Warum Schumi es sein lassen sollte
17. Dezember 2009, 02:13 geschrieben von Roxeus.
Seit einiger Zeit nehmen die Spekulationen um eine Rückkehr Michael Schumachers in die Formel 1 kein Ende. Und das ist auch kein Wunder. Immerhin ist beim neuen Mercedes-Werksteam, ehemals BrawnGP, sein alter Weggefährte Ross Brawn beschäftigt. Und selbstverständlich werden die Gerüchte erst dann komplett abreißen, wenn sie sich als falsch erweisen – zu groß ist der Wunsch nach der Paarung Schumacher/Mercedes.
Hoffnungsträger der Formel 1
Während seines Engagements bei Ferrari standen sich der deutsche Nummer-Eins-Fahrer und das deutsche Nummer-Eins-Team ein ums andere Mal gegenüber. Erst waren Mika Häkkinen und David Coulthard seine Gegner, später Kimi Raikkonen und Juan Pablo Montoya. “Schumacher mit Stern” war für viele Fans das erhoffte I-Tüpfelchen, das jedoch nie zustande kam. Ein neues, starkes Mercedes-Werksteam mit dem besten Motor, einem siegfähigen Auto und zwei deutschen Fahrern – ja, das zieht die Massen. Die Fernsehanstalten werden sich die Hände reiben. Die beiden großen Rennstrecken in Hockenheim und am Nürburgring, die seit Jahren mit finanziellen Problemen zu kämpfen haben, könnten neue Hoffnung schöpfen. Allein als Zuschauermagnet und Werbeträger wäre der Kerpener eine Bereicherung für den Formel-1-Zirkus.
Und doch würde ein Comeback nicht jeden freuen, Nick Heidfeld zum Beispiel nicht. Die guten Cockpits sind wie jedes Jahr rar gesät. Ferrari, McLaren und Red Bull haben ihre Fahrerpaarungen bereits bestimmt. Nur der zweite Mercedes-Platz neben Nico Rosberg ist noch frei. Eine Option hier ist offenbar auch Nick Heidfeld, der nach dem Rückzug von BMW ohne Team dasteht und am liebsten ein siegfähiges Gefährt steuern würde. Sollte er zum Leidtragenden werden, wenn Schumi zurückkehrt? Klar wird darauf niemand Rücksicht nehmen. Ist Schumi der Beste für den Job, so trifft auch keine der Seiten eine falsche Entscheidung. Doch so genannte Kannibalen sammeln mit ihrem Erfolgshunger selten zusätzliche Sympathie-Punkte. Ein Spitzensportler muss auch wissen, wann er aufhört.
Er tut sich keinen Gefallen – vielleicht weiß er das aber auch
Zudem ist noch nicht einmal sicher, inwieweit Schumacher überhaupt konkurrenzfähig sein könnte. Wird der 41-jährige Nacken den Belastungen standhalten? Die offizielle Begründung, weshalb das Comeback als Ersatzmann für Felipe Massa in diesem Jahr nicht geklappt hat, waren Nackenprobleme, resultierend aus einem Motorrad-Unfall Anfang des Jahres. Ex-Weltmeister Alain Prost zweifelte an dieser Begründung und vermutete bereits kurz nach der Absage im August, Schumacher sei zu langsam für eine Rückkehr in den Rennsport. Tut sich ein siebenmaliger Weltmeister damit einen Gefallen? Möglicherweise nicht.
Denn: Während man für seine Konkurrenten sagen kann, dass sie drei Jahre reifer geworden sind, ist Schumi drei Jahre älter geworden. Er hat vergleichsweise wenig Runden in einem F1-Boliden gedreht. Die Wagen haben sich erheblich verändert und im kommenden Jahr sind mit Valencia, Singapur und Abu Dhabi drei Strecken dabei, die er nicht kennt, Button, Alonso und Co. aber schon. Auch wenn das sicherlich keine unüberbrückbaren Hindernisse sind, stellt sich die Frage, was er mit seinem Comeback erreichen möchte. Viel gewinnen kann er nicht, verlieren dagegen schon. Einen ähnlich erfolgreichen und umjubelten “Rücktritt von Rücktritt” wie ihn Vitali Klitschko etwa kürzlich geschafft hat, wird Michael Schumacher wahrscheinlich nicht gelingen.
Doch etwas muss man ihm einfach zugute halten: Er hat den perfekten Zeitpunkt zum Rücktritt nicht verpasst, sondern perfekt getroffen. Vor drei Jahren beendete er seine Karriere in der Weltspitze als Vize-Weltmeister mit sieben Saisonsiegen. Wenn Schumi nach drei Jahren über einen Rücktritt nachdenkt, wird das wohlüberlegt sein. Wenn ihm der Rennsport fehlt, werden rationale Überlegungen wie etwa zur Konkurrenzfähigkeit hinten anstehen. Für die Formel 1 und die deutsche Medienlandschaft wäre ein Comeback ein Gewinn. Und so werden die Spekulationen erst dann aufhören, wenn Mercedes, voraussichtlich im Januar, seinen zweiten Fahrer vorstellt. Sei es dann Michael Schumacher, oder nicht.
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