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[1. Bundesliga 09/10] Die MAG-Halbzeitbilanz: Eintracht Frankfurt

8. Januar 2010, 08:57 geschrieben von Mario, abgelegt unter Deutscher-Fussball.

Die MAG-Halbzeitbilanz: Eintracht Frankfurt


Eintracht Frankfurt

Die MAG-Halbzeitbilanz nimmt nun den hessischen Traditionsklub, Eintracht Frankfurt, unter die Lupe. Mit Michael Skibbe, den Verfechter offensiven Fußballs, wollte und will sich die Eintracht aus ihrer Graue-Maus-Nische befreien. Wir analysieren inwieweit dieses Vorhaben in der Hinrunde gelang, bzw. was sich in der Rückrunde noch ändern muss.

Pl. Verein Spiele Tore Punkte
9. 1. FSV Mainz 05 17 21:22 24
10. Eintracht Frankfurt 17 22:24 24
11. Borussia Mönchengladbach 17 24:29 21

Die Hinrunde

Vor 16 Jahren spielte Eintracht Frankfurt zuletzt eine erfolgreichere Hinrunde als die aktuelle. Damals, in der Saison 1993/94, wurden die Hessen sogar Herbstmeister. Spieler wie Bein, Yeboah, Okocha oder Gaudino standen bei der Eintracht unter Vertrag – unter Trainer Klaus Toppmöller zelebrierte man Fußball 2000. Davon ist der aktuelle Kader zwar derzeit meilenweit entfernt, doch an der Spielweise des Traditionsklubs hat sich etwas verändert. Nach dem Wiederaufstieg 2004 waren die Darbietungen der Hessen stets von defensiver Grundausrichtung und Kampf geprägt. Der Klassenerhalt und die Etablierung in der 1. Bundesliga standen im Vordergrund. Mehr, so die Entscheider des Klubs, sei aufgrund der zementierten Verhältnisse in der Bundesliga mittelfristig sowieso nicht drin.

Doch nach zuletzt mickrigen 33 Punkten in der vergangenen Saison hat sich die Stimmung in Frankfurt verändert. Coach Funkel musste gehen, Platz für neue Ideen machen. Fortan steht Michael Skibbe für eine Kehrtwende, die Umkehr aus der Graue-Maus-Nische. Schon im ersten Saisonspiel war die Handschrift des neuen Trainers zu spüren. Der überraschende 3:2-Sieg in Bremen deutete an, in welche Richtung der Ball künftig laufen soll. Freilich gab es in der Hinrunde auch Rückschläge, wie beim 0:4 in Leverkusen oder dem enttäuschenden 0:3 daheim gegen Stuttgart. Auch im Pokal enttäuschte das Team mächtig, wirkte beim 0:4-Heimdebakel gegen den FC Bayern München überfordert. Im Großen und Ganzen setzte sich aber das neue Spielsystem von Michael Skibbe durch, das auf schnelles Passspiel in die Spitze ausgelegt ist. In einigen Partien überzeugten die Hessen mit spielerisch gutem Niveau, so zum Beispiel beim 3:1 in Berlin, oder dem beachtlichen 1:1 in Hoffenheim, als man im ersten Abschnitt sogar dominant auftrat. Dabei etablierte sich, Patrick Ochs von der Position des rechten Verteidigers ins offensive Mittelfeld zu beordern.

geballte Offensivpower: Patrick Ochs /Foto: www.zaunsturm1905.de

Trotz der fast schon traditionellen Verletzungssorgen schaufelte die Eintracht so immerhin 24 Punkte aufs Konto und übertrumpfte damit die Zielsetzung sogar um einen Zähler.

