[WM-Qualifikation 2010] Nigeria qualifiziert
14. November 2009, 18:08 geschrieben von Jinxo, abgelegt unter Int-Fussball.
| Nigeria |
Steckbrief:
Trikotfarbe: grün-weiß
FIFA-Weltrangliste: 32
WM-Teilnahmen: 1994, 1998, 2002
Größter Erfolg: Achtelfinale 1994, 1998
Kontinentalmeister: 1980, 1994
Rekordnationalspieler: Mudashiru Lawal (86 Länderspiele)
Rekordtorschütze: Rashidi Yekini (37 Tore)
Trainer: Shaibu Amodu (51 Jahre)
Bilanz der letzten 10 Spiele: 5 Siege, 4 Unentschieden, 1 Niederlage (14:7 Tore)
WM-Historie, aktuelle Spieler und Trainer:
“Einmal aussetzen” hieß es für die Nigerianer seitdem sie sich 1994 erstmals für eine Fußball-WM qualifizieren konnten. Dieses eine Mal war bei der vergangenen WM 2006, die sie im Fernsehen verfolgen mussten, nachdem sie in der Qualifikationsgruppe 4 sensationell an Angola gescheitert waren. Für die Super Eagles war die verpasste Qualifikation ein Desaster, eine tiefe Erschütterung im Selbstverständnis als eine der führenden Nationen des afrikanischen Fußballs. Ein Selbstverständnis, das allerdings eher aus der Anzahl der im Ausland tätigen Spieler herrührt als aus den Erfolgen der Nationalmannschaft. Trotz des guten Spielmaterials errangen die Nigerianer erst zweimal den Titel des Afrikameisters, 1980 im eigenen Land und 1994 in Tunesien. Zwischen den beiden Triumphen lagen zusätzlich drei zweite Plätze, was deutlich macht, dass es oft in entscheidenden Momenten an Glück oder Können mangelte. Trotz dieser Schwächen deuten diese Resultate natürlich auf eine Stärkephase des nigerianischen Fußballs in den 1980ern und 1990ern hin.
Es ist daher durchaus erstaunlich, dass die erste WM-Teilnahme erst 1994 gelang. Betrachtet man die Qualifikationsversuche bis dahin stellt man fest, dass die Super Eagles immer wieder knapp scheiterten: 1990 verhinderte eine Niederlage am letzten Spieltag gegen Kamerun den Einzug in die Playoffs, hätte Nigeria dieses Spiel gewonnen, hätte der sensationelle Lauf der Kameruner bei der WM in Italien nie stattgefunden. Auch 1986 scheiterte man an der vorletzten Hürde, trotz eines 1:0 im Hinspiel des Qualifikationshalbfinals gegen Tunesien, schieden die Westafrikaner nach einem 0:2 im Rückspiel aus. Noch knapper an der Qualifikation schrammten sie 1982 vorbei, erst im Qualifikationsfinale gegen Algerien zog man den Kürzeren. Algerien war dabei, besiegte bei der WM in Spanien Deutschland und wurde Opfer der “Schande von Gijon”.
Auch 1978 stand Nigeria in der letzten Qualifkationsrunde und hätte man das Heimspiel gegen Tunesien gewonnen, man wäre anstelle der Gäste nach Argentinien gefahren, die bei der WM immerhin ein 0:0 in der Gruppenphase gegen Deutschland erreichten. Vier Jahre zuvor war eine Reise nach Deutschland nicht an den eigenen Fähigkeiten gescheitert, sondern daran, dass die eigenen Fans das Quali-Spiel gegen Ghana zum Abbruch brachten und somit das Ausscheiden der eigenen Mannschaft besiegelten. In der Qualifikation für das Turnier in Mexiko vier Jahre zuvor war Nigeria wie so oft erst an der letzten Hürde gescheitert. Zwei Unentschieden gegen den Sudan in der entscheidenden Gruppenphase sorgten dafür, dass Marokko zur WM fahren durfte.
In Anbetracht dieser Vielzahl von Beinahequalifikationen war der Jubel 1994 umso größer, als sich die Nigerianer erstmals für eine WM qualifizieren konnten. Als die Super Eagles dann auch noch die Gruppenphase als Erster der Gruppe D abschlossen, kannte der Jubel zuhause keine Grenzen mehr. Um dies zu erreichen hatte die Mannschaft Griechenland mit 2:0 und Bulgarien, immerhin am Ende Vierter des Turniers, mit 3:0 geschlagen und nur gegen Argentinien mit 1:2 verloren – ein Spiel mit fußballhistorischer Bedeutung; es war das 21. und letzte Spiel von Diego Maradona bei einer Fußball-WM. Im Achtelfinale wartete Italien und bis zur 88. Minute schnupperte Nigeria an einer Sensation. Nach 25 Minuten waren die Westafrikaner in Führung durch Emmanuel Amunike gegangen und hatten den Vorsprung mit großem Kampf verteidigt. Doch zwei Minuten vor Schluss zirkelte Roberto Baggio einen Freistoß ins Tor der Nigerianer und erzwang die Verlängerung. Derselbe Baggio erzielte in jener Verlängerung dann auch das 2:1 per Elfmeter und sorgte für das Aus der Super Eagles.
