[WM-Qualifikation 2010] Neuseeland qualifiziert
14. November 2009, 12:52 geschrieben von Jinxo, abgelegt unter Int-Fussball.
| Neuseeland |
Steckbrief:
Trikotfarbe: weiß
FIFA-Weltrangliste: 83
WM-Teilnahmen: 1982, 2010
Größter Erfolg: Vorrunde
Kontinentalmeister: 1973, 1998, 2002, 2008
Rekordnationalspieler: Ivan Vicelich (65 Länderspiele)
Rekordtorschütze: Vaughan Coveny (28 Tore)
Trainer: Ricki Herbert (48 Jahre)
Bilanz der letzten 10 Spiele: 2 Siege, 3 Unentschieden, 5 Niederlagen (9:17 Tore)
WM-Historie, aktuelle Spieler und Trainer:
Mit dem 1:0 im Rückspiel gegen Bahrain in den Asien-Ozeanien-Play-Offs sicherten sich die All Whites die zweite WM-Teilnahme ihrer Geschichte. Die bisher einzige Teilnahme geschah im Jahr 1982, als man in der Qualifikation Australien, China und Saudi-Arabien hinter sich ließ und so erstmals zu einer WM reisen durfte. Das Abenteuer Fußball-Weltmeisterschaft allerdings war kein sehr erfolgreiches für die Neuseeländer. Die Gruppenphase zu überstehen hatten die Ozeanier nicht erwartet, doch mit 2:5 (Schottland), 0:3 (UdSSR) und 0:4 (Brasilien), alle drei Spiele hoch zu verlieren, setzte der Euphorie im Lande, in dem Rugby klar die Sportart Nummer Eins ist, ein jähes Ende. Dennoch ist das WM-Team von 1982 auch noch der Bezugspunkt im neuseeländischen Fußball, der seit dem Wechsel Australiens in den asiatischen Fußballverband die klare Führungsmacht des ozeanischen Fußballs ist.
Zu sehen ist dies auch daran, dass Neuseeland die WM-Qualifikation in Ozeanien, die gleichzeitig als Kontinentalmeisterschaft diente, fast nach Belieben dominierte und klar gewann. Im vergangenen Sommer durften die All Whites daher auch schon einmal beim Confederations Cup in Südafrika Probe spielen. Allerdings endete auch dieser Ausflug in die weite Welt des Fußballs mit einem eher ernüchternden Ergebnis. Man errang zwar den ersten Punkt bei einem interkontinentalen Turnier (die beiden vorhergehenden Ausflüge zum Confed-Cup waren jeweils mit drei Niederlagen beendet worden), doch gelang den Neuseeländern kein einziger Torerfolg, so dass am Ende ein 0:5 (Spanien), ein 0:2 (Südafrika) und ein 0:0 (Irak) zu Buche standen. Damit zeigt sich auch das ganze Dilemma des Fußballs in Neuseeland. Im eigenen Kontinentalverband ist man nach dem Abgang Australiens unangefochten und ohne ernsthafte Konkurrenz, auf der nächst höheren Ebene hingegen ist man kaum konkurrenzfähig. Bestrebungen den ozeanischen Verband im asiatischen aufgehen zu lassen und diesen danach in einen “Zentralasien”- und einen “Pazifik”-Verband zu teilen, werden daher größtenteils in Neuseeland positiv angesehen.
Wie weit der neuseeländische Fußball von der internationalen Spitze entfernt ist, lässt sich auch erkennen, wenn man den Kader der All Whites betrachtet. Nur ganz wenige Akteure verdienen ihr Geld außerhalb der australischen A-League, der mit Wellington Phoenix auch ein neuseeländisches Team angehört, oder der neuseeländischen Liga. Lediglich drei Spieler spielen Erstligafußball in Europa: Steven Old (Klimarnock), Ryan Nelsen (Blackburn Rovers) und Chris Killen (Celtic). Die beiden letztgenannten sind auch integrale Bestandteile der Mannschaft. Nelsen versucht als Kapitän und Abwehrchef den Defensivverbund der All Whites zu lenken und verleiht der Defensive mit der Routine seiner 32 Jahre eine gewisse Sicherheit. Gegen stärkere Gegner reicht Nelsens Erfahrung jedoch auch nicht, um zu verhindern, dass sich die Schleusentore öffnen.
