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Endzeitstimmung in Frankfurt - Ein Klub in der Graue-Maus-Nische.

10. November 2009, 14:52 geschrieben von Mario, abgelegt unter Deutscher-Fussball.

0:4 im DFB-Pokal daheim gegen Bayern München, 0:4 in Leverkusen. Am Main, bei der Frankfurter Eintracht, macht sich Endzeitstimmung breit. Während sich Vorstandsboss Heribert Bruchhagen in der Graue-Maus-Nische sichtlich wohl fühlt, holt Trainer Michael Skibbe zum Rundumschlag aus.

Aufbruchstimmung

Genau diesen Trainer hatten sie sich gewünscht, die Eintracht-Fans, nicht alle, aber die meisten. Michael Skibbe, der Verfechter schönen Fußballs, verbreitete Aufbruchstimmung. Kaum in Frankfurt angekommen, wurde, genau nach dem Geschmack der Sympathisanten, über spektakulären Angriffsfußball sinniert. “Ich will die Spieler dazu bringen, attraktiven und offensiven Fußball zu spielen, um bei den Fans wieder Begeisterung und Feuer zu entfachen”, versprach der Neue. Als er dann letztlich in Caio, dem teuersten Sorgenkind der Eintracht-Geschichte, einen sehr guten Fußballer sah, den er auf den richtigen Weg bringen wolle, hatte Skibbe seinen Kredit bei den Fans, ganz sicher auch bei Teilen der Klub-Oberen, ans Limit getrieben. Nach den ersten Trainingseindrücken zeigte sich der neue Trainer überrascht. Das Team sei besser als sein Ruf, brauche sich nicht zu verstecken. Aufbruchstimmung am Main.

Zwölf Bundesliga-Runden und drei DFB-Pokal-Spiele später, zeigt sich der Fußball-Himmel am Main wolkenverhangen. Im Pokal gab es daheim gegen Bayern München ein derbe 0:4-Klatsche, wenig später in der Bundesliga bei Bayer 04 Leverkusen einen weiteren desaströsen Auftritt, der das Pokal-Aus noch übertreffen sollte. Elf Minuten waren gespielt, da lag die Skibbe-Elf bereits uneinholbar mit 0:3 hinten. Hätten die Gastgeber kein Einsehen gehabt, wäre das Ergebnis wohl zweistellig ausgefallen. Wann zuletzt, fragte man sich, hat es eine solch peinliche Pleite gegeben. Bis auf den Auftaktsieg in Bremen hat sich an der Spielweise nichts grundlegendes geändert. Gegen die Kleinen gewinnt man, gegen die Großen gibt es nichts zu holen. Alles wie gehabt also.

Skibbe holt zum Rundumschlag aus

Als sei dies selbstverständlich, holte Skibbe nach dem 0:4-Debakel in Leverkusen zum Rundumschlag aus. “Wir müssen uns bei Eintracht Frankfurt in den nächsten ein bis eineinhalb Jahren völlig anders aufstellen, um konkurrenzfähig zu sein”, platzte es aus ihm heraus. Später, auf der Pressekonferenz, legte Skibbe noch mal kräftig nach. Wenn das mit der Eintracht so weiterginge und wenn nicht endlich ein Hebel angesetzt und Vollgas geben wird, dann würde die Eintracht in der Liga durchgereicht bis ganz unten – zwar nicht in dieser Saison, aber man würde schwächer und schwächer und schwächer. Der ganze Verein sei jetzt aufgerufen, die Ärmel aufzukrempeln und die Sachen besser zu machen. Jeder müsse volle Pulle Vollgas geben. Wichtig sei, dass Konkurrenzfähigkeit angestrebt wird.

Kritische Töne eines frustrierten Trainers, der nach einem knappen Drittel der Saison erkennen muss, eine Mannschaft zu trainieren, die so, wie sie derzeit aufgestellt ist, nicht über ihren jetzigen Nimbus, dem Mittelmaß, hinauskommen wird. Zwar ist das herausgegebene Ziel (46 Punkte) durchaus realisierbar. Insgeheim hat Skibbe aber wohl nach weiter oben geschielt, würde er sich gerne mit den Großen messen. Dazu ist seine Mannschaft allerdings zu durchschnittlich besetzt. Eintracht Frankfurt müsse sich verändern, um konkurrenzfähig zu bleiben, meint Skibbe. Dazu müsse man sich in allen Bereichen verbessern. Ein Dorn im Auge scheint ihm die Scouting-Abteilung zu sein, die sich unter anderem für die Transfers von Caio, Korkmaz, Steinhöfer, Bellaid und Fenin verantwortlich zeichnet. Keiner dieser Spieler konnte bisher überzeugen. Allen voran Caio, den Skibbe in Leverkusen nach 22 Minuten frustriert vom Feld nahm. Ihn, den Liebling der Fans, wollte er groß herausbringen. Dieses Vorhaben, das wird auch der Funkel-Nachfolger mittlerweile wissen, ist jetzt schon gescheitert. Die Auswechslung des Brasilianers, zu einem solch frühen Zeitpunkt, kommt überdies einer Demontage gleich. Das weiß ein Trainer, aber offensichtlich war es ihm egal, wollte er ein Zeichen setzen, der Scouting-Abteilung eins auswischen.

Guter Fußball kann auch günstig sein

“Nicht alles, was wir tun, muss auch gleich viel Geld kosten”, so die Weisheit Skibbes. Gemeint hat er Pirmin Schwegler, der als einziger Spieler aus seinem desolaten Ensemble in der Bay-Arena heraus stach. Zu bekommen war dieser Spieler schon für schlappe 700 000 Euro, während ein Caio 3,8 Millionen verschlang. Bellaid, der inzwischen wieder von Dannen zog, kostete mit 2,5 Millionen auch nicht gerade ein Trinkgeld, ebenso Korkmaz, der hoffnungsvolle Ösi-Dribbler.

Nun, es war nicht das erste Mal, das Michael Skibbe kritische Töne in der Öffentlichkeit anbrachte. Als feststand, dass die Verhandlungen mit einem seiner Lieblingsschüler, dem Ex-Schalker Lincoln, gescheitert waren, sprach er von einem großen Fehler der Eintracht, diesen Spieler nicht verpflichtet zu haben. Heribert Bruchhagen war es, der auch diesmal in den Fokus der Kritik geraten war. Er war es schließlich, der sein Okay verweigerte, das finanzielle Risiko nicht mitgehen wollte. Überhaupt scheint Skibbe Bruchhagen als Erfolgsbremse im Verein ausgemacht zu haben, der sich in seiner Graue-Maus-Nische wohl fühlt, die Ergebnisse lieber verwaltet anstatt vorweg zu gehen. Skibbe will weiter kommen, angreifen, und scheut dabei auch kein Risiko. Zwei Welten, die da aufeinander treffen. Der ein oder andere Fan ist bereits vom Trainer abgerückt, befürwortet die Vorgehensweise des Vorstands-Chefs. Beispiele, wie man einen Klub, der sich in ruhigen Fahrwassern befindet, an den Abgrund wirtschaften kann, gibt es in der Liga schließlich genug. Bruchhagen steht für Kontinuität, der Politik der kleinen Schritte, Skibbe für guten Fußball und Aufbruchstimmung. Der Volksmund sagt, Gegensätze ziehen sich an. Aber auch die Ehe Bruchhagen/Skibbe wird nicht ewig halten, und manchmal, wenn die Gegensätze zu eklatant sind, scheitern Bündnisse sogar sehr schnell.

Endzeitstimmung!


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