Auch vier Jahre später in Frankreich zog Nigeria in die Runde der letzten 16 ein, erneut als Gruppensieger, erneut mit zwei Siegen (3:1 gegen Spanien, 1:0 gegen Bulgarien) und einer Niederlage (1:3 gegen Paraguay), erneut scheiterte man daraufhin im Achtelfinale. Allerdings war dieses Achtelfinale keine knappe Angelegenheit, mit 1:4 schickten die Dänen die Nigerianer nach Hause. Bereits nach 12 Minuten hatte es 2:0 für die Skandinavier gestanden. Bei der bislang letzten Teilnahme 2002 schließlich war den Super Eagles das Losglück gar nicht hold, sie landeten in der “Todesgruppe” mit Schweden, Argentinien und England. Nach zwei knappen Niederlagen gegen Argentinien (0:1) und Schweden (1:2), errangen sie zumindest noch ein Remis gegen England (0:0) zum dritten Achtelfinaleinzug bei der dritten WM-Teilnahme reichte es allerdings nicht.
Dafür, dass es 2010 wieder zu einer solchen Teilnahme reicht, soll eine Reihe von hochkarätigen Spielern in Reihen der Super Eagles sorgen. Die hierzulande bekanntesten Namen im Kader sind sicherlich Mikel John Obi (Chelsea), Nwanko Kanu (Portsmouth), Obafemi Martins (Wolfsburg) und Chinedu Obasi (Hoffenheim). Betrachtet man diese Liste so fällt schnell ins Auge, dass die bekanntesten Nigerianer allesamt Offensivspieler sind. Dies deckt sich mit dem Ruf der Westafrikaner als technisch elegant und schön spielende Ballkünstler, der Ruf als “Brasilianer Afrikas” kommt nicht von ungefähr. Damit einher geht jedoch auch das Problem einer nicht immer sattelfesten Defensive. Zwar sind auch in der Abwehr mit Joseph Yobo (Everton) und Taye Taiwo (Marseille) Akteure mit von der Partie, die bei europäischen Mittelklasseteams spielen, doch auf dem selben Level wie die Offensivkräfte sind die Verteidiger nicht.
Hinter der Abwehrreihe spielt zwar mit Vincent Enyeama (Hapoel Tel Aviv) einer der besten afrikanischen Torhüter, wie groß dieses Qualitätsmerkmal allerdings ist, ist ob der oft schauderlichen Leistungen afrikanischer Torhüter durchaus fraglich. Besonders auffällig an den Spielern, die in den letzten Jahren für Nigeria aufliefen ist, dass außer Kapitän Kanu keiner von ihnen die 30 Jahre überschritten hat. Skeptiker, wie der italienische Afrika-Kenner Filippo Maria Ricci schieben dies zwar eher auf geschickte Passfälschungen, dennoch ist der Generationswechsel seit der letzten WM-Teilnahme 2002 gelungen und Spieler wie Jay-Jay Okocha, Taribo West oder Mutiu Adepoju sind nicht mehr Teil der Nationalelf.
Verantwortlich für diese Kaderzusammenstellungen ist seit April 2008 der 51 Jahre alte Shaibu Amodu. Amodu hat zum vierten Mal die Verantwortung für das Team, bereits in den Jahren 1994/95, 1996/97 und 2000-02 war Amodu Nationaltrainer gewesen. Jedoch war er noch nie bei einer WM-Endrunde in Verantwortung, 2002 war er vor dem Turnier in Japan und Südkorea durch Festus Onigbinde ersetzt worden, nachdem man im Januar beim Afrika-Cup nur Dritter geworden war. Amodu ist in Nigeria geboren und nigerianischer Staatsbürger und damit einer der wenigen afrikanischen Nationaltrainer auf dem Kontinent. Übernommen hat er das Amt von Berti Vogts, der in seinem Jahr in Verantwortung meist unglücklich agierte und wenig Erfolg mit der Mannschaft hatte. Amodu war selbst kein erfolgreicher Fußballer und wird auch deshalb von einem Trio ehemaliger Nationalspieler, das aus Daniel Amokachi, Alloy Agu and Fatai Amoo besteht, unterstützt. Ob Amodu und sein Trio allerdings bei der WM noch im Amt sind oder ob Amodu dasselbe Schicksal wie 2002 erreicht, bleibt abzuwarten. Ein schwacher Afrika-Cup 2010 in Angola und für Amodu heißt es “Einmal aussetzen” trotz geschaffter WM-Qualifikation.
Andere Teile der Reihe im MAG:
Japan, Australien, Südkorea und Niederlande qualifiziert
Nordkorea qualifiziert
Brasilien qualifiziert
Ghana qualifiziert
Spanien und England qualifiziert
Paraguay qualifiziert
Elfenbeinküste qualifiziert
Dänemark und Serbien qualifiziert
Chile qualifiziert
USA und Mexiko qualifiziert
Italien qualifiziert
Slowakei qualifiziert
Schweiz qualifiziert
Deutschland qualifiziert
Honduras qualifiziert
Neuseeland qualifiziert
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