Der Saisonverlauf

Platz: 10
Punkte: 24 – 6 S/6 U/5 N
Heim: 9 – 3/4/2
Auswärts: 8 – 3/2/3
Beste Schützen: Meier/6, Franz (5 Tore)
Bester Scorer: Meier 9 – 6 Tore/3 Vorlagen
Zuschauerschnitt: 46 967/ Auslastung: 92%
Fair-Play-Wertung: Platz 16/ 46 Punkte

Personalien

Nach den Abgängen von Michael Fink (Besiktas Istanbul) und Junichi Inamoto (zurück in seine Heimat), musste sich die Eintracht vor allem im Mittelfeld neu aufstellen. Dies gelang durch die Verpflichtung von Pirmin Schwegler exorbitant. Der Schweizer spielte bei Skibbes Ex-Klub Bayer Leverkusen kaum ein Rolle, kam dort aufgrund der großen Konkurrenz nicht über das Reservisten-Dasein hinaus. Skibbe wusste um Qualität und Unzufriedenheit des jungen Talentes, hatte ihn bereits unter seinen Fittichen. Für vergleichsweise läppische 700 000 Euro kann man Schwegler, der auf Anhieb zum Leistungsträger avancierte, jetzt schon als Volltreffer bezeichnen. Nicht ganz so gut sieht es beim zweiten Neuerwerb, Selim Teber, den man von der Hoffenheimer Ersatzbank holte, aus. Der türkischstämmige Mittelfeldakteur war beim ambitionierten Aufsteiger immerhin Mannschaftskapitän, zuletzt allerdings selten in der Anfangsformation zu finden. Teber ist aufgrund seines kämpferischen Einsatzes dennoch wertvoll für das Spiel der Eintracht. Bei ihm ist man sich sicher, dass sein durchaus vorhandenes Potential noch zur Geltung kommen wird, vor allem dann, wenn die Luft mal über die komplette Distanz reicht. Dazu braucht der Ex-Hoffenheimer Spielpraxis. Die bekommt er unter seinem neuen Trainer.

Wenn es einen Spieler in Frankfurt gibt, der die Massen polarisiert, dann ist es Maik Franz, genannt “Iron Maik”. Mit seiner beherzten, aggressiven Spielweise, hat sich der Abwehr-Recke längst in die Herzen der Fans gespielt. Nach anfänglichen Schwierigkeiten, als der Ex-Karlsruher nicht zur Stammformation gehörte, ist Franz mittlerweile unentbehrlich geworden. Nicht nur, dass er den gegnerischen Verteidigern mächtig auf den Zwirn geht:

Verteidiger und Goalgetter in Personalunion: Maik Franz /Foto: www.zaunsturm1905.de

Franz ist Goalgetter und Verteidiger in Personalunion, liegt in der internen Rangliste mit seinen fünf Treffern lediglich einen hinter Alexander Meier. Franz – so die Fans – sei die Drecksau, die der Eintracht auf dem Platz gefehlt habe, jemand, der die Ärmel hoch krempelt und den Takt angibt, wenn Kampf gefragt ist. Er verkörpert die Art von Spielern, die den Unterschied ausmachen können. Nicht auszudenken, wo die Eintracht ohne ihn stünde.

Währenddessen spricht über Caio César Alves dos Santos, genannt Caio, kaum noch jemand. Ihn zum Stammspieler zu formen, hatte sich der neue Trainer auf die Fahne geschrieben. Caio sei viel besser als sein Ruf. Es sei eine Frage der Zeit, bis er der Eintracht würde helfen können. Die Chance, sich tatsächlich unentbehrlich zu machen, ließ der Brasilianer allerdings fahrlässig liegen. Caios Stammplatz ist wieder da, wo er auch unter Funkel schon war: auf der Bank.

In der Winterpause würden die Hessen indes gerne noch mal auf dem Transfermarkt einkaufen gehen. Die Frage ist, ob der fast schon traditionell schlecht gefüllte Geldbeutel ausreicht, um die gewünschte Verstärkung, die man im Angriffszentrum nach der erneuten Langzeit-Verletzung von Amanatidis unbedingt braucht, zu realisieren. Auch im Abwehrbereich drückt der Schuh, nachdem bekannt wurde, dass sich Alexandar Vasoski – wie Amanatidis – einer erneuten Operation am lädierten Knie unterziehen muss, also genau wie der Grieche für den Rest der Saison ausfallen wird.

