Fussball-Forum-Fußball von seiner schönsten Seite!
Forum Fussball-Statistiken Magazin Tippspiel Impressum

[WM-Qualifikation 2010] Dänemark und Serbien qualifiziert

11. Oktober 2009, 00:58 geschrieben von Jinxo, abgelegt unter Int-Fussball, WM-2006.

Dänemark

Steckbrief:

Trikotfarben: rot-weiß
FIFA-Weltrangliste: 15
WM-Teilnahmen: 1986, 1998, 2002
Größter Erfolg: Viertelfinale (1998)
Kontinentalmeister: 1 (1992)

Rekordnationalspieler: Peter Schmeichel (129 Einsätze)
Rekordtorschütze: Poul Nielsen (52 Tore)
Trainer: Morten Olsen (60 Jahre)
Bilanz der letzten 10 Spiele: 6 Siege, 2 Unentschieden, 2 Niederlagen (18:8 Tore)

WM-Historie, aktuelle Spieler und Trainer:

Betrachtet man die Anzahl der WM-Teilnahmen der Dänen, reibt man sich verwundert die Augen. Liegt da kein Druckfehler vor? Ganze drei Mal sollen die Skandinavier bisher bei den Welttitelkämpfen dabei gewesen sein? Seltener als Marokko und Bulgarien, genauso oft wie Bolivien und Nordirland? Kann doch gar nicht sein. Trotz aller Verwunderung stimmt die Zahl. Erst 1986 nahmen die Dänen das erste Mal an einer WM teil.

Nicht, dass sie es vorher nicht versucht hätten. Den ersten Anlauf hatten sie für die WM 1958 unternommen. 0 Punkte, 4:13 Tore war die Bilanz aus den vier Spielen gegen England und Irland. Dänemark weit weg von einer WM-Teilnahme. Soweit weg, dass man die Qualifikation für das nächste Turnier ausließ. Doch auch bei der Quali für das Turnier in England 1966 reichte es für die Dänen nicht zu mehr als zum letzten Platz der Gruppe. Immerhin gab es mit dem 1:0 gegen Wales und dem 1:1 gegen Griechenland die ersten Punkte zu verzeichnen, die Auswärtsspiele wurden aber wieder allesamt verloren.

Auch die nächsten vier Qualifikationskampagnen waren nicht von Erfolg gekrönt. Immer wieder scheiterte man daran, dass man außerhalb des eigenen Landes keine Spiele gewinnen konnte. Erst am 23. Mai 1976 gelang den Dänen dies in einer WM-Qualifikation zum ersten Mal, sie gewannen 5:1 auf Zypern. Fünf Jahre später gelangen dann Siege in Luxemburg und Griechenland, für eine Qualifikation reichte es jedoch trotz eines 3:1 Heimsieges gegen den späteren Weltmeister Italien nicht. Der Aufwärtstrend war jedoch spürbar und als die Dänen 1984 bei der EM für Furore sorgten – sie schalteten England in der Quali dank eines 1:0 in Wembley aus, überstanden die Gruppenphase und scheiterten im Halbfinale erst im Elfmeterschießen an Spanien – konnte man damit rechnen, dass auch die WM in Reichweite der Skandinavier lag. Dänemark gewann dann auch die UEFA-Qualifikationsgruppe 6 noch vor der UdSSR und durfte nach Mexiko fahren.

