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[WM-Qualifikation 2010] Chile qualifiziert

11. Oktober 2009, 03:54 geschrieben von Jinxo, abgelegt unter Int-Fussball, WM-2006.

Chile

Steckbrief:

Trikotfarben: rot-blau
FIFA-Weltrangliste: 21
WM-Teilnahmen: 1930, 1950, 1962, 1966, 1974, 1982, 1998
Größter Erfolg: Dritter Platz (1962)
Kontinentalmeister: – (viermal Zweiter)

Rekordnationalspieler: Leonel Sánchez (84 Einsätze)
Rekordtorschütze: Marcelo Salas (37 Tore)
Trainer: Marcelo Bielsa (54 Jahre)
Bilanz der letzten 10 Spiele: 45 Siege, 3 Unentschieden, 2 Niederlagen (20:15 Tore)

WM-Historie, aktuelle Spieler und Trainer:

Zum achten Mal nimmt Chile an einer WM teil und sie werden versuchen, zum ersten Mal außerhalb Südamerikas ein WM-Spiel zu gewinnen. Obwohl Chile bereits vier Mal auf fremdem Kontinent an einer WM teilgenommen hat, hat La Roja noch keine WM-Partie außerhalb der eigenen Hemisphäre gewonnen. Damit liegt der letzte Sieg in einer WM auch schon 47 Jahre zurück. Jener Sieg stellt gleichzeitig den größten Erfolg in der WM-Geschichte der Südamerikaner dar. Bei der Heim-WM im Jahre 1962 gewann man das Spiel um Platz 3 gegen Jugoslawien, nachdem man im Halbfinale gegen den amtierenden Weltmeister Brasilien mit 4:2 verloren hatte. Die andere Niederlage bei diesem Turnier war in der Gruppenphase gegen die BRD erfolgt. Italien, die Schweiz (Gruppe) und die UdSSR (Viertelfinale) hingegen mussten sich damals allesamt den WM-Gastgebern geschlagen geben. Bis heute gilt die Mannschaft um Rekordnationalspieler Leonel Sánchez, der damals vier Tore erzielte als die beste, die Chile je hervorgebracht hat.

Den meisten deutschen Fußballfans dürfte eine andere chilenische Elf besser in Gedächtnis sein: Jene, gegen die sich die westdeutsche Nationalelf im Juni 1974 in ihrem ersten WM-Spiel zu einem 1:0 mühte. Einzig Paul Breitners Fernschuss konnte Torwart Vallejos überwinden. Das Berliner Publikum war wenig begeistert und quittierte die Leistung der Deutschen mit Pfiffen. Die Chilenen schafften vier Tage später gegen die andere deutsche Mannschaft ein 1:1, kamen dann aber gegen die schwach eingeschätzten Australier ebenfalls nur einem Remis (0:0), so dass sie nach der Vorrunde nach Hause fahren durften. Noch schlimmer erging es Chile acht Jahre später in Spanien, wo man erneut mit den Deutschen in eine Gruppe gelost wurde: Im zweiten Gruppenspiel besiegte die BRD dann Chile auch durch drei Rummenigge- und ein Reinders-Tor mit 4:1. Im ersten Spiel hatte La Roja gegen Österreich 0:1 verloren und auch im letzten Spiel konnte Chile nicht gewinnen, während sich gleichzeitig in Gijon Österreich und Deutschland die Bälle zuschoben, verlor Chile gegen die dadurch ebenfalls ausgeschiedenen Algerier mit 3:2.

Der unrühmlichste Moment in der WM-Geschichte Chiles sollte allerdings noch folgen. 1989 trafen Chile und Brasilien im Maracana von Rio de Janeiro aufeinander. Brasilien führte mit 1:0 und Chile wäre bei diesem Resultat aus dem Rennen für die Teilnahme an der WM in Italien gewesen. In der 67 Minute flog ein Feuerwerkskörper auf das Spielfeld in Richtung chilenisches Tor, der chilenische Torwart Roberto Rojas brach am Kopf blutend zusammen und ließ sich vom Feld transportieren. Die chilenische Mannschaft verließ daraufhin protestierend das Feld und behauptete die Sicherheit der eigenen Spieler sei nicht gewährleistet. Der Schiedsrichter brach das Spiel ab. Bei Betrachtung der Videoaufnahmen stellte sich allerdings heraus, dass der Feuerwerkskörper Rojas gar nicht getroffen hatte und der Torhüter sich die Wunde am Kopf selbst mit einer Rasierklinge zugefügt hatte. Die FIFA wertete das Spiel mit 2:0, schloss Chile von der WM-Qualifikation für das Turnier in den USA 1994 aus und sperrte Roberto Rojas auf Lebenszeit.

