[1. Bundesliga 09/10] Die MAG-Halbzeitbilanz: Bayer 04 Leverkusen
15. Januar 2010, 09:53 geschrieben von Mr.Mö, abgelegt unter Deutscher-Fussball.
Die MAG-Halbzeitbilanz: Bayer 04 Leverkusen
Bayer 04 Leverkusen
Die MAG-Halbzeitbilanz widmet sich zu guter Letzt dem Herbstmeister: Bayer 04 Leverkusen. Die Truppe von Jupp Heynckes spielte eine überzeugende Hinrunde. Nicht ungewöhnlich für die Werkself. Die Krux lag bisher häufig in der Rückrunde. Wir analysieren warum es unter Don Jupp erstmals zum Meistertitel reichen könnte.
| Pl. | Verein | Spiele | Tore | Punkte |
| 1. | Bayer 04 Leverkusen | 17 | 35:13 | 35 |
| 2. | FC Schalke 04 | 17 | 26:13 | 34 |
| 3. | FC Bayern München | 17 | 34:15 | 33 |
| … | … | … | … | … |
Die Hinrunde
Was haben Bayern Leverkusen und der FC Barcelona gemeinsam? Richtig, sie sind die beiden einzigen Klubs aus den europäischen Top-Ligen die im Ligabetrieb unbesiegt sind. Die Belohnung, auch wenn sich die Rheinländer nicht viel dafür kaufen können, ist die verdiente Herbstmeisterschaft, die souveräner hätte ausfallen können als sie ist. Der ansonsten durchweg überzeugenden Werkself schlich sich allerdings das ein oder andere unnötige Unentschieden ein. Zum Saisonauftakt, wie kurz vor der Winterpause, ließ Bayer unter anderem gegen Mainz 05 und Hertha Berlin (jeweils 2:2) Punkte liegen, weil man es verpasste die Führung ins Ziel zu retten und späte Gegentreffer kassierte.

Gehörte in der Hinrunde zu den besten Bundesliga-Torhütern: René Adler/Foto: KSmediaNET
Mit Gegentreffern hatte Leverkusen im Großen und Ganzen allerdings recht wenig am Hut. Lediglich 13 Mal musste Nationaltorhüter René Adler den Ball aus dem eigenen Netz fischen. Die Werkself stellt damit die beste Abwehr (neben dem direkten Verfolger Schalke 04). Trainer Jupp Heynckes legt viel Wert auf eine kompakte Defensive, allerdings nicht zu Lasten der Offensive. Leverkusen steht schließlich seit jeher für spektakulären Offensivfußball – auch unter Don Jupp. So stellt Bayer nicht nur die beste Abwehr, sondern auch den besten Angriff (35 Tore) der Liga.
Während das Zweitplatzierte Schalke 04 einen Magath’schen Minimalisten-Fußball spielt, steht Leverkusen auch in der aktuellen Spielzeit für, den beim Zuschauer beliebten, Hurra-Fußball. Der Unterschied zum Vorjahr: Leverkusen zelebriert einen kontrollierten Einbahnstraßen-Hurra-Fußball. War es in der vergangenen Spielzeit ein Auf und Ab auf beiden Seiten mit Ergebnissen wie 5:2 (gegen Hoffenheim) oder 3:3 (gegen Karlsruhe) lag der Spaßfaktor in der Saison 2009/2010 nur auf der Seite der Rheinländer. Immer unter der (neuen) Voraussetzung, dass die Defensive steht.
Einen Wermutstropfen gab es dennoch: Bayer scheiterte bereits in der zweiten Runde des DFB-Pokal am Zweitligisten 1. FC Kaiserslautern.