Dort setzte Danish Dynamite – den Spitznamen hatte sich das Team auf klassische Nationalmannschaftsart- und weise erarbeitet: durch eine Schallplatte mit diesem Titel – seine Erfolge zunächst fort. Das Gerüst der Mannschaft um Sören Lerby, Michael Laudrup, Morten Olsen, Frank Arnesen und Preben Elkjær Larsen war von der Euro 1984 natürlich noch vorhanden und zeigte weiter frischen offensiven Fußball. Alle drei Gruppenspiele gewannen die Skandinavier. Das erste gegen Schottland noch verhalten mit 1:0, das zweite gegen Uruguay dann mit einem Offensivfeuerwerk: 6:1 gingen die Südamerikaner unter. Auch die BRD verlor im letzten Gruppenspiel gegen die Dänen, 0:2 hieß es. Zyniker behaupten allerdings, dass Beckenbauer seine Mannschaft absichtlich verlieren ließ, um den starken Spaniern im Achtelfinale aus dem Weg zu gehen. Wäre es so gewesen, der „Kaiser“ hätte eine weise Entscheidung getroffen. Spanien fegte Dänemark mit 5:1 vom Platz, allein Emilio Butragueño erzielte vier Tore für die Spanier.

Der trotz des Achtelfinalaus überzeugenden Vorstellung 1986 folgten zwei Turniere ohne die Dänen. Im November 1989 verloren die Skandinavier das entscheidende Qualifikationsspiel in Rumänien mit 1:3 und mussten zu Hause bleiben, ein Remis hätte bereits genügt, um in Italien dabei zu sein. Vier Jahre später hatte man in der Endabrechnung vier Tore weniger geschossen als die Republik Irland und musste deshalb zu Hause bleiben … als amtierender Europameister. Denn zwischen den beiden verpassten Qualifikationen lag der größte Triumph der dänischen Fußballgeschichte. In Schweden hatten die Dänen, nur wegen des Ausschlusses der Jugoslawen ins Turnier gerutscht, alle überrascht, als sie nicht nur die Gruppenphase überstanden, sondern auch noch Holland im Halbfinale und Deutschland im Finale bezwangen.

Nach den Enttäuschungen in den vorangegangen WM-Qualifikationen war Dänemark 1998 wieder dabei, einer sicheren Qualifikation, folgte ein Turnier, das erst im Viertelfinale zu Ende ging: Nachdem man die Gruppenphase als Zweiter hinter Gastgeber Frankreich abgeschlossen hatte, bezwang man im Achtelfinale Nigeria auf überzeugende Weise mit 4:1. In der nächsten Runde war dann aber gegen Brasilien Schluss. Doch die Dänen boten den viel höher eingeschätzten Brasilianern lange Zeit Paroli, gingen schon nach zwei Minuten in Führung und konnten auch eine brasilianische Führung ausgleichen. Am Ende machte ein Rivaldo-Tor den Unterschied beim 3:2-Sieg des späteren Finalisten. Dänemark hatte überzeugt.

Noch überzeugender war der Auftritt von Danish Dynamite in der Gruppenphase der nächsten Weltmeisterschaft. Mit dem amtierenden Weltmeister Frankreich, dem zweimaligen Titelträger Uruguay und dem Senegal in eine Gruppe gelost, schlossen die Dänen die Gruppe als Sieger ab. Krönung der Leistung war ein 2:0-Erfolg gegen den Weltmeister im abschließenden Gruppenspiel, der Frankreich aus dem Turnier kegelte und Dänemark ins Achtelfinale brachte. Dort war England der Gegner und hatte die Dänen stets im Griff. Ferdinand, Owen und Heskey brachten die Engländer noch vor der Pause mit 3:0 in Führung. Dänemark hatte keine Chance, wieder ins Viertelfinale gegen Brasilien einzuziehen.

Vier Jahre später in Deutschland waren die Dänen dann wieder nur Zuschauer. Die Ukraine und die Türkei hatten sich in der Gruppe vor den Skandinaviern platziert. Es fehlte ihnen am Ende ein Punkt auf die Türken und drei auf die Ukrainer, gegen beide Teams hatten die Dänen kein Spiel gewinnen können. Zu wenig, um zur WM fahren zu können.

Viele derer, die 2006 die Qualifikation verpassten sind auch heute noch im Kader. Für sie dürfte es eine besondere Genugtuung sein, jetzt doch dabei zu sein, allen voran für Martin Jörgensen und Jon Dahl Tomasson, die ihre Nationalmannschaft in den letzten Monaten als Spielführer aufs Spiel geführt haben. Die beiden Offensivkräfte haben unter den aktuellen Nationalspielern die meisten Einsätze für Dänemark und sind Führungsfiguren im Team von Trainer Morten Olsen.

