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[1. Bundesliga 09/10] Die MAG-Halbzeitbilanz: Hamburger SV

14. Januar 2010, 09:33 geschrieben von Schneiderlein, abgelegt unter Deutscher-Fussball.

Die MAG-Halbzeitbilanz: HSV


Hamburger SV

Die MAG-Halbzeitbilanz nimmt nun den HSV in Blick. Mit wieder einmal neuem Trainer bleibt der HSV in der Spur. Trotz großer Personalsorgen kann sich die Bilanz der Hinserie sehen lassen und spricht für die Qualität des Teams.

Pl. Verein Spiele Tore Punkte
3. FC Bayern München 17 34:15 33
4. Hamburger SV 17 34:19 31
5. Borussia Dortmund 17 23:17 30

Die Hinrunde

Mit am Ende 31 Punkten auf dem Konto hat der HSV eine ansprechende Hinrunde abgeschlossen, überwintert auf einem vierten Tabellenplatz und wahrt den Anschluss zur Tabellenspitze.

Der Saisonverlauf

Platz: 4
Punkte: 31 – 8 S/7 U/2 N
Heim: 5 – 5/2/2
Auswärts: 5 – 3/5/0
Beste Schützen: Elia / Zé Roberto (Je 5 Tore)
Bester Scorer: Elia 12 – 5 Tore/7 Vorlagen
Zuschauerschnitt: 55.853 / Auslastung: 98,0%
Fair-Play-Wertung: Platz 12 / 2,29 Punkte

Damit hat der HSV in der Liga eine überzeugende Hinrunde hingelegt. War das 1:1 in Freiburg noch etwas holperig, konnten die Hamburger am zweiten Spieltag daheim gegen Dortmund rundweg überzeugen – 4:1 hieß es am Ende. Vier Tore gelangen den Hamburgern davor zuletzt am 30. August 2008, beim 4:2-Sieg gegen Arminia Bielefeld. Überhaupt können sich im Ligavergleich die 34 geschossenen Buden sehen lassen. Der HSV der Saison 2009/10 gehört damit zu den offensivstärksten Teams der Liga (nur Bayer 04 Leverkusen hat mehr und der FC Bayern München genauso viele Tore geschossen). Dabei kann sich die Abwehr immer noch sehen lassen: 19 Gegentore gehören zur Ligaspitze. Unter den Top-Fünf der Liga kassierte der HSV allerdings die meisten Gegentore.

Auf ihn war in der Hinrunde Verlass: Marcel Jansen /Foto:

Auswärts ist der HSV noch ungeschlagen. Insbesondere ein 4:2-Sieg in Wolfsburg sowie das 3:3 auf Schalke sind erwähnenswert. Die zwei einzigen Niederlagen der Halbserie kassierte man aber daheim. Gegen Borussia Mönchengladbach verlor man trotz zweimaliger Führung am Ende mit 2:3; außerdem verloren die Hanseaten gegen den VfL Bochum, obwohl man über 90 Minuten das dominierende Team war.

Der HSV hatte über die Hinrunde hinweg mit großen Verletzungssorgen zu kämpfen: Guerrero, Petric, Zé Roberto, Boateng, Benjamin, Silva, Pitroipa, Elia – zwischenzeitlich fehlte Labbadia ein Großteil der etablierten Kräfte. Auch zum Rückrundenstart werden noch wichtige Spieler wie etwa der zum Saisonauftakt herausragende Zé Roberto verletzt passen müssen. Der Aderlass betraf dabei vor allem die Offensivabteilung der Hanseaten. Zwischenzeitlich konnte der HSV unter anderem deshalb sieben Spiele am Stück in der Liga nicht gewinnen.

Neben der Liga lief es auch in der Europa League akzeptabel. Die Endrunde konnte erreicht werden, der Gruppensieg in der Vorrunden-Gruppe C musste aber Hapoel Tel Aviv überlassen werden, gegen welche man im Endspiel um den Gruppensieg in Tel Aviv mit 1:0 verlor.

