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[1. Bundesliga 09/10] Die MAG-Halbzeitbilanz: Borussia Mönchengladbach

9. Januar 2010, 12:59 geschrieben von Elbefohlen, abgelegt unter Deutscher-Fussball.

Eine Saison ohne groß um den Klassenerhalt zittern zu müssen, das war das Ziel der Borussia aus Mönchengladbach mit ihrem neuen Trainer Michael Frontzeck. Nach der Hinrunde liegt man am Niederrhein im Soll…


Borussia Mönchengladbach

Die Tabellensituation

Pl. Verein Spiele Tore Punkte
9. 1. FSV Mainz 05 17 21:22 24
10. Eintracht Frankfurt 17 22:24 24
11. Borussia Mönchengladbach 17 24:29 21
12. 1. FC Köln 17 10:15 18

Die Hinrunde

Max Eberl fuhr nach dem Ende der Hinrunde entspannt in den Urlaub zum Skifahren – ein Zeichen, dass es in der kurzen Winterpause nicht viel zu tun gab für den Sportdirektor. Bis auf die vorzeitige Vertragsauflösung des auf dem Abstellgleis gelandeten Steve Gohouri, standen keinerlei Gespräche auf dem Programm: Die Borussia wird ohne Verstärkungen in die zweite Saisonhälfte gehen. Man rangiert in der Tabelle mit 21 Punkten auf dem 11. Platz und hat auf den Relegationsplatz ein Polster von fünf Zählern, auf den ersten direkten Abstiegsplatz sind es deren neun. Auch wenn nicht alles nach Plan lief an den Spieltagen 1 bis 17 und es durchaus den einen oder anderen Punkt mehr auf dem Konto hätte geben können, unzufrieden ist man mit der Ausbeute am Niederrhein nicht – die Borussia liegt im Soll.

Der Saisonverlauf

Platz: 11
Punkte: 21 – 6 S/3 U/8 N
Heim: 14 – 4/2/2
Auswärts: 7 – 2/1/6
Bester Schütze: Brouwers 5
Bester Scorer: Arango 6 – 2 Tore/4 Vorlagen
Zuschauerschnitt: 47.814 / Auslastung: 88,4%
Fair-Play-Wertung: Platz 4 / 27 Punkte

Der Verlauf der Hinserie lässt sich in drei Phasen teilen. Die Fohlen sammelten in den ersten vier Runden gute sieben Punkte und kassierten dabei nur eine Pleite beim SV Werder Bremen (0:3). Doch nach diesem eigentlich guten Start verlor man völlig den Faden und kassierte gleich fünf Niederlagen am Stück, darunter auch zwei bei den Aufsteigern Nürnberg und Freiburg. Viel lief in dieser Zeitspanne nicht zusammen, so dass man bis auf den vorletzten Tabellenplatz abrutschte, das Saisonziel zu bröckeln begann und das Umfeld unruhig wurde.

Ein schmuck- und torloses Remis beim Derby in Köln leitete dann aber am 10. Spieltag die erneute Wende ein. Es folgten nun vier weitere Partien ohne Niederlage, darunter gar Auswärtserfolge beim ansonsten heimstarken Hamburger SV und bei Eintracht Frankfurt sowie ein 1:0-Sieg vor heimischer Kulisse gegen den ganz oben in der Tabelle platzierten FC Schalke 04. Die letzten drei Spieltage hatten es dann noch einmal in sich. Zwischen zwei aus Borussia-Sicht doch recht unglücklichen Niederlagen beim Rekordmeister FC Bayern (1:2) und Herbstmeister Bayer 04 Leverkusen (2:3), wo man in beiden Partien durchaus auch hätte etwas mitnehmen können, feierte man daheim im Borussia-Park gegen Hannover 96 einen vollen Punktgewinn der kuriosen Art. Die Fohlen gewannen mit 5:3, wobei den Gästen von der Leine das Kunststück gelang, gleich drei Eigentore zu fabrizieren.

