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Juristisches Nachspiel im Rhein-Main-Derby

8. Dezember 2009, 03:49 geschrieben von Mario, abgelegt unter Deutscher-Fussball.

Das am Samstag in Frankfurt ausgetragene Rhein-Main-Derby zwischen der heimischen Eintracht und dem FSV Mainz 05, hat ein juristisches Nachspiel. FSV-Spieler Aristide Bancé bezichtigt Eintracht-Verteidiger Maik Franz der rassistischen Beleidigungen. Das DFB-Sportgericht ermittelt.

Hitzkopf mit Kämpferherz

Als Maik Franz, Ex-KSC-Spieler, an den Main wechselte, eilte ihm sein Ruf bereits voraus. Kein geringerer als Eintrachts Ex-Kapitän Ioannis Amanatidis, bekannt für seine faire Spielweise, hatte mit Iron-Maik bereits Bekanntschaft gemacht. Im Spiel gegen den Karlsruher SC geriet der Grieche mit dem Abwehrrecken des späteren Absteigers mehrmals aneinander. Amanatidis, der stolze Grieche, war nach dem Spiel not amused. Franz, der auch schon mit Mario Gomez, jetziger Bayern-Star, aneinander geraten war, hatte dem Sturmtank der Hessen während der 90 Minuten mächtig zugesetzt, ihm keine Luft zum Atmen gelassen. Eine Spielweise, für die der Blondschopf in der Liga bekannt ist. Franz gilt als aggressiver, provokanter Hitzkopf, der stets an die Grenzen des Erlaubten geht. Hart aber fair, so beschreibt sich der Spieler selbst. Und wenn man ihm im Interview zuhört, kommt er authentisch und glaubhaft rüber. Franz ist ein intelligenter Bursche, weiß sich auszudrücken. Dies, so Franz, sei sein Spiel. Fußball sei auch Kampf und nichts für Muttersöhnchen. Deshalb kämen die Fans ins Stadion. Roboter will keiner sehen, sondern Fußball von vorne bis hinten.

Im Derby über die Stränge geschlagen?

Als am Samstag nach hart umkämpften 90 Minuten in der Frankfurter Commerzbank-Arena der Schlusspfiff ertönte und die Eintracht-Spieler in die Fan-Kurve liefen, um sich feiern zu lassen, schlichen die Profis vom FSV Mainz 05 mit gesenkten Häuptern vom Platz. Das Derby hatten die Hessen mit 2:0 für sich entschieden. Ausgerechnet Maik Franz war es, der den Grundstein zum Erfolg gelegt hatte. Mit seinem vierten Saisontor hatte Iron-Maik seine Eintracht auf die Siegerstraße gebracht. Zuvor hatte er sich einen harten, aber wie er sagt, einen fairen Kampf mit FSV-Stürmer Aristide Bancé geliefert. Stets an der Grenze des Erlaubten wandelnd, immer auf Ballhöhe. Bancé, der Sturmtank der Mainzer, bekam über die gesamte Spiellänge kaum einen Stich, verzeichnete ganze zwei Torschüsse. Frustrierend für den Mann aus Burkina Faso. Keinen Millimeter Raum gestand ihm sein Gegenspieler zu. Mehrmals während des Spiels gerieten sie aneinander, beschimpften sich, rempelten sich an. Einmal wurde der FSV-Spieler sogar mit Bier übergossen, als sich die Kontrahenten gerade eines ihrer hitzigen Duelle nahe der Seitenlinie geliefert hatten und ihm ein Fan, dem Vernehmen nach aus dem Eintracht-Lager, den Inhalt seines Bechers übers Haupt goss. Viel, vielleicht zu viel, musste Bancé aushalten.

