezeichnet. Als wichtigster Einfluss auf Martino gilt gemeinhin Marcelo Bielsa, der heute die Nationalmannschaft von Chile trainiert. Seine eigene Philosophie beschreibt Martino mit den Worten: “Im Fussball muss man zuhören können und stets für neue Konzepte offen sein. Eine absolute Wahrheit gibt es nicht.“ Sollte Paraguay in Südafrika zum vierten Mal die Vorrunde überstehen, werden Martino wohl auch außerhalb Europas einige Leute zuhören.


Andere Teile der Reihe im MAG:

Japan, Australien, Südkorea und Niederlande qualifiziert
Nordkorea qualifiziert
Brasilien qualifiziert
Ghana qualifiziert
Spanien und England qualifiziert

Weitere Links

Die ausführliche WM-Qualifikation Europas mit Aufstellungen, Torschützen etc. in den Statistiken
Die WM-Qualifikation aller Kontinente auf einen Blick in den Statistiken


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