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[WM-Qualifikation 2010] Slowakei qualifiziert

15. Oktober 2009, 00:32 geschrieben von Jinxo, abgelegt unter Int-Fussball, WM-2006.

Slowakei

Steckbrief:

Trikotfarben: blau-weiß
FIFA-Weltrangliste: 45
WM-Teilnahmen: keine (Als Teil der Tschechoslowakei: 1934, 1938, 1954, 1958, 1962, 1970, 1982, 1990)
Größter Erfolg: keiner (Als Teil der Tschechoslowakei: Finalist 1934, 1962)
Kontinentalmeister: keiner (Als Teil der Tschechoslowakei: Europameister 1976)

Rekordnationalspieler: Miroslav Karhan (92 Einsätze)
Rekordtorschütze: Szilárd Németh (22 Tore)
Trainer: Vladimír Weiss (44 Jahre)
Bilanz der letzten 9 Spiele: 4 Siege, 2 Unentschieden, 3 Niederlagen (22:14 Tore)

WM-Historie, aktuelle Spieler und Trainer:

Ginge es um die WM-Geschichte der Slowakei als eigener Staat, die Zeilen hier könnten nahezu leer bleiben: 1998 Gruppenvierter in der UEFA-Gruppe 6 hinter Spanien, Jugoslawien und der Tschechischen Republik, 2002 Gruppendritter in der UEFA-Gruppe 4 hinter Schweden und der Türkei, 2006 Zweiter in der UEFA-Gruppe 3 hinter Portugal, in den Entscheidungsspielen mit 5:1 und 1:1 an Spanien gescheitert. Ergo stehen keine WM-Teilnahmen für die Slowaken zu Buche, auch wenn sie jedes Mal ein Stückchen näher an die Teilnahme gerückt sind, die Qualifikation für 2010 also quasi als logischer Schritt erachtet werden kann. Doch ganz so einfach ist die WM-Geschichte der Slowaken dann doch nicht. Bereits acht Mal nahmen slowakische Spieler an einer WM teil: Als Teil der Tschechoslowakei.

Im Gegensatz zur UdSSR oder Jugoslawien, deren WM-Ergebnisse von der FIFA Russland und Serbien zugeordnet werden, gelten die Tschechische Republik und die Slowakei als gleichberechtigte Nachfolger des tschechoslowakischen Nationalteams. So gilt die Slowakei in den FIFA-Rekordbüchern als WM-Finalist 1934, obwohl lediglich zwei Slowaken (Cambal – kam in allen vier Spielen zum Einsatz – und Daucik – blieb ohne Einsatz) im Kader der CSR standen. Rumänien, die Schweiz und das Deutsche Reich hatte die CSR besiegt, ehe sie selbst in der Verlängerung des Finales gegen die Gastgeber mit 1:2 verloren.

Ein weiteres Mal stand die Tschechoslowakei, deren offizielle Abkürzung inzwischen um ein zweites „S“ auf CSSR erweitert worden war, im Endspiel einer Fußballweltmeisterschaft und dieses Mal macht es durchaus mehr Sinn, diesen Finaleinzug sowohl den Tschechen als auch den Slowaken gutzuschreiben. Der Kader bestand fast gleichmäßig besetzt aus zwölf Tschechen und zehn Slowaken. Das Team drang nach einer durchwachsenen Vorrunde (Sieg gegen Spanien, Remis gegen Brasilien, Niederlage gegen Mexiko) durch Siege gegen Ungarn und Jugoslawien bis ins Finale vor. Dort warteten erneut die Brasilianer und dieses Mal konnte man ihnen kein 0:0 abgewinnen. Die Südamerikaner siegten mit 3:1, obwohl Masopust die Tschechoslowakei noch mit 1:0 in Führung gebracht hatte.

Nach den Finaleinzügen 1934 und 1962 folgen auf der Erfolgsskala der Tschechoslowakei die Titelkämpfe von 1938 und 1990. Bei beiden erreichte man immerhin das Viertelfinale. 1934 wurde das ganze Turnier im KO-System ausgetragen und nach einem 3:0 gegen Holland in der ersten Runde war für die CSR dann im Viertelfinale gegen Brasilien Schluss. Das erste Spiel endete noch 1:1, so dass ein Wiederholungsspiel nötig war. Dies verlor die CSR, in deren Kader wie schon 1934 erheblich mehr Tschechen als Slowaken standen, mit 2:1. 1990 war die BRD die unüberwindbare Hürde der Tschechoslowakei. Zuvor hatte man im Achtelfinale Costa Rica mit 4:1 besiegt und auch in der Gruppenphase ansehnlichen Fußball gespielt. Die USA und Österreich wurden geschlagen und gegen Italien lange mitgehalten, auch wenn die Gastgeber am Ende mit 2:0 gewannen. Zu diesem Zeitpunkt firmierte die Tscheschoslowakei schon nicht mehr als CSSR, sondern nach den Wandlungen im Ostblock als CSFR. Das Adjektiv „sozialistisch“ war durch „föderativ“ ersetzt worden und das Föderative zeigte sich auch darin, dass der Kader genau paritätisch mit elf Slowaken und elf Tschechen besetzt war.