Der Saisonverlauf |
Platz: 1 |
| Punkte: 35 – 9 S/8 U/0 N | |
| Heim: 20 – 6/2/0 | |
| Auswärts: 15 – 3/6/0 | |
| Bester Schütze: Kießling (12 Tore) | |
| Bester Scorer: Kießling 16 – 12 Tore/4 Vorlagen | |
| Zuschauerschnitt: 29.093/ Auslastung: 96% | |
| Fair-Play-Wertung: Platz 6/ 31 Punkte |
Personalien
Der Erfolg von Bayer Leverkusen lässt sich leicht an einigen Namen festmachen. Ob im Tor, in der Abwehr, im Mittelfeld oder im Sturm. Von hinten bis vorne stehen bei Bayer Spieler auf dem Rasen die mit herausragenden Leistungen die jeweiligen Mannschaftsteile zusammenhalten und organisieren.
Zwischen den Pfosten ist es René Adler, der mit seinen hervorragenden Reflexen das Tor nahezu vernagelt. Dank seiner konstant guten Leistungen steht Bayers Gegentorkonto lediglich bei 13 Treffern – das ist Liga-Spitze. Über den Vereinsfußball hinaus etablierte sich der 24-Jährige außerdem als Nummer 1 im Tor der deutschen Nationalmannschaft, die größtenteils wegen seines Rückhalts das WM-Ticket im Qualifikationsspiel in Russland lösen konnte.
Natürlich stehen die Lorbeeren für starkes Abwehrverhalten nicht nur dem Torhüter zu. Neuzugang Sami Hyypiä erwies sich als echter Glücksgriff. Der baumlange Finne kam vom FC Liverpool und brachte dank seiner Erfahrung die nötige Stabilität in die zuvor wackelige Bayer-Abwehr. Der 36-jährige ist der klare Abwehrchef der Werkself. Zusammen mit dem 30-jährigen Manuel Friedrich stellt er das Bollwerk der Liga. Stellungsspiel und Lufthoheit gepaart mit der typischen finnischen Coolness sind in der Bundesliga unerreicht.

Weniger arbeiten, mehr treffen. Stefan Kießling ist der beste Torjäger der Liga./Foto: KSmediaNet
Im Angriff spielte Stefan Kießling eine hervorragende Hinrunde. Bisher galt der ehemalige Nürnberger als Stürmer der mannschaftsdienlich weite Wege geht, ihm aber schließlich vor dem Tor die Kraft für die nötige Präzision fehlt. Jupp Heynckes, selbst früher Stürmer, lehrte ihm anscheinend, dass die Wahrheit in der Mitte liegt. Der 25-Jährige schraubte sein Laufpensum nach unten (auch weil Neuzugang Eren Derdiyok ihm diese Arbeit abnimmt), aber sein Tore-Konto nach oben und zwar auf 12 Tore. Die klare Führung in der Torschützenliste brachte ihm außerdem – nach jahrelanger Durststrecke – eine Nominierung in der Nationalmannschaft.
Im Mittelfeld ging der Stern von Toni Kroos auf. Durch die Verletzung von Renato Augusto rückte die 20-jährige Leihgabe des FC Bayern München in die Startelf und wurde zur unverzichtbaren Größe. Dank hervorragender Schusstechnik und der Fähigkeit den tödlichen Pass spielen zu können, kommt der gebürtige Greifswalder auf starke 10 Scorer-Punkte (6 Tore, 4 Assists).
Trainer und Umfeld
Der Vater des Erfolgs ist Jupp Heynckes. Der 64-Jährige war im Sommer der Überraschungs-Coup von Sportdirektor Rudi Völler. Nach dem Heynckes zum Ende der Vorsaison von den Bayern aus dem Senioren-Status geholt wurde, rechnete niemand damit, dass die Bayer-Verantwortlichen Don Jupp aus den Hut zaubern würden. Ein starker Zug – wie die Hinrunde zeigte.