Jörgensen, 33, spielt meist auf der linken Außenbahn, kann aber auch hinter den Spitzen oder auf der rechten Seite agieren. Den Großteil seiner Karriere hat Jörgensen in Italien verbracht. Seit fünf Jahren spielt er für den AC Florenz, zuvor war er sieben Jahren bei Udinese unter Vertrag. Jörgensen gilt als technisch beschlagener Dribbelkünstler, der bei seinen Einzelaktionen schon mal Weltklasseverteidiger alt aussehen lassen kann. Trotz seiner fortgeschrittenen Fußballeralters ist er aus dem dänischen Spiel nicht wegzudenken. Einzig seine Verletzungsanfälligkeit könnte ihm einen Strich durch die Rechnung machen, in der vergangenen Saison fehlte Jörgensen fast die komplette Hinrunde mit verschiedenen Muskelverletzungen und machte nur zehn Spiele in der Serie A.

Derjenige, den Jörgensen als Kapitän vertreten hat, ist für die deutschen Fans kein Unbekannter: Jon Dahl Tomasson, ehemals vom VfB Stuttgart. Inzwischen spielt der 33-Jährige wieder dort, wo er seine größten Erfolge feiern konnte, bei Feyenoord Rotterdam. Für Feyenoord war Tomasson schon zwischen 1998 und 2002 aktiv, erarbeitete sich dort einen Ruf als ausgezeichneter Torjäger und war ein wichtiger Teil des Teams, das 2002 den UEFA Cup gewann. Nur ein Jahr später holte Tomasson auch die Champions League, er war inzwischen zum AC Mailand gewechselt. Jene frühen Jahre dieses Jahrzehnts waren Tomassons beste. Seit seinem Wechsel nach Stuttgart hat der Stürmer auf Vereinsebene nicht mehr an seine Erfolge anknüpfen können; weder in Stuttgart, noch bei Villarreal, noch bei Feyenoord. Wie der gleichaltrige Jörgensen war auch Tomasson in den letzten Jahren immer wieder verletzt, so dass er fast ein Jahr lang kein Länderspiel bestreiten konnte, ehe er im August gegen Chile sein 103. Länderspiel machte.

Bereits an Tomasson und Jörgensen ist das große Problem der Dänen zu erkennen, dass sich auch bei der WM auftun könnte. Die Schlüsselspieler sind allesamt im fortgeschrittenen Fußballeralter. Neben Tomasson und Jörgensen werden bei Turnierbeginn auch Torwart Thomas Sörensen (bei Turnierbeginn 33), die Verteidiger Lars Jacobsen (30, ehemals 1. FC Nürnberg und HSV) und Per Koldrup (30), Mittelfeldspieler Christian Poulsen (30) und Daniel Jensen (30), Stürmer Dennis Rommedahl (31) und Jesper Jesper Grönkjær (32) bereits die Drei an der Zehnerstelle des Alters vorweisen können. Natürlich stehen mit Daniel Agger und Niklas Bendtner auch jüngere Spieler zur Verfügung, der Großteil der Mannschaft muss aber als fußballerisch alt oder zumindest älter gelten.

Verantwortlich für die Kaderzusammenstellung mit einer Betonung der älteren Akteure ist Morten Olsen. Olsen ist einer derer, die Dänemarks erste WM-Endrunde 1986 gespielt haben und einer der am längsten amtierenden Nationaltrainer Europas. Seit 2000 trainiert Olsen die Nationalmannschaft der Dänen, was einige Journalisten schon sich dazu hat hinreißen lassen, die dänische Nationalelf als „Olsen-Bande“ oder „Olsen’s Eleven“ zu bezeichnen. Nach der WM wird für den 60-Jährigen allerdings Schluss sein. Olsen selbst hofft, dass ihn Michael Laudrup als Nationaltrainer beerben wird, eine Entscheidung ist allerdings noch nicht gefallen.