Trainer und Umfeld

Den größten Anteil am erfolgreichen Abschneiden in der Hinrunde muss man wohl dem neuen Macher, Michael Skibbe, zugestehen.

Selbsternannte Lokomotive des Vereins: Michael Skibbe /Foto: www.zaunsturm1905.de

Mit viel Sachverstand hat er großen Worten auch eine Menge Taten folgen lassen. Die erste richtungweisende Amtshandlung schlug ein wie eine Bombe. Trotz des Anratens von Vorstand-Boss Bruchhagen, alles beim alten zu belassen, entmachtete der neue Trainer Kapitän Amanatidis. Neuer Amtsinhaber ist Christoph Spycher. Stürmer sind seiner Auffassung nach zu oft verletzt. Da ein Kapitän möglichst immer spielen soll, käme nur der Verteidiger und bisherige Stellvertreter in Frage. Nun, Skibbe sollte Recht behalten. Amanatidis wird der Eintracht in dieser Saison aufgrund seines erneuten Knorpelschadens im Knie nicht mehr zur Verfügung stehen.

Der neue Trainer versteht sich als Lokomotive des Vereins und ließ keine Chance ungenutzt, das auch öffentlich preis zu geben. Die Eintracht müsse sich stetig verbessern und zwar in allen Bereichen, polterte es nach der peinlichen 0:4-Schlappe in Leverkusen aus ihm heraus. Ansonsten würde man früher oder später nach unten durchgereicht. Es sei schade, dass der Klub nicht dazu in der Lage ist, sich sportlich zu verbessern. Lincoln und Theofanis Gekas, die Skibbe beide gerne in seinem Team gehabt hätte, wollte Vorstands-Boss Bruchhagen nicht realisieren. Das finanzielle Risiko sei ihm zu hoch. Ein kaufmännisches Grundgesetz, so der Manager, sei es, stets nur das Geld auszugeben, was vorher eingenommen wurde. Dieser Formel bediene man sich auch künftig.

Trotzdem scheint es Michael Skibbe innerhalb eines halben Jahres gelungen zu sein, Aufbruchstimmung zu erzeugen. Verkrustete Strukturen im Verein scheinen zu bröckeln. Unlängst sagte Präsident Peter Fischer in einem Interview mit der “Frankfurter Neue Presse”, dass man gewillt ist den nächsten Schritt zu gehen. Die einstelligen Tabellenregionen anzugreifen, um Kontakt zu den internationalen Plätzen herzustellen, müsse das künftige Ziel des Traditionsklubs lauten. Hierzu sei es notwendig neue Geldquellen zu erschließen.

Sein Trainer wird die Worte erwartungsvoll zur Kenntnis genommen haben, sind die Aussagen des Vereins-Oberen doch deckungsgleich mit seinen Ansprüchen.

Die Saisonziele, Prognose

Die Hinrunde lässt nur ein positives Fazit zu. Mit 24 Punkten befindet sich die Eintracht über dem Soll. Als Saisonziel wurden 46 Punkte ausgegeben. Die sollten zu erreichen sein, vorausgesetzt, dass nicht noch mehr Stammpersonal ausfällt. Gelingt die Verpflichtung adäquaten Ersatzes für Amanatidis und Vasoski, ist vielleicht sogar eine Überraschung drin. Am Ende werden die Hessen wohl zwischen Platz 7 und 10 einlaufen.


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  1. Sehr guter Bericht, sehr
    zutreffend. Es fehlt vllt. Caios guter Start
    mit 2 Liga und 1 Pokaltor, aber sonst besser recherchiert als
    Bild und Frankfurter (“Mainzer”) Runschau…

    Prima.


    — Klaus Scherpf    Jan 8, 15:30    #
  2. ich denke der artikel beschönigt einiges, es wäre ein wunder wenn die jungs platz 8 schaffen würden. ich denke es wird zwischen 10-13 werden.


    — kurt kroemer    Jan 10, 18:36    #

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