Einzig im DFB-Pokal konnte der HSV nicht überzeugen. Das Aus in der zweiten Runde gegen den VfL Osnabrück dürfte niemanden in Hamburg zufriedenstellen.

Personalien

Die Hamburger konnten sich in der Sommerpause namhaft verstärken: Mit Eljero Elia, Marcus Berg, Zé Roberto und David Rozehnal wurden interessante Spieler verpflichtet. Das Team der Vorsaison konnte dabei im Wesentlichen gehalten werden.

Zeigte gleich, was in ihm steckt: Eljero Elia /Foto: HSV

Zé Roberto und Eljero Elia vermochten dabei von Anfang an zu überzeugen. Zé Roberto war bis zu seiner Verletzung nach dem 12. Spieltag gesetzt. Elia durfte sowohl im Mittelfeld außen wie auch im Angriff ran und sammelte so im Verlaufe der Hinrunde die meisten Scorerpunkte bei den Hanseaten.

Ein weiterer Positivaspekt der Hinrunde ist Tomas Rincon. Der gerade erst 22 Jahre alt gewordene Venezueler profitierte von der Verletztenmisere und wusste im defensiven Mittelfeld als Ersatz für den verletzten Oldie Zé Roberto zu überzeugen. Folgerichtig wurde die Kaufoption der Leihgabe aus Deportiva Tachira San Cristobal zum Hinrundenende gezogen.

Noch nicht so recht überzeugen konnte bisher der mit mehr als 10 Millionen Euro teuerste Neuzugang des Sommers Marcus Berg. Zwar traf er gleich bei seinem Heimdebut gegen Borussia Dortmund, es blieb aber bei sporadischen Einsätzen. Erst im Zusammenhang mit der Verletztenmisere zum Ende der Hinrunde wurde er häufiger eingesetzt, spielte sich aber nicht in die erste Elf und wurde von Bruno Labbadia nach der Rückkehr von Mladen Petric prompt wieder auf die Bank verpflanzt. Es bleibt für den 23-Jährigen zu hoffen, dass es für ihn in der Rückrunde besser läuft.

Auch für Identifikationsfigur und Nationalspieler Pjotr Trochowski gab es zuletzt keinen Platz mehr in Hamburgs erster Elf. Der vielseitige Mittelfeldspieler wird kämpfen müssen und bei der derzeitig herausragenden Form etwa eines eines Marcel Jansen wird es schwer für ihn, in die erste Elf zurückzukehren.

Trotz dieser Verstärkungen bleibt es aber aufgrund der vielen Verletzten dabei: die Personaldecke beim HSV ist dünn. So bleibt Coach Bruno Labbadia nur, den Kader mit Spielern aus der zweiten Mannschaft aufzufüllen, und den HSV-Fans die Hoffnung, dass das ein oder andere Juwel so zutage geführt wird. Sollten sich die Transfergerüchte, die etwa auch so wichtige Spieler wie Boateng oder Demel betreffen, bewahrheiten, wird das auch bitter nötig sein, will der HSV auch 2010/11 wieder sich für das internationale Geschäft qualifizieren oder gar die Saison 2009/10 mit einem Titel krönen.

Trainer und Umfeld

Von Kontinuität kann in Bezug auf die Verantwortlichkeit für den sportlichen Bereich beim HSV keine Rede sein. Bruno Labbadia ist nun der dritte Chefcoach innerhalb von drei Spielzeiten. Dazu ist die Personalie des Sportdirektors seit Saisonbeginn immer noch nicht besetzt. Auch Clubchef Bernd Hoffmann hatte mit Gegenwind zu kämpfen. Seine Position ist aber mittlerweile gestärkt und man übertreibt sicher nicht, ihn gegenwärtig als den “starken Mann” beim HSV zu bezeichnen.