Es ist ein kleines Wunder in der heutigen Fußballzeit, dass Olsen noch immer im Amt ist, obwohl er sich für die beiden letzten großen Turniere (2006 WM in Deutschland, 2008 EM in Österreich/Schweiz) nicht qualifizierten konnte. Es spricht für das hohe Ansehen das Morten Olsen, der sowohl als Spieler als auch als Trainer beim 1. FC Köln tätig war, in Dänemark genießt. Natürlich ist der knorrige Olsen nicht frei von Kritik, oft gilt er als stur und taktisch unflexibel – das 4-3-3 ist das Lieblingssystem Olsens – doch mit der Qualifikation für die WM 2010 bewies Olsen, dass er auch alten Hasen noch Beine machen kann.

Serbien

Steckbrief:

Trikotfarbe: rot-blau
FIFA-Weltrangliste: 13
WM-Teilnahmen: keine (1930, 1950, 1954, 1958, 1962, 1974, 1982, 1990 als Teil Jugoslawiens, 1998 unter dem Namen Jugoslawien, 2006 als Teil von Serbien & Montenegro)
Größter Erfolg (als Jugoslawien): Vierter (1930, 1962)
Kontinentalmeister: – (als Jugoslawien Vierter 1976)

Rekordnationalspieler: Savo Milošević (102 Einsätze)
Rekordtorschütze: Savo Milošević (37 Tore)
Trainer: Radomir Antić (60 Jahre)
Bilanz der letzten 10 Spiele: 7 Siege, 1 Unentschieden, 2 Niederlagen (19:6 Tore)

WM-Historie, aktuelle Spieler und Trainer:

Würde man die turbulente Geschichte des Balkans nicht kennen und wäre man ein wenig zynisch, so könnte man behaupten, dass sich Serbien einen Spaß daraus macht bei jeder Weltmeisterschaft unter neuem Namen und in neuer Zusammensetzung aufzutauchen: 1990 zusammen mit Kroatien, Slowenien, Bosnien-Herzegowina, Mazedonien und Montenegro als Jugoslawien, 1998 nur noch mit Montenegro als Jugoslawien, 2006 in selber Zusammensetzung als Serbien und Montenegro und schließlich jetzt 2010 ganz alleine und einfach als Serbien. Die FIFA geht mit diesem Wirrwarr ganz einfach um: Alle WM-Ergebnisse Jugoslawiens und Serbien-Montenegros gehören offiziell Serbien.

Somit beginnt dessen WM-Geschichte auf einem Postschiff. „Florda“ hieß es und brachte die Serben, Kroaten aus Protest gegen die Verlegung des Verbandssitzes aus Zagreb nach Belgrad nicht dabei, von Marseille nach Montevideo. Das Königreich Jugoslawien war eine von vier europäischen Nationen (die anderen waren Frankreich, Belgien und Rumänien), die nach Uruguay reisten, um dort die erste Fußball-WM auszuspielen. Es war das einzige europäische Team, das die Vorrunde überstand, nachdem es sowohl Brasilien als auch Bolivien hatte besiegen können. Nach dem folgenden Halbfinale war dann allerdings das Turnier beendet, der spätere Weltmeister Uruguay besiegte die Jugoslawen mit 6:1, obwohl ein gewisser Branislav Sekulić, der in 50er Jahren dann Schweizer Nationaltrainer war, das Führungstor für die Gäste hatte erzielen können.

