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[1. Bundesliga 09/10] Die MAG-Halbzeitbilanz: Borussia Dortmund

14. Januar 2010, 09:34 geschrieben von marinko, abgelegt unter Deutscher-Fussball.

Die MAG-Halbzeitbilanz: Borussia Dortmund

Der Blick des MAG richtet sich nun auf Borussia Dortmund. Die Westfalen hatten zum Ende der Hinrunde einen Lauf und drangen bis auf den 5. Platz vor.


Borussia Dortmund

Pl. Verein Spiele Tore Punkte
4. Hamburger SV 17 34:19 31
5. Borussia Dortmund 17 23:17 30
6. Werder Bremen 17 32:16 28

Die Hinrunde

Wie schon im Vorjahr klopft die Mannschaft von Jürgen Klopp scheinbar auch in dieser Saison an der Tür zum internationalen Geschäft. Dabei war die Hinrunde fast ein Abbild der vergangenen Rückserie. Nur schwer kam die Borussia in Tritt, zwischen dem zweiten und siebten Bundesliga-Spieltag gewann man kein Spiel, kassierte drei empfindliche Niederlagen. Von den restlichen zehn Spielen gewann der BVB dann aber gleich sieben, verlor kein einziges. Leistungsschwankungen innerhalb eines Halbjahres verwundern angesichts der vielen jungen Spieler nicht. Beim abschließenden Hinrunden-Spiel gegen Freiburg standen gleich sechs Akteure in der Startelf, die nicht älter als 21 Jahre sind.

Der Saisonverlauf

Platz: 5
Punkte: 30 – 8 S/6 U/3 N
Heim: 17 – 5/2/2
Auswärts: 13 – 3/4/1
Bester Schütze: Barrios (9 Tore)
Bester Scorer: Barrios 11 – 9 Tore/2 Vorlagen
Zuschauerschnitt: 76 451/ Auslastung: 94,9%
Fair-Play-Wertung: Platz 3/ 23 Punkte

Trotz eines Auftaktsieges gegen den 1. FC Köln machte die Mannschaft zu Saisonbeginn eine Schwächephase durch. Die Abwehr zeigte ungewohnte Aussetzer, die Mittelfeld-Spieler blieben blass und der Sturm glücklos und ohne Durchschlagskraft. Vom HSV ließ man sich bei der 1:4-Klatsche überrumpeln, kassierte drei Gegentreffer in den ersten zwölf Minuten. Eine ähnlich unangenehme Erfahrung machte die Borussia am 5. Spieltag, als sie die Partie gegen den FC Bayern mit 1:5 verlor. Gegen Stuttgart, Frankfurt und Hannover langte es jeweils nur zu einem Remis, obwohl die Schwarz-Gelben stets vorne gelegen hatten. Als Höhepunkt der Negativserie unterlag man dem Revier-Rivalen Schalke zuhause mit 0:1.

Die Wende wurde mit dem 1:0 im Borussia-Park von Mönchengladbach eingeleitet, allerdings war der BVB an jenem Abend nur das etwas bessere von zwei schwachen Mannschaften. Spielerisch blieb auch in den folgenden Spielen viel Luft nach oben, aber hinten ließ man wenig zu und vorne netzte Lucas Barrios nun regelmäßig ein. Die kriselnden Teams aus Bochum und Berlin waren dankbare Gegner und Spitzenreiter Leverkusen biss sich beim 1:1-Unentschieden lange die Zähne an der starken Dortmunder Defensive aus.

Mit dem überraschenden Sieg bei der TSG Hoffenheim am 14. Spieltag startete die Borussia eine Serie von vier Siegen in Folge. Vor allem in den Spielen gegen Nürnberg (4:0) und beim Meister Wolfsburg (3:1) präsentierte sie sich zeitweise in ungeahnter Spiellaune. Die Partie gegen den SC Freiburg geriet im Rahmen der 100-Jahr Feier zum Arbeitssieg auf schwierigem Geläuf.

Rückblickend wird man mit dem Abschneiden in der Hinrunde zufrieden sein. Der schwierige Start ist vergessen, die Formkurve ging steil nach oben. Einziger Wermutstropfen: Das Aus im Pokal gegen den Drittligisten VfL Osnabrück.

Personalien

Trotz anhaltender Verletzungssorgen ist die personelle Lage im Augenblick entspannt. Der Kader hat Perspektive, alle Leistungsträger sind an den Verein gebunden und auf den meisten Positionen findet sich für die derzeitige Stammkraft auch eine zuverlässige Alternative. Ein Nachbessern ist laut Sportdirektor Michael Zorc für diesen Winter auch nicht geplant, entgegen diverser Gerüchte in den letzten Wochen.

Die größten Gewinner der Hinrunde dürften Nuri Sahin und Mohammed Zidan heißen. Der Ägypter könnte hinter der einzigen Spitze Lucas Barrios seine Idealposition gefunden haben, er überraschte zum Hinrunden-Ende mit seinen bislang wahrscheinlich besten Auftritten im BVB-Trikot. Aufgrund des Afrika-Cups wird er der Borussia aber zu Beginn der Rückrunde nicht zur Verfügung stehen. Jürgen Klopp wird sein neues 4-5-1 also möglicherweise zumindest kurzfristig wieder ändern müssen, oder aber Nelson Valdez übernimmt vorübergehend Zidans Rolle. Der Paraguayer ist in den letzten Wochen des Jahres zum ersten Mal unter Klopp ins zweite Glied gerutscht, da Zidan sich mit seiner Leistung aufdrängte.