Personalien

Michael Frontzeck erwies sich in seinem ersten halben Jahr am Niederrhein als ein nicht besonders experimentierfreudiger Trainer, die Hierarchie der Mannschaft ist klar abgesteckt und viele Stammplätze fest vergeben. Im Tor ist Logan Bailly die klare Nummer eins, auch wenn Christopher Heimeroth zu Beginn der Spielzeit seine Sache als Stellvertreter ordentlich gemeistert hat. Auch die Viererkette mit Tobias Levels, Roel Brouwers, Dante und Jean-Sébastian Jaurès hatte ihre festen Glieder. Levels, der den Großteil der Hinrunde die Mannschaft als Kapitän auf das Feld führte, ist dabei auf der rechten Seite ebenso unumstritten, wie die beiden Innenverteidiger, Brouwers und Dante, die konstant gute Leistungen ablieferten und zudem noch durch Torgefahr glänzen konnten. Der Brasilianer Dante brachte den Ball zwei Mal im gegnerischen Tor unter und Brouwers führt mit fünf Treffern gar die interne Torschützenliste an. Als Schwachstelle entpuppte sich Jaurès, der nicht immer auf Bundesliganiveau spielte und sich einige grobe Schnitzer leistete. Mit Beginn der Rückrunde muss der Franzose um seinen Platz bangen, da Filip Daems endlich von seiner langwierigen Verletzung genesen ist und vor der Rückkehr ins Team steht. Sollte der eigentliche Kapitän voll belastbar sein, so wird er auf dem Platz zurückkehren.

Roel “Raùl” Brouwers: Verteidiger mit Torinstinkt/Foto: Andreas Reimer

Im defensiven Mittelfeld setzt Frontzeck auf die Doppelsechs. Hier hatten Michael Bradley und der gemeinsam mit Frontzeck aus Bielefeld gekommene Thorben Marx zumeist die Nase vorn. Das Duo harmonierte gut zusammen und sorgte mit guten Leistungen dafür, dass der mit großen Ambitionen aus Kerkrade über die Grenze aus Holland gekommene Marcel Meeuwis nicht über die Rolle als Auswechselspieler hinauskam. Zwei anderen Neuzugängen erging es deutlich besser: Juan Arango und Marco Reus entpuppten sich als Volltreffer und sind aus der Mannschaft nicht mehr wegzudenken. Der Venezolaner Arango brachte südländisches Flair und Erfahrung mit aus Spanien, sein Spielverständnis wirkte überaus belebend auf das Angriffsspiel der Borussia. Mit zwei Treffern und vier Torvorlagen ist er der beste Scorer und avancierte zum absoluten Leistungsträger. Während dem “Hurrikan der Karibik” eine solche Rolle auch zugedacht war, kommt dies bei Marco Reus doch überraschend. Reus ist zweifellos der Newcomer bei den Fohlen. Mit seiner Unbekümmertheit, seiner Schnelligkeit und seinem Drang zum Tor wurde er nicht nur zum Stammspieler, sondern ließ auch den nach Bremen abgewanderten Marko Marin vergessen und avancierte zum Publikumsliebling. Reus ist nicht ganz so verspielt wie Marin, verfügt aber über ein gutes taktisches Verständnis und verrichtet bessere Arbeit in der Defensive. Den dritten Part im offensiven Mittelfeld übernahm zumeist Karim Matmour. Dem algerischen Nationalspieler kann man in Sachen Einsatz überhaupt keinen Vorwurf machen, allerdings fehlte es ihm in entscheidenden Situationen oftmals an der Übersicht und an Kaltschnäuzigkeit.

Newcomer Marco Reus rückte zunehmend ins Blickfeld der Medien /Foto: Andreas Reimer

Wenn man an einem Mannschaftsteil etwas zu bemängeln hat, dann ist dies der Sturm – ganze fünf Buden brachten die Angreifer zusammen zu Stande. Zu Saisonbeginn setzte Frontzeck auf das Pärchen Raul Bobadilla und Roberto Colautti, später erkämpfte sich nach ausgeheilter Verletzung Rob Friend einen Platz in der Startformation. Für Oldie Oliver Neuville blieb die Rolle als Joker, die beiden Nachwuchshoffnungen Moses Lamidi und Fabian Bäcker fallen fast immer aus dem 18er Kader.