Seitdem hat Chile erst ein einziges Mal wieder an einer WM teilgenommen: 1998 in Frankreich erreichte La Roja trotz dreier Unentschieden gegen Italien, Österreich und Kamerun das Achtelfinale. Dort aber verlor man gegen den späteren Finalisten Brasilien mit 4:1.

Im Gegensatz zu vielen anderen südamerikanischen Nationen sind die meisten chilenischen Akteure in Europa unbekannt. Nur wenige spielen außerhalb des amerikanischen Kontinents. Einer von ihnen ist der Kapitän der Roja, Claudi Bravo. Der 26-jährige Torhüter spielt bei Real Sociedad San Sebastian in der zweiten spanischen Liga und ist mit seinen 37 Länderspielen bereits einer der erfahrensten Spieler im Kader. Übernommen hat Bravo die Rolle als Kapitän von einer Legende des chilenischen Fußballs, Marcelo Salas. Der Rekordtorschütze des Landes trat 2007 aus der Nationalelf zurück, der er dreizehn Jahre lang angehört hatte. Die Rolle des wichtigsten Torjägers hat nun Humberto Suazo übernommen. Der 28 Jahre alte Suazo spielt in der mexikanischen Liga für Monterrey und wurde 2006, damals noch für Colo Colo in Chile aktiv, als „Welttorjäger“ ausgezeichnet. Für seinen Wechsel nach Mexiko erhielt Colo Colo acht Millionen US-Dollar, eine der höchsten je für einen chilenischen Spieler gezahlten Summen.

Neben Suazo und Bravo stellt Matias Fernandez von Sporting Lissabon den dritten Schlüsselspieler dar. Der in Argentinien geborene 23-jährige offensive Mittelfeldspieler, der im Sommer von Villarreal nach Portugal wechselte, ist oft für die kreativen Momente im Spiel der Chilenen veranwortlich und strahlt durch seine Freistoßkünste auch Torgefahr aus. Den renommiertesten Verein in seiner Biographie dürfte jedoch ein anderer haben: Mark Gonzalez. Der in Südafrika geborene Sohn eines chilenischen Nationalspielers absolvierte in der Saison 2006/07 25 Spiele für den FC Liverpool, momentan ist „Speedy Gonzalez“ bei ZSKA Moskau unter Vertrag. Für deutsche Fußballinteressierte hingegen dürfte weder Bravo, noch Suazo, noch Fernandez, noch Gonazalez der bekannteste chilenische Fußballer sein, sondern Arturo Vidal von Bayer Leverkusen. Der 22-jährige ist seit zwei Jahren teil der chilenischen A-Nationalmannschaft.

Trainiert wird diese von einem Argentinier: Marcelo Bielsa ist seit 2007 Trainer der Chilenen. Jener Bielsa, der sowohl beim Vorrundenaus der Argentinier 2002 als auch beim Goldmedaillengewinn seines Heimatlandes 2004 als Verantwortlicher auf der Trainerbank saß. Sechs Jahre lang war Bielsa Trainer Argentiniens. In dieser Zeit hat sich der heute 54-jährige ehemalige Verteidiger einen Ruf als sehr eigener, etwas schrulliger Coach erarbeitet. So kann es passieren, dass er auf ein Training mit der kompletten Mannschaft verzichtet und stattdessen verschiedene Mannschaftsteile zu verschiedenen Tageszeiten zum Training bittet. Der Presse verweigert Bielsa konsequent alle Bitten um Einzelinterviews. Stattdessen dauern die Pressekonferenzen mit dem Fußballlehrer umso länger, manchmal bis zu vier Stunden. Seine Philosophie beschreibt Bielsa gegen über der Website des Weltverbands FIFA dahingehend, dass er sich erst dann gut fühle, wenn seine Mannschaft mehr Zeit mit Angriff als mit Verteidigen verbringt. Dahingehend ist seine bisherige Bilanz mit Chile zumindest leicht im Plus 38 eigenen Toren stehen 32 Gegentore gegenüber. Ist in nur einem WM-Spiel die Anzahl der eigenen Tore höher als die der Gegentore, hat Chile sein erstes Ziel erreicht, ein WM-Sieg außerhalb Südamerikas, doch auch dann wird Marcelo Bielsa darüber keinem Pressevertreter ein Einzelinterview gewähren.

Andere Teile der Reihe im MAG:

Japan, Australien, Südkorea und Niederlande qualifiziert
Nordkorea qualifiziert
Brasilien qualifiziert
Ghana qualifiziert
Spanien und England qualifiziert
Paraguay qualifiziert
Elfenbeinküste qualifiziert
Dänemark und Serbien qualifiziert


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