Der 28-jährigen Killen spielt am anderen Ende des Spielfelds und ist einer der beiden Sturmhoffnungen der Neuseeländer. Seinen Durchbruch hatte Killen 2006/07 als er für Hibernian Edinburgh 13 Tore in 18 Spielen erzielte und somit das Interesse von Celtic wecken konnte. Dort hat sich der bei Manchester City ausgebildete Stürmer jedoch bis heute nicht richtig durchsetzen können, lediglich zwei Tore stehen seit 2007 auf dem Konto des gebürtigen Wellingtoners. Sein Sturmpartner, Shane Smeltz, ist der andere “kleine Star” im Team der All Whites. 2008/09 wurde er im Trikot von Wellington Phoenix Torschützenkönig der A-League und schaffte so den Wechsel von Neuseeland nach Australien, zum neu gegründeten Team von Gold Coast United. Dort setzte er seine gute Form fort und führt nach 14 Spieltagen die Torjägerliste mit 11 Treffern an. Der, wie Jürgen Klinsmann, in Göppingen geborene Smeltz hat bereits eine Zeit als Profi in England hinter sich, spielte allerdings in dieser Zeit nur für unterklassige Team: In der vierten Liga für Mansfield Town, in der fünften Liga für Halifax Town und in der sechsten Liga für den AFC Wimbledon. Auch an Smeltz’ Karriere wird schnell deutlich wie groß die Leistungsunterschiede des neuseeländischen Fußballs im Vergleich zum europäischen sind.
Ebenfalls einen Ausflug ins englische Profigeschäft hat der Trainer der All Whites hinter sich. Ricki Herbert, 48, verbrachte als Spieler zwei Saisons bei den Wolverhampton Wanderers. Allerdings wird sich Herbert sportlich nur sehr ungern an seine beiden Spielzeiten bei den Wolves erinnern. Als er 1984 dort ankam, war Wolverhampton gerade aus der ersten Liga abgestiegen, als er zwei Jahre später den Verein wieder Richtung Neuseeland verließ, war man in die vierte Liga abgestiegen. Der eisenharte Verteidiger war darüber hinaus 1982 auch Teil des WM-Teams gewesen. Herbert hat also für einen neuseeländischen Fußballer eine enorme internationale Erfahrung und ist daher auch im eigenen Land und bei den Spielern hoch angesehen und beliebt. Mit der geschafften Qualifikation für die WM in Südafrika hat er diesen Platz in den Herzen der Neuseeländer sicher weiter zementiert. Neben den All Whites, die er seit 2005 trainiert, trainiert Herbert auch noch das A-League-Team Wellington Phoenix, wodurch er mit einer Vielzahl seiner Nationalspieler auch im Tagesgeschäft zusammenarbeiten kann. Womöglich ein Vorteil in der Vorbereitung auf die WM 2010, von der sich die Neuseeländer erhoffen, dass es nach dem ersten Confed-Cup-Punkt auch den ersten WM-Punkt gibt. Alles andere wäre vermessen, wenn man die Qualität des neuseeländischen Fußballs betrachtet, das wissen auch die Neuseeländer selbst.
Andere Teile der Reihe im MAG:
Japan, Australien, Südkorea und Niederlande qualifiziert
Nordkorea qualifiziert
Brasilien qualifiziert
Ghana qualifiziert
Spanien und England qualifiziert
Paraguay qualifiziert
Elfenbeinküste qualifiziert
Dänemark und Serbien qualifiziert
Chile qualifiziert
USA und Mexiko qualifiziert
Italien qualifiziert
Slowakei qualifiziert
Schweiz qualifiziert
Deutschland qualifiziert
Honduras qualifiziert
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