Etwas enttäuschend verlief der Einstand des Argentiniers Bobadilla, der für viel Geld von den Grasshoppers Zürich in die Bundesliga kam. Der wuchtige Stürmer ließ zwar ab und an seine Klasse aufblitzen – er verfügt über eine brillante Technik und kann wunderbar den Ball behaupten -, aber vor dem gegnerischen Gehäuse verließen ihn seine Künste. Ihm gelang nur ein einziger Treffer, zwei Tore bereitete er vor. Zufrieden ist er mit dieser Ausbeute selbst wohl ebenso wenig, wie auch sein Trainer.

Trainer und Umfeld

Die Verpflichtung von Michael Frontzeck als Nachfolger von Hans Meyer löste ein geteiltes Echo aus. Dass er eine langjährige Vergangenheit bei der Borussia hatte und somit mit “Stallgeruch” behaftet war, wurde von einem Teil der Anhängerschaft begrüßt, da Frontzeck das Innenleben des Vereins kannte und sich nicht erst lange eingewöhnen musste. Seine Kritiker, die sich lieber einen völlig unvorbelasteten Coach gewünscht hätten, beanstandeten genau diese Tatsache und prangerten zudem seine überschaubare Vita an. Frontzeck, der bislang mit Alemannia Aachen und Arminia Bielefeld die sportliche Verantwortung trug und dort vor allem Erfahrungen im Abstiegskampf sammelte, haftete die Aura einer grauen Maus im Trainergeschäft an. Nein, ein Wunschkandidat war der Ex-Nationalspieler für viele nicht.

Michael Frontzeck ließ seine Kritiker erstmal verstummen /Foto: Andreas Reimer

Doch zur Winterpause hat er seinen Kritikern das Wasser erst einmal abgegraben. Er behielt in der Phase des sportlichen Misserfolgs zwischen dem 5. Und 10. Spieltag die Ruhe und ließ sich von dem wachsenden Unmut im Umfeld nicht aus der Ruhe bringen. Frontzeck redete die Mannschaft stärker als sie in dieser Zeit tatsächlich war und wurde letztlich belohnt. Die Talfahrt wurde gestoppt und die Fohlen wurden zu einer funktionierenden Herde, die einige Male richtig guten ansehnlichen Fußball ablieferte. Die Stimmung innerhalb der Mannschaft ist genauso positiv wie die rund um den Borussia-Park. Das Fundament für die nächsten Jahre ist gelegt. Man steht wirtschaftlich auf gesunden Beinen und hat das Zeug dazu, das Abstiegsgespenst für eine Weile vom Niederhein auszusperren und mit einem glücklichen Händchen auf dem Transfermarkt sich kontinuierlich wieder ein Stück an die Spitze der Bundesliga heran zu arbeiten. Doch dazu muss man diese Saison unbeschadet überstehen und genau weiter so hart arbeiten wie bisher.

Saisonziel und Prognose

Die Spielzeit ist zwar erst zur Hälfte rum, aber so, wie sich die Borussia zuletzt präsentiert hat, sollte das große Zittern für die Fohlen ausbleiben und somit das Saisonziel realisiert werden können. Die Mannschaft hat sich gefunden und sollte sich in der Bundesliga weiter etablieren, auch wenn der eine oder andere Stammspieler eventuell verletzungsbedingt über längere Zeit ausfallen sollte – der Kader birgt Alternativen. Die Borussia könnte für die ein oder andere Überraschung gut sein, wird allerdings für das internationale Geschäft in diesem Jahr noch keine Rolle spielen. Einen Platz im gesicherten Mittelfeld wird man aber in der Endabrechnung einnehmen.

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