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Philipp Lahm hat Unrecht - Ein Kommentar

9. November 2009, 21:08 geschrieben von Francescoli, abgelegt unter Deutscher-Fussball.

In diesen Tagen wird im Fußball kaum etwas anderes diskutiert als das Interview von Philipp Lahm in der Süddeutschen und die Reaktionen des FC Bayern. Während viele Medien sich auf die Seite von Philipp Lahm stellen und Verständnis für sein Interview aufbringen, sollte man sich die Sache vielleicht noch einmal aus anderer Perspektive ansehen.

Lahms Kritik an den Mitspielern

Der FC Bayern hat in Form von Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge gegenüber Philipp Lahm eine Geldstrafe in einer Höhe verhängt, die es angeblich noch nie gegeben habe. Philipp Lahm hat sich seither nicht mehr geäußert und wird sich wohl auch in dieser Sache nicht mehr an die Öffentlichkeit wenden, zumindest nicht in nächster Zeit. Der FC Bayern konnte nicht zulassen, dass ein Spieler in dieser Form an die Öffentlichkeit geht – mit einer Kritik, die vordergründig nur auf die Vereinsleitung bzw. deren Transferpolitik zielt. Aber ist das so? Sehen wir uns die zentralen Punkte des Interviews näher an: Bezüglich des Trainer vertritt Philipp Lahm die Meinung, dass die sportliche Situation der Mannschaft nicht an van Gaal liege. Es findet sich nicht ein einziges kritische Wort gegen den Trainer. Dagegen enthält das Interview sehr ambivalente Passagen, in denen Philipp Lahm mehr oder weniger direkt anklingen lässt, dass auch Mitspieler in seine Kritik einbezogen sind.

Philipp Lahm dürfte geglaubt haben, mit dem Interview, das sorgsam vorbereitet und ausformuliert wirkt, seine Stellung bei van Gaal zu festigen, die Mannschaft jedoch dürfte nicht sehr erfreut sein. Vielleicht sehen sich einzelne formschwache Spieler durch die Vorfälle und das entsprechende Medienecho in ihrer Haltung bestärkt, dass nicht ihre Leistung auf dem Platz für die sportliche Situation verantwortlich sei, sondern die äußeren Umstände, nämlich die angeblich verfehlte Transferpolitik des FC Bayern oder die Vielzahl an strategisch-taktischen Experimenten. Dies wäre die typische Entschuldigung für schwache Leistungen. Mag sein, dass einige Spieler so reagieren werden.

Die Mehrzahl der Spieler wird jedoch richtig sauer sein auf ihren Ersatzkapitän Philipp Lahm. Vor allem Mittelfeldspieler wie Anatolij Tymoschtschuk, Marc van Bommel, Bastian Schweinsteiger oder Hamit Altintop werden sich kritisiert fühlen, da ihnen angeblich die Kreativität fehle und sie nicht immer anspielbar seien. (O-Ton Lahm: “Ich glaube einfach, unser größtes Problem liegt im Mittelfeld.”) Oder was sagen die Kollegen, wenn Philipp Lahm zur Konkurrenzfähigkeit seiner Mannschaft der Süddeutschen zu Protokoll gibt: “In der Bundesliga reicht es vielleicht, wenn du dort gut besetzt bist. Aber international brauchst du eben mindestens acht Spieler, die auf ihrer Position ausgebildet sind, Sicherheit haben und damit konkurrenzfähig sind. Ich sehe diese acht Spieler bei uns nicht, …”. Da hilft auch nicht viel, dass Lahm hinterherschiebt: “… und das liegt nicht an den Spielern, sondern an der fehlenden Philosophie über die letzten Jahre.” Die Botschaft an die Mannschaft wird so verstanden: “Hier reicht es für einige nicht. Vielleicht woanders, aber hier und jetzt sind einige falsch am Platz.”

In dieser Phase schadet Lahm der Mannschaft

Der FC Bayern musste dies unterbinden. Natürlich ist es für die Medien schön, dass man solch einen Skandal als Futter für die nächsten Tage und Wochen hat. Uli Hoeneß und die Vereinsleitung wissen aber, dass diese Angelegenheit erst intern gründlich geklärt wird, bevor man weiterreichende Stellungnahmen abgibt. Die lapidare Pressemitteilung von heute wird vorerst die letzte offizielle Reaktion von Seiten des FC Bayern sein.

Vorstand und Mannschaft wissen, dass der FC Bayern jetzt eine Antwort auf dem Platz geben muss. Und dafür gilt vor allem, was Daniel van Buyten zu dieser Sache gesagt hat: “Wir müssen jetzt den FC Bayern zusammenhalten. Nur so werden wir da rauskommen. Wenn jeder seinen Weg geht, wird es schwierig.” Ob die Länderspielpause von Vor- oder Nachteil ist, lässt sich von außen nicht beurteilen. Vielleicht wäre es nicht verkehrt gewesen, wenn jetzt etwas mehr Zeit wäre, die Konflikte vereins- und mannschaftsintern zu regeln.

Wenn van Gaal in der Lage ist, die Wut der Mannschaft in Leistungsbereitschaft und Leidenschaft umzuwandeln, dann hat er gute Arbeit gemacht und gezeigt, dass er seine Spieler kennt und erreichen kann. Wenn jedoch van Gaal nicht hinbekommt, dass die Mannschaft ihre offensichtliche Verkrampfung im Offensivspiel überwindet, dann werden er – und der Vorstand des FC Bayern – sehr schnell in noch größere Erklärungsnot geraten.


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  1. Ob nun Lahm im Unrecht ist, hängt wesentlich davon ab, wie man sein Interview versteht. Wenn man will, dann kann man das als Kritik an seine Mitspieler verstehen. Aber nur wenn man will!


    Oliver    Nov 9, 21:31    #
  2. Du hast natürlich Recht Francescoli, auch die Spieler werden mitkritisiert aber im Endeffekt ist das die Wahrheit. Auch wenn es einige Spieler und Verantwortlichen nicht hören wollen.


    — Kahn    Nov 10, 15:22    #

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