Vier weitere Male war die Tschechoslowakei bei Weltmeisterschaften dabei. Kein einziges Mal überstand sie die Vorrunde. Nicht 1954 nach Niederlagen gegen Uruguay und Österreich; nicht 1958, wo ein 2:2 gegen die BRD und ein 6:1 gegen Argentinien nicht zum Weiterkommen reichten, da man das erste Spiel gegen Norirland mit 0:1 verloren hatte; nicht 1970, wo die CSSR alle drei Gruppenspiele gegen Brasilien, Rumänien und England verlor; und auch nicht 1982, als man sich mit einem 1:1 gegen Kuwait blamierte, so dass das 2:2 gegen Frankreich nach der 0:2 Niederlage gegen England nicht mehr als ein kleiner Achtungserfolg blieb. In der Mitte zwischen den beiden letztgenannten Turnieren lag der größte internationale Erfolg der Tschechoslowakei, eng verbunden mit Uli Hoeneß’ Elfmeterkünsten. Als der damals 24-Jährige seinen Elfmeter im EM-Finale 1976 in den Belgrader Nachthimmel jagte, servierte er der CSSR den Titel auf einem Silbertablett. Antonin Panenka, einer von vier im Finale eingesetzten Tschechen – die anderen neun waren Slowaken -, nahm dankend an, die CSSR war Europameister.

Europameister war noch keiner im heutigen Kader der Slowaken, der Kapitän kann aber zumindest einen Deutschen Pokalsiegertitel sein eigenen nennen. Robert Vittek gewann 2007 mit dem 1. FC Nürnberg diesen Titel. Heute spielt der 27-jährige Stürmer für den OSC Lille in der französischen Ligue 1. Dort kommt der schnelle, technisch beschlagene Stürmer regelmäßig zum Einsatz ist aber weit entfernt von den Leistungen seiner besten Bundesligazeit. Die kam in der Rückrunde 2005/06 als er in 16 Ligaspielen 16 Tore erzielen konnte. Einen solchen Lauf hatte der am Schluss seiner Zeit in Nürnberg als lethargisch und arbeitsscheu verschieene Vittek seitdem nie wieder. In der Nationalmannschaft spielte Vittek oft besser als im Verein, er belegt in der ewigen Torschützenliste seines Landes Rang zwei.

Rang vier dieser Liste wird von einem anderen aus der Bundesliga bekannten Spieler belegt, Miroslav Karhan. Der inzwischen für Mainz aktive defensive Mittelfeldspieler ist gleichzeitig der Rekordnationalspieler der Slowakei und einer der wenigen Akteure im Kader der Slowaken, der die 30 bereits überschritten hat. Mit seiner Übersicht und Erfahrung ist Karhan ein wichtiger Führungsspieler für Vladimir Weiss. Neben Karhan gehören mit Pekarik (Wolfsburg), Hanzel (Schalke), Sestak (Bochum) und Jendrisek (Lautern) noch vier weitere Bundesligaspieler zum Kreis der Nationalmannschaft. Nicht mehr dabei ist Marek Mintal, der Bundesligatorschützenkönig von 2005 trat im Frühjahr aus der Nationalelf zurück, da er nicht das nötige Vertrauen von Nationaltrainer Weiss spürte. Er wolle sich stattdessen auf die Aufgaben beim 1. FC Nürnberg konzentrieren.

Doch nicht nur in Deutschland, sondern auch in vielen anderen europäischen Ländern finden sich die slowakischen Nationalspieler. Kaum einer spielt, sobald er ein gewisses Niveau erreicht hat, noch in der Heimat. Das Niveau der Liga ist zu schwach, um sich dort langfristig weiter zu entwickeln. Den prestigeträchtigsten Arbeitgeber aller Legionäre hat sicherlich Martin Skrtel. Der 24-jährige Innenverteidiger steht beim FC Liverpool unter Vertrag und ist dort dank seiner Zweikampfstärke und seines Kopfballspiels eine feste Größe. Es ist daher keine Überraschung, dass er auch für Nationaltrainer Vladimir Weiss eine wichtige Rolle spielt.

Weiss ist erst seit Juli 2008 Nationaltrainer seines Heimatlandes. Er übernahm den Posten von Jan Kocian, dessen Amtszeit insgesamt sehr enttäuschend verlaufen war. Nur drei seiner 17 Spiele als Nationaltrainer konnte Kocian gewinnen. Weiss hat in seinen bislang dreizehn schon doppelt so viele Siege zu Buche stehen. Dass Weiss ein erfolgreicher Trainer sein kann, stellte er bereits als Vereinscoach unter Beweis, als er Artmedia Petrzalka durch drei Qualifikationsrunden bis in die Champions League-Gruppenphase führte und dort beim FC Porto trotz eines 0:2-Rückstands noch mit 3:2 gewinnen konnte.

Weiss entstammt einer slowakischen Fußballerdynastie: Sein Vater, ebenfalls mit Namen Vladimir Weiss, spielte dreimal für die Tschechoslowakei, sein Sohn, auch er heißt Vladimir Weiss, spielt im Jugendteam von Manchester City, ist aber bereits Nationalspieler unter seinem Vater. Auch wenn seine Erfolge ihm recht geben ist der “mittlere Weiss”, WM-Teilnehmer von 1990, nicht bei allen slowakischen Fußballfans beliebt. Durch seine kompromisslose Art, die unter anderem Marek Mintal vergraulte, hat er sich nicht nur Freunde gemacht, auch wenn sie sicherlich ein Grund dafür ist, dass die Slowakei zum ersten Mal als eigener Verband bei einer WM dabei ist.

Andere Teile der Reihe im MAG:

Japan, Australien, Südkorea und Niederlande qualifiziert
Nordkorea qualifiziert
Brasilien qualifiziert
Ghana qualifiziert
Spanien und England qualifiziert
Paraguay qualifiziert
Elfenbeinküste qualifiziert
Dänemark und Serbien qualifiziert
Chile qualifiziert
USA und Mexiko qualifiziert
Italien qualifiziert


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