Beim nächsten Auftritt Jugoslawiens war aus dem „Königreich Jugoslawien“ die „Sozialistische Föderative Republik Jugoslawien“ geworden. Zwischen den beiden Turnieren lagen zwanzig Jahre und ein blutiger Weltkrieg. Erneut reisten die Südosteuropäer, die wegen ihrer blauen Trikots in der Heimat Plavi (die Blauen) hießen, nach Südamerika, erneut trafen sie in der Vorrunde auf Brasilien. Doch dieses Mal behielten die Südamerikaner, gleichzeitig Gastgeber des Turniers, die Oberhand und gewannen das entscheidende Gruppenspiel mit 2:0. Zuvor hatte Jugoslawien noch die Schweiz mit 3:0 und Mexiko mit 4:1 bezwungen. Zweifacher Torschütze gegen Mexiko: Zeljko Cajkovski, der Bruder des späteren Bayern-Trainers „Cik“ Cajkovski, der bei diesem Turnier ebenfalls für Jugoslawien auf dem Spielfeld war.

Während Zeljko vier Jahre später nicht mehr auf dem Platz stand, war Zlatko auch noch in der Schweiz mit von der Partie. Dort überstanden die Jugoslawen die Vorrunde, auch dank eines 1:0-Siegs gegen Frankreich, bei dem ein anderer Bruder, der von Bora Milutinovic, das entscheidende Tor schoss. Wieder mit in der Vorrundengruppe: Brasilien. Man trennte sich 1:1. Im Viertelfinale war dann Endstation für die Plavi, sie verloren gegen die Bundesrepublik Deutschland und reisten heim. Genau diesen Satz konnte man vier Jahre später wiederholen. Wieder war Deutschland der Viertelfinalgegner, wieder verlor Jugoslawien und auch 1962 kam es zum Viertelfinalduell zwischen Deutschland und Jugoslawien, doch dieses Mal gewannen die Südosteuropäer und zogen ins Halbfinale ein. Hier waren die Tschechoslowaken aber zu stark und man verlor mit 1:3 und auch das Spiel um Platz 3 gegen Chile ging verloren, so dass man die WM 1962 wie die WM 1930 als Vierter abschloss.

Als könnten sie nicht voneinander, trafen Deutschland und Jugoslawien auch 1974 bei der nächsten WM-Teilnahme der Plavi aufeinander. Wieder in der Runde vor dem Halbfinale, auch wenn sie dieses Mal in Form einer Gruppenphase stattfand. Die erste Gruppenphase hatte Jugoslawien nach einem 0:0 gegen Brasilien, einem 1:1 gegen Schottland und einem 9:0 gegen Zaire als Erster, die BRD wegen einer Niederlage gegen die DDR nur als Zweiter beendet, es schien also, als seien die Jugoslawen in besserer Form. Doch sie hatten das zweifelhalfte Vergnügen der erste Gegner des DFB nach jener schmachvollen Niederlage gegen die DDR zu sein. Die DFB-Elf überrollte Jugoslawien und gewann mit der ersten überzeugenden Leistung des Turniers mit 2:0 und wurde später Weltmeister. Jugoslawien hingegen verlor auch die anderen beiden Spielen der Zwischenrunde gegen Schweden und Polen.

Mit der Teilnahme an der WM 1974 begann ein regelmäßiges Spiel von Teilnahme und Nicht-Teilnahme für die Jugoslawen, das erst mit der Teilnahme an der WM 2010 unterbrochen werden wird. Auf eine erfolgreiche Qualifikation folgte stets ein Scheitern in der nächsten. Somit fanden die Titelkämpfe 1974, 1982, 1990, 1998, 2006 mit, die von 1978, 1986, 1994 und 2002 ohne jugoslawische Beteiligung statt.