Stinkefinger: Aktion oder doch Reaktion

Als Bancé gemeinsam mit seinen Kollegen das Feld verließ, ist ihm offensichtlich der Kragen geplatzt. Seinem Widersacher Maik Franz bedachte er mit einem Stinkefinger, eingefangen von den zahlreichen Kameras. Ein Fall für das DFB-Sportgericht. Auch sein Arbeitgeber wollte die Aktion nicht ungeahndet lassen, kündigte Konsequenzen an. Dieses Verhalten sei nicht zu tolerieren, eines Profis unwürdig. Spieler müssen sich im Griff haben, Provokationen wegstecken. Offensichtlich, so die jetzige Erkenntnis, allerdings nicht unendlich. Bancé war am Abend nach dem Spiel Gast in der SWR-Sendung Flutlicht. Im Interview, das er in seiner Muttersprache auf französisch gab, erklärte er, Franz habe ihn und seine Angehörigen während des Spiels mehrmals rassistisch beleidigt, ihn einen dreckigen Nigger genannt. Dies sei der Grund für seinen Ausraster nach dem Spiel gewesen. Die Verantwortlichen des FSV Mainz nahmen darauf hin die angedrohte Geldstrafe zurück. Schließlich sei jetzt klar, dass es sich bei der Geste des Spielers um eine Reaktion auf die unsäglichen Provokationen gehandelt habe. Dafür habe man von Vereinsseite Verständnis. Nun, Maik Franz indes, hat für das Verhalten des Afrikaners absolut kein Verständnis. Alle Anschuldigungen seien frei erfunden, ließ er auf seiner Homepage verlauten. Es entspräche nicht seinen ethischen und moralischen Vorstellungen. Rassismus habe bei ihm keinen Platz.

Aussage gegen Aussage

Nun wird also der Kontrollausschuss des DFB ermitteln. Bisher steht Aussage gegen Aussage. Heute, Dienstag, werden beide Spieler angehört. Ob es Zeugen gibt, ist nicht bekannt. Diese müsste Bancé aber vorbringen, um Franz überführen zu können. Doch selbst wenn sich die Anschuldigungen nicht nachweisen lassen, bleibt ein fader Beigeschmack. Die Rassismuskeule hat hierzulande eine riesengroße Wirkung, was auch der Mainzer Spieler wissen wird. Insofern ist Maik Franz nicht zu beneiden. Im Zweifel für den Angeklagten ist hinsichtlich dessen, was den Abwehrrecken demnächst in fremden Stadien erwarten wird, wohl eher eine Worthülse.

Bancé ist so oder so fein raus, sein Stinkefinger nur noch eine Randerscheinung. Fragwürdig ist, warum der Mainzer die Anschuldigungen erst vor TV-Kameras zum Besten gab und nicht schon während oder kurz nach dem Spiel. Selbst die Vereinsführung erfuhr erst nach Ausstrahlung der Sendung, was ihrem Angestellten widerfahren sein soll.

Pikante Randerscheinung in diesem Zusammenhang ist sicherlich die Tatsache, dass Bancé unlängst der Falschaussage überführt wurde. Der Profi hatte zunächst Anschuldigungen gegen ihn, wonach er eine Frau nach dem Training geschlagen habe, vehement bestritten. Erst nachdem die Frau wegen Strafvereitlung zur Rechenschaft gezogen werden sollte, nachdem sie die Anzeige gegen Bancé zurückgezogen hatte, räumte der Afrikaner ein, die Frau tatsächlich verletzt zu haben.


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  1. Endlich mal ein objektiver Artikel, bei dem die Unschuldsvermutung nicht an der Redaktionstür hängenblieb.
    Da können sich Medien wie DSF, ZDF oder andere eine Scheibe abschneiden, die nur nach jedem möglichen Skandal gieren und Franz Dinge unterstellen, die unwahr/unbeweisbar sind. Franz und Bance haben sich nichts geschenkt, beide sind kein Kind von Traurigkeit. Eine klare “Opfer-Täter” Verteilung vorzunehmen (wie es viele “Journalisten” für die Quote tun)ist da kaum möglich.


    — Nils    Dez 8, 12:50    #

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