Seine Beliebtheitskurve in Hamburg zeigt nach oben: Bruno Labbadia/Foto: HSV

Die Fans des Hamburger Sportclubs begegneten dem neuen Trainer mit Skepsis. Weder bei Greuther Fürth noch bei Bayer 04 Leverkusen konnte der gebürtige Darmstädter als hauptverantwortlicher Trainer auf Dauer überzeugen. Bei Fürth verwies Labbadia auf Spielermaterial, das ein besseres Abschneiden unmöglich gemacht hätte; bei Bayer hatte er sich mit Manager Michael Reschke zerstritten. So blieb Labbadia, der allerdings etwa von Ex-Bundestrainer Rudi Völler hoch gelobt wurde, bisher den Nachweis seiner Qualität als Trainer schuldig.

Beim HSV muss dem Hessen allerdings in Bezug auf die Hinrunde ein rundweg gutes Arbeitszeugnis ausgestellt werden. Pragmatisch rückte er früh von seinen Plänen, mit Mittelfeldraute wie bei Leverkusen spielen zu lassen, ab. Die von ihm ausgegebene offensive Marschroute machte sich in dem phasenweise geradezu begeisternden Fußball, den sein Team gezeigt hat, bemerkbar. Als Konsequenz aus der Verletztenmisere musste Labbadia insbesondere im Offensivbereich experimentieren, scheint aber mit dem Offensivquartett Torun-Petric-Elia-Jansen eine vorerst tragfähige personelle Basis gefunden zu haben, die zuletzt gegen Nürnberg und gegen den Nordrivalen aus Bremen überzeugen konnte. Dass so für Trochowski im System kein Platz mehr blieb, nimmt dem Trainer derzeit noch kaum ein Fan übel. Und solange seine Mannschaft so überzeugen kann wie zum Hinrundenausklang gegen Nürnberg und Werder Bremen, wird das auch so bleiben.

Dass die Position des Sportdirektors noch nicht besetzt werden konnte, muss Unbehagen bereiten. Zahllose Namen wurden kolportiert, unter anderem Horst Heldt, Matthias Sammer oder Oliver Bierhoff. Man habe ja das letzte halbe Jahr ganz gut ohne Sportchef überstanden, sagt Aufsichtsratboss Horst Becker, und das hört sich nicht eben so an, als würde die Lücke, die der vergraulte Beiersdorfer hinterließ, allzu bald aufgefüllt werden. Dass dabei ein ähnliches Schwergewicht wie Vorstandsmitglied Beiersdorfer kommen wird, darf mit guten Gründen bezweifelt werden. Offenbar haben kaum ausgewiesene Fußballsachverständige Lust, sich von dem nicht eben bescheidenen Vorstandsvorsitzenden Bernd Hoffmann an die Kandare nehmen zu lassen. Dieser nun, der Beiersdorfers Posten kommissarisch übernommen hat, scheint sich diese Arbeit auch mittelfristig vorstellen zu können. Ob dies aber der Kaderplanung auf Dauer zugute kommen wird, muss bezweifelt werden.

Die Saisonziele, Prognose

Mit den Siegen gegen Nürnberg und Bremen zum Hinrundenausklang konnten die Hamburger sich alle Möglichkeiten offen und sogar Anschluss an die Tabellenspitze halten. Als Meisterschaftskandidat wurden nun die Hanseaten von den Bundesligatrainern zuletzt trotzdem nur noch von Thomas Schaaf benannt. Der allerdings sollte wissen, wovon er redet, mussten sich seine Bremer doch gegen 60 Minuten in Unterzahl spielende Hamburger geschlagen geben.

Aber im Ernst, ob der schwierigen Personalsituation müssen hochfliegende Träumereien utopisch erscheinen. Gleichwohl: die erneute Qualifikation für die Europa League darf erwartet werden. Ob es für mehr reicht, bleibt abzuwarten. Will man aber an der Elbe den nächsten Schritt in Richtung der Top-20 Europas tun, braucht es jetzt Erfolge – ganz egal wie viele Spieler verletzt sind.


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