[Boxen] Klitschko verteidigt Titel
27. September 2009, 14:40 geschrieben von BVB-Benny.
Vitali Klitschko konnte vergangene Nacht im Staples Center von Los Angeles seinen Weltmeistertitel erfolgreich verteidigen. Einmal mehr war der Gegner nur ein besserer Sparingspartner.
Ein einziger Blick auf beide Kontrahenten hätte schon gereicht, um den Ausgang dieses Kampfes vorher sagen zu können. Nicht umsonst drehten sich die Diskussionen der Vorberichterstattung nahezu überhaupt nicht darum, wer den Kampf gewinnen, sondern nur um die Runde, in der der Herausforderer auf die Bretter gehen würde. Fast schon traditionell war Klitschkos Gegner Christobal Arreola neun Zentimeter kleiner und somit auch mit entscheidend weniger Reichweite ausgestattet als sein Gegenüber. So gelang es dem Ukrainer wieder einmal, seine eklatanten Deckungsschwächen zu verschleiern. Schon mit Beginn der ersten Runde konnte er es sich leisten, seine Deckung auf Hüfthöhe hängen zu lassen, ohne dass Arreola in der Lage war, daraus nachhaltig Kapital zu schlagen. Für ihn gab es nur in dem Moment ein Herankommen an Klitschko, wenn er selbst grade einen Treffer kassiert hatte und der 38-Jährige entsprechend dicht an ihn herangerückt war. Dass diese Schläge aus der eigenen Benommenheit heraus nicht hart genug waren, um den 2,02m-Koloss ins Wanken zu bringen, versteht sich von selbst. Klitschko hingegen fuhr die altbewährte Zermürbe-Taktik: mit leichten, aber präzisen und vor allem zahlreichen Treffern nahm er dem gebürtigen Mexikaner nach und nach die Kraft. Den Beweis für die ihm nachgesagte Schlaghärte blieb er aber erneut schuldig. Als der Ringrichter nach 10 Runden den Kampf zu Gunsten von Klitschko abbrach, hatte Arreola knapp über 300 Treffer kassiert – fast dreimal so viele, wie er selbst landen konnte.
Trotzdem hat sich der nach dem Ende des Kampfes mehr als enttäuschte Herausforderer gut verkauft. Er brachte Klitschko mehr in Bedrängnis, als dessen letzten Gegner dies geschafft hatten und konnte so doch das ein oder andere Mal verdeutlichen, dass Vitali einer der deckungsschwächsten Weltmeister ist. Wenn Arreola einen seiner zu selten kommenden überfallartigen Angriffe startete, wirkte Klitschko teilweise wie ein kleiner Junge der vor einem bissigen Hund wegzulaufen versucht. Man muss schon mit der Klitschko-Brille vor dem Ring gesessen haben, wenn man wie RTL-Kommentator Drews nach acht Runden tatsächlich der Meinung war, der Ukrainer habe noch keine einzige abgeben müssen.
Ob Klitschko tatsächlich so stark ist wie die weitverbreitete Meinung glauben lässt, kann sich nur in einem Kampf zeigen, in dem sein Gegner ihm nicht schon von Vornherein von den physischen Voraussetzungen her entscheidend unterlegen ist. Gegen wen er als nächstes im Ring steht, bleibt abzuwarten.
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