1982 kam das Aus bereits in der Vorrunde, was hieß, dass man zum ersten Mal, wenn beide Teams am Turnier teilnahmen, nicht gegen Deutschland spielte. Denn in der Vorrundengruppe waren die Gegner Gastgeber Spanien, Nordirland und Honduras. Nur Honduras konnten die Jugoslawen schlagen. Acht Jahre später trafen Jugoslawien und Deutschland dann aber wieder aufeinander, gleich im Auftaktspiel. Lothar Matthäus zerlegte die Jugoslawen fast im Alleingang und am Ende stand es 4:1. Dennoch gelangten die Plavi bis ins Viertelfinale, nachdem sie in der Vorrunde Kolumbien und die Vereinigten Arabischen Emirate schlagen konnten und im Achtelfinale Spanien in der Verlängerung ausschalteten. Erst die Elfmeterkillerkünste von Sergio Goycochea beendeten die WM 1990 für Jugoslawien. Argentinien zog, nachdem das Spiel über 120 Minuten torlos geblieben war, ins Halbfinale ein.

Wie wenn das Schicksal Deutschland und Jugoslawien nicht auseinander gehen lassen wollte, war Deutschland auch bei der ersten Teilnahme Jugoslawiens, inzwischen der Name für das „Restgebiet“ aus Serbien und Montenegro, nach Ende des Bürgerkriegs einer der Gegner. Über weite Strecken dominierten die Jugoslawen, denen Andreas Köpke ein Tor geschenkt hatte, das Spiel gegen „Bertis Buben“, doch durch ein Eigentor von Sinisa Mihajlovic, der im ersten Gruppenspiel gegen den Iran noch den Siegtreffer für die Jugoslawen erzielt hatte, gerieten sie ins Wanken und kurz darauf konnte Oliver Bierhoff den Ausgleich erzielen. Beide Teams gewannen ihre abschließenden Gruppenspiele und so gewann Deutschland die Gruppe aufgrund der besseren Tordifferenz, weshalb Jugoslawien im Achtelfinale nun gegen Holland spielen musste. Die Jugoslawen wehrten sich lange erfolgreich gegen die Oranjes und hielten lange ein Unentschieden, doch in der zweiten Minute der Nachspielzeit traf Edgar Davids und Jugoslawien war ausgeschieden.

Natürlich war Deutschland auch an der bislang letzten WM-Teilnahme Jugoslawiens, das sich inzwischen mit der treffenderen Bezeichnung Serbien und Montenegro ausgestattet hatte, beteiligt. Dieses Mal nicht als Gegner, sondern als Gastgeber. Doch die Serben und Montenegriner hatten in der „Todesgruppe“ mit Argentinien, den Niederlanden und der Elfenbeinküste keine Chance. Sie verloren alle drei Gruppenspiele, darunter das Spiel gegen Argentinien mit 0:6.

Natürlich sind von dieser Mannschaft, die bei der WM 2006 ohne Punkte heimfuhr, noch einige Spieler für Serbien aktiv. Doch Trainer Radomir Antic hat die Mannschaft ordentlich verjüngt und viele Spielern aus den erfolgreichen U-Nationalmannschaften ins A-Team geholt. Echte alte Haudegen mit einer hohen Anzahl von Länderspielen sind eigentlich nur Ivica Dragutinoivc (33, FC Sevilla) und Dejan Stankovic (30, Inter Mailand). Letzterer stand bereits vor zwölf Jahren im jugoslawischen WM-Kader und ist heute der Kapitän der serbischen Nationalelf. Er gilt als Kopf und Lenker der Mannschaft und strahlt dank seines kraftvollen Schusses auch Torgefahr aus. Dragutinovic hingegen bildet zusammen mit Nemanja Vidic von Manchester United das defensive Zentrum des Abwehrverbunds der Serben. Die beiden waren Teil der Viererkette, die in der Qualifikation für das Turnier in Deutschland nur ein einziges Gegentor zulassen musste.

Jener Vidic (27) muss wohl als der Star des serbischen Teams gelten, dreimal hat er die englische Liga gewonnen, einmal auch die Champions League. Jedes Mal war er mit seiner Präsenz, seiner Zweikampfstärke und seiner Robustheit ein integraler Bestandteil des Erfolgs des Teams von Sir Alex Ferguson. In der letzten Saison wurde er sogar von der Premier League als Spieler der Saison in der Premier League ausgezeichnet. Die deutschen Fans haben einen anderen serbischen Innenverteidiger in den letzten beiden Spielzeiten aus nächster Nähe kennenlernen dürfen. Neven Subotic von Borussia Dortmund. Der 20-jährige Shooting-Star debütierte im März für die serbische Auswahl, nachdem auch der DFB und der US-Fußballverband um seine Dienste gebuhlt hatten.

