Rezension: Die Fußball-Matrix
10. Oktober 2009, 16:37 geschrieben von Francescoli, abgelegt unter Rezensionen.
Christoph Biermann: Die Fußball-Matrix. Auf der Suche nach dem perfekten Spiel; Verlag Kiepenheuer & Witsch ; 256 Seiten, gebunden; ISBN: 978-3-462-04144-6; erschienen am 24. August 2009; Euro 16.95
Längst ist auch der Fußball digitalisiert worden. Im Spitzenbereich findet sich kein Klub mehr, der nicht hoch spezialisierte Analytiker beschäftigen würde. Fußballtrainer stützen ihre Arbeit auf moderne Mittel der Leistungsdiagnostik, umfangreiche Datenbanken liefern ihnen jeden nur erdenklichen Wert zur eigenen Mannschaft und zum Gegner. Ballbesitz, Passquote, Laufwege – längst haben solche Daten auch Einzug gehalten in die Fußballberichterstattung und in die öffentlichen Diskussionen.
Aber ist der Fußball nicht zu komplex, um ihn vermessen und planen zu können? Entscheiden letztlich nicht doch der Zufall oder der plötzliche Geniestreich über Sieg und Niederlage?
Mit Die Fußball-Matrix hat Christoph Biermann dazu ein in mehrfacher Hinsicht bemerkenswertes Buch vorgelegt. Auf 256 Seiten erfährt der Leser, warum die wahre Fußballkunst in der Offensive liegt. Biermann erklärt, wie man einen Elfmeter schießen sollte, warum die Drei-Punkte-Regel den Fußball defensiver gemacht hat, wie Klubs grobe Fehler bei Spielertransfers vermeiden können.
Biermann reiht keinesfalls nur statistische Daten aneinander, sondern er beschreibt sehr umfassend die wissenschaftlichen Fortschritte auf dem Gebiet der Fußballforschung – immer auf der Suche nach der Fußball-Formel schlechthin. Dazu hat der Autor weite Reisen unternommen, hat Mathematikern, Informatikern, Psychologen oder Trainern Besuche abgestattet und sich deren Entwicklungsarbeit angesehen, um sie auf ihre Brauchbarkeit hin zu untersuchen. Aber ganz gleich, ob es sich dabei um hoch komplexe mathematische Modelle zur Berechnung von Erfolg versprechenden Angriffsvarianten oder sportmedizinische Hightech-Verfahren wie das berühmte Milan Lap handelt – Biermann erliegt nicht der Faszination der Zahlen. Er bewahrt sich die notwendige kritische Distanz und verzichtet auf einfache Antworten.
Die große Leistung des Buches besteht daher vor allem darin, dem Leser zu zeigen, dass die wissenschaftliche Durchdringung des Fußballs und dessen Digitalisierung längst eingesetzt haben, diese gleichzeitig aber als das zu begreifen, was sie sind: allenfalls Annäherungen an die komplexe Wirklichkeit des Spiels.
Das Buch ist in einem flotten Stil geschrieben, es liest sich gut. Und da mit 16,90 Euro auch der Preis stimmt, dürfte Die Fußball-Matrix sehr oft über die Ladentheken gehen. Passend zum Buch hat Christoph Biermann übrigens eine sehr lesenwerte Website mit ausführlichen Informationen eingerichtet.
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