Innerhalb kürzester Zeit konnte Heynckes seiner Mannschaft seine Handschrift aneignen. Heynckes zeigte einer angriffslustigen Truppe, dass das Spiel mit guter Defensivarbeit beginnt. Spieler wie Toni Kroos, die ihre Stärke zuvor ausschließlich in der Offensive hatten, wurden gezielt in der Defensive geschult. Leverkusen steht nicht nur deutlich kompakter als in der Vorsaison, in der Offensive agiert Bayer so, dass schnell und klug nach hinten umgeschaltet werden und der Gegner schon früh im Spielaufbau attackiert werden kann. Dabei agiert Leverkusen sehr ballorientiert und engt so die gefährlichen Räume des Gegners clever ein. Bayers Spiel wirkt so durchdachter und reifer.
Wie einfach Fußball ist, zeigt Heynckes bei Standards auf. Bekommt Leverkusen in der Nähe des gegnerischen Tores einen Freistoß zugesprochen oder erarbeitet man sich eine Ecke, laufen die Angreifer nicht planlos durcheinander, der Schütze flankt den Ball auch nicht auf gut Glück in den Strafraum. Im Gegenteil. Ein wichtiger Bestandteil im Trainingsbetrieb ist das Einstudieren von Standardsituationen. Leverkusen läuft gezielte Spielzüge ab. 16 der insgesamt 35 Bayer-Tore resultierten aus einem Standard. Auch hier stellt Leverkusen klar den Liga-Höchstwert. Bayer zeigt der Liga auf, wie einfach Spiele über den ruhenden Ball gewonnen werden können.
Heynckes Konzept geht bisher auf. Schöner, aber einfacher und effektiver Angriffsfußball mit großem Augenmerk auf die eigene ballorientierte Defensive. Wie durchdacht die Arbeit von Heynckes ist, zeigt die Wahl des Trainingslagers. Während ein Großteil der Liga in ferne sonnenüberflutete Trainingslager gereist ist, um sich unter besten Verhältnissen auf die Rückrunde vorzubereiten, ist die Heynckes-Truppe in der Heimat geblieben und hat unter den unbequemeren, winterlichen Verhältnissen trainiert. Das wird der Mannschaft sicherlich entgegen kommen, dass sie die schwierigeren Platzverhältnisse gewöhnt ist.

Erfolgsmacher unter sich: Jupp Heynckes und Bayern-Präsident Uli Hoeneß/Foto: KSmediaNET
Die Saisonziele, Prognose
Fragt man dieser Tage jemanden aus den Reihen von Bayer Leverkusen, ob das Saisonziel die deutsche Meisterschaft ist, dann ist die Antwort stets dieselbe. Bayer möchte solange wie möglich die Tabellenführung verteidigen. Das Wort Meisterschaft wird aber nur zögerlich in den Mund genommen, da die Bayern als großer Favorit angesehen werden.
Fakt ist: Leverkusen hat einen jungen technisch versierten Kader, der Dank des alten Fußballlehrers Jupp Heynckes spielerisch, wie taktisch gereift ist und absolut das Zeug hat um zum ersten Mal die deutsche Meisterschaft zu gewinnen. Was Leverkusen entgegenkommen wird: die Meisterschaft ist der einzige Wettbewerb auf den sich die Heynckes-Truppe konzentrieren muss. Während der Rekordmeister und direkte Verfolger aus München beispielsweise noch in drei Wettbewerben vertreten ist, kann sich Leverkusen die ganze Woche auf den nächsten Bundesliga-Spieltag vorbereiten.
Dazu kommt, dass unter anderem mit Michal Kadlec, Renato Augusto, Patrick Helmes und Kapitän Simon Rolfes vier langzeitverletzte Leistungsträger wieder zur Verfügung stehen, was dem Trainer zahlreiche neue Optionen gibt.
Es macht den Eindruck, als hätte Heynckes einer hungrigen Werkself das Siegergen eingeimpft. Viele Anzeichen deuten jedenfalls daraufhin, dass die Meisterschaft in diesem Jahr nur über Bayer Leverkusen gehen wird.
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