Der 21-jährige Nuri Sahin ist im Laufe der Hinserie zum neuen Chef im Dortmunder Mittelfeld aufgestiegen. Trotz seiner zuletzt formell etwas defensiveren Rolle lenkte und ordnete der türkische Nationalspieler das Spiel der Borussen und erzielte immerhin auch selbst drei Tore. Sahin hat erst im vergangenen Sommer seinen Vertrag bis 2013 verlängert.

Nuri Sahin spielte eine starke Hinrunde /Foto: Andreas Reimer

Den Aufschwung kann man noch zwei weiteren Faktoren zuschreiben. Zum einen ist da die Abwehr, die ihre gewohnte Sicherheit nach wackligem Saisonbeginn wieder gefunden hat. Erfolgsrezept war die erneute Zusammenführung des alten Innenverteidiger-Duos Subotic/Hummels. Hummels hatte seinen Stammplatz nach langer Verletzung vorübergehend an Felipe Santana verloren. Obwohl in den ersten Saisonspielen vor allem Subotic unsicher wirkte, entschied Klopp sich dafür, nicht ihn, sondern Santana durch Hummels zu ersetzen. Eine Maßnahme, die fruchtete. Der BVB kassierte ganze vier Gegentore in den letzten zehn Hinrunden-Spielen, zwei davon nach Standardsituationen. Fast täglich liest man neue Gerüchte um Neven Subotic, der bei vielen Vereinen auf der Wunschliste stehen soll. Derzeit ist ein Verkauf des bis 2014 unter Vertrag stehenden Serben aber offiziell kein Thema.

Zum anderen ist da der Torjäger Lucas Barrios, der nach kurzer Eingewöhnungszeit eine bemerkenswerte Erfolgsserie hinlegte. Der Argentinier erzielte 12 Tore in den letzten 13 Pflichtspielen und belegt mit 9 Liga-Toren den zweiten Platz in der Torschützen-Liste.

Auch in der Abwehrarbeit gefordert: Goalgetter Lucas Barrios /Foto: Andreas Reimer

Insgesamt liest sich die Bilanz über die Neuverpflichtungen dieser Saison zufriedenstellend. Immerhin hatte man mit Alexander Frei auch nur eine Stammkraft des Vorjahres zu ersetzen. Da ist es auch zu verschmerzen, dass einige Neulinge nicht einschlugen. Markus Feulner und Dimitar Rangelov sind noch nicht richtig in Dortmund angekommen, der 18-jährige Damien Le Tallec kann wohl ohnehin hauptsächlich als Investition in die Zukunft gesehen werden. Kevin Großkreutz hat sich vor allem durch sein starkes Spiel gegen Nürnberg vorerst in die Stammelf gespielt. Der auch erst 19-jährige Sven Bender erkämpfte sich in Abwesenheit von Sebastian Kehl ebenfalls einen Stammplatz im defensiven Mittelfeld. Die Präsenz von Nuri Sahin im Mittelfeld entlastete den Youngster, der den defensiveren Part in der Doppel-Sechs einnahm. Barrios und der erst für diese Saison fest verpflichtete Hummels zählen längst zu den Säulen im Team.

Das Lazarett indes lichtet sich kaum. Auf Sebastian Kehl, Tamas Hajnal, Dimitar Rangelov und Markus Feulner wird Jürgen Klopp auch zum Rückrundenstart noch verzichten müssen. Nur Dede und Tinga trainieren wieder voll mit der Mannschaft. Der lange an Leistenproblemen laborierende Tinga kämpft in der Rückrunde nicht nur um die Rückkehr in die erste Elf, sondern auch um die Verlängerung seines auslaufenden Vertrages.

Trainer und Umfeld

Jürgen Klopp ist seit Juli 2008 Cheftrainer beim BVB. Ihm ist es gelungen, dem sportlichen Chaos der vorherigen Jahre ein Ende zu setzen. Bei den Verantwortlichen genießt Klopp das Vertrauen. Sein Vertrag wurde im März 2009 inmitten einer Negativserie von sieben sieglosen Spielen vorzeitig bis 2012 verlängert.

Ein gefragter Mann: Jürgen Klopp /Foto: Andreas Reimer

Der Trainer verlangt hohe Laufbereitschaft, frühes Attackieren und defensive Mitarbeit von allen Akteuren. So konnte das unter Vorgänger Doll zeitweise katastrophale Defensivverhalten schnell optimiert werden. Klopp baut weiterhin auf Kontinuität und Vertrauen. Spielern, auf die er setzt, stärkt er auch nach schwächeren Leistungen konsequent den Rücken. Manch anderer wurde schnell aussortiert. Beim ehemaligen Mainzer zeigt sich die Fähigkeit, eine Mannschaft zu formen, einzustellen und junge Spieler ins Team einzubauen. Das ist gerade in Zeiten, in denen man den Gürtel nach wie vor enger schnallen muss, wichtig. Die Richtlinie des Vorstandes zielt auf Konsolidierung ab. Teure Transfers sind mit Blick darauf nicht machbar.

Die Saisonziele, Prognose

Die aktuelle Platzierung lässt die Fans wieder vom internationalen Geschäft träumen. Nun sollte man die im Vorjahr knapp verpasste Europa-League-Teilnahme jedoch auch in dieser Saison nicht als absolutes Muss ansehen, sondern als mögliches Sahnehäubchen auf eine positive sportliche Entwicklung. Zumal derzeit noch ambitionierte Mannschaften wie Bremen, Hoffenheim und Wolfsburg hinter der Borussia stehen.

Vieles wird davon abhängen, wie gefestigt die junge Mannschaft mittlerweile ist. Kann sie ihr Niveau beständig hoch halten, liegt Platz fünf im Bereich des Möglichen. Kommt sie wieder nur schwer aus den Startlöchern oder hat zwischendrin ein Tief, wird es schwierig, das wieder zu korrigieren.


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