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[1. Bundesliga 09/10] Die MAG-Halbzeitbilanz: VfL Wolfsburg

12. Januar 2010, 09:24 geschrieben von Heiland, abgelegt unter Deutscher-Fussball.

Beim deutschen Meister herrscht nach 17 Spieltagen Tristesse – die Mannschaft ist unter ihrem neuen Trainer Armin Veh meilenweit von der Form des Vorjahres entfernt und muss um die Realisierung ihrer Saisonziele ernsthaft bangen.


VfL Wolfsburg

Die Tabellensituation

Pl. Verein Spiele Tore Punkte
6. Werder Bremen 17 32:16 28
7. TSG 1899 Hoffenheim 17 27:17 25
8. VfL Wolfsburg 17 32:32 24
9. FSV Mainz 05 17 21:22 24

Die Hinrunde

Vor zwölf Monaten rangierte der VfL Wolfsburg lediglich auf dem 9. Platz, gewann dann aber aufgrund einer sensationellen zweiten Saisonhälfte noch die deutsche Meisterschaft und krönte mit diesem Titel das Werk des inzwischen geschiedenen Felix Magath. Und obwohl man heuer sogar als Achter in die Winterpause ging, redet keiner bei den Niedersachsen von einer Wiederholung der Geschichte – die Mannschaft glich bisher eher einer Großbaustelle.

Für den amtierenden Deutschen Meister lief die Hinrunde – gemessen an den Ansprüchen, die ein Titelträger haben sollte – durchwachsen und damit enttäuschend. Nach zwei Siegen zu Saisonbeginn wurde die Mannschaft auf Platz acht durchgereicht und befindet sich sechs Punkte hinter den internationalen Plätzen im Niemandsland der Tabelle. Der Hauptgrund ist die Heimbilanz: Letzte Saison gab es ein Remis und sonst nur Siege, dieses Jahr stehen nach der Hinrunde bereits vier Heimniederlagen zu Buche. Die Wölfe kassierten bis jetzt dreieinhalb Mal so viele Gegentore vor eigenem Publikum als im gesamten Meisterjahr.

Der Saisonverlauf

Platz: 8
Punkte: 24 – 6 S/6 U/5 N
Heim: 11 – 3/2/4
Auswärts: 13 – 3/4/1
Bester Schütze: Dzeko 7
Bester Scorer: Dzeko 13 – 7 Tore/6 Vorlagen
Zuschauerschnitt: 29.430/ Auslastung: 98,1%
Fair-Play-Wertung: Platz 15/ 43 Punkte

Und auch in den anderen Wettbewerben konnte der VfL die Erwartungen nicht erfüllen. Beim ersten Auftritt in der Königsklasse vergab man zwei Matchbälle und verpasste dadurch den Einzug in die nächste Runde. Zumindest der Supergau konnte vermieden werden, in der Europa League ist man weiterhin auf internationaler Bühne dabei. Im DFB-Pokal strich man nach einer 2:3-Niederlage beim Ligakonkurrenten 1. FC Köln in der 2. Runde die Segel.

Personalien

32 Gegentore in der Hinserie sind zu viel, das ist richtig erkannt worden. Vehs Absicht, das altbewährte, vornehmlich auf Konter ausgelegte Spielsystem dahingehend zu modifizieren, dass man selbst mehr agiert und variabler auftritt, ging nicht auf. Zu oft klafften große Löcher im Defensivverbund, zu oft zeigten sich seine Abwehrspieler überfordert und ließen individuelle Fehler folgen – eine eingespielte Viererkette fand sich durch vorgenommene Umstellung nicht.

Spekuliert wurde und wird über die Verstärkung der Innenverteidigung durch Arne Friedrich (30 Jahre, Hertha BSC), Höwedes (21), Rafinha (24, beide Schalke 04) und Miranda (25, FC Sao Paulo). “Es kann auch sein, dass wir gar keinen holen”, lässt Hoeneß, der in der Winterpause als neuer Vorsitzender der Geschäftsführung installiert wurde und Veh künftig bei dessen Arbeit entlasten soll, verlauten. Fest steht also nur, dass die Abwehr gestärkt werden soll, ob durch Neuzugänge oder Umstellungen innerhalb des bestehenden Kaders.

Edin Dzeko war noch der beste “Wolf” /Foto: Andreas Reimer

Aber auch der Angriff ist nicht mehr so erfolgreich wie in der letzten Spielzeit. Edin Dzeko erzielte bislang sieben Tore und sechs Assists und bleibt damit hinter seinem Vorjahreswert (5/10) zurück. Grafite kommt gar nur auf fünf Treffer und einen Assist (letzte Saison noch 11/3) und ist damit ein Schatten seiner selbst. Aus dem Mittelfeld kommt vor allem von Zvjezdan Misimovic (6/5) deutlich weniger als noch im Meisterjahr (5/10).

“Zwetschge” Misimovic sucht die Galaform des Vorjahres /Foto: Andreas Reimer

Trainer und Umfeld

Armin Veh erhält Unterstützung/Foto: VfB Stuttgart Nach dem Abgang von Meistermacher Felix Magath zu den Knappen war Nachfolger Armin Veh nicht in der Lage, dessen erfolgreiche Arbeit weiterzuführen. Mag sein, dass es daran lag, dass seine Kompetenzen beschnitten wurden. Schließlich wurde Dieter Hoeneß als neuer Sportdirektor (offiziell ab 15. Januar) engagiert. Diese Umstrukturierung hat Unruhe ins Umfeld gebracht, auch wenn Veh sich gelassen gibt: “Wenn es nicht läuft, musst du als Trainer meistens den Kopf hinhalten. So ist eben das Geschäft.” Für die Rückrunde hat die Mannschaft laut Aussage von Veh “noch einiges vor”. Wie das allerdings bewerkstelligt werden soll, darüber hüllt sich der Trainer in Schweigen. Abzuwarten bleibt, welche kurzfristigen Auswirkungen die Umstrukturierung hat.

Positiv ist zu bewerten, dass der Vorstand dem Coach Rückendeckung gibt und Ruhe bewahrt. Der vom Aufsichtsratsvorsitzenden Martin Winterkorn geforderte Champions-League-Platz klingt angesichts der angespannten Lage nicht realistisch. Weitere Umbrüche sollte der VfL jetzt vermeiden und sich lieber auf eine alte Fußball-Weisheit besinnen, die da lautet: Entscheidend ist auf dem Platz.

Saisonziel und Prognose

Angesichts der starken Konkurrenz wird es schwierig werden, den Rückstand auf Rang drei (neun Punkte) respektive Rang fünf (sechs Zähler) aufzuholen. Dazu ist schon eine ähnlich bravouröse Rückrunde von Nöten, wie man sie im letzten Jahr hinlegte – die Flut der Gegentore muss eingedämmt, die spielerische Klasse im Mittelfeld dauerhaft abgerufen und die sich bietenden Torchancen wieder konsequent genutzt werden.

Grafite: Torschützenkönig im Dauertief /Foto: Andreas Reimer

Dass der Kader Potential besitzt, hat er hinlänglich bewiesen. Es ist nun an Armin Veh, die Spieler aus ihrem Formtief zu holen und wieder eine funktionierende Mannschaft zusammenzustellen, die ihr Leistungsvermögen auf dem Platz unter Beweis stellt und auch die entsprechenden Ergebnisse einfährt.

Links

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