[WM-Qualifikation 2010] Südamerika - Argentinien wahrt die Hoffnung mit einem dramatischen 2:1-Erfolg gegen Peru
11. Oktober 2009, 14:14 geschrieben von Elbefohlen, abgelegt unter Int-Fussball, WM-2006.
Die gesamte Qualifikation auf einen Blick
| Argentinien | 2:1 (0:0) | Peru |
“Das Leben ist eine Achterbahn” – und manchmal reichen wenige Minuten, um vom Himmel in die Hölle und noch einmal zurück zu gelangen. Unter diesem Aspekt sind auch die letzten Minuten des für Argentinien so wichtigen Qualifikationsspiels gegen Peru einzuordnen: Eben noch zusammengekauert wie ein Häufchen Elend, das die Welt nicht mehr versteht, rutschte Diego Maradona nur Augenblicke später in voller Glückseligkeit bäuchlings über den regennassen Rasen – ein Bild mit Symbolcharakter. Denn auch das vollbesetze El Monumental explodierte förmlich und ganz Argentinien genoss diesen Moment, den man Martin Palermo zu verdanken hatte und diesen zum Helden machte. Doch der Reihe nach…
Maradona hatte seine Mannschaft nach zuletzt katastrophalen Vorstellungen und drei Pleiten in Serie kräftig durcheinandergewirbelt. Gegenüber der Niederlage in Paraguay änderte er die Elf auf sieben Positionen, mit Higuain und Emiliano Insua vertraute er dabei sogar auf zwei Debütanten. Die Maßnahmen erwiesen sich zunächst als richtig, denn Argentinien übernahm sofort das Heft des Handelns und ließ die Peruaner kaum zur Entfaltung kommen. Perez, zweimal Higuain sowie Messi vergaben aber allesamt ihre Möglichkeiten, so dass es bis zur Pause torlos blieb und die Zuschauer ihre Mannschaft mit Pfiffen in die Kabine begleiteten.
Kurz nach Wiederanpfiff traf Higuain endlich zur ersehnten Führung und anstatt Pfiffe prasselten Jubelgesänge von den Tribünen herab. Der Angreifer von Real Madrid hatte sich frei gestohlen, wurde von Aimar mit einem maßgezirkelten Zuspiel bedient und netzte aus halbrechter Position per Flachschuss ins lange Eck ein (48.). Doch anstatt weiter nach vorn zu agieren und auf das zweite Tor zu drängen, stellte man das Offensivspiel komplett ein. Was sollte denn auch gegen die bis dato auf fremden Platz punktlosen Peruaner noch schief gehen?
Doch man hatte die Rechnung ohne die Gäste gemacht. Das Team von Del Solar nutzte die Passivität der Gauchos, setzte einige Nadelstiche. Dann brachen die letzten zehn Minuten an und aus dem Fußballspiel wurde eine Wasserschlacht der Extraklasse – Sturm peitschte durch das Stadion und es schüttete wie aus Kübeln, es herrschten plötzlich unwirkliche Bedingungen. In der 90. Minute rollte noch einmal ein Angriff Perus über die rechte Seite auf das argentinische Tor. Nachdem Keeper Romero zunächst einen Schuss aus spitzem Winkel parieren konnte, brachten seine Vorderleute den Ball nicht aus der Gefahrenzone. Von links segelte eine Flanke in den Strafraum, die der eingewechselte Hernán Rengifo unbedrängt aus circa sechs Metern mit dem Kopf verwertete. Rumms – während die Peruaner jubelnd auf dem Boden lagen, herrschte auf argentinischer Seite Schockzustand. Auf Wiedersehen, Südafrika?
Aber bis zum Abpfiff war noch etwas Zeit, und plötzlich wusste man auf Seiten der Gastgeber wieder, wo das Tor der Peruaner steht. Jetzt bekamen diese den Ball einfach nicht aus ihrem Strafraum geklärt, und so landete ein abgefälschter Schuss bei Martin Palermo, der völlig allein gelassen und leicht abseitsverdächtig auf Höhe des linken Pfostens im Fünfmeterraum stand und nur noch einzuschieben brauchte. Kaum war die Kugel im Netz, da brachen alle Dämme: Maradona wurde zum Diver, die Zuschauer verfielen in Ekstase, die Spieler zum Knäuel und Martin Palermo zum “Heiligen”. Der mittlerweile 36-jährige Stürmer, der nach jahrelanger Nichtberücksichtigung erst vor kurzem wieder in die Nationalmannschaft berufen wurde, stand mit freien Oberkörper und lang gestreckten Armen vor den Tribünen und ließ sich feiern.
Peru hatte allerdings noch einen Pfeil im Köcher, da der bolivianische Unparteiische den Ball noch einmal frei gab – und dieser landete direkt vom Anstoß auf der Latte des argentinischen Gehäuses. Pech für die Peruaner, Glück für die Gauchos, denn das war die letzte Aktion der in den Schlussminuten hochdramatischen Partie. Und so dürfte den Argentiniern am letzten Spieltag in Uruguay eigentlich ein Unentschieden reichen, um am Ende dieser verkorksten Qualifikation doch noch das Südafrika-Ticket zu lösen. Mit welchem Gesicht die Albiceleste in Montevideo auftritt, lässt sich nur schwer vorhersagen. Ganz am Ziel sind Maradona & Co. noch nicht…
Statistik
Argentinien: Romero – Jonas, Schiavi, Heinze, E. Insua – Perez, (46. Palermo), Mascherano, Di Maria – Aimar (76. F. Insua) – Messi, Higuain (67. Demichelis) – Trainer: Maradona
Peru: Butron – Prado, Zambrano, R. Alberto, Vilchez – Torres, Ramirez (90. Valverde) – Bellón, Solano (65. Palacios), Vargas – Fano (72. Rengifo) – Trainer: Del Solar
Tore: 1:0 Higuain (48.), 1:1 Rengifo (90.), 2:1 Palermo (90. +3)
Schiedsrichter: Rene Ortube (Bolivien)
Zuschauer: 38.019 im EL Monumental (Buenos Aires)
Gelbe Karten: Palermo / Zambrano
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