Andere in Deutschland aktive serbische Nationalspieler sind Antonio Rukavina von 1860 München, der Stuttgarter Neuzugang Zdravko Kuzmanovic und Gojko Kacar von Hertha BSC Berlin. Dessen ehemaliger Teamkollege Marko Pantelic ist eine der Sturmoptionen von Trainer Radomir Antic, der in den letzten Qualifikationsspielen allerdings im Sturm lieber auf Nikola Zigic (28), den baumlangen Stürmer vom Valencia und Milan Jovanovic (28) von Standard Lüttich setzte. Ob Pantelic’ Nichtnominierung für die Spiele im September eine Entscheidung gegen den schwierigen Stürmer von Ajax Amsterdam darstellen oder Antic nur temporär auf ihn verzichtet, wird die Zeit zeigen.

Dass jener Antic das serbische Nationalteam trainiert, erscheint wie ein kleines Wunder. Der 60-jährige ist zwar gebürtiger Serbe, hat aber mehr als halbes Leben außerhalb seiner Heimat verbracht. Die Wahlheimat des ehemaligen Verteidigers ist Spanien. Bis heute ist Antic der einzige, der sowohl Real Madrid, als auch den FC Barcelona, als auch Atletico Madrid trainiert hat. Beim letzteren Verein feierte Antic die größten Erfolge, er holte 1996 mit Atletico das Double und wird von Atletico-Fans bis heute als einer ihrer größten Trainer verehrt.

Antic übernahm die serbische Mannschaft im August 2008 nach den Olympischen Spielen von Miroslav Dukic, der das Team eigentlich zur WM hätte führen sollen, nach Streitigkeiten mit Verbandsoffiziellen aber entlassen worden war. Bei seinem Amtsantritt kritisierte Antic dann auch in Bezug auf die Streitigkeiten die fehlende Disziplin in Team und Verband. Antic hat den serbischen Kader auf vielen Positionen umgestellt, exakt darauf achtend, welche Spieler zusammenpassen, getreu seiner Philosophie, die das Individuum hinter das Kollektiv zurücktreten lassen will. Gelingt ihm dies ist die serbische Mannschaft für das (historisch gesehen) fast sichere Aufeinandertreffen mit der DFB-Elf bestens gerüstet.

Andere Teile der Reihe im MAG:

Elfenbeinküste qualifiziert
Japan, Australien, Südkorea und Niederlande qualifiziert
Nordkorea qualifiziert
Brasilien qualifiziert
Ghana qualifiziert
Spanien und England qualifiziert
Paraguay qualifiziert


Teile uns deine Meinung zu diesem Artikel über das Kontaktformular mit.

  1. Super,sogar ich konnte noch was dazulernen(WM1930)!
    Endlich mal ein wahrer bericht(währe froh wenn in Geschichte-Politik,genauso objektiv über Serbien berichtet werden würde).
    Würde noch erwähnt werden
    welche spieler zur jeweils- jeweiligen WM
    in den reihen Jugoslawiens/Serbiens,
    Weltstar charakter hatten
    -so würde deutlich sein,wie stark die Serben(süd/Jugoslawen)in allen Ballsportarten sind!!!
    Und das bei miserablen infrastrukturellen bedingungen-UND dazu als kleine Nation(weltweit höhstens 13 MIO-Serbien 8 MIO!!).
    BRAVO für diesen bericht-
    übrigens:JA wir wollen Immer gegen die BRD-Auswahl spielen…..


    Salebre    Okt 11, 18:28    